Autor Thema: Operation: Entfernung 2/3 des Temporallappens re.  (Gelesen 1084 mal)

lichtfang_07

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Operation: Entfernung 2/3 des Temporallappens re.
« am: 05. März 2018, 15:14:50 »
Hallo!

Nach der Untersuchung/OP mit den Tiefenelektroden wurde mir nun gesagt das sie 2/3 des Temporrallappens also den Hippocampus und den Mandelkern rechts entfernen wollen, da hier der Anfallsursprung liegt. Ich möchte die Operation auch machen aber man denkt halt auch viel über die Zukunft nach. Meine Ärztin meinte das visuelle Lernen wäre nicht mehr so gut möglich.  :testwall: Im Herbst möchte ich gerne die Matura nachholen und danach studieren, aber jetzt zweifle ich daran ob das überhaupt möglich wäre. :´-( Was meint ihr?

Hat die Operation zur Anfallsfreiheit beigetragen?
Wie ist es euch nach der OP gegangen?


Ich würde mich sehr über eure Erfahrungen freuen! Vielleicht ist auch jemand dabei der komplex-fokale Anfälle hat und im re. Temporallappenbereich operiert worden ist. Aber ich würde mich über jeden Eintrag freuen!  :dance:

Joy

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Re: Operation: Entfernung 2/3 des Temporallappens re.
« Antwort #1 am: 05. März 2018, 16:31:29 »
Hi lichtfang_07,

vornweg, bei jedem ist der Krankheits-/Heilungsverlauf anders.

Hast du die Ärztin wegen der Matura schon gefragt?

Mir wurde rechts der ganze Hyppocampus, Teile des Mandelkerns und Teile des Hyppothalamus rausoperiert. Vorher hatte ich komplex fokale und Grand Mal Anfälle, die sind jetzt weg. Leider dennoch nicht anfallsfrei...

Danach hatte ich erst mal Kognitive Schwierigkeiten, das Sprechen musste ich auch wieder neu lernen. Dazu kommen Dinge wie wenig fühlen, schlechte Orientierung/Wege ums verrecken.nicht merken können. Visuell konnte ich aber nichts feststellen. Es hat sich ja außerdem auch ganz viel wieder gebessert mit dem sprechen und denken z.B.
Auf jeden Fall hat es sich gelohnt.

Ich weiß nicht, wie alt du bist. Je älter, desto schwieriger wird das Wiedererlernen der ganzen Dinge. Aber wenn es gar zu riskant ist, dann empfehlen es die Ärzte auch nicht mehr.  Vielleicht kann die Op auch bis nach der Matura warten?

Also wie geschrieben, ich habe zwar noch rechts paar Teile der Amygdala, aber Dinge vorstellen, das geht schon noch, da gibt es ganz andere Probleme, wie das nicht mehr wiedererkennen von Menschen, wenn man sie länger nicht mehr sieht!

Viel Glück für deine Entscheidung!

Lg Joy

Viola M

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Re: Operation: Entfernung 2/3 des Temporallappens re.
« Antwort #2 am: 05. März 2018, 19:19:30 »
Hallo lichtfang,
ich hatte vor der OP visuelle Lernschwierigkeiten, bei mir wurde auch eine Amygdalahippocampektomie rechts durchgeführt. Auch ich hatte komplex-fokale Anfälle mit einzelnen GM. 20 Jahre war ich danach anfallsfrei, visuelle Lernschwierigkeiten habe ich seit der OP nicht mehr, auch sonst keine kognitiven oder Sprachprobleme. Wenn es möglich wäre, würde ich diese OP sofort wieder durchführen lassen, auch wenn es natürlich gefährlich war: aber jede OP mit Narkose hat gewisse Gefahren.
Schöne Grüße
Viola

lichtfang_07

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Re: Operation: Entfernung 2/3 des Temporallappens re.
« Antwort #3 am: 06. März 2018, 11:09:22 »
Vielen Dank schon mal für eure Antworten.


Joy:
Ich bin jetzt 23 Jahre alt. Die Matura würde 2 1/2 Jahre dauern und danach wollte ich gern Sozialarbeiter werden.  :)
Die Ärztin hat mir jetzt keine direkte Antwort gegeben, sie meinte so auf die Art wenn man es wirklich will schafft man es auch.
Beim mir wird der ganze re. Mandelkern entfernt  :-\ sie meinte aber das das nicht schlimm ist und das man links auch noch einen hat.  :testwall:

Wenn ich noch fragen darf:
Mit wievielen Jahren hattest du deine Operation und wie lange ist das jetzt her? Und wenn ich so frech sein darf, was arbeitest du bzw. wie geht es dir im Berufsalltag damit?


Viola:
Schön zu hören, wie sehr du von der OP profitierst.
Du schreibst ja: "20 Jahre war ich danach anfallsfrei", sind deine Anfälle wieder zurückgekommen bzw. konntest du deine Medikamente auch loswerden?
Mit wievielen Jahren wurdest hattest du die OP?


Man ist sehr hin und hergerissen, ich weiß das ich die OP machen möchte, meine Ärztin hat gemeint wenn ich sie nicht mache, würde es in 10 Jahren ohnehin so sein. Da dann der Mandelkern und der Hippocampus nicht mehr funktionieren würde, durch die ganzen Anfälle. Und das es besser sei jetzt diese Teile zu entfernen, da das Gehirn evtl. besser umlernt.  :escape:


Würde mich über eure Antworten freuen, ich hoffe ich bin nicht zu aufdringlich, aber ich merke es tut mir gut mit jemanden zu reden die selbst das durchmachten.

Joy

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Re: Operation: Entfernung 2/3 des Temporallappens re.
« Antwort #4 am: 06. März 2018, 11:55:08 »
Hi lichtfang-07,

kein Problem, deswegen sind wir ja alle hier, weil hier so ziemlich die einzigsten Leute rumlungern, die einen verstehen... :\

Die wesentlichen Funktionen funktioneren schon noch, wenn auch nicht mehr ganz so gut wie vorher. Wurde mit fast 10 Jahren operiert. Der Arzt meinte, da ist eh alles kaputt und es geht nichts mehr, dann kann man es auch gleich rausnehmen. Das ist schon über 15 Jahre her (unglaublich wie schnell man uralt wird :´-() Bin Bürokauffrau geworden, wurde aber ziemlich schnell in Rente geschickt, jetzt bin ich mit schämen beschäftigt. <-( Mit Epilepsie und nur 3 Stunden Arbeit am Tag  will dich so ziemlich keiner mehr und in dem letzten Laden herrschte übelstes Mobbing, dann lieber so, wie jetzt... Hab fast täglich Änfälle und bin dann irgendwie nur noch angefressen davon >:-( Im Berufsalltag dort ging so, aber an Anfallstagen war ich einfach nur ko, daneben, verpeilt, oft genug hat man mir das auch angesehen. Den ganzen Tag müde sein, ist halt doch nicht so super.

lg Joy

Viola M

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Re: Operation: Entfernung 2/3 des Temporallappens re.
« Antwort #5 am: 06. März 2018, 12:24:54 »
Hallo lichtfang,
ich wurde mit 27 Jahren operiert, da hatte ich die Epilepsie schon ca. 14 Jahre. Heutzutage würde man nicht mehr so lange warten, da in meinem Fall z.B. der Epilepsiefokus von der rechten Seite auf die linken Seite übergegangen ist und wie du schon geschrieben hast: einen Amygdala braucht man fürs Gedächtnis, daher ist eine zweite OP bei mir nicht möglich, rechts ist ja schon entfernt und bisher ist meine kognitive Leistung bestens. Ohne Medikamente war ich auch nach der OP nie, die Medikamente wurden reduziert bis ich Auren bekam, dann wurde leicht erhöht bis zur kompletten Anfallsfreiheit, damals wurde sehr vorsichtig der Epilepsiefokus entfernt, heute ist die Technik besser.
Ich habe in der medizinischen Forschung gearbeitet, musste also bis zur Rente immer Höchstleistung -auch gedächtnismäßig- bringen, oft waren 10-14 Stunden Tage mehrfach pro Woche ganz normal, aber es war höchst interessant u neben der Familie das schönste.
Ich bin nicht in Rente wegen der Epilepsie, es kam gesundheitlich wieder was anderes dazu, wodurch ich dann in Rente gehen musste.

LG Viola

Charlygirl

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Re: Operation: Entfernung 2/3 des Temporallappens re.
« Antwort #6 am: 09. März 2018, 19:55:55 »
Hallo,

ich bin Linkshänder und wurde Linkstemporal operiert. Leider wurde meine Epilepsie eher schlechter durch die Op. Ich hatte vor der Op nur komplex fokale Anfälle. Jetzt habe ich mehr komplex fokale Anfälle und Grand Mal Anfälle sind noch dazugekommen.
Mein Gedächtnis ist auch seit der Op viel schlechter. Manchmal würde ich die Op gern rückgängig machen, aber das geht nicht.
Die Ergebnisse von Epilepsie-Ops sind sehr unterschiedlich. Angeblich liegen die Chancen auf Anfallsfreiheit bei Temporallappen-Ops bei 80 Prozent.
Bei Rechtshändern ist die dominante Hirnhälfte mit Sprachfunktionen und dominanter Gedächtnishälfte links, so dass dann auch in der Regel rechts operiert werden kann. Es ist aber nicht gesagt, dass man keine Beeinträchtigungen durch die Op hat.


Viele Grüße

lichtfang_07

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Re: Operation: Entfernung 2/3 des Temporallappens re.
« Antwort #7 am: 16. März 2018, 11:53:41 »
Danke für eure Antworten! Es ist sehr interessant eure Erfahrungen zu lesen und schön zu hören wie manche trotz der anstrengenden Zeit danach von der Op profitieren.  :) Jeder hat seine eigene Geschichte und letztenendes kann ich nur selbst entscheiden. :escape:  Ich versuche mich einfach gut daraufvorzubereiten, körperlich als auch psychisch. Wie ist es euch vor der OP gegangen bzw. hattet ihr irgendwelche Strategien die euch immer wieder Kraft gaben und stärkten?? :luftguck: