Autor Thema: Epilepsie vs Panikattacke  (Gelesen 1872 mal)

sarcar

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Epilepsie vs Panikattacke
« am: 31. Januar 2018, 20:07:15 »
Hallo zusammen :)
Ich hoffe das ist das richtige Unterforum. Zu meiner Person, ich bin 27 Jahre alt und seit ca. 10 Jahren Epileptiker. Angefangen hatte es mit leichten Absencen, die aber im Laufe der Jahre immer intensiver wurden, bis ich 2013 einen und bisher einzigen Grand Mal Anfall hatte.
Infolgedessen konnte auch erst die Diagnose gestellt werden, vorher wusste keiner was ich meine, als ich probiert habe das Gefühl einem Arzt während einer Absence zu beschreiben („Bewusstseinsstörung“).

Anfang 2017 habe ich mich dazu entschlossen in der Epileptokogie Bonn einmal gründlich checken zu lassen, da die Absencen mittlerweile sehr stark waren, mit starker Müdigkeit und leichtem Gedächtnisverlust einhergingen. Mitte 2017 wurde ich dann ebenda operiert, Ursache war lt mehrfachem Kontrastmittel-MRT ein Blutschwämmchen oberfächlich an der rechten Schläfe, daher leicht wegzuoperieren.
Heilungstendenz lag lt Chefarzt bei ca 80-90%.

Ich habe seitdem alles gut überstanden, die grosse Narbe mittem auf dem Kopf ist gut verheilt und gestern war ich beim Neurologen, um die Medikamente aufgrund meiner Anfallsfreiheit seitdem reduzieren zu können. Zur Nachkontrolle bin ich in Bonn Ende Februar erstmLog

Nun ist es aber so, ich achte seitdem sehr verstärkt auf jegliche Symptome eines neuen Anfalls, habe Angst, die OP und das Leiden dazu wäre doch völlig umsonst gewesen. Da ich sowohl mit der Epilepsie, als auch mit einer hypochondrischen Panikstörung ein gebrandmarktes Kind bin wollte ich euch mal fragen...habt ihr evtl Tipps oder Ratschläge wie ich es schaffe zwischen eventueller Absence und Panikattacke differenzieren zu können?

Mir damals einreden zu können, dass ich wohl doch keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall bekomme war einfach, da doch sehr weit weg geholt. Aber nun? :/
Ich „will“ einfach keine neuen Anfälle bekommen, von daher geht mein Puls direkt auf 180 wenn ich nur die kleinste Veränderung bemerke, weswegen ich durch das Panikgefühl eben nicht weiss, was das jetzt wirklich ist.

Sorry für den langen Text. Ich hoffe es ist verständlich und ihr könnt mir etwas helfen :)
LG, Kai

Dajana

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Re: Epilepsie vs Panikattacke
« Antwort #1 am: 01. Februar 2018, 10:59:46 »
Hey,

bei mir sieht es ein bisschen anders aus, aber vielleicht hilft dir das auch weiter.

Ich habe epileptische und nichtepileptische Anfälle. Früher konnte ich dazwischen nicht unterscheiden, inzwischen schon.
Panikattacke oder nichtepileptische Anfälle... Ist beides ja psychisch und verhält sich ähnlich.
Wenn ich einen epileptischen Anfall bekomme (inzwischen kriege ich nur einfach fokale) passiert das schlagartig. Also davor merke ich aktiv nix. Bzw. manchmal fühle ich ich mich unwohl kurz davor (1-2 Minuten), aber nicht so, dass ich es aktiv im Vordergrund merke. Oft merke ich es erst nach dem Anfall, dass ich mich davor unwohl gefühlt habe.
Bei den nichtepileptischen ist es ganz anders. Ich merke viel früher, dass ich irgendwas kriege (halbe Stunde z.b.). Ich kriege Herrasen, Angst, Schwindel, kriege Panik. Also wenn das psychsisch ist, merke ich es ziemlich stark. Dann kann ich mich auf nix Anderes konzentrieren und denke nur dran, wann wird es soweit sein... Inzwischen breche ich diese Zustände durch spezielle Techniken (z.b. den Körper durch Sport anregen, was Scharfes essen, usw.) ab, also keine Medikamente oder sowas. Und dann geht dieses Gefühl weg und es kommt auch kein Anfall. Und dann stelle ich auch fest, dass es psychisch war. Bei den epileptischen haben nur Spritzen funktioniert. XD
Also meiner Meinug nach ist das was du beschreibst rein psychisch, was viel besser ist ;)
Ich glaube eine Psychotherapie könnte dir ganz gut tun. ;) Ich mache auch eine, weil ich mit meinen Problemen, egal ob epileptisch oder psychisch nicht so gut umgehen kann.

VG :)
And I don't want no substitute
Baby I swear it's Deja Vu...

sarcar

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Re: Epilepsie vs Panikattacke
« Antwort #2 am: 01. Februar 2018, 17:42:43 »
Hallo und danke erstmal für deine Antwort @Dajana :)

Also Panikattacken kenne ich auch schon etwas länger, oft bemerke ich was und im Unterbewusstsein gehe ich in Sekundenbruchteilen direkt vom Schlimmsten aus. Bekomme dann eine Art Tunnelblick, werde sehr nervös, ängstlich natürlich auch.
"Komisch kurz davor" habe ich mich bisher bei einem Anfall nie gefühlt, nur sehr müde danach, wenn es stärkere Anfälle waren. Es fühlt sich für mich zumindest momentan, weil ich so stark darauf fixiert bin, dass der ganze Mist umsonst gewesen sein kann, so an, als wäre das eventuell doch wieder ein (leichter) Anfall.

Weil beides so plötzlich kommt und ich da gerade nicht mehr genau differenzieren kann (oder auch nicht differenzieren will). Aber mittlerweile achte ich da eben sehr verstärkt drauf, hab meinem Neurologen auch gar nicht erst davon erzählt, bevor er dann doch nicht die Medikamente reduzieren will. Es sind halt immer nur diese Absencen gewesen die mich tagtäglich begleitet haben.

Klingt ein wenig jetzt nach falschem Stolz, merke aber auch, dass ich mich besser fühle, wenn ich mich doch irgendwie dabei ablenken kann und nicht der Situation ausgesetzt bin, wie zB bei einer Besprechung auf der Arbeit der Gedanke auftaucht ("Oh! Was ist das, warum fühle ich mich jetzt so komisch? Kann das doch wieder ein Anfall sein?"  ::)  :laugh: )

Ich war auch schonmal bei einem Erstgespräch bei einem Therapeuten, allerdings seitdem nie wieder was gehört, stehe auf den Wartelisten...dabei ging es sich aber primär um meine eher depressiven Stimmungsschwankungen. Ich schweife jedoch ab, ich wollte hier nur einmal in die Runde frage, ob sich jemand mit der oben genannten Thematik auskennt und auch noch Tipps zum Unterschied von Panikattacke oder "Absence" geben kann :)

yossarian

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Re: Epilepsie vs Panikattacke
« Antwort #3 am: 01. Februar 2018, 17:59:04 »
Hallo Kai,

herzlich willkommen bei uns im Forum. Du bist Mitte letzten Jahres in Bonn auf Levetiracetam und Vimpat eingestellt worden. Wie viel nimmst Du von den jeweiligen Medikamenten? Nach dem letzten Besuch beim Neurologen hast Du begonnen, die Menge herunterzufahren? Ich befürchte, dass das der Grund ist für die Veränderungen, die Du spürst. Kurz zu mir: Ich bin kein Arzt und ohne medizinisches Wissen, was ich schreibe, ist die Erfahrung mit eigener Epilepsie.

Mit Levetiracetam ist nicht zu spaßen. Schon geringe Änderungen der Menge können ein Anfalls-Rezidiv auslösen. Ich würde das Reduzieren erst stoppen und mir zeitnah einen Termin beim Neurologen geben lassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in Bonn ein Arzt von „Heilung“ gesprochen hat, weil Heilung und Symptomfreiheit zweierlei ist.

Dann habe ich noch eine Frage. Ist das Blutschwämmchen in der rechten Schläfe entstanden durch früheres Kontrastmittel-Röntgen? Wenn Du die typischen Symptome für Schlaganfall oder Herzinfarkt vermutest, solltest Du den Notarzt (112) rufen. Bitte am Telefon sagen, was Du vermutest, damit Du gleich in die richtige Klinik (mit Stroke Unit) kommst. Oder hast Du die „Blutdruckmedikamente“, sofern Du schon welche nimmst,  vergessen? Auch das kann schnell den Blutdruck entgleisen lassen.

Liebe Grüße
yossarian

Der Status eines epilepsiechirurgischen Eingriffs
http://forum.epilepsie-netz.de/index.php?topic=8868.msg125664#msg125664

sarcar

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Re: Epilepsie vs Panikattacke
« Antwort #4 am: 01. Februar 2018, 19:03:50 »
Hallo und vielen Dank :)
Ich habe das Levetiracetam bereits seit 2013 zum Anfall verschrieben bekommen, zusätzlich dazu Anfang 2017 Vimpat in Bonn bei der Untersuchung.
Das nehme ich wie folgt ein:

Levetiracetam 1500 - 1-0-1
Vimpat 100 1-0-1

Nun war ich vorgestern bei meinem Neurologen vor Ort der mich auch schon länger betreut und mir ebenfalls Bonn empfohlen hatte und hatte im Rahmen dieses Nachgesprächs, als ich von der positiven Entwicklung meiner Krankheit sprach das Levetiracetam zunächst von 1500 morgens auf 1000mg reduziert, der Rest bleibt wie gehabt und so nehme ich es seit zwei Tagen auch ein. Also unter ärztlicher Aufsicht bzw Verordnung, alleine würde ich da nie etwas ändern.
Nun spüre ich - oder meine zu spüren? - dass ich bereits kurz vorher schon seltener wieder diese Gefühle habe, oder eben Angst vor einem Anfall, in die mich so reinsteigere.
Ok, Heilung war vielleicht der falsche Ausdruck, ich hätte wohl stattdessen von "Erfolgschance" sprechen sollen.

Wie das Blutschwämmchen / Cavernom entstanden ist kann ich dir aber auch nicht sagen, das muss sich wohl über die Jahre so gebildet haben. Mittel gegen einen zu hohen RR nehme ich auch nicht, zusätzlich bloß einmal wöchentlich Vitamin D in Form von Dekristol.

Was ich bei einem V.a. Herzinfarkt oder Schlaganfall tun soll ist mir bekannt, ich arbeite in der Pflege :) Trotzdem danke für den Ratschlag.

Also meinst du, rein aus deiner Erfahrung, ich soll die Medikamente vorsichtshalber wieder so nehmen wie gehabt (+500mg Levetiracetam morgens zusätzlich) und bis zu meinem Kontrolltermin in Bonn Mitte Februar abwarten, wenn ich nicht genau weiss, an welcher Adresse ich damit gerade bin?

yossarian

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Re: Epilepsie vs Panikattacke
« Antwort #5 am: 01. Februar 2018, 19:36:14 »
Hallo,

normalerweise ist es üblich, mit einer Reduktion der Medikamente gut zwei Jahre nach einer OP zu beginnen. Selbst wenn die vierteljährlichen Untersuchungen bestens sind. Hier im Forum sind einige Mitglieder, die nach zu schnellem Absetzen wieder Anfälle bekommen haben. Wenn Du mit 500 mg am Tag beginnst, sind das fast 17 % auf einen Schlag.

Ich bin vor 12 Jahren am rechten Temporallappen operiert worden und nehme noch die Medikation von vor der OP. Warum? Weil ich Angst habe, dass der Zirkus wieder beginnt. Ich könnte mir vorstellen, wenn Du eines Tages dauerhaft anfallsfrei bist, dass dann auch die anderen Beschwerden weg sind. Denn Anfälle vergisst man nicht, ich werde bis zu letzten Tag daran denken.

Was natürlich auch noch sein könnte, dass Du an den Beschwerden des Reduzierens leidest. Wird in diesem Forum auch mehrfach beschrieben. Wenn Du in der Pflege, womöglich Altenpflege,  tätig bist, kennst Du bestimmt den Wirkstoff Piracetam. Das ist der Vorgänger von Levetiracetam (Levetiracetam ist ein Derivat von dem Wirkstoff Piracetam), er aktiviert den Sauerstoff im Gehirn. Beide stehen in engem Zusammenhang miteinander. Vielleicht kannst Du unter Wikipedia mal schauen. Und wenn es nur Absetzsymptome wären, müsste eben noch weniger täglich reduziert werden. Viel Glück und bloß keine neuen Anfälle!

Liebe Grüße
yossarian

sarcar

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Re: Epilepsie vs Panikattacke
« Antwort #6 am: 01. Februar 2018, 19:48:24 »
Das wusste ich zB alles gar nicht, dann werde ich ab morgen einfach wieder von mir aus auf die normale, ursprüngliche Dosis wechseln. Ich hatte mich eigentlich darauf gefreut, dass das bisher alles so gut läuft, war vielleicht auch zu überschnell, da ich auch gerne ua den Führerschein bald anfangen wollte. Darf ich fragen was du nimmst?
Teilweise kommt es mir auch so vor, als ob meine Stimmungsschwankungen mit der Medikation zusammenhängen könnten, aber ich hab halt auch den Fehler gemacht und mir die Nebenwirkungen durchgelesen :D Wobei die wohl eher auch von meinem niedrigen Selbstbewusstsein herrühren.
Wie dem auch sei.

Piracetam sagt mir leider gar nichts, aber es scheint ja im engen Zusammenhang mit meinem Medikament zu stehen. Wusste auch nicht, dass man Absetzsymptome haben kann, bzw wie die sich auswirken, bei meinem vor ca 1-2 Jahren eingenommenen Venlafaxin war das die absolute Hölle, ich hatte regelrechte Stromstöße in den Nerven.
Also es kann aber durchaus sein, dass ich trotz scheinbar erneuter, aber wesentlich schwächeren Anfällen anfallsfrei werde?

Vielen lieben Dank und liebe Grüße ebenfalls von mir :)