Autor Thema: Epilepsie mit 28 - Stress als Auslöser?  (Gelesen 7007 mal)

Hamelumi

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Epilepsie mit 28 - Stress als Auslöser?
« am: 02. Januar 2017, 18:29:02 »
Hallo,

ich bin Hamelumi, männlich und 28 Jahre alt. Ich hatte 2016 im November meinen ersten epileptischen Anfall (grand-mal wahrscheinlich) und der Facharzt hat sofort EEG und MRT gemacht, der Hausharzt vorher EKG. Alles ohne Befund, sah alles normal aus. Daher ging man von einem zufälligem Anfall aus.

Letzte Nacht (02.01.2017) hatte ich wieder einen Anfall und mein Freund hat den Notarzt gerufen. Der Anfall letzte Nacht war aber viel kürzer als der vorherige (nach 30 Sekunden war alles rum) und der Notarzt/Krankenwagen hat mich nicht mitgenommen.

Ich habe jetzt ein Medikament bekommen (Levetiracetam 500 mg) von der Vertretung meines Facharztes und ich wollte mal fragen ob das jemand hier kennt und wie das so ist. Ich fühle mich eigentlich ganz normal (bisher nur einmal genommen, kommt vor dem Schlafen gehen) und hoffe es wirkt. Ich hatte heute vormittag schon im Internet gesucht und Trileptal gefunden. Das soll ein neueres Medikament sein. Wäre das vielleicht besser?

Außerdem versuche ich rauszufinden, wieso ich auf einmal epileptische Anfälle bekommen. Ich habe schon eine Vorahnung, aber ich schreibe sie kurz mal nieder:
Mein Vater ist 2016 Ende Mai verstorben. Er hatte Blasenkrebs und der Krebs wanderte hoch und hat eine Niere zerstört und wanderte in die Hüfte. Im Krankenhaus wurde ihm zwar die Blase und die Niere entfernt (2015 August/September) und er erholte sich relativ gut. Leider war der Krebs schon zu weit fortgeschritten und er starb etwa 8 Monate danach im Alter von 59 Jahren (er hatte sich so auf seinen 60ten gefreut :( ).

Meine Mutter war total am Boden zerstört. Sie hat nichts mehr gegessen, sie ging nicht mehr einkaufen, sie weinte nur und wollte nichts mehr tun. Schon als mein Vater noch lebte (ich wusste natürlich, wie es um ihn steht schon als ich die Verbreitung des Krebses mitbekommen hatte) war meine Mutter sehr empfindlich. Ich hatte damals schon versucht es hinzubekommen, das mein Vater meiner Mutter mehr Arbeiten am Auto zeigt oder am Holzofen. Das hatte alles mein Vater gemacht...

Jetzt war es nach dem Tod so, das ich eigentlich jedes Wochenende bei meiner Mutter zu Besuch war. Man ist einkaufen gegangen, ich habe Essen gekocht und sie dazu gebracht etwas zu essen. Je nach emotionaler Belastung sind wir zum Friedhof gelaufen und sind mit dem Hund spazieren gegangen. Nach einigen Wochen hat meine Mutter sich sehr stark auf den Hund konzentriert um sich abzulenken. Leider musste es dann ja passieren, dass bei der nächtlichen Arbeit (meine Mutter trägt Zeitungen und Post für ein lokales Unternehmen aus) der Hund von einem der Fahrer überfahren wurde... Meine Mutter rief mich Nachts an, weinte und beschwerte sich darüber, wieso sie denn nicht geholt werden würde... Dann fing es wieder an und ich musste versuchen sie stark abzulenken. Ihr geht es jetzt langsam viel besser, eine Nachbarin hat sich sehr mit ihr angefreundet und ihre Schwester kommt auch öfters zu Besuch.

Jetzt war es bei mir noch so, dass ich mit anderen Studenten (ich bin schon fertig ;) ) ein Unternehmen gegründet habe. Wir sind fünf Personen, nur sind drei davon mit ihrer Abschlussarbeit beschäftigt. Ich kümmere mich alleine um Server und die Serverstruktur (bin Informatiker) und verdiene aktuell kein Geld. Ich lebe von meinem gespartem (brauche zum Glück nur knapp 400 Euro im Monat) trotzdem fühle ich mich sehr doof.

Ich könnte mir vorstellen, dass die Situation mit meinem Vater und meiner Mutter (ach übrigens: Mein Bruder war dreimal zu Besuch, hat beim zweiten Mal etwas Geld von meiner Mutter bekommen wegen der Sterbeversicherung meines Vaters und meldet sich nicht mehr......) und die Situation mit dem Unternehmen sich unterbewusst stark auf mein Leben auswirken und ich arg gestresst wirke (versuche aber immer ruhig zu bleiben).

So, erstmal will ich mich für das Lesen bedanken :) Was sagt ihr? Könnte die stressige Situation mit meiner Mutter und der Firma dazu geführt haben, dass ich epileptische Anfälle bekommen habe? Ich hatte nicht mal wirklich Zeit um meinen Vater zu trauern, weil ich mich sofort um meine Mutter kümmern musste...

Ich hoffe dieses Jahr wird besser.

Viele Grüße
Hamelumi
« Letzte Änderung: 02. Januar 2017, 18:33:37 von Hamelumi »

susili

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Re: Epilepsie mit 28 - Stress als Auslöser?
« Antwort #1 am: 02. Januar 2017, 19:21:22 »
hallo hamelumi,

herzlich willkommen bei uns im forum.

mein beileid zum tod deines vaters  :tröst:

nach deiner schilderung kann ich mir schon vorstellen, dass dich die gesamte vergangene zeit enorm unter stress gesetzt hat, und es schließlich zum anfall kam. mit 28 kriegt man selten einfach so, oder wegen eines kindlichen fieberkrampfes... oder so... einen anfall.

ich würde auch auf die psyche tippen. mir geht es auch so, dass wenn ich funktionieren muß, weil es meinem nächsten schlecht geht und ich gefordert bin, zu helfen, dass ich dann auch funktioniere - aber ca. 1 bis 2 wochen nach dieser zeit dann mit anfällen teuer bezahle.

da bei dir alle befunde negativ waren, kommt das mit stress und druck schon hin. ja, das ist eine echte epilepsie, echte epileptische anfälle.

in zukunft solltest du dich irgendwie, sagt sich so leicht... schonen.

klar, wenn deine mutter wieder hilfe braucht, bist du da, logo ... aber du kannst dir jetzt vorstellen, was dich erwartet, wenn du übertreibst.

wir sind nur menschen, keiner hat bärenkräfte im überfluss, du nicht, ich nicht.

ich kann dir zu nichts raten... klar, kein auto fahren... mit alkohol vorsichtig sein, noch mal über typische epilepsie anfallsauslöser informieren, ... usw. usw....

ich wünsche dir alles gute, dass du die schwere zeit meisterst, dir auch nicht zu ängstlich, schade oder zu stolz bist, dir helfen zu lassen... wofür hat man freunde.

herzliche grüße, susili

p.s mir ist noch etwas eingefallen:

ja, ja, ja.. nimm deine tabletten absolut gewissenhaft und regelmässig. aber werde jetzt nicht leichtsinnig, so nach dem motto: die pillen schützen mich - stress du kannst kommen.
achte gewissenhaft auf deinen seelischen zustand. wenn du nicht weiter weisst, heul dich aus, hier im forum, oder bei liebsten und freunden.
« Letzte Änderung: 02. Januar 2017, 19:28:42 von susili »
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Hamelumi

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Re: Epilepsie mit 28 - Stress als Auslöser?
« Antwort #2 am: 02. Januar 2017, 19:38:33 »
Danke für das Beileid, susili.

Witzig ist ja, dass die letzten Monate für mich zwar mit wenig Freizeit verbunden waren, aber so richtig gestresst fühlte ich mich nie. Kann aber auch sein, dass ich das einfach stark verdrängt habe. Gut, ich war relativ schnell gereizt aber das hatte ich damit nicht direkt verbunden.

Ich versuche mich jetzt mehr zu schonen. Meine Mutter hatte ja mit mir schon vor Silvester ausgemacht, das ich nicht mehr jedes Wochenende kommen muss. Wir versuchen jetzt jedes dritte Wochenende und sehen mal wie es läuft. Ich ruhe mich aus (habe heute sogar kurz Tagsüber geschlafen, normalerweise kann ich das nicht) und versuche mehr auf mich zu achten.

Das mit dem Auto fahren habe ich schon gelesen. Ich besitze zwar einen Führerschein, habe aber kein Auto. Hier bin ich also schon sicher. Alkohol trinke ich nur, wenn ich mit Freunden mich in irgendeinem Lokal treffe und dann meist auch nur ein Bier.

Ich werde regelmäßig das Medikament nehmen und achte auch darauf mich zu entspannen. Da ich zuhause arbeite habe ich auch gut und gerne 10 h gearbeitet. Das will ich jetzt auch unbedingt ändern.

Danke für deinen Beitrag und schönen Abend noch

Muschelschubser

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Re: Epilepsie mit 28 - Stress als Auslöser?
« Antwort #3 am: 02. Januar 2017, 22:09:28 »
Hallo Hamelumi,

Stress wird von vielen Betroffenen als möglicher Auslöser benannt, ist aber nicht wissenschaftlich erwiesen. Bei mir ist es eher so, dass ich nach einer stressigen Phase, ein paar Monate später, einen großen Anfall bekomme. Öfter habe ich "kleine" Anfälle, die von einem bestimmten Herd im Hirn ausgehen, die nennt man fokale Anfälle. Es ist okay, wenn Du jetzt auf vieles achtest, aber werde nicht hysterisch. Ich habe im Alter von 35 Jahren meine Diagnose bekommen und mein ganzes Leben umgekrempelt, was mich in eine Depression geführt hat.

Naja, jeder ist anders.

Noch ein Wort zu den Medis: Levetiracetam ist schon ein relativ neues Medikament. Es kommt auch nicht darauf an, wann das Medikament entwickelt wurde, wie "gut" es ist. Ich nehme zweimal täglich LEV 1000 mg und zweimal täglich Vimpat (der Wirkstoff darin heißt Lacosamid) 100 mg. Das ist eine Sache der Ärzte, anhand Deines Epi-Syndroms zu überlegen, was bei Dir passt und dann die Dosierung einzuleveln, dass Du möglichst wenig Nebenwirkungen hast bei einer guten Anfallssituation oder sogar Anfallsfreiheit.

Brauchst Du noch Infos? Gute Seiten sind die der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie (dgfe.org und izepilepsie.de) sowie der Deutschen Epilepsievereinigung (epilepsie-vereinigung.de). Auch eine Moses-Schulung solltest Du Dir mal suchen, bringt viel für "Neuerkrankte". Genug für heute, Du musst mit allem ja erstmal klarkommen. Für mich war das damals ein dermaßener Schock ...

Alles Gute für Dich wünscht die Muschelschubserin
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Joy

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Re: Epilepsie mit 28 - Stress als Auslöser?
« Antwort #4 am: 03. Januar 2017, 00:06:36 »
Hallo Hamelumi,

auch von mir mein Beileid. Klingt nach einer heftigen Geschichte. :tröst:

Die Gereiztheit kann auch von Lev kommen, das ist eine bekannte NW von dem Medi.

Ich glaube ja eher nicht, dass man einfach so Epilepsie bekommt. Da muss schon irgendeine Hirnverletzung oder an den Genen vorliegen. Bei mir war es z.B. die Hirnentzündung.

Susili hat schon Recht. Nimm brav deine Medis und das am besten immer zum selben Zeitpunkt. Alkoholverzicht oder keine harten Sachen und geregelter Schlaf.

Das Tabletten Thema kannst du mit deinem Arzt besprechen. Wenn dir Lev nicht taugt, es gibt noch um die 20 andere.

Lass dir Zeit zum trauern. Jeder hat da seine eigene Zeit und Methode. Bei der zuletzt verstorbenen war bei mir auch 0 Gefühl und dann nach 5 Monaten, als ich im Urlaub war, kam es auf einmal. Wegen der vielen Zeit zum Nachdenken.

Wissenschaftler mögen es nicht bewiesen haben, aber komischerweise sagt jeder Arzt, man soll Stress vermeiden und dass steht auch immer in Fachbüchern.

Lg Joy

Hamelumi

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Re: Epilepsie mit 28 - Stress als Auslöser?
« Antwort #5 am: 03. Januar 2017, 10:56:41 »
Danke für deine Antwort, Joy.

Die Gereiztheit von der ich gesprochen habe, war vor der Einnahme des Medikamentes. Aktuell spüre ich keine NW, alles okay.
Ich werde auf eine regelmäßige Einnahme der Medikamente achten und denke das wird schon wieder.

philivey

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Re: Epilepsie mit 28 - Stress als Auslöser?
« Antwort #6 am: 03. Januar 2017, 15:01:40 »
Auch von mir mein herzliches Beileid.
Ich denke du kannst  mit Entspannungstechniken/Ausgleichstätigkeiten viel bewirken. Autogenes Training, Sport, Generell Bewegung.
Unser Beruf ist definitiv nicht optimal als Epileptiker. Doch wenn man privat den Gebrauch von Smartphone/Computer/elektronischen Medien möglichst reduziert ist man in Sachen täglicher Bildschirmzeit schnell auf dem Niveau eines heutigen Durchschnittsbürgers (Smartphones sei Dank). Und das hilft zumindest mir.
Ich bin überzeugt, wenn du diese Gebiete im Griff hast, so kannst du dich damit gut vor Anfällen schützen und bist auch noch optimal gewappnet, deine private Situation gut zu meistern. Denn wenn du die ganze Zeit abgelenkt bist und nicht verarbeiten kannst was dich innerlich plagt, so kann ich mir durchaus vorstellen, dass dein geplagtes Unterbewusstsein dich nicht ruhen lässt und damit bestimmt anfällig macht für weitere Anfälle.

Amazönchen

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Re: Epilepsie mit 28 - Stress als Auslöser?
« Antwort #7 am: 03. Januar 2017, 18:55:00 »
Hallo Hamelumi

Das mit Deinem Vater tut mir leid. Und was nun Deine Mama durchmacht, ist sehr schwer. Du kannst ihr nur bedingt helfen. Sie besuchen, Sachen erledigen, die sie nicht kann, etc. Da braucht es einfach Feingefühl. Es tönt blöde, aber da muss Deine Mama "durch". Sie wird ihren Ehemann immer vermissen, aber sie muss ihr Leben wieder in die Hand nehmen.

Zu Dir. Ich würde Dir raten, ein wenig über Epilepsie zu lesen  ;)
Wenn Du mal Zeit hast, Dann könntest Du mal hier reingucken:
 http://www.modellprojekt-epilepsie.de/Epilepsie.5288.0.html     (fand ich sehr interessant)
http://www.diakonie-kork.de/de/diagnostik-behandlung/Links/Epi-Info.php   (Die sind brandneu in der Art aufgeschaltet, habe ich selbst so noch nicht gesehen/gelesen, aber Kork ist eine sehr gute Epi-Klinik und ich "kenne" den Verfasser. War schon an mehreren Vorträgen von ihm, die er für Betroffene hielt.)
http://www.dgfe.org/home/index,id,519.html    (ganz wichtige Site, wenn es um das Finden von Epi-Kliniken und Epi-Fachärzten in der Nähe geht)

Toi, toi, toi

Rechtschreibfehler sind gewollt und dienen lediglich der Belustigung der Foren-Teilnehmer

Hamelumi

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Re: Epilepsie mit 28 - Stress als Auslöser?
« Antwort #8 am: 04. Januar 2017, 12:51:48 »
Ich weiß das ich meiner Mutter nur zur Seite stehen kann. Mehr als vorbeikommen und besuchen kann ich nicht. Leider haben meine Eltern relativ stark nur aufeinander gehockt und dementsprechend groß ist das Loch. Keine großen Hobbys und Tagesgespräch war sehr oft nur die Arbeit (die sie zusammen gemacht haben, mein Vater voll angemeldet, meine Mutter Nebenjob). Jetzt ist meine Mutter seit einigen Monaten voll angemeldet und hat sich mit der Nachbarin und ihrer Schwester stärker angefreundet. Wie schon erwähnt hat sich mein älterer Bruder natürlich wieder aus dem Staub gemacht. Das war schon immer so, er meldet sich mehrere Jahre nicht und irgendwann steht er wieder vor der Tür. Und dann wird nach kurzer Diskussion so getan als wäre alles okay.... Schlimm sowas.

Ein Freund, dessen Vater etwa ein Jahr vor meinem gestorben ist, hat mich schon darauf angesprochen dass er viel mehr Zeit gebraucht hat bis er wieder "richtig" am Leben teilnehmen konnte. Da ich mit meinem Freund viel bei meiner Mutter war und viel für sie erledigt habe, hatte ich einfach nicht so die Möglichkeit "alleine" zu sein. Ich wusste, dass ich jetzt funktionieren muss, sonst isst sie nichts, weint nur und versucht nicht aus dem Loch herauszukommen. Wir hatten Ausflüge gemacht, sind länger spazieren gegangen oder haben einfach zusammen etwas leckeres gekocht.

@philivey:
Ich habe nicht das Gefühl, dass mir Computer und Co. wirklich schaden, im Gegenteil. Hier arbeite ich, hier verstehe ich. Ich habe mir aber vorgenommen, feste Zeiten einzuhalten und keine 10h oder mehr täglich zu arbeiten.

@Amazönchen:
Danke für deine Links. Ich habe schon andere Seiten und auch Videos (https://www.youtube.com/watch?v=ysBUBx0EMnw) zu Epilepsie gelesen/gesehen und werde deine Links durchforsten. Ich muss noch bis nächste Woche Montag warten, bis mein Neurologe wieder offen hat. Dann hoffe ich, dass ich relativ zügig einen Termin bekomme, damit ich ihm die Unterlagen geben kann (gelber Vertretungsschein und Notarzt-Einsatzprotokoll) und das Levetiracetam weiter verschrieben bekomme (falls ich das weiter nehmen soll, gehe aber davon aus, wäre ja komisch wenn der eine Facharzt mir das gibt und der andere nicht).


Muschelschubser

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Re: Epilepsie mit 28 - Stress als Auslöser?
« Antwort #9 am: 05. Januar 2017, 21:23:24 »
Hallo Hamelumi, das kann durchaus sein, dass Dein anderer Arzt sagt "Nee, jetzt nehmen Sie lieber Medikament XYZ statt ABCD" ... kommt darauf an, welche Erfahrungen welcher Arzt hat, ob er spezialisiert ist etc. Aber ich könnte mir vorstellen, dass er sagt, dass Du beim Levetiracetam bleiben sollst, evtl. höher dosiert oder so.

Lass Dich gut beraten von ihm, stell Fragen.

Grüße von der Muschelschubserin 
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Hamelumi

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Re: Epilepsie mit 28 - Stress als Auslöser?
« Antwort #10 am: 05. Januar 2017, 23:42:01 »
Hallo Muschelschubserin,

ja, da hast du natürlich recht. Vorerst hoffe ich aber, dass er bei dem Medikament bleibt und man es nur wechselt wenn ich irgendwelche Nebenwirkungen bekomme. Ist es denn normal nach einer Eingewöhnungsphase die Dosis zu erhöhen? Ich würde mir wünschen erst dann die Dosis zu erhöhen, wenn es einen weiteren Anfall gab. Bisher vertrage ich das Levetiracetam gut (soweit ich das beurteilen kann).

Das einzige, was arg nervt ist der Muskelkater am Oberkörper/Rücken.... Der macht mir noch zu schaffen. Schlimm ist es wenn ich niesen muss... Ist aber auch schon besser geworden.

Ihr kennt das bestimmt, für mich ist das alles neu.

Viele Grüße
« Letzte Änderung: 05. Januar 2017, 23:52:43 von Hamelumi »

Joy

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Re: Epilepsie mit 28 - Stress als Auslöser?
« Antwort #11 am: 06. Januar 2017, 08:41:45 »
Guten Morgen Hamelumi,

aufdosiert wird nur, wenn man unter der derzeitigen Dosis die Anfälle nicht wegbekommt.

Nebenwirkungen können immer kommen und es kann auch alles sein. Wenn du keine hast, bist du ein echter Glückspilz!

Das mit den Anfallsauslöser ist schwer individuell. Die einen krampfen bei Blitzlicht, die anderen können PC und Co. nicht haben. Und dem Nächsten macht beides nichts aus.

Ich z.B. kann stundenlang den TV laufen lassen, kriege aber sofort einen Anfall, wenn ich eine Nacht lang wenig schlafe. Da muss jeder seine eigenen Auslöser finden und etwas drauf achten.

Lg Joy

stefi

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Re: Epilepsie mit 28 - Stress als Auslöser?
« Antwort #12 am: 09. April 2017, 21:22:34 »
Hallo Hamelumi,
Mein Beileid zum Tod von deinem Vater.
Ich habe teilweise ebenfalls das Gefühl dass der Stress einen Anfall auslöst, jedoch auch oft wenn der Stress nachlässt, also den Wochenenden.
Gruss Stefi
Mittendrin im Wechsel  ;)

Maramya909

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Re: Epilepsie mit 28 - Stress als Auslöser?
« Antwort #13 am: 11. April 2017, 21:05:23 »
Hallo Hamelumi,

mein Beileid zum Tod deines Vaters!

Ich habe die Diagnose Epilepsie vor ca. eineinhalb Jahren bekommen und habe bis heute einige Zweifel an der Richtigkeit.
Laut Befund vom Neurologen hatte ich wohl schon jede Menge Grand-mal-Anfälle im Schlaf. Darauf schloss er aufgrund meiner stark vernarbten Zunge. Auch habe ich mir ungefähr zur selben Zeit, wo meine Zunge ständig geschwollen war und schmerzte, oft Wangenbisse zugefügt. Einmal war es so schlimm, dass die entstandenen Knoten in der Schleimhaut vom Kieferchirurg entfernt werden mussten.

Ich habe diese Verletzungen immer auf Stress geschoben und dachte, ich würde so meine emotionalen Konflikte im Schlaf verarbeiten.
Allerdings sagte mir der Arzt, die Tatsache, dass ich aufgrund der Schmerzen von den Verletzungen nicht wach wurde, spreche für eine Bewusstlosigkeit und somit für epilteptische Anfälle.

Bei mir war zu der Zeit auch alles sehr problematisch. Ich hatte einen Arbeitsplatz, an dem ich von einer Vorgesetzten gemobbt wurde und wo ich ständig mit Kündigung rechnen musste. Auch hatte ich eine OP mit anschließender Erkrankung. Außerdem ging es meinem geliebten Opa immer schlechter und sein baldiger Tod war vorhersehbar.
Ich hatte damals auch oft Kopfschmerzen und das Gefühl, jeden Moment umzukippen. Da ich Gesichtsfeldausfälle hatte, stand bei mir der Verdacht auf Multiple Sklerose im Raum, was sich im MRT zum Glück nicht bestätigte.
Vielleicht war das die Phase, wo die Epilepsie bei mir so richtig sichtbar wurde. Ich konnte den ganzen Stress nicht mehr verarbeiten.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass eine Epilepsie so plötzlich kommt, denn ich war damals Anfang 30, also nur ein wenig älter als du.
Bei mir scheint es aber so zu sein, dass ich schon seit meiner Kindheit oder Jugend eine Absencen-Epilepsie habe. So vermutete es zumindest der Neurologe, nachdem ich ihm diverse Situationen geschildert hatte. Ich selbst hatte immer die Vermutung, ADS zu haben.

Gab es bei dir in jüngeren Jahren nie Auffälligkeiten hinsichtlich einer möglichen Epilepsie?

Liebe Grüße,
Maramya
« Letzte Änderung: 11. April 2017, 21:10:12 von Maramya909 »

Joy

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Re: Epilepsie mit 28 - Stress als Auslöser?
« Antwort #14 am: 12. April 2017, 10:19:24 »
Epilepsie kann immer kommen, das kann man nicht von einem bestimmten Alter abhängig machen. Es muss halt irgendwas im Gehirn passierem, dazu reicht schon ein Sturz oder Schlag auf den Kopf. Hirnentzündung, Tumore, Vererbung... Es gibt da viele Ursachen.

In der Nacht wurde ich beim Monitoring auch mal 3 Mal in der Nacht geweckt, die hätte was im EEG gesehen und dann kam die ganze Frageprozedur, die die so nach einem Anfall machen und ich dachte mir, weckt mich doch nicht dauernd auf, ich will schlafen!

GM's im Schlaf sind oft, Zungenbisse sind schon ein ziemlich eindeutiger Beweis.

Hatte früher auch immer wieder die Situation, dass ich abends ins Bett gegangen bin und im Krankenhaus wieder aufgewacht bin.  Also eindeutig sagen (wenn man sich am morgen trotz Schlaf komisch fühlt), dass da kein Anfall war, kann man als Mensch mit der Epilepsie nicht.

LG Joy