Autor Thema: Schulwechsel  (Gelesen 4184 mal)

zetermaus

  • ... ist hier noch neu oder schreibt eher selten.
  • *
  • Beiträge: 28
Schulwechsel
« am: 05. Juli 2009, 19:21:31 »
Hallo, Ihr Lieben,

Leon hat wohl, soviel wissen wir mittlerweile, bereits seit Baby-Alter Absencen-Epilepsie. Unsere Diagnose haben wir allerdings erst seit Nov. letzten Jahres. Die Ärzte gehen davon aus, weil Leons soziale Entwicklung und die ständigen Probleme in den Schulen dies vermuten lassen.
Psychologische Tests haben ergeben, dass Leon weit entfernt von ADS oder ADHS ist, auch sein Intelligenztest ist im Durchschnittsbereich, im logischen Denken sogar überdurchschnittlich.
In den Schulen gabs ständig Probleme, er wirkte unkonzentriert, konnte oftmals dem Unterricht nicht vollständig folgen, hat Dinge vergessen oder sogar ganze Inhalte..... wir wussten nie, worauf das zurückzuführen wäre. Wie gesagt, erst im Nov letzten Jahres gabs durch Zufall die Diagnose. Leon geht mittlerweile auf die Realschule in die 5. Klasse. Dort interessiert sich aber niemand für seine Erkrankung. Niemand fragt nach, wenn Leon aus dem Krkhs kommt, wie es ihm geht. Niemand interessiert sich dafür, ob es Probleme geben kann, oder ob die Unkonzentriertheiten mit der Erkrankung zusammenhängen könnten. Fürchterlich. Ergo haben wir uns entschlossen, Leon auf die Waldorfschule umzuschulen.
Dort wird er nach den Sommerferien hingehen. Wir sind gespannt, ob es dort ein sozial milderes Klima geben wird, in dem Leon wieder Spass am Lernen haben darf und in dem nicht nur Leistung zählt.
Ich finde es schade, dass die öffentlichen Schulen offensichtlich keinerlei Interesse an sozialen Strukturen, bzw. wirkliches Interesse an die Menschen zeigen, die sie unterrichten.

Ich wollts nur mal los werden.... und hoffe, dass wir mit unserer Entscheidung einen Schritt in die richtige Richtung gemacht haben.

LG
Silke

fartilto

  • ... gehört hier zum lebenden Inventar.
  • ****
  • Beiträge: 961
Re: Schulwechsel
« Antwort #1 am: 09. Juli 2009, 19:14:24 »
Hallo,

ich finde, das klingt gut. Die Walldorfschulen sind doch dafür bekannt, dass sie sich dem einzelnen mehr anpassen. Aber vielleicht gibt es auch dort Informationsbedarf ? Hast Du Dir schon mal das Infomaterial, dass unter einem Link in diesem Unteforum liegt, angesehen ?
Wie ist es bei Euch mit Integrationshilfe ? Vielleicht benötigt Leon einen Assistenten, der ihm den Schulalltag erleichtert ?

LG, fartilto

lingua

  • ... gehört hier zum lebenden Inventar.
  • ****
  • Beiträge: 420
  • Ich liebe dieses Forum!
    • https://www.epivista.de/forum/forum/index
Re: Schulwechsel
« Antwort #2 am: 15. Juli 2009, 17:19:02 »
Hallo zetermaus!
Dies ist sicher nichts Neues, dass Lehrer "nicht in der Lage sind, diese Erkrankung zu negieren".
Es fehlt den Lehrern oft einfach die Information über Epilepsie, die in verschiedenen Formen auftritt.
Epilepsie ist zwar eine "Fehlfunktion" im Gehirn und ja es gibt oft Betroffene, die andererseits sehr begabt
sind und man muss wissen, dass sie durch ihre Bewußtseisstöhrungen oft abwesend sind und dadurch
auch mit dem Stoff nicht mitkommen. Im Grunde genommen müssen sie mehr leisten, als ein gesundes
Kind, denn von Epileptikern werden die gleichen Leistungen abverlangt, als von gesunden Menschen!
Aber ich würde an deiner Stelle mit dem Jugendamt darüber sprechen, denn wenn Lehrer so eine
Einstellung haben und auch Kinder nicht richtig informieren können und wollen, machen sie es bei anderen
Kindern genauso und da muss man den Lehrern einfach mal "auf die Füße treten" auch wenn dein Kind
jetzt in eine andere Schule geht, bleibt das ungelöste Problem.
Gruß-lingua



nataliethesaint

  • ... hat sich hier gut eingelebt.
  • **
  • Beiträge: 87
Re: Schulwechsel
« Antwort #3 am: 21. August 2009, 13:57:19 »
Hi,

es hilft nicht viel den Lehrern "auf die Füße zu treten". Das haben wir auch getan. Es wurde von meiner Tochter immer erwartet, dass sie sich anpaßt, es war nie gewünscht, dass man die Krankheit publik macht (ich hätte das getan). Wenn man dies getan hätte, dann hätte man ja Unterschiede machen müssen. Epilepsie gilt als Behinderung, daher würde ich durchaus mal beim Schulamt nachfragen, ob eine Schule das nicht akzeptieren muss. Bei Legasthenie ist es ja auch so, dass sich viele Schulen weigern zu differenzieren. Das müssen sie aber, zumindest in den meisten Bundesländern.

Wie du ja weißt Silke gehören wir zu den glücklichen Patienten, die inzwischen absetzen konnten. Am 17.08.2009 waren wir zum EEG und alles war ohne Probleme. Bei unserem Epileptologen (Familienpraxis mit Spezialisierung ADS und Epilepsie mit entsprechendem Fachpersonal) war ein Arzt zu Besuch aus Kehl-Kork. Der hat uns übrigens etwas sehr interessantes gesagt. Er würde bei Kindern keine Einstellung mit Ofiril long machen, er nannte ein anderes Medikament, leider habe ich den Namen vergessen.

Ich erzählte ihm nämlich, was bei uns passiert ist. Wir hatten ja die Probleme im Sozialverhalten (aggressiv, launisch, unmotiviert, keine Reklektion des eigenen Verhaltens usw., ich habe dir ja davon erzählt), aber auch so Probleme wie ihr habt (Merkfähigkeit war schlecht, 1x1 konnte sie sich nicht merken usw.). Seit wir abgesetzt haben, haben sich viele Probleme gelöst, aber das Matheproblem ist noch sehr präsent. Das 1x1 sitzt zwar inzwischen etwas besser, aber auch nur etwas. Ich kann es in diesem Fall schlecht mit dem Zwillingsbruder vergleichen, da er ja hochbegabt ist und diesbezüglich keine Probleme hat.

Ich wünsche Leon jedenfalls einen guten Start an der Walldorfschule in der neuen Klasse. Bei uns geht's am Montag wieder los.

Grüße und bis bald

Natalie

Rhodos1983

  • ... gehört hier zum lebenden Inventar.
  • ****
  • Beiträge: 349
  • Ich liebe dieses Forum!
Re: Schulwechsel
« Antwort #4 am: 18. September 2009, 12:09:14 »
Hallo Silke,

auch ich habe meinen Sohn damals von der Grundschule in die Waldorfschule wegen extremer Probleme umgeschult. Ich muss dazu sagen, obwohl ich anfangs nicht so von der Waldorfschule begeistert war, hat sich dort alles zum Positiven gewendet. Die Grundschulklasse war damals zu gross an die 30 Schüler. Dort kam mein sohn überhaupt nicht zurecht. Aufgrund der damaligen Medikamente war er zwar anfallsfrei, hatte aber mit extremen Nebenwirkungen zu kämpfen. Er hatte immer seinen eigenen Kopf, war hyperaktiv und extrem verhaltensauffällig. Es wurde für ihn eine E-Schule empfohlen. Da ich eine Bekannte hatte, die an so einer E-Schule arbeitete und auch meinen Sohn kannte, meinte diese, dass wäre genau das Falsche. Sie riet mir dann zu einer Waldorfschule. Dort habe ich sehr positive Erfahrungen gemacht. Ich fand auch, dass die Lehrer dort besser mit den Kindern umgehen konnten. Es war auch dort eine sehr gute Lehrer/Eltern Zusammenarbeit. Wenn es irgentwie Probleme gab, kamen die Lehrer sofort auf einen zu, nicht erst am nächsten Elternsprechtag. Zudem war allen 2 Monate ein Klassen-Elternabend. Dort wurde dann alles mögliche besprochen, was so anlag unter anderem auch wie der weitere Lehrplan aussah. Wann diese Klassen-Elternabende stattfanden bestimmte der jeweilige Klassenlehrer selbst. Es gab auch eine Lehrerin, da fand dieser Klassen-Elternabend 2 x im Monat statt. Das fanden damals einige Eltern sehr stressig. Berichte uns mal weiter, wie es dort mit Deinem Sohn weiterläuft.

Ich wünsche euch jedoch, dass es in der neuen Schule besser klappen wird.

lingua

  • ... gehört hier zum lebenden Inventar.
  • ****
  • Beiträge: 420
  • Ich liebe dieses Forum!
    • https://www.epivista.de/forum/forum/index
Meine Abwesenheit seit einiger Zeit
« Antwort #5 am: 19. September 2009, 11:21:29 »
Leider konnte ich einige Zeit nicht im Forum sein, da wiederum mehrere Klinikaufenthalte
notwendig waren und ich deshalb auch anstehende Fragen nicht beantworten konnte.
Ich hatte eine bisherige Gesamtdosis der Antiepileptika von 7700mg und lag oft im Koma, ::) :o
da sich bei den Serumspiegeln wieder teilweise eine Über-und auch teilweise eine Unterdosierung
zeigte. Man musste die gesamte Medikation absetzen und langsam wieder aufbauen. Aber man
geht jetzt den Weg der Reduktion der Medikation bis jetzt von 7700mg auf 5775mg und dies ist
für mich ein gutes erreichtes Ergebnis und eine weitere Konzeption ist durch den OA schon in Aussicht!
Das Wichtigste für mich ist ja, dass die Anfälle wesendlich weniger geworden sind, aber leider kam ::)
es im Monat August wieder zu einem Grand mal-Anfall, bei dem es zu Rippenbrüchen kam und anderen
Verletzungen ::) :o Natürlich konnte der Weg der Reduktion der Medikation nur Klinisch unter Beobachtung
durchgeführt und durch mehrere Telemetrien die Reaktion des Organismus auf die Veränderung der
Medikation dokumentiert werden, also steht mir noch ein langer Weg bevor, aber ich bin optimistisch :dance:
LG-lingua

lingua

  • ... gehört hier zum lebenden Inventar.
  • ****
  • Beiträge: 420
  • Ich liebe dieses Forum!
    • https://www.epivista.de/forum/forum/index
Re: Schulwechsel
« Antwort #6 am: 19. September 2009, 11:24:25 »
Ja-stelle gerade fest, dass ich meinen Beitrag als "Neues Thema" berichten
sollte!-Gruß-lingua

zetermaus

  • ... ist hier noch neu oder schreibt eher selten.
  • *
  • Beiträge: 28
Re: Schulwechsel
« Antwort #7 am: 08. Februar 2013, 15:31:29 »
Hallo zusammen-zwischenfazit,was die Schule angeht: der Wechsel an die Walldorfschule war der Hit u die weltbeste Entscheidung!!!! Der Lehrer hat Verständnis, Leon kann mal zu Haus bleiben,wenn es ihm nicht gut geht, was selten vor kommt- Leon fühlt sich wohl u verstanden- Liebe grüße Silke

snegge

  • ... findet sich im Forum zurecht wie in der eigenen Westentasche.
  • ***
  • Beiträge: 134
Re: Schulwechsel
« Antwort #8 am: 28. März 2013, 11:21:33 »
Hallo!

Nicht der leichteste Weg muss immer auch der beste sein.

   Viele grüße,
   snegge

zetermaus

  • ... ist hier noch neu oder schreibt eher selten.
  • *
  • Beiträge: 28
Re: Schulwechsel
« Antwort #9 am: 30. April 2014, 11:33:02 »
Hallo zusammen,

habe nach ewig langer Zeit mal wieder reingeschaut.... danke für die vielen Rückmeldungen und das grosse Interesse bzgl dieses Themas.
Leon geht nun in die 9. und es klappt super... Probleme gibts immer, die unterscheiden sich aber nicht wesentlich von den Probs gesunder Kinder.... smile... Leon fühlt sich nachwievor wohl dort in der Waldorfschule, seine Leistungen sind mässig, aber weil er grottenfaul ist.... lacht.... ich denke, es wird schon....
Wir sind wahrlich keinen leichten Weg gegangen..... - aber Leon hat sich verdient, schulisch zur Ruhe kommen zu dürfen..... und er geniesst es, einer von vielen zu sein und keine Ausnahme darzustellen.

Liebe Grüsse und DAnk
Silke

laulear

  • ... gehört hier zum lebenden Inventar.
  • ****
  • Beiträge: 783
Re: Schulwechsel
« Antwort #10 am: 30. April 2014, 13:21:46 »
Hallo Silke,

Das hört sich echt gut an mit der Waldorfschule!

Drück euch die Daumen, dass er das "grottenfaule" noch etwas ablegt und es weiterhin gut läuft!

LG
laulear

zetermaus

  • ... ist hier noch neu oder schreibt eher selten.
  • *
  • Beiträge: 28
Re: Schulwechsel
« Antwort #11 am: 30. April 2014, 13:34:12 »
Danke - wir sind zuversichtlich ;-)