Autor Thema: Wer hat Epilepsie und fährt Auto?  (Gelesen 673 mal)

Centun

  • ... ist hier noch neu oder schreibt eher selten.
  • *
  • Beiträge: 8
Wer hat Epilepsie und fährt Auto?
« am: 30. September 2017, 22:35:43 »
Hallo Leute,
seit langem mache ich mir Gedanken, ob man als Epileptiker Auto fahren darf.
Ich bin seit über einem Jahr medikamentös gut eingestellt und habe keine Anfälle.
Auch bei EEG Untersuchungen stellt meine Neurologe keinen Anfallzeichen fest.
Hat jemand von euch Epilepsieanfälle und besitzt Führerschein?
Unter welchen Voraussetzungen darf man den Führerschein machen?
Wer wird das genehmigen, meine Neurologe oder eine Arzt von
Verkehrsmedizin? Gibt es spezielle Führerscheinstellen dafür oder
kann man normale Fahrschulen anmelden. Für eure Antworten bin ich euch sehr dankbar.
Mfg

Centun

  • ... ist hier noch neu oder schreibt eher selten.
  • *
  • Beiträge: 8
Re: Wer hat Epilepsie und fährt Auto?
« Antwort #1 am: 01. Oktober 2017, 16:42:48 »
Kann mir niemand im Forum antworten.

spike

  • ... gehört hier zum lebenden Inventar.
  • ****
  • Beiträge: 898
Re: Wer hat Epilepsie und fährt Auto?
« Antwort #2 am: 01. Oktober 2017, 18:28:34 »
Nach den Führerscheinrichtlinien (auch hier nachzulesen   ;-)) darf man in der Regel nach einem Jahr anfallsfrei wieder Auto fahren. Dies muß der Neurologe dir auch so sagen, wenn du ihn mit der Frage "darf ich wieder fahren" auch mit einem "ja" beantworten, damit es gilt. Hast du den Führerschein irgendwo abgegeben und nicht nur in deiner Schublade aufgehoben, dann wird es allerdings schwieriger. Dann muß man nach den jeweiligen Bestimmungen forschen.

Ich bin seit ca 2012 anfallsfrei und fahre gelegentlich Auto.

LG, Spike

Muschelschubser

  • ... schreibt sich die Finger wund im Epi-Netz.
  • *****
  • Beiträge: 1.018
Re: Wer hat Epilepsie und fährt Auto?
« Antwort #3 am: 01. Oktober 2017, 22:32:00 »
Hallo Centun, manchmal muss man etwas Geduld mitbringen, nicht jeder ist jeden Tag hier online. Alsooooo, es gibt bei jedem Neurologen ein Faltblatt zum Autofahren bei Epilepsie (meine hat eins, es ist dunkel mit einem Auto drauf), die Richtlinien werden immer mal wieder überarbeitet. Meines Wissens gilt derzeit (seit 2016 glaube ich): Ein Jahr Anfallsfreiheit. Mach Dich mal schlau bei der Deutschen Epilepsievereinigung, die haben auch ein Faltblatt  dazu gemacht und neu überarbeitet, das kannst Du Dir auf der Seite auch runterladen (Materialien, Downloads glaube ich).

Und hier im Forum gibt es eine Suchfunktion und 1000 Diskussionen dazu  ;)

Ich bin Auto gefahren bei über einem Jahr Anfallsfreiheit, habe es aber generell vermieden - einfach aus einem Gefühl heraus.

Viele Grüße von der Muschelschubserin 
Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen!

Centun

  • ... ist hier noch neu oder schreibt eher selten.
  • *
  • Beiträge: 8
Re: Wer hat Epilepsie und fährt Auto?
« Antwort #4 am: 02. Oktober 2017, 07:29:06 »
Guten morgen zusammen,
danke für eure antworten, hallo muschelschubser. Was meinst du
mit (meine hat eins, es ist dunkel mit einem Auto drauf)?
Muss man das Ja bei seinem Neurologen holen?
Vielen Dank nochmals für weitere Antworten.

Tiffy

  • ... schreibt sich die Finger wund im Epi-Netz.
  • *****
  • Beiträge: 1.490
Re: Wer hat Epilepsie und fährt Auto?
« Antwort #5 am: 02. Oktober 2017, 11:16:55 »
Hallo!

Also bei meinem Neurologen musste ich unterschreiben, dass er mich über die Kraftfahreignung aufgeklärt hat und das ich keine Kraftfahreignung habe.
Dies dient meines Wissens zu seinem Schutz, sollte ich trotzdem Auto fahren und es würde etwas passieren
und natürlich auch dafür, dass ich aufgeklärt bin.
In einem Arztbrief, den ich gerade über eine ambulante Untersuchung in einer Klinik erhalten habe, steht auch drin, dass ich keine Kraftfahreignung habe, ob man sich wieder bescheingen lassen muss, dass man es wieder ist, weiß ich nicht.
Würde mich auch interessieren.
Medikation:
Lamotrigin biomo: morgens 300 mg und abends 300 mg
Tavor !!! Leider wieder

hannibunny0606

  • ... ist hier noch neu oder schreibt eher selten.
  • *
  • Beiträge: 20
Re: Wer hat Epilepsie und fährt Auto?
« Antwort #6 am: 02. Oktober 2017, 12:14:15 »
Mir sagte man, dass bei einem Anfall ein Fahrverbot von drei Monaten gilt, bei zwei Anfällen 6 Monate und bei mehr als zwei Anfällen, muss man halt ein Jahr anfallsfrei sein. Das sagte man mir so im Juli einer Universitätsklinik

Viola M

  • ... gehört hier zum lebenden Inventar.
  • ****
  • Beiträge: 299
Re: Wer hat Epilepsie und fährt Auto?
« Antwort #7 am: 02. Oktober 2017, 18:02:40 »
Hannibunny, die Länge des Fahrverbots liegt aber nicht an der Anzahl der Anfälle sondern an der Ursache und der Art der Anfälle. Bekommst du Anfälle (egal ob einer oder mehrere), weil ein Epilepsie-Medikament reduziert wurde und du gehst dann wieder mit der Dosis hoch, dann hast du 3 Monate "Fahrverbot". Treten Anfälle neu auf bzw nach langer Anfallsfreiheit und man findet keine Ursache, dann muss man 1 Jahr anfallsfrei sein.

hannibunny0606

  • ... ist hier noch neu oder schreibt eher selten.
  • *
  • Beiträge: 20
Re: Wer hat Epilepsie und fährt Auto?
« Antwort #8 am: 02. Oktober 2017, 20:45:31 »
Man hat es mir anders erklärt...
Die gesetzliche Grundlage kenne ich natürlich nicht.

Muschelschubser

  • ... schreibt sich die Finger wund im Epi-Netz.
  • *****
  • Beiträge: 1.018
Re: Wer hat Epilepsie und fährt Auto?
« Antwort #9 am: 03. Oktober 2017, 14:15:14 »
Hallo, es gibt das Faltblatt sicher auch im Internet, meine Neurologin hat es halt in Papierform. Schaut mal hier, das ist das neue Faltblatt der Epilepsievereinigung (steht auf deren Internetseite):

http://www.epilepsie-vereinigung.de/wp-content/uploads/2017/04/epi_flyer_fuehrerschein_0417-LOW.pdf


Grüße von der Muschelschubserin
Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen!

Viola M

  • ... gehört hier zum lebenden Inventar.
  • ****
  • Beiträge: 299
Re: Wer hat Epilepsie und fährt Auto?
« Antwort #10 am: 03. Oktober 2017, 15:11:39 »
Hallo Muschelschubser,
danke für das Faltblatt.
Darin ist es sehr genau beschrieben, wann man wie lange nicht fahren darf. Auch dass der behandelnde Neurologe den Patienten ordentlich drauf hinweisen muss. Das Problem ist natürlich, dass nicht jeder Neurologe sich damit genau auskennt, es aber auch nicht zugibt!!!

Schöne Grüße

yossarian

  • ... gehört hier zum lebenden Inventar.
  • ****
  • Beiträge: 389
  • Autor Karl C. Mayer: Neurologie, Psychiatrie
Re: Wer hat Epilepsie und fährt Auto?
« Antwort #11 am: 05. Oktober 2017, 10:54:28 »
Hallo Muschelschubserin,

danke für das Faltblatt, ich finde es sehr übersichtlich dargestellt.


Viele Grüße

yossarian
« Letzte Änderung: 05. Oktober 2017, 11:07:34 von yossarian »

Alex_de

  • ... ist hier noch neu oder schreibt eher selten.
  • *
  • Beiträge: 7
Re: Wer hat Epilepsie und fährt Auto?
« Antwort #12 am: 09. Oktober 2017, 11:03:59 »
Aus meiner Sicht als jemand, der Jura studiert hat, müssen zuerst einmal zwei Gruppen von Menschen unterschieden werden: 1. Leute, die einen Führerschein machen wollen und 2. Leute, die einen Führerschein haben.
Wenn Epilepsie nach Erwerb des Führerscheins auftritt, besteht kein Anspruch der Behörde, dass dieser zurück gegeben werden muss. Der Fahrzeugführer ist verpflichtet, sicherzustellen, dass er ohne gesundheitliche Probleme das Auto lenken kann. Verursacht die Fahrerin einen Unfall, bei dem auch nur der Verdacht ausgesprochen wird, die Epilepsie könne eine Ursache gewesen sein, tritt keine Versicherung für den Schaden ein und die Behörde ist berechtigt, den Schein einzuziehen.
Der Arzt ist nicht berechtigt, den Führerschein einzuziehen und er darf die Informationen über die Fahrtauglichkeit nur dann an die Behörde weitergeben, wenn es einen klaren Beweis für ihn gibt, dass die Autofahrerin ggf. andere Verkehrsteilnehmer oder sich selbst erheblich gefährdet. Die Gefahr muss unmittelbar bevorstehen. Zukünftige Gefahren berechtigen den Arzt nicht dazu, seine Schweigepflicht zu brechen.
Für den Erwerb gelten Reglungen, über die die Verkehrsbehörden informieren.
Noch einmal: Der Arzt hat kein Recht, Führerscheine einzuziehen oder die Polizei zu informieren. Ausnahme: Nur wenn jemand gerade wegfahren will und zu erwarten steht, dass gleich (!) ein Anfall bevorsteht.
Wenn man einen Anfall mit Aura hat, ist die Fahrtauglichkeit sicher anders zu bewerten, als wenn sie nicht hat.
Man kann sich ein wenig am Recht orientieren, was passiert, wenn jemand mit einem geringen Alkoholwert einen Unfall verursacht. Hat man wenig Alkohol getrunken und verursacht einen Unfall, entscheiden die Gerichte und Versicherung meist so, als habe man wesentlich mehr getrunken.

yossarian

  • ... gehört hier zum lebenden Inventar.
  • ****
  • Beiträge: 389
  • Autor Karl C. Mayer: Neurologie, Psychiatrie
Re: Wer hat Epilepsie und fährt Auto?
« Antwort #13 am: 09. Oktober 2017, 11:35:55 »
Hallo,

meines Wissens nach ist ein Mediziner berechtigt, die Schweigepflicht zu brechen, wenn vom Patienten ein Gefahrenpotential ausgeht, das ihn und andere gefährden kann. Der Arzt kann kein Fahrverbot aussprechen, er kann aber verbindlich zum Ausdruck bringen, das Fahren zu unterlassen.

Eine Meldung bei der Straßenverkehrsbehörde, was dem Brechen der ärztlichen Schweigepflicht entspricht, kann erfolgen, wenn davon auszugehen ist, dass ein Patient trotz „Verbots“ am Straßenverkehr teilnimmt.

Ich denke an erkrankte und ältere Patienten, an Menschen unter Medikation und Patienten mit Schlafstörungen, z. B. dem Schlafapoesyndrom. Deine jurisitischen Spielereien sind zwar unterhaltsam, in der Praxis sieht es aber anders aus als in der Lehre.

Fazit ist: Wenn der Arzt die dringende Empfehlung gibt, nicht selbst zu fahren, sollte ein Patient das Auto stehen lassen, alleine schon, weil er ohne Versicherungsschutz fährt. Da  ist es völlig egal, ob er im Besitz des Führerscheins ist oder nicht.

Gute Grüße
Yossarian
« Letzte Änderung: 09. Oktober 2017, 11:41:15 von yossarian »

shadowline

  • ... ist hier noch neu oder schreibt eher selten.
  • *
  • Beiträge: 23
Re: Wer hat Epilepsie und fährt Auto?
« Antwort #14 am: 29. Oktober 2017, 22:44:19 »
habe früher im ambulanten Pflegedienst gearbeitet....
inzwischen habe ich allerdings mein Auto verkauft & bin aus Vernunftsgründen nicht mehr gefahren. Von ärztlicher Seite wurde mir nicht nahe gelegt nicht (mehr) zu fahren
Genieße Dein Leben so wie es ist.Es gibt kein anderes