Autor Thema: Gedichte und Gedanken über die Epi  (Gelesen 19208 mal)

Joy

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Re: Gedichte und Gedanken über die Epi
« Antwort #30 am: 01. August 2012, 10:48:27 »
Alles nur ein Traum!?

Hast du es schon mal erlebt?
So viele Menschen würden es nur zu gerne am eigenen Leib erfahren.
Dieses eine unbekannte, nie dagewesene Gefühl der Sicherheit und der Freiheit. Wenn deine Suche nach der passenden Medikation endlich endet und du die richtigen Tabletten gefunden hast, die dir helfen und selbst nach einer schlaflosen Nacht dir die Anfälle vom Hals halten. Wenn dieser Moment kommen sollte, atme ich tief ein und nehme den Geruch von Freiheit in mich auf. So erfrischend, so neu, so leicht. Keine Anfälle zu haben ist...

...wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen. Es ist sogar noch besser. Du kannst einen Schritt aus deinem unsichtbaren Gefängnis wagen, ohne die Angst im Nacken, dass unter jedem Stein, hinter jedem Grashalm und über jeder Wolke der nächste Anfall auf dich wartet. Du musst nicht mehr auf Zehenspitzen durch das Leben schleichen. Mit diesem Schritt aus deinem Gefängniss heraus betrittst du einen neuen Boden. Den Boden der festen und sicheren Schritte. Und mit einen Mal öffnen sich Türen. Türen, die früher gar nicht da waren. Türen, an die du niemals dachtest, da ihre Klinken viel zu weit weg schienen!

Ein Raum voll Türen und du darfst sie alle öffnen, alle, die dir bisher verschlossen waren. Hinter einer Tür steht ein Auto mit dem du fahren darfst. Bei einer anderen Alkohol denn du ab jetzt wieder ohne Stress und Panik zu schieben wieder trinken darfst. Bei einer weiteren darfst du wieder schwimmen gehen. In einem Freizeitpark ohne Bedenken alle Fahrgeschäfte begehen. Und auch in die Disko mit einer Flackerkugel darfst du gehen. Vorallem aber bist du die Beschimpfungen los. Vorallem aber, gehörst du von jetzt an zur Gesellschaft.

Leider ist es wirklich so, in der bisherigen, der alten Welt wirst du ausgegrenzt, nicht akzeptiert und schon gar nicht wahrgenommen. Und genau das macht das Leben der Epileptiker zusätzlich zu den Anfällen noch schwerer, als es ohnehin schon ist.

Hier aber, in der neuen Welt, da darfst du jemand sein. Da wirst du wahrgenommen, akzeptiert und bist ein Mitglied der Gesellschaft. Du bist  ein Teil des Ganzen. In dieser Welt hast du endlich das, was du immer wolltest, dir aber bisher die Epilepsie verboten hat. Hier gehörst du dazu. Hier bist du wichtig und darfst deine eigene Individualität entfalten. Doch je länger die Anfallsfreihe Zeit wirst, desto mehr drängt sich wieder diese eine große Frage in deinem Kopf auf, die dich sonst jede Stunde plagte:
Wann kommt der nächste Anfall?
Wann ist der Traum zuende geträumt?
Wann treibt die Epilepsie mich zurück in den Knast?

Jeden Tag kann die Epilepsie deinen Freigang beenden. Nein, nicht jeden Tag, jede kommende neue Minute.
Und wenn es so weit ist, wenn sie wieder kommt und zuschlägt, wird es sein, als würde sie dir alles neu aufgebaute aus den Händen entreissen. Jedes Glück, jeden Freund und letztendlich zerstört sie deinen Glauben, den Glauben daran, dass es ein Leben gibt ohne Sie. Die Hoffnung darauf stampft sie in den Boden. Und plötzlich stehst du wieder vor deinen alten Problemen. Jetzt hast du wieder ein tief gefürchtetes Geheimnis. Jetzt bist du etwas-so glaubt man der Gesellschaft, dass man verstecken, dass man ausschließen muss. Dein Traum, jemand anderes zu sein, er ist vorbei.
Ständig fragst du dich dabei, wie naiv du eigentlich warst, zu glauben, dieser Zustand würde anhalten, wo du doch selbst ganz genau weißt, dass sich bisher jede Medikamention die Zähne an dir ausgebissen und letztendlich doch versagt hat!
Die Enttäuchung, darüber, dass du jetzt wieder sitzen musst, lässt dich nur noch mehr nachdenken.

Je länger die anfallsfreie Zeit war, umso schlimmer wird es für dich. Denn mit jeder neuen Minute ohne einen Anfall wirst du sicherer, wirst du glücklicher. Mit jeder neuen Minute ohne einen Anfall kommst du deinem Ziel näher. Das macht es für dich schwieriger, diesen Zustand wieder aufgeben zu wollen, ihn loslassen zu können. Aber es bedarf nur einen Anfall um diesen großen Traum der Freiheit in Seifenblasen zerplatzen zu lassen. Jetzt musst du wieder von Null anfangen. Jetzt musst du dir eine neue strategie überlegen, um glücklich zu werden. Und das alles wegen ihr, der Epilepsie. Diesem unberechenbaren Wesen in deinem Gedächtnis, dass dich ums verrecken nicht in Ruhe lässt.

Sie hat nur mit dir gespielt. Du warst nicht frei, du warst einfach nur leicht auszutricksen. Sie war nicht-wie zuerst von dir angenommen weg. Sie schlummerte in dir, sammelte ihre Kräfte um dich bei ihren nächsten Anschlag nur noch tiefer als die Titanik sinken zu lassen. Und das ist ihr leider auch gelungen. Sonst würdest du jetzt nicht heulend in deinem Zimmer sitzen. Sonst würdest du dich jetzt nicht selbst umarmen, da sie alle Menschen wieder von dir weggejagt hat. Sonst würdest du jetzt nicht wie blöd vor dich hinstarren, weil du es immer noch nicht fassen kannst. Weil du es immer noch nicht begreifen willst. Es kommt dir alles so ausweglos vor.

Sie ist in dir, sie ist ein Teil von dir. das Problem ist, dass sie sich viel zu sehr in den Vordergrund stellt. Du solltest der Big Boss in deinem Leben sein, nicht sie. Aber manchmal kommt sie dir so groß vor, dass du zu resigniert bist, um gegen sie zu kämpfen.

Niemand wird sich, wenn er sich an dich erinnert, direkt an dich erinnern. Niemand wird als erstes deinen Namen in Verbindung mit deinem Aussehen bringen. Wenn du diese Krankheit hast, bist du von Beginn der Krankheit an nicht mehr Joy sondern die "Epileptikerin". Denn wenn man sich erinnert, wird man immer sagen: "Ach Joy, dass ist doch die Epileptikerin..." Dass die Gesellschaft einen nicht mehr beim Namen nennt, sondern nur noch nach der Krankheit betitelt wird, ist ein Problem, dass schon lange besteht und scheinbar auch keiner außer die Kranken selbst beheben will. Erst letztens hat sich eine Kollegin aus der Arbeit die auch eine Epi ist, darüber aufgeregt. Dabei geht es nicht nur um die Epilepsie kranken Menschen. Nein, das gleiche gibt es bei Krebs-und Herzerkrankten, bei Menschen mit Torettsyndrom und Querschnittsgelähmten.

Das man uns nur noch auf unsere Krankheit begrenzt, führt mitunter dazu dass wir uns am Ende selbst nur noch  durch unsere Krankheit definieren. wir sind nicht mehr wir, wir sind die Krankheit. Mir ist das schon mal passiert. In der Kirche im Gemeindesaal saß ein älterer Mann mir gegenüber. Meinen Namen wusste er nicht mehr, wohl aber, dass ich als Kleinkind fast gestorben bin und seitdem Epilepsie habe. Wird einmal darüber gesprochen, spricht sich dass herum wie Lauffeuer. Doch ein Einzelner kann wenig dagegen ausrichten.

Ein weiteres Problem dass ich darin sehe, auf seine Krankheit begrenzt zu werden, ist, dass man keine Chance bekommt, von dieser Abstand zu nehmen. Viel mehr und viel schlimmer noch ist aber, dass diese Krankheit so viele Verbote erteilt und uns durch sie soviel entzogen wird. Worauf wir wiederum genau deshalb mit einem enorm großen Hass auf die Epilepsie reagieren- und das völlig zu Recht. Nun werden wir aber durch unsere Krankheit definiert, und da man uns schon als kleines Kind die Definitionen vorgegeben hat, glauben wir daran, was andere Menschen von uns behaupten. Ich selbst habe 17 Jahre daran geglaubt, selbst Schuld zu sein, bis jemand kam und zu mir sagte: "Das ist aber falsch!".
Wenn wir diese Krankheit hassen, die Krankheit aber ein Teil von uns ist, so führt das am Ende zum Selbsthass. Dann werden wir uns am Ende mehr hassen als alles andere, da wir uns selbst mit der Epilepsie im Weg stehen, wir aber nicht die Macht besitzen, sie dauerhaft zu besiegen!

Vielleicht werden wir ja einmal wirklich anfallsfrei. Nur eben nicht jetzt. Dabei dürfen wir nicht die Geduld verlieren, denn keiner weiß, wie lange es dauern, was noch passieren wird, bis die Gesellschaft uns nicht mehr als Epis sondern als Menschen ansieht.

Doch bis dieser Tag kommt, ziehe ich mich in meine Traumwelt zurück. Eine Welt, in der ich den Wind in meinen Rücken, die Berge hinter mir und die Sonne vor mir habe, die mich ans Ziel bringen werden. Und die mich wissen lassen, das  dieser Tag auch später einmal im realen Leben stattfinden wird.

Ich wünsche angenehme Träume!

Joy

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Re: Gedichte und Gedanken über die Epi
« Antwort #31 am: 01. August 2012, 10:49:28 »
Die Größe der Epilepsie

"Guten Tag, ich heiße XYZ und bin Epileptiker/in". Dieser Satz würde vermutlich niemanden von uns über die Lippen kommen. Aber warum eigentlich? Warum ziehen wir es vor, uns lieber zu verstecken, unsere Krankheit wie ein Geheimnis zu hüten? Die Antwort darauf liegt auf der Hand. Die Antwort darauf sieht man jeden Tag an den Reaktionen der Menschen, und auch daran, dass komplett keiner darüber sprechen will. Nicht alle Menschen aber ein Großteil, ja sogar die Mehrheit von ihnen wissen viel zu wenig über die Epilepsie. Man kann es ihnen aber auch nicht vorwerfen. Wer bildet sich schon über etwas weiter, dass ihn gar nicht interessiert und mit dem er noch viel weniger zu tun hat? Schlimm ist aber, ihre Reaktionen auf einen Anfall, die wiederrum aus ihrer Unwissenheit besteht. Sie beschimpfen, sie spotten und verurteilen. Sie fahren so sehr auf dieser Schiene, dass sie uns gar nicht kennen lernen, dass sie es gar nicht besser wissen wollen.

Schon im Mittelalter hat man uns platt gemacht, wenn jemand von unseren Anfällen erfuhr. Zu dieser Zeit waren wir "vom Teufel besessen" es war "eine Krankheit des Geistes, die von Gott gesandt wurde". Doch sind Gott und Teufel Gegensätze, wie kann es dann beides sein? So weit dachten die Menschen damals also nicht! Heute wissen wir es besser, heute denken wir zwei Meter weiter nach. Es ist eine Gehirnerkrankung, nichts weiter. Doch auch noch zu Hitlers Zeiten wollte man uns nicht haben. Jeder Epileptiker, schwule und Lesben, Menschen die schwer krank waren genauso Menschen mit einer anderen Glaubensrichtung, wir alle wurden mal eben exkomuniziert. wenn wir uns also damals wirklich verstecken mussten, um unser Überleben zu sichern, wie kann man uns dann das heute zum Vorfurw auslegen? Haben sie uns früher nicht selbst dazu gezwungen? Was man aber auch sehen muss, ist, dass heute nicht mehr früher ist. Heute haben wir Menschenrechte, heute werden wir nicht mehr unserer Krankheit oder unseres "anders sein" wegen ermordet. Aber es ist wahnsinnig schwer, eine Einstellung zu ändern, in unserem Fall, sich wegen der Epilepsie verstecken zu müssen, mit der du, deine Vorfahren und viele andere über Jahrzente, über Jahrhunderte lang gelebt haben.

Und trotzdem, selbst nach dem Umbruch in unserer Zeit ist es immer noch so, dass es ein Aussenstehender nicht versteht. Stellst du jemanden einen Krebskranken vor,  wird dieser Jemand den Krebskranken bedauern aber evtl. sich noch mit ihm anfreunden. Und was passiert, wenn dieser Jemand auf einen Epilepsie kranken Menschen trifft? Der Epilepsie kranke trifft auf völliges Unverständniss und Unwissenheit seines Gegenübers. Der Gegenüber, wenn er zur Mehrheit der falsch denkenden Gesellschaft gehört, wird er sich früher oder später schnellstens aus dem Staub machen. Ich finde, das ist Falschheit. Wir sind auch "nur" krank. Wir sind nicht mal ansteckend. Es kostet einen viel Kraft dises Versteckspiel mitmachen zu müssen. Ein paar Monate zur Unterhaltsamkeit, zum ausprobieren, wie es ist, jemand anderen nach aussen zu geben, der man nicht ist, ist ja ok. Aber auf Dauer kriegt das keiner unentwegt hin. Und das kann auch keiner wollen.

Wenn wir morgens aufwachen und uns noch im Bett denken "Ich muss heute da und da hin, da darf ich auf keinen Fall einen Anfall kriegen!" dann machen wir uns auch noch beim aufstehen und den ganzen Tag über Stress. Durch diesen Stress selbst kann aber schon ein Anfall provoziert werden.

In einem Buch habe ich mal folgenden Gedanken gelesen: "Wenn die Epilepsie ein Teil von mir ist, warum kämpfe ich dann gegen sie an?" "Wieso bin ich gegen mich selbst?" Ich persönlich sehe es aber so: Auf der einen Seite stehe ich, auf der anderen Seite die Epilepsie. Ich sehe es partou nicht ein, weshalb ich so etwas fertig machendes, derart Lebensqualität senkendes und einsam machendes zu mir gehören sollte. Für mich ist die Epilepsie weniger etwas, dass zu mir gehört als viel mehr eine Art Parasit, das im Kopf  meine Merkfähigkeit und Ausdauer nach und nach vernichtet. Etwas, dass man auch nach Gehirnbeschnipselungsop´s nicht ganz wegbekommt, da es sich zu sehr an zu wichtige Funktionen die den Körper steuern, klammert.

Ich weiß, dass es falsch ist, gegen die Epilepsie anzukämpfen. Es ist ein endloser Kampf. Ein Kampf ohne richtige Waffen auf deiner Seite. Ein Kampf, den du bei deinem nächsten Anfall verlierst. Doch wenn die Epilepsie so stark ist, dass keine Tabletten, keine Operationen helfen, dann muss man wohl schweren Herzens lernen, mit ihr zu leben. Und das kann eine lebenslange Aufgabe bedeuten.

Doch sollten wir es nicht so weit kommen lassen, dass wir uns wegen der Epilepsie so klein vorkommen und unser Selbst aus den Augen verlieren. Wir dürfen ihr nicht die Macht über unser Leben geben!

Vor meiner OP hatte ich bis 20 lange Anfälle täglich. Es war, als würde die Epilepsie vor mir stehen und ich hinter ihr. Als würde ich ihr Gesicht tragen. In einer psychosomatischen Klinik fragte mich mal eine Frau ob ich krank sei. Ich sagte ja, warum? Sie meinte ich hätte die Augen eines kranken. Damit meinte sie nicht irgendwelche Rötungen. Sondern Augen, die viel gesehen, die viel mitgemacht haben. Teilweise auch traurige Augen. Die selben Augen, die sie bei ihrer Arbeit mit kranken Menschen schon oft gesehen hatte.

Man wird zu leicht zum Opfer. Es ist ein wahnsinniger Unterschied, ob du die Anfälle alle paar Monate bekommst oder mehrmals täglich. Dazu denke ich, das Menschen, die trotz ihrer Epilepsie von ihren Mitmenschen akzeptiert, von ihrer Familie unterstützt werden, diese Krankheit leichter annehmen und mit ihr Leben können. Nun ja, ich habe das komplette Gegenteil erlebt. Aber was dich nicht umbringt, macht dich härter sagte auch schon 2Pac. Und ich bin am Leben. Gott wollte wohl, dass ich lebe. Und heute darf ich sogar in den Genuss von ein paar anfallsfreien Tagen kommen. Ich bin schon lange nicht mehr so happy, so motiviert wie jetzt gewesen. Das macht mich dankbar. Das heute wäre früher undenkbar und absolut unmöglich gewesen. Und ich freue mich wie wahnsinnig, dass ich diese Zeit erleben darf. Dass ich trotz allem diesen Schritt geschafft habe.

Ich weiß, noch ist nichts gewonnen. Die Nebenwirkungen sind vielseitig und nach 2-3 Monaten machen alle Medikamente mit mir "Schluss". Aber 2-3 Monate sind eine sehr lange Zeit, wenn man zuvor täglich und jetzt auf einmal gar keine Anfälle mehr hat. Es ist die Freiheit. Die  Freiheit pur.

Doch wenn sie wiederkommen sollte, darf man die Epilepsie nicht wie einen schwarzen Schleier um sich legen. Es ist nicht gut, sich hinter ihr zu verstecken und ihr dein Leben zu überlassen.

Heute möchte ich dir Mut machen, deinen angefangenen Weg nun auch zuende zu gehen. Der Anfang wird schweer werden aber am Ende kannst du stolz auf dich sein. Und du darfst gewiss sein, dass unter all den Menschen, die vor der Epilepsie wegrennen, es trotzdem mindestens einen Menschen gibt, der vor dir stehen bleibt, der sich nicht abschrecken lässt und dich auf deinen Weg begleitet, weil er dich sieht, nicht die Krankheit. Durch die Türen musst du selbst gehen, aber zu zweit ist man schneller am Ziel. Zu zweit ist man nicht allein. Und allein das ist sehr viel Wert.

Ich wünsche dir viel Glück auf deinem Weg!

Joy

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Re: Gedichte und Gedanken über die Epi
« Antwort #32 am: 01. August 2012, 10:50:13 »
kzeptanz war schon immer schwer

Ein Wort. 3 Silben, 9 Buchstaben. Ein Wort das bei vielen nict mal im Wortschatz vorkommt.  Ein Wort, dass zwar leicht auszusprechen, aber seine Bedeutung und Verwirklichung sehr schwer ist. Niemand akzeptiert gerne etwas. Weswegen sehen wir denn imerzu in die Vergangenheit, haben Angst vor der Zukunft und verdrängen die Gegenwart? Wir wollen nicht akzeptieren, wie unser Schicksal die würfel wirft. Doch die wahrheit ist, dass sich laufend etwas ändert. Keine Minute läuft genauso ab wie die vorherige. Man geht in die Kita, darauf folgt die Schule und schon stehst du vor dem Studium oder der Ausbildung. Gerade wenn u dich eingewöhnt hast, musst du diesen Zustand auch schon wieder verlassen und arbeiten gehen. Menschen kommen und gehen. Du ziehst in Wohnungen ein und wieder aus. Die Mode, die Technik, die Wrtschaft alles untersteht einer laufenden Veränderung. Nicht einmal du selbst wirst immer so aussehen wie jetzt. Oder dich fühlen, wie du es jetzt noch tust! Veränderungen begegnen uns überall im Leben und dennoch fällt uns die Umsetzung dieses einen Wortes so schwer. Aber warum eigentlich? Wir machen Veränderungen doch schon seit X Jahren mit! Wieso schaffen wir es immer noch nicht, Dinge hinzunehmen, die wir nunmal nicht ändern können?
Ich bin weder Spezialistin  noch Psychologin, aber ich denke, das liegt daran, dass wir zu sehr an Trtaditionen, Gewohnheiten, Menschen und vieles mehr festhalten. Auserdem ist der Mensch einem immer mehr wollenden Gefühl-Gier verfallen. Er will immer mehr. Anstatt sich zu freuen, dass er ein Dach über dem Kopf hat und nicht auf der Straße schlafen muss, möchte er lieber i n ein Penthaus ziehen. Alle wollen wir mehr. Wir möchten nicht das, wie es jetzt ist, wir streben nach beseren.

Doch nicht nur manchmal sondern sehr oft sogar bleibt uns einfach keine andere Wahl, als zu akzeptieren, wie unsere Situation gerade ist. Unser Fehler hierbei ist, dass wir zu sehr der Resignation verfallen. Anstatt das beste daraus zumachen und sich es jetzt in dieser Situation wenigstens einigermaßen gemütlich einzurichten, denken wir zu sehr über unsere Wunschträume nach, die viel zu weit entfernt sind, das schadet uns noch mehr.

Unheilbar krank, das klingt komisch. Unheilbar krank, was für eine Horrorvorstellung. Es ist wie eine Edstation des Lebens. Bis hierher und nicht weiter. Wer will schon krank sein? Wer will dieses "Unhelbar" schon wahr haben? Viel lieber wird nicht hingeschaut, verdrängt und möglichst wenig beachtet. Lieber sich eine Wunschvorstellung vor Augen rufen. Lieber wie in einer anderen Welt leben. Einer heilen Welt. Es gibt so viele Menschen, die sind vollkommen gesund und reich noch dazu. Sie werden vom Schicksal nicht mit den Füßen getreten. Sie nicht, aber du. Wieso um alles in der welt, solltest du etwas akzeptieren, wo du doch weißt, dass man auch anders leben kann? Wieso sollte ich akzeptieren,  wie ich bin und was für eine Krankheit ich habe, wo sich doch jeden Tag etwas beserees vor meiner Nase abspielt? Wenn ich akzeptiere, dass ich pharmakoressistend bin und keine OP mehr möglich ist, ohne ein weters Leben hervorzurufen und es einfach hinnehme, dass ich quasi "hinüber" bin, nehme ich mir dann dadurch nicht die Hoffnung, dass ich eines Tages wieder gesund sein kann? Ist Akzeptanz dann nicht eine Art des Aufgebens und der endgültigen Niedergeschlagenheit?

Es ist, wie ein lebenslanger Krieg der zwischen dir und der Epilepsie ausgefochten wird und wenn du diesen "Feind"  auf einmal akzeptierst, dann ist es, als würdest du Schild und Schwert fallen lassen. Aber durch die Akzeptanz allein wäre die Epilepsie noch lange nicht endwaffnet. Ohne Schild und Schwert würdest du verlieren, zu Boden gehen und ihr ausgeliefert sein.

Hat man Epilepsie bekommt man vom Arzt eine elendslange Liste mit du darfst dies und jenes nicht. Aus Angst die Anfälle könnten mehr und schlimmer werden, hält man sich daran. Aber mit dieser Liste sagt die Epilepsie dir doch erst recht dein Leben an. Sie sagt dir was du zu tun und was du gefälligst zu unterlassen hast. Stehst du mit dieser Liste nicht erst recht unter ihrer Fuchtel? Ganz genau aus diesem Gesichtspunkt halte ich mich nicht an diese Liste. Anfälle hin oder her. Ich lasse mir von eiuner Krankheit doch nicht sagen, wann ich ins Bet zu gehen habe.

Und überhaupt, wenn ich diese Kranheit akzeptiere, sage ich dann nicht gleichbedeutend damit "Ja" zu dem, was diese alles in mein Leben gebracht hat? Wenn ich diie Epilepsie hinnehme, sge ich dadurch dann nicht, dass es in Ordnung ist, dass mich durch sie so viele Menschen beschimpft, geschlagen und verlassen haben? Das ist für mich persönlich nicht hinnehmbar. Das geht mir zu weit. Ich heiße nicht gut, was alles wegen ihr passiert ist.

An vielen Tagen denkt man nicht mehr über all das nach. Heute hörst du Musik, quatscht mit Freunden oder arbeitst wie eine Verückte. Doch wenn du aufeinmal keine Musik mehr hören kannst, die Freunde keine Zeit mehr haben und die Arbeit schon alt akta ist, dann denkt man nach. Man kann gar nicht anders, als sich auf sich selbst zu besinnen. Alle sagen dir immer du sollst nach vorne schauen und nicht in die Vergangenheit.  was an und für sich ja völlig richtig ist. Was aber ist,  Wenn du mehrmals am Tag daran erinnert wirst, was damals passiert ist? Wenn die Hölle von damals heute noch existent ist? Das macht es schwerer nach vorne zu blicken und zu akzeptieren.

Und trotz all dieser Gedankengänge, trotz all dieser Bedenken ist die Akzeptanz wichtig. Vielleicht muss man nicht alles akzeptieren. Vielleicht lässt sich ein gesundes Mittelmaß finden, mit dem man gut Leben kann.

Doch jetzt fällt mir dieser Weg der Akzeptanz noch schwer. Wenn so viele Menschen so wenig über diese Krankheit wissen, wenn so viele Menschen gegen diese Epilepsie sind, wie kannst du dann für sie sein?
Viele Menschen sagen ja,  mit der Akzeptanz der Krankheit fiele ihnen ein Stein vom Herz. Dann müssten Sie nicht mehr kämpfen, dann siend sie frei und glücklicher. Doch was für sie der richtige Weg ist, muss nicht auch für dich das wahre sein. Nicht alle Menschen sind gleich. Und schon gar nicht ihre Geschichten, Hoffnungen und Träume. Du kannst den Weg eines anderen nicht auf dich beziehen.

Aber all das sind meine Gedanken. Jemand anders, denkt, fühlt, handelt anders al ich und hat einen ganz anderen Blick auf die Welt und die Epilepsie.

Gerade aber bei der Akzeptanz sollte man ebenso wie den Weg als auch die Meinung der anderen nicht zu seinem eigenen machen und noch weniger dem Gruppenzwang verfallen. Man muss für sich selbst entscheiden,  ob man die Epilepsie annimmt oder nicht. Oder ob man es vielleicht möchte, man aber jetzt im Moment noch nicht dazu in der Lage ist, weil man es einfach nicht kann, weil einem noch so viele Gründe einfallen, wieso man die Epilepsie eben nicht akzeptieren sollte. Man sollte sich aber darüber im klaren sein, dass, wenn man die Epilepsie nach Jahren des hin und her ringen, nach Jahren des Kämpfens immer noch nicht akzeptieren kann, aber so (sehr) möchte, dass die Akzeptanz der Krankheit mitunter zur Lebensaufgabe werden kann.

Doch das eine haben wir durch die Epilpsie gelernt:Geduld zu haben! Wie oft haben wir eine tagelange Aura gehabt und auf den Anfall gewartet, gewartet und gewartet. Bis wir das warten aufgaben. Und genau zu diesem Zeitpunkt der Anfall zuschlug. Und diese Geduld, diese Ruhe auf die Dinge zuzugehen und sie in angriff zu nehmen, wird uns helfen, die Zeit des Wartens und der Pein durchzustehen und so unseren weg zu gehen um am Ende zu erreichen, was wir erreichen wollen. Und sind wir erst am Ziel, haben wir erst geglaubt und gehofft,  dann scheint uns die Umsetzung dieses einen Wortes akzeptanz vielleicht gar nicht mehr so schwer.

Woran glaubst du?
Worauf hoffst du?
Wovon träumst du?

Joy

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Re: Gedichte und Gedanken über die Epi
« Antwort #33 am: 01. August 2012, 10:52:19 »
Sorry, ist doch etwas lang geworden hoffentlich nicht so schlimm!

lg Joy

Meditester

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Re: Gedichte und Gedanken über die Epi
« Antwort #34 am: 03. August 2012, 21:47:43 »
Zu schön, um wahr zu sein

Kannst Du Dir vorstellen, dass Folgendes eintrifft?
Du gehst auf den Markt und dort liegt ein T-Shirt mit der Aufschrift:

Ich habe Epilepsie. Und welchen Makel hast Du?

Hättest Du den Mut und würdest es Dir kaufen,
um später dann mit gehobenem Kopf durch die Welt zu laufen?

Hättest Du Angst, dass sich dann die Menschen von Dir abwenden?
Oder wär es Dir peinlich, wenn sie Dir ihr Mitleid spenden?
Wie würdest Du dann reagieren?
Meinst Du sie würden Dein Anliegen kapieren?

Wieviele würden es wohl wagen?
Und sich Dir dann zuwenden und begierig fragen:
“Was bedeutet Epilepsie?
Kannst Du mir mehr darüber erzählen? Ich hörte davon noch nie.“

So käme man ins Gespräch, und sie wüssten bald über Epilepsie Vieles mehr.
Sie aufzuklären über Deine Erfahrungen wünschtest Du Dir sehr.

Warum werden in der heutigen Gesellschaft keine kranken Menschen akzeptiert?
Meist erfahren Sie Abneigung und fragen sich, warum dieses passiert.
Oft genug verändert sich ein Leben innerhalb von Sekunden,
wenn ein Unfall geschieht oder der Arzt hat ein Leiden gefunden.

Niemand sollte hochmütig an einem Schwächeren vorüber gehen
sondern ihn freundlich ansehen.
Schnell kann es geschehen,
und er selbst in der Reihe der Schwachen wird stehen.

Und dann hätte auch er den Wunsch nach mehr Akzeptanz.
Also, verschließe bitte Keiner seine Augen ganz!
Viel zu sehr bestimmt Hektik das heutige Leben.
Es kostet aber nur einen Moment einem anderen Menschen ein Lächeln zu geben.
                                       :)
Meditester
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Gattamelata

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Re: Gedichte und Gedanken über die Epi
« Antwort #35 am: 03. August 2012, 21:50:05 »

Zitat
Viel zu sehr bestimmt Hektik das heutige Leben.
Es kostet aber nur einen Moment einem anderen Menschen ein Lächeln zu geben.

--> :) <--

Sehr, sehr schön!
Stärke wächst nicht aus körperlicher Kraft - vielmehr aus unbeugsamem Willen.
(Mahatma Ghandi)

Joy

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Re: Gedichte und Gedanken über die Epi
« Antwort #36 am: 03. August 2012, 22:00:19 »
Weil wir in einer Leistungsgesellschaft leben!

Würde jemand das T-Shirt tragen, würden die wahrscheinlich nur blöd schauen und weitergehen, sorry für die Ehrlichkeit.

Trotzdem schön geschrieben!

lg Joy

Meditester

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Re: Gedichte und Gedanken über die Epi
« Antwort #37 am: 15. August 2012, 18:48:07 »
Es gibt Tage voller Lebenslust und auch welche voller Frust.

Mein Vorwurf
 
Warum musstest ausgerechnet Du als Krankheit zu mir kommen?
Lieber hätte ich einen gebrochenen Arm in Kauf genommen.
Dieser könnte in einigen Wochen wieder heilen.
Aber Du willst ein Leben lang bei mir verweilen.

Wie schön waren doch meine Kindertage
als Du für mich warst noch keine Plage.
Mein sehnlichster Wunsch sind schmerzlosen Tage.
Wann verschwindet das Leiden endlich? Dies ist meine wichtigste Frage.

Zu Beginn war es nur mal nachts ein Anfall vom Typ Grand Mal.
Aber mit den Jahren änderte sich dies und wurde zur Qual.
Heute kann ich vor Schmerzen oftmals nicht richtig gehen.
Ich habe es satt, dass die Menschen mich oft so sehen.

Welche Qualität hat da das weitere Leben?
Was würdest Du mir darauf für eine Antwort geben?

Doch denke nicht, Du kriegst mich klein!
Fragst Du mich nach aufgeben, so sage ich: “Nein.“
Die beste Medizin gegen Dich sind Tabletten und vorallem Liebe.
Dieses versetzt Dir heftige Hiebe.

Mit Musik hören kann ich mich auch mal ablenken
und muss so nicht ständig an Dich denken.
Hätte ich die Wahl zwischen Reichtum oder Deinem Verschwinden,
würde wohl Jeder sofort meine Antwort darauf finden.

Grüße von Meditester











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ragazzi77

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« Letzte Änderung: 15. August 2012, 19:34:29 von ragazzi77 »

Meditester

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Re: Gedichte und Gedanken über die Epi
« Antwort #39 am: 15. August 2012, 20:39:57 »


Danke ragazzi77
War das eine Aufforderung an mich?

Ich kann auch lustig sein und gute Laune haben.
Aber schön der Text.

Meditester
 :laugh:
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ragazzi77

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Re: Gedichte und Gedanken über die Epi
« Antwort #40 am: 15. August 2012, 21:31:08 »
Schön das es dir gefallen hat Frau Meditester.  :)

Bamby

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Re: Gedichte und Gedanken über die Epi
« Antwort #41 am: 23. August 2012, 15:25:32 »
Ermutigt :)
Ich lasse mir ein Kreuz tättowieren. Unter anderem im Sinne der Epilepsie...Mal gucken ob es den Teufel raustreiben kann, ich bin zuversichtig  :dance:
Those who danced were thought to be quite insane by those who could not hear the music

Springer888

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Re: Gedichte und Gedanken über die Epi
« Antwort #42 am: 28. August 2012, 13:14:03 »
Gedanken eines Gehirns zu bestimmten Wirkstoffen:

DU KOMMST HIER NICHT REIN!!!!!! >:(

Phenobarbital,Opiate,
Barbiturate,Valium
Neuroleptikumchen

Ich krieg euch
Ich hab euch
Ich werd euch wieder los!!!
Spurlos,sofort,wirkungslos!!!
OH YEAH ;)   :dance:                                        Springer888

Meditester

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Re: Gedichte und Gedanken über die Epi
« Antwort #43 am: 29. August 2012, 12:38:50 »
@ Alle

Als einzig Positives an meiner Krankheit kann ich nennen,
dass ich soviele Menschen lerne kennen.
Vielen geht es so wie mir,
und ich kann mit ihnen kommunizieren hier.

Auch wenn sie mir nicht persönlich gegenüberstehen,
so möchte ich sie trotzdem als meine Freunde ansehen.
Und ist meine Laune mal nicht gut,
so schickt mir schon Irgendwer Grüße und macht mir Mut.

Hat die Krankheit dann mal wieder voll zugeschlagen,
so finde ich hier Trost an allen Tagen.
Auf die lustigen Artikel und die Rätselartikel möchte ich keineswegs verzichten.
So kann mein Gehirn aktiv Denksport verrichten.


Würde es die vielen hilfreichen Beiträge nicht geben
wäre doch viel schwieriger mein Leben.
Und gibt es von Unwissenden trotzdem Geläster
so kommt ein:"Kopf hoch!"
von Meditester


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Springer888

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Re: Gedichte und Gedanken über die Epi
« Antwort #44 am: 29. August 2012, 13:21:55 »
                                                           "Gutenachtliedchen für einen Patienten"

             Schlaf Patientienchen schlaf, das Tavor bringt den Schlaf,
             es fällt herab kein Träumelein denn du mußt wirklich weg jetzt sein,
             
             Schlaf Patientchen Schlaf..
         
             Schlaf Patientchen schlaf, das Rivo gibt dir Schlaf.
             Du mußt jetzt endlich müde sein sonst kommt auch noch
             ein Zäpfchen rein.
             
            Schlaf Patientchen schlaf....

            (MIT VIEL SCHWARZEM HUMOR UND SATIERE ZU LESEN)  Im Rahmen der Ausstellung "Epilepsie-mit Anfällen leben entstanden als Text für ein Objekt

Springer888