Autor Thema: Sportlager im Ausland  (Gelesen 2460 mal)

Marie

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Sportlager im Ausland
« am: 07. Mai 2013, 19:19:42 »
Hallo, ich brauche dringend den Rat von betroffenen Eltern. Im Sommer fahren wir mit unserem Sportverein mit dem Autobus ins Ausland ( 16 Stunden Fahrt), dort findet während einer Woche ein Fussballlager statt. In unserer Gruppe ist ein 15 jähriger Junge der Epilepsie hat, er nimmt Medikamente und hat trotzdem regelmäßig Anfälle auch während des Trainings. Letztes Jahr ist der Junge geflogen in Begleitung einer Krankenschwester, dieses Jahr soll er mit dem Bus fahren (dieses Jahr haben wir keine medizinische Betreuung dabei). Letztes Jahr hat er keine Anfälle in dieser Zeit bekommen, war aber sehr Verhaltensauffällig:
vergisst oder verliert ständig seine Sachen, schlägt den Trainer weil er nicht genug zum Einsatz gekommen ist, steigt nicht aus dem Bus aus, läuft einfach fort wenn ihm etwas nicht passt, macht einen Aufstand weil der Betreuer ihm eine neue Trinkflasche kauft die leider die falsche Farbe hat,....
Der Vorstand des Vereines möchte sozial sein und ihm dieses Lager wieder ermöglichen, wir die Betreuer und Trainer sehen das etwas anders. Wir wollen nicht die Verantwortung übernehmen, denn wir waren letztes Jahr total überfordert, da wir keine Ahnung haben wie man richtig mit ihm umgeht. Deshalb sind wie der Meinung ein Elternteil sollte mitfahren, denn wir sind der Meinung, dass er einen Betreuer nur für sich alleine braucht.
Vieleicht sehen wir die Sache mit dem falschen Blickwinkel und hätten gerne Rat von ihnen.
Kann man fremden Menschen die keine Ausbildung in diesem Bereich haben so eine Verantwortung übertragen?
Ich bin für alles offen, denn ich habe selber ein Kind mit einer Krankheit, habe aber nie die Verantwortung an andere (außer Familie) übertragen.
Danke
Gruß Marie

Dendrit

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Re: Sportlager im Ausland
« Antwort #1 am: 07. Mai 2013, 19:38:34 »
Hallo Marie,

ob man wirklich alle genannten Verhaltensweisen rein auf die Epi bzw. nicht völlige Wirksamkeit der Medi zu schieben kann, mag ich ehrlich gesagt, direkt bezweifeln. Ich persönlich würde auch sagen, ein Elternteil soll mit: einmal für ihn allein da und zugleich sehen, ob das Verhalten nicht auch erziehungsbedingt ist: sei sie zu lasch oder zu streng. Ob das geht und sinnvoll ist, weiß ich nicht.

Ich kann Dir zwar nicht direkt weiterhelfen, aber ich verschieb mal das Thema unter Kinder und Jugendliche, damit der Thread wirklich nicht unter geht. :)

Es freut mich aber sehr, dass Du Dich informierst und nicht den "eigenen Stiefel" im Verein einfach durchsetzen möchtest. :)

LG, Dendrit

Marie

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Re: Sportlager im Ausland
« Antwort #2 am: 07. Mai 2013, 19:54:31 »
Dank die für für deine Anwort, wir haben voriges Jahr die Medikamentenbeipackzettel gelesen und darin stand, dass viele Stimmungsschwankungen mit den Medikamenten zusammen hängen.

Dendrit

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Re: Sportlager im Ausland
« Antwort #3 am: 07. Mai 2013, 20:12:18 »
Ah, welches Medi nimmt er denn? Keppra (Levetiracetam)?

LG, Dendrit

Marie

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Re: Sportlager im Ausland
« Antwort #4 am: 07. Mai 2013, 20:23:23 »
Das weiß ich leider nicht, letzes Jahr hat eine andere Mutter ihm die Medikamente gegeben, das waren 3 verschiedene Medikamente.

BEpi

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Re: Sportlager im Ausland
« Antwort #5 am: 07. Mai 2013, 20:48:33 »
Hallo Marie,

ich würde wegen Epilepsie einen Ausflug nicht abblasen. Wenn Dein Sohn im Sportverein ist und jeder weis, dass er Epi hat, kann er mE auch alles mitmachen was andere Kinder machen. Ich war als Kind auch in einem Sport und einen Musikverein und habe auch alles Fahrten mitgemacht, die im Verein gemacht wurden.
Ich bin meinen Eltern heute noch dankbar, dass ich da kaum eingeschränkt wurde, obwohl ich auch bei den Vereinen Anfälle bekommen habe.

VG
BEpi

Silvio

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Re: Sportlager im Ausland
« Antwort #6 am: 07. Mai 2013, 21:46:22 »
hallo marie,
an sich ist eine epilepsie kein großes problem. da reicht eine gute aufklärung, was z.b. man alles machen darf/nicht darf, in einem notfall zu tun ist usw.
bei diesen jungen ist eher das problem, dass er sehr verhaltensauffällig ist und eher eine bezugsperson (elternteil, ect.) benötigt.
gruß silvio


Marie

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Re: Sportlager im Ausland
« Antwort #7 am: 07. Mai 2013, 21:55:23 »
Beim Training ist das auch nicht so schlimm, da werden die Eltern angerufen, die kommen ihn dann direkt holen.
Aber beim Sportlager sind wir über 1000 km von zuhause fort, da können die Eltern nicht mal schnell vorbei kommen.

Elsbeth

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Re: Sportlager im Ausland
« Antwort #8 am: 07. Mai 2013, 22:00:36 »
Hi

Habt ihr denn schon mal mit den Eltern darüber gesprochen und ob es vielleicht die Möglichkeit gibt das jemand den Sohn begleitet (Eltern oder auch eine andere, eigene Bezugsperson wie Tante oder so)?

LG Elli
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Marie

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Re: Sportlager im Ausland
« Antwort #9 am: 07. Mai 2013, 22:27:32 »
Nein, haben wir nicht. Die Mutter hat mich letzte Woche gefragt ob ich die Medikamente geben möchte. Ich habe ihr geantwortet, dass ich mal darüber schafen werde. Aber morgen abend habe ich ein Gespräch mit dem Vorstand des Vereines, es kann ja nicht sein, dass sie mir und dem Trainer ohne vorherige Absprache die Verantwortung übertragen, ich werde vorschlagen, dass wir alle gemeinsam nach einer Lösung suchen, wo alle Beteiligte mit zufrieden sind.
Gruß Marie

Marie

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Re: Sportlager im Ausland
« Antwort #10 am: 07. Mai 2013, 23:18:50 »
Nach den Erfahrungen von letztem Jahr, wäre mir am liebsten ein Elternteil würde mit fahren. Wenn längere Klassenfahrten waren musste auch immer ein Elternteil mit, da die Schule keine Verantwortung übernehmen wollte. Ich kann auch verstehen, dass die Eltern ihrem Sohn so ein Sportlager ohne Papa und Mama ermöglichen wollen, ich kann auch gut nach vollziehen, dass sie selber mal eine Verschnaufpause brauchen. Es ist einfach eine schwierige Situation  :'(

sanny

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Re: Sportlager im Ausland
« Antwort #11 am: 07. Mai 2013, 23:25:22 »
Hi Marie!

Zitat
ich werde vorschlagen, dass wir alle gemeinsam nach einer Lösung suchen, wo alle Beteiligte mit zufrieden sind.

Ja, das ist wohl wirklich das Beste. Ich finde es gut, dass du dich informierst und versuchst, eine Lösung zu finden. Aber nur zu sagen: Ja, der Junge soll mit, koste es was es wolle, das geht auch nicht. Immerhin sind dort ja auch noch viele andere Jugendliche, die auch in irgendeiner Weise betreut werden müssen und wenn ein einziger so betreuungsintensiv ist, dann schmälert das wohl das Gemeinschaftserlebnis für alle.

Vor allen Dingen kann ich mir, wie Dendrit, kaum vorstellen, dass die komplette Verhaltensweise "nur" von den Medikamenten herrührt. Ich will das auch nicht verharmlosen, antiepileptische Medikamente sind alles andere als Zuckerpillchen. Aber dass der Junge so "austickt" wegen einer falschen Flaschenfarbe ist kaum mit reinen Nebenwirkungen zu erklären. Vielleicht hat er auch noch andere Krankheiten, wie z.B. AD(H)S oder eine allgemeine Konzentrationsstörung? Zumindest scheint er ja auch sehr vergesslich zu sein (was allerdings auch zum Teil medikamenteninduziert sein kann). Mag sein, dass die Pubertät auch noch mit reinspielt aber alles in allem scheint es ja ein recht schwieriger junger Mann zu sein.

Letztendlich spielt es für euch ja keine Rolle, welchen Namen die Krankheit hat, unter der der Junge leidet. Wenn ihr euch überfordert fühlt, dann müsst ihr das auch klar zum Ausdruck bringen und die Hand heben. Ansonsten fahrt ihr mit großen Bauchschmerzen in ein Sportlager, das dann für niemanden so richtig Spaß bringt.

Viel Glück bei der Besprechung!

LG

sanny
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sanny

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Re: Sportlager im Ausland
« Antwort #12 am: 07. Mai 2013, 23:31:05 »
Hi nochmal!

Unsere Beiträge haben sich überschnitten.  *freuemich*

Zitat
ich kann auch gut nach vollziehen, dass sie selber mal eine Verschnaufpause brauchen

Das kann ich mir auch gut vorstellen. Wenn sie tagtäglich mit solchen Verhaltensweisen konfrontiert werden ist das sicherlich extremst zermürbend. Aber alle Verantwortung auf Lehrer/Begleiter etc. abwälzen, das geht eben auch nicht. Ihr seid ja keine Ärzte und auch keine Psychologen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass ihr da dann auch mal schnell mit eurem Latein am Ende seid, wenn der Junge austickt und Theater macht wegen irgendwelchem Nonsens. Wie geht man denn als Nicht-Erziehungsberechtigter damit sourverän um? Wahrscheinlich gibt's keine einfache Lösung und auch die Eltern werden sicherlich häufig an ihre Grenzen stoßen. Allerdings kennen sie sicherlich die Marotten ihres Sohnes besser und können routinierter reagieren als ihr, die ihr ihn sonst eben nicht dauernd seht.

LG

sanny
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