Autor Thema: Pure Angst nach erstem Anfall  (Gelesen 1282 mal)

Feelienchen

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Pure Angst nach erstem Anfall
« am: 23. Februar 2018, 22:22:01 »
Hallo

 Letzte Nacht hatte mein Mann vier epileptische Anfälle. 2:11 ein "großer" Anfall Steif wie ein Brett, Kopf in den Nachen, Schaum vor dem Mund, grauenhafte Geräusche, zweiter und dritter Anfall folgten nach minimaler Erschöpfungsphase direkt im Anschluss wobei dabei nur der Kiefer/Kopf und die Arme betroffen waren. RTW nahm ihn mit, er hatte sich selbst entlassen und kam um 5 ins Bett. 4. Anfall "groß" um 7:11 er hat quasi Sit Up gemacht. Beine angezogen und Arme schüttelten, dabei wieder das grauenhafte Geräusch.
Leider hatte bei dem 4. Anfall unser Sohn (9 fast 10 Monate alt) es mitbekommen. Ich hatte ihn ins Bettchen gestellt, da wir kurz vorher Zähne putzen waren. Er klammert entweder an Papa oder kann nicht in seiner Nähe sein. Ganz komisch.

Ich selbst bekomme vor allem den ersten Anfall nicht aus dem Kopf. Das Gesicht und das Geräusch....... Ich habe panische Angst.Seit heute ist er wieder zu Hause und ich habe einen Horror vor dieser Nacht. Ich bin jetzt schon Todmüde, müsste eigentlich schlafen.  Mein Mann hat im KH Medikamente bekommen, auf die er wohl eingestellt werden soll. Aktuell trifft er sich mit Kumpels.

Wie funktioniert das mit dem Schlaf? Wann lässt der Horror nach?
Momentan mag ich ihn auch nicht mit unserem Sohn alleine lassen, was mir das Herz bricht.



Danke euch schonmal :'(

aldente111

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Re: Pure Angst nach erstem Anfall
« Antwort #1 am: 25. Februar 2018, 14:17:14 »
Hallo Feelinchen,

ich kann genau nachvollziehen, was Du meinst. Die Bilder sind erschreckend. Sie vergehen bei mir aber mit der Zeit wieder, obwohl ich immer wieder erinnert werde. Besonders Achtsam bin ich danach. Ich beobachte ganz genau und alle Bewegungen, die meine Freundin macht. Bin auch sehr schreckhaft in letzter Zeit. Wenn irgendwas klappert oder fallen gelassen wird, rufe ich sofort, ob alles gut ist. Das schlimmste sind dann noch die Stürze, immer wieder auf den Kopf und überall blaube Flecken. Zum Glück trägt Sie ind er Wohnung nun immer öfter einen Epi-Helm.
Was Dein Mann macht: Auf der einen Seite: Hut ab, das er das so wegsteckt. Auf der anderen Seite auch sehr seltsam. Interessiert Ihn das gar nicht, was da gerade mit ihm passiert? Selbst entlassen und dann wieder Anfälle: Klingt für mich wie ein unreifer unreflektierter Mann, der dazu noch verantwortungslos handelt gegenüber seiner Frau und dem Kind. Anstatt sich genau in dieser Zeit um Frau und Kind zu kümmern, geht er mal mit Kumpels los. Macht für mich einen komischen Eindruck, um es mal milde auszudrücken.

VG

Muschelschubser

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Re: Pure Angst nach erstem Anfall
« Antwort #2 am: 25. Februar 2018, 20:09:50 »
Hallo Feelienchen, ist das das erste Mal, dass Dein Mann Anfälle hat oder ist er schon länger an Epilepsie erkrankt/diagnostiziert? Das finde ich auch extrem irritierend - er hat sich selbst entlassen und wieder Anfälle?

Grüße von der Muschelschubserin
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Meditester

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Re: Pure Angst nach erstem Anfall
« Antwort #3 am: 26. Februar 2018, 12:26:24 »
Hallo Feelienchen!

Einen starken Anfall zu sehen ist echt kräftezerrend.
Ich sah vor über 20 Jahren mal bei einer Patientin einen
als wir zum Schlafentzug gemeinsam wach bleiben mussten.
Dieses habe ich bis heute nicht vergessen.
Daher bin ich sehr dankbar, dass mein Mann nach meinen bisherigen
Anfällen noch zu mir steht.

Nimmt dein Mann seine Krankheit an?
Oder denkt er vielleicht, dass es nicht so schlimm ist?
Hast Du ihm deine Angst, das Erleben der Anfälle geschildert?
Er soll doch mal hier im Forum lesen!
Es geht ja auch ohne Anmeldung.

Meditester
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Feelienchen

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Re: Pure Angst nach erstem Anfall
« Antwort #4 am: 01. März 2018, 23:14:59 »
Hallo

Entschuldigt, dass ich jetzt erst antworte. Es ist momentan echt nicht leicht hier zu Hause. Das auseinander dröseln von möglichen früheren Anfällen, das Kind das nicht mehr so will wie vor dem Anfall u d noch was mehr dazu.

Ja einen Solchen Anfall zu sehen war Kräfte zehrend. Dann davon gleich zwei :(
Es stellte sich auch nachher raus, er hatte an dem Morgen ganze 5 Anfälle. Im KH noch einer.

So langsam akzeptiert er es. Wir überlegen auch zusammen, ob es früher welche gab.
Stellte sich tatsächlich so raus. Er hat wohl „unbemerkt“ die ganzen Jahre darunter gelitten, aber keiner wusste es.

Ja er weiß von meiner Angst, nimmt diese auch zur Kenntnis und wir unterstützen uns gegenseitig.

Mittlerweile glaube ich, das er die Selbstentlassung garnicht so ganz realisiert hatte. Sein Neurologe ist entsetzt gewesen.

Allerdings mag er sich ungern was vorschreiben lassen.


Ich hatte ihm eigentlich aus Spaß den Vorschlag gemacht, sich mit den Kumpels zu treffen. Naja, er kam entspannter wieder.

Stimmt es, das Levetiracetam und co aggressiv machen?

Pinkbullet84

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Re: Pure Angst nach erstem Anfall
« Antwort #5 am: 02. März 2018, 00:37:29 »
Hi feelienchen

Also das mit den nächtlichen GM's kenn ich leider sehr gut.
Bei mir wurde es auch jahrelang nicht diagnostiziert, hat ja auch nie so wirklich einer mitbekommen was da so passiert mit mir...
Bei manchen Ärzten bekam ich lediglich Medis gegen meine migräne die nicht halfen...meine Absencen wurden als Nebenwirkung hingestellt und einer konnte nicht mal was mit dem Wort anfangen...echt peinlich als arzt.
Meine ehemalige Chefin stellte mich als hypochonder hin der kein Bock auf Arbeit hat...
Doch als mein lebensgefährte den ersten richtigen gm bei mir sah holte er panisch den Rettungswagen ...
Auch ich hab mich nach 2 Stunden selbst entlassen, ich hatte kein Bock auf die Ärzte,war genervt hatte regelrecht Hass auf jeden der mir zu nah kam...ich wollte einfach nur schlafen...zuhause!!
Ich nam es so hin,dachte mir Jaja redet ihr man! Ich fühl mich wohl also redet nicht immer davon das ich zum arzt soll...bringt ja eh nix!
Die haben sogar mal gesagt ich hätte versucht mich umzubringen. ..haben mir nen Suizidversuch unterstellt! (Bin unter Alkohol mal zusammengebrochen  :o hatte mittags meine Medis genommen der alk dazu..naja und die kommen dann mit sowas ey!

Doch mit der Zeit wurde es schlimmer,ich hatte jeden Morgen Muskelkater, fühlte mich müder als vorher, hatte solche nackenschmerzen immer und die Absencen wurden schlimmer.
Irgentwann hörte ich dann also doch und ging ins Krankenhaus auf eine neurologische Station.
5tage Langzeit eeg und tja...am vierten Tag konnte ich mir dann (auf eigenen wunsch hin ) ein video anschauen. ..ich hatte auch gleich 3 anfälle hintereinander.
Erst dieser Schrei, das verdrehen des halses, ich beisse wie irre man hörte es richtig...Also die Geräusche die ich da so mache mhhm wie son Zombie der zu Hulk mutiert ...nur werd ich nich grün sondern blau (sry  8-) )
Naja das hat mir die Augen geöffnet, ich sah das erstemal das mit mir wirklich was nicht stimmt.
Nach meiner letztendlichen Diagnose war ich erstmal fertig..ohhh ich bin ja so krank!könnt ersticken, nicht mehr wach werden, mein Freund kommt nicht mit klar und verlässt mich , ich verliere meinen Job!
Doch jetzt wo ich das alles weiss kann ich gut damit leben,ich werde auf Medis eingestellt die hoffentlich helfen, mein Schatz behandelt mich wie vorher auch und gibt mir in keinster Weise das Gefühl "krank" zu sein...ich bin froh es zu wissen.
Froh das ich weiss warum es mir jahrelang so schlecht ging, ich bin sogar erleichtert denn es erklärt sich jetzt so vieles. Ich akzeptiere es mittlerweile, kann sehr gut mit Leben Scherze sogar ganz gern mal drüber  :dance: sehe es einfach lockerer als vorher wo ich nichts darüber wusste.
Es ist gut das er es akzeptiert und was dagegen tut...Doch als kleinen tip: bemutter ihn nicht, denn grade Menschen die nicht gern was gesagt bekommen könnten dann schnell genervt werden..auch das kenn ich zugut, bin da nämlich ganz genauso  <-(...
Man muss nur lernen Hilfe auch anzunehmen wenn man sie bekommt und das wird er auch noch merken   ;)..

Und zu levi. kann ich nur soviel sagen (wirkt ja bei jedem anders..) dass ich dadurch wach und fit werde, muss viel Lachen bis die Tränen kommen und muss sagen fühle mich seitdem wirklich etwas besser.

Sorry das es so lang geworden ist aber ich hoffe ich konnte dir vielleicht etwas helfen dabei, dass aus seiner sicht mal zu "sehen" ...manchmal muss man eben erst lernen sich helfen zu lassen auch wenn der stolz es nicht will ...

Liebe Grüsse und alles alles gute an euch!
MfG Jule
ps: Ist er vielleicht Sternzeichen löwe ? Hihi
« Letzte Änderung: 02. März 2018, 00:44:43 von Pinkbullet84 »
"Ein Leben ohne Katze ist möglich -
Aber sinnlos "
(Johann Wolfgang von Goehte)

Meditester

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Re: Pure Angst nach erstem Anfall
« Antwort #6 am: 02. März 2018, 13:22:57 »

Hallo Feelienchen!
Medi wirken bei Jedem individuell.
Kannst ja lesen, dass Pinkbullet wach und fit wurde.
Bei mir war das Gegenteil. Ich war oft kaputt und müde.
Von Keppra nehmen Viele zu, ich nicht.
Mit Lamictal nehmen die Meisten nicht zu, aber ich 15kg.

Also weiss Keiner die Auswirkung schon im voraus.
Und Beipackzettel lese ich mittlerweile erst bei Ungereimtheiten.
Ansonsten ist man schon vorab verängstigt und negativ eingestellt.

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