Autor Thema: evtl. Betreuungsverweigerung der Kita aufgrund der Diagnose  (Gelesen 3576 mal)

Ninikind

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Hallo,

meine Tochter (2 3/4 Jahre) hatte vor zwei Wochen unter einem schweren Infekt (ohne Fieber) an einem Tag mehrere tonisch-klonische Anfälle. Wir waren da bereits in der Klinik. Das waren die ersten Anfälle dieser Art, davor litt sie "nur" unter Fieberkrämpfen.
Die Befunde aller Untersuchungen waren unauffällig, lediglich das EEG direkt nach einem Krampf war leicht verlangsamt.

Nun bekommt sie Orfiril long. Ich muss dazu sagen, dass diese Krämpfe generell nur im Schlaf bzw wenn sie im Schlaf gestört wurde auftraten.
Seit gestern darf sie wieder in die Kita. Wir haben ausser der Gesundschreibung weder von der Klinik noch von der Hausärztin etwas bekommen, das wir hätten abgeben können.
Gestern hat die Omi sie hingebracht, sie hat nach ärztlichem Anraten die Diagnose genannt und dass während des Schlafens/Aufwachens erhöhte Aufmerksamkeit angebracht ist und sie Medikamente dagegen bekommt.

Als ich sie nachmittags abholte, wurde ich böse empfangen.
Mit den Worten: "So geht das aber nicht! Sie können nicht einfach das Kind mit Epilepsie hier abgeben ohne ärztliche schriftliche Diagnose und einem Schreiben zur Aufklärung! Sie haben sich bitte morgen früh zum Gespräch bei der Leiterin einzufinden und unsere Auflagen zu erfüllen, ansonsten nehmen wir das Kind hier nicht mehr auf!"

Wie verhalte ich mich denn nun? Wie finde ich das? Bisher war sie bei den Erziehern immer beliebt, und nun ist sie das Kind?!
Die Kita hat bereits seit den Fieberkrämpfen Diazepam mit der Anweisung, dieses im Krampffall zu geben.

Ich möchte weder, dass sie anders behandelt wird, noch dass man sie aus Vorsicht oder Angst in ihrer Entwicklung hindert, klettern verbietet etc.
Sie ist altersgerecht sehr gut entwickelt. Sie soll doch bitte das Recht haben, wie jedes andere Kind normal aufzuwachsen!

Ich bin selbstständig und alleinerziehend, ich bin auf einen Kitaplatz und gute Betreuung angewiesen. Kann man uns dieses verweigern?

Ich habe echt Angst vor dem Gespräch nachher.
Wie sind denn eure Erfahrungen mit Kitas?

martine

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Re: evtl. Betreuungsverweigerung der Kita aufgrund der Diagnose
« Antwort #1 am: 07. Mai 2013, 13:39:03 »
Hallo Ninikind,

ich denke die Kita hat nur aus Angst und Unwissenheit so reagiert.
Genauso wie Du sie über die Fieberkrämpfe und das Diazepam unterrichtest hast, solltest Du sie über die jetzige Situation informieren.
Information ist das aller aller wichtigste .
Das was Du hier schreibst kannst Du genau so weiter geben. Anfälle, wenn dann eher aus dem Schlaf heraus. Klettern, spielen so wie immer etc ....
Ein Schreiben vom Arzt könnte da auch noch hilfreich sein (macht das Ganze offizieller).

Ausschliessen dürfen sie, meines Erachten, deine Tochter nicht. Sie hat weder etwas ansteckendes, noch benötigt Sie spezielle Pflege die in einer normalen Kita nicht erbracht werden könnte.
Da sie ja mit einer eventuellen Diazepam Gabe bis anhin scheinbar keine Mühe hatten, sehe ich keinen Grund, dass sie es jetrt nicht auch geben würden.

Liebe Grüsse und Kraft
Martine

PS: Zur Diagnose (Thread Vorstellung) , da nach einem Anfall Auffälligkeiten im EEG waren, handelt es sich doch sehr wahrscheinlich um eine Epi. Welche, das ist so ne' Sache. Wir sind auc durch mehrere Diagnosen "gewandert", aber ehrlich an der Situation ändert es nichts.
Die meisten Epi's bleiben (leider) ohne Namen und ohne dass man den Ursprung (Ursache) kennt.
Der eine sieht nur Bäume, Probleme dicht an dicht. Der andre Zwischenräume und das Licht.
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Tochter (11j) Keppra 750-0-1000(07/15) Ritalin 20-10-0
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Silvio

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Re: evtl. Betreuungsverweigerung der Kita aufgrund der Diagnose
« Antwort #2 am: 07. Mai 2013, 22:48:57 »
hallo ninikind,
es reicht vollkommen aus wenn die kita weiß, dass es sich um epilepsie handelt. ursache der epilepsie usw. ist alles uninteressant für die kita und hat auch nichts mit der betreuung zu tun und ob die was mit den ganzen fachbegriffen anfangen können ist auch noch eine andere frage. alles andere was sie sonst noch zu interessieren hat ist eine gute aufklärung, eventuelle auffälligkeiten, anfallsbeschreibung, notfallbehandlung.
gruß silvio

Ninikind

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Re: evtl. Betreuungsverweigerung der Kita aufgrund der Diagnose
« Antwort #3 am: 08. Mai 2013, 06:14:26 »
Nach einem 30 minütigem Gespräch mit der Kitaleitung konnte ich diese davon überzeugen, dass sie sich weder rechtlich absichern müssen für die Betreuung noch dass die Erzieher eine übertriebene Angst an den Tag legen können. Nun muss ich nur noch eine neue ärztliche Anweisung abgeben, da die alte ja den Wortlaut "Fieberkrampf" hatte und demnach nicht mehr aktuell sei  ::) Dabei ist die Anweisung für den Notfall ja die gleiche...  8)

Leider wurde mir nicht die Möglichkeit gegeben, vor oder nach der Versammlung gestern abend mit allen Erziehern ein kurzes Gespräch zu führen. So hätte ich alle auf einmal "aufklären" können und evtl Fragen beantworten... dachte ich.
Aber laut Kitaleitung sei dieses doch bitte ihre Aufgabe und nicht meine!
Also hoffe ich nun, dass es bei allen Erziehern richtig ankommt. Denn da meine Tochter den ganzen Tag dort ist, hat sie auch die Erzieher der anderen Gruppen in der Früh- und Spätbetreuung.

Ich denke (hoffe), wenn eine ganze Weile nichts passiert ist, legt sich die Aufregung hoffentlich wieder.

martine

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Re: evtl. Betreuungsverweigerung der Kita aufgrund der Diagnose
« Antwort #4 am: 08. Mai 2013, 10:35:49 »
Hallo Ninikind,

nichts hindert Dich daran das Gespräch mit den Erziehern zu suchen. Das darfst Du ja auch rein schon als Mutter, egal ob dein Kind krank ist oder nicht.

Liebe Grüße
Martine
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Silvio

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Re: evtl. Betreuungsverweigerung der Kita aufgrund der Diagnose
« Antwort #5 am: 08. Mai 2013, 11:17:48 »
die kitaleitung verhält sich da teilweise schon merkwürdig!
Auf der einen seite kann doch die kitaleitung froh sein, dass du als elternteil da bist und die chance hast gleich alle erzieher aufzuklären bzw. jeder kann dich auch gleich individuell fragen, aber auf der anderen seite wollen sie das lieber selber machen.

abalone

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Re: evtl. Betreuungsverweigerung der Kita aufgrund der Diagnose
« Antwort #6 am: 08. Mai 2013, 18:19:58 »
Hey Ninkind,

die zuständigen Erzieher aufzuklären, ist meines Erachtens durchaus Deine Sache. Klar, die KITA-Leitung möchte informieren, aber über den genauen Schverhalt kannst nur Du etwas sagen. Da hat Silvoi schon recht : schräg ist das schon.
Das Beste, was den dortigen Erzieher/innen geschehen kann ist die Aufklärung durch die nahen Angehörigen des zu betreuenden Kindes. Und ich als Erzieherin würd in jedem Fall die Eltern um Auskunft bitten ... klasse wär's natürlich auch, wenn Du die Erzieher/innen diesbezüglich aufsuchst  : ist ja schließlich Dein Kind und schließlich hast Du ein Interesse daran, dass die dort Arbeitenden Bescheid wissen nd im Falle eines Falles zu handeln wissen.

Bezüglich des Diazepams ist das so eine Sache, dass die KITAs oder andere pädagogische Einrichtungen Medikamente nur auf ärztliche Anweisung verabreichen dürfen. Insofern wäre ein Schreiben des Arztes wohl bestimmt von Nöten. Das dient der Absicherung der Einrichtung. Zwar ist das Medikament schon vor Ort, die Diagnose lautet etwas anders und da kann es gut sein, dass die das wasserfest haben müssen.
Ich würd's als im pädagogischen Bereich Arbeitende jedenfalls nicht nur begrüßen, sondern dringend drum bitten. Ich darf wie gesagt ansonsten keine Medikamente geben.

Liebe Grüße von abalone
abalone ;-)

Ninikind

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Re: evtl. Betreuungsverweigerung der Kita aufgrund der Diagnose
« Antwort #7 am: 09. Mai 2013, 06:22:54 »
Ja, sicher würde ich gern jeden einzeln aufsuchen. Die Chance dazu habe ich nur fast nie. Da ich ja berufstätig bin, bringe ich meine Kleine morgens hin. Da sind dann immer "ihre" beiden Gruppenerzieherinnen da. Nachmittags ab 15 Uhr werden die restlichen Kinder aller Gruppen aber in einer Sammelgruppe zusammengefasst. Und diese Schicht hat dann immer im Wechsel irgendeine Erzieherin aus dem gesamten Krippen- und Kindergartenbereich.
Abholen muss sie aber immer die Omi, weil ich ja zu der Zeit arbeite. Also sehe ich die anderen eigentlich so gut wie nie.  :-(

Ihre Ärztin hat gestern bei der Kitaleitung angerufen und dort sehr direkt klar gestellt, wie der momentane Sachverhalt ist. Dass die Diagnose noch unbestätigt sei und daher die alte Anweisung weiterhin bestand hat. Auch, dass im Falle von weiteren Fragen zur Krankheit nicht die Mutter "belästigt" werden soll, sondern bitte Sie als Ärztin anzurufen sei.

Als ich dann halb elf endlich meine Kleine bei der Leitung direkt abgeben konnte, habe ich also brav wieder die alten Anweisungen und ein neues Diazepam mitgegeben und auch darauf hingewiesen. Sie hat sich bei mir entschuldigt.
Abends waren die Anweisungen nicht mehr in der Tasche, das Diazepam lag aber immer noch darin! Das dritte, das ich jetzt wegwerfen muss, weil es den ganzen Tag in der Wärme lag! Und im Notfall haben sie jetzt immer noch kein Mittel da...

Würde meine Tochter sich dort nicht so wohl fühlen, würde ich der Empfehlung der Ärztin folgen und sie in einen kleineren Kindergarten auf einem Dorf in der Nähe wechseln lassen.

Liebe Grüße, Ninikind

martine

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Re: evtl. Betreuungsverweigerung der Kita aufgrund der Diagnose
« Antwort #8 am: 09. Mai 2013, 10:16:14 »
Hallo Ninikind,

das Diazepam musst Du nicht wegwerfen. Die Lagerung im Kühlschrank wird manchmal empfohlen, allerdings spricht nichts gegen eine Aufbewahrung bei normaler Raumtemperatur (18-25°C).
Wichtig ist Licht und Feuchtigkeits-geschüzt
Und im Notfall ist "warmes" Diazepam auch "angenehmer".

LG
Martine
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abalone

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Re: evtl. Betreuungsverweigerung der Kita aufgrund der Diagnose
« Antwort #9 am: 09. Mai 2013, 13:39:42 »
Hallo Ninikind,
die Erzieherinnen der entsprechenden KITA-Gruppe zu informieren, halte ich für das Wichtigste, auch wenn die Diagnose so weit noch nicht eindeutig ist ... aber mal drauf hinweisen, Sorgen entgegenarbeiten ... so viele Betreuungskräfte haben schreckliche Angst davor, einen Anfall mitzuerleben und dann wie hilflos zu sein ... im Endeffekt heißt es : Ängste nehemen.
Alles Gute Euch, abalone
abalone ;-)