Autor Thema: Levetiracetam Wirkungsdauer  (Gelesen 688 mal)

Inversible

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Levetiracetam Wirkungsdauer
« am: 04. April 2018, 17:27:02 »
Hallo,

ich nehme nun seit 2012 Levetiracetam. Seit 2015 dazu noch Lamotrigin was aber gerade runtergefahren wird, weil es mir nicht gut tut.
Da ich seit paar Wochen Probleme habe mit dem Tabletten schlucken, steige ich ab heute oder morgen nun von Aurobindo um auf Desitin. Die stellen nämlich das Granulat her. Das hatte ich ganz am Anfang genommen weil ich Angst hatte vor Tabletten, also vertragen tu ich es. Allein bei Levetira bin ich momentan bei 1500 morgen und abends, da ich am Samstag ohne Grund einen Anfall bekommen hatte.

Nun habe ich zwei Fragen:

1. Gibt es bei Levetira eine Grenze? Lese nämlich überall 1500 mg morgen und abends maximal.

2. Habe ich gehört, dass es bei Levetira sein kann, dass sich der Körper so daran gewöhnt, dass die Wirkung trotz hoher Mengen abnimmt. Stimmt das? Auch soll Levetira nicht so lange im Blut bleiben wie zum Beispiel Lamotrigin.

Gruß

Amazönchen

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Re: Levetiracetam Wirkungsdauer
« Antwort #1 am: 04. April 2018, 19:54:30 »
Hallo

Ich nehme Keppra (Originalpräparat) mit dem Wirkstoff Levetiracetam seit 2006 und es wirkt immer noch prima.
Ich nehme es in einer Höhe von 2000 mg - 2000 mg. Als ich die Dosis auf 3500 mg reduzierte, traten wieder vermehrt Anfälle auf    :jojo:
Man liest resp. der Arzt sagt, dass Studien ergeben haben, dass Dosen über 4000 mg / Tag keine Wirkungen mehr haben. (Anm. Es gibt immer Ausnahmen, das ist immer ein Durchschnittswert. Das ist aber eine ganz persönliche Anmerkung von mir.)

Der Hersteller des Präparates gibt immer ein mind. und max. therapeutische Bereich an. Dieser beruht jedoch auf Studien. Dort wird notiert, bei welchen Dosen, ab wenigsten Anfälle auftraten. Und das ist dann der therapeutische Wert. - Dort, wo  keine Verbesserung auftrat, dort ist der therapeutische Wert (in den Studien) am Ende.

Für den Arzt ist es ein guter Anhaltspunkt. Aber wenn er sich da stur dranhält, ist es für mich kein guter Arzt. Die optimale Dosis ist dann, wenn die Dosis so nieder wie möglich ist und gleichzeitig Anfallsfreiheit. Bringt ja nichts, wenn Du 3000 mg Levetiracetam frisst, wenn es 1000 mg (rein hypothetisch) auch machen würden, oder?


Der menschliche Körper kann (muss aber nicht) sich an Substanzen gewöhnen. Bei mir hat das nach 11 Jahren bei Levetiracetam noch nicht geklappt.....  Aber Du darfst nicht alles dem Medikament anhängen. Wenn Deine Hirnzellen aktiver werden, dann gibt es evtl. Anfälle. Ich ganz persönlich unterstelle, dass man zu wenig differenzieren kann als Laie. Wie es beim Profi aussieht, weiss ich nicht.

Wie lange das Levetiracetam im Blut ist gegenüber dem Lamotrigin, das hängt von der Halbwertszeit ab. 
Halbwertszeit von Lamotrigin:       zwischen 24 und 35 Stunden
                          Levetiracetam:   7 Stunden

Aber dass Lamotrigin und Levetiracema verschiedene Halbwertszeiten haben, sind andere Gründe, das ist die Pharmakokinetik der zwei Medis. Und die ist halt verschieden.

Pharmakokinetik heisst:

Die Pharmakokinetik beschreibt die Gesamtheit aller Prozesse, denen ein Arzneistoff im Körper unterliegt. Dazu gehören die Aufnahme des Arzneistoffes (Resorption), die Verteilung im Körper (Distribution), der biochemische Um- und Abbau (Metabolisierung) sowie die Ausscheidung (Exkretion). Ist zusätzlich vor der Resorption die Freisetzung (Liberation) des Arzneistoffes aus der Arzneiform von Bedeutung, wird auch die Abkürzung LADME für die Gesamtheit dieser Prozesse verwendet.
Quelle: www.wikipedia.de, Suchbegriff: Pharmakokinetik


Dann hier geht es um die Halbwertszeit, hier geht man genauer auf Deine Frage ein:
 http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Halbwertszeit

Wenn wir eine Tablette schlucken oder eine Injektion in eine Vene erhalten, verbleibt das Arzneimittel nicht für unbegrenzte Zeit im Körper, sondern wird innert Stunden bis Tagen wieder ausgeschieden. Diese sogenannte Elimination erfolgt häufig über den Harn und den Stuhl. Für eine Arzneimitteltherapie ist es wichtig, die Geschwindigkeit zu kennen, mit welcher der Prozess abläuft. Denn sie bildet die Basis für das Dosierungsintervall, d.h. wie häufig eine Verabreichung notwendig ist, um einen konstanten Blutspiegel und eine anhaltende Wirkung zu erhalten. Medikamente, die schnell eliminiert werden, müssen mehrmals täglich eingenommen werden, bei Wirkstoffen mit einer langen Wirkdauer reicht hingegen beispielsweise eine einmal tägliche Einnahme aus.

Als Mass für die Geschwindigkeit wird die sogenannte Halbwertszeit verwendet, ein Begriff, der ursprünglich aus der Radiochemie stammt und deshalb auch im Zusammenhang mit der Atomdiskussion und der Entsorgung radioaktiver Abfälle verwendet wird. In der Pharmakologie bedeutet die Halbwertszeit diejenige Zeitspanne, in welcher die Konzentration eines Arzneimittels im Organismus resp. im Blut auf ihren halben Wert (50%) absinkt. Gemessen wird die Wirkstoffkonzentration in der Regel im Plasma (Plasmahalbwertszeit). Die Halbwertszeit beträgt zum Beispiel für den Betablocker Esmolol 9 Minuten, für das Schmerzmittel Ibuprofen 1-2 Stunden und für das Malariamittel Mefloquin bis zu 4 Wochen. Das lipophile Insektizid DDT hat im Menschen eine extrem lange Halbwertszeit von bis zu 10 Jahren.


Ich hoffe, Dich nicht noch mehr verunsichert zu haben. Das wäre nicht meine Absicht. Fakt ist: Levetiracetam muss (mind.) 2 mal am Tag genommen werden. Die Wirkung hört nicht zwingend bei 3000 mg / Tag auf.
Da bin ich als medizinischer Laie aber wirklich absolut überzeugt, da ich das Arzneimittel selbst nehme, mich damit mit Fachvorträgen und anderer Fachliteratur auseinandergesetzt habe. Und auch selbst Erfahrungen sammeln durfte, z.B. was die Dosis nach oben betrifft.
Lamotrigin nehme ich übrigens auch   :jojo:
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Re: Levetiracetam Wirkungsdauer
« Antwort #2 am: 04. April 2018, 20:29:18 »
Vielen Dank für die ausführliche Antwort.  :)

Was sagst du zum Punkto Kaffee? Also ich trinke am Tag mindestens zwei Tassen und ich merke nichts. Trinkst du Kaffee?

Amazönchen

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Re: Levetiracetam Wirkungsdauer
« Antwort #3 am: 10. April 2018, 14:35:41 »
Ich habe jahrelang nur am Morgen einen Instant-Kaffee getrunken.
Seit November habe ich eine Nespresso-Maschine und ich trinke wieder - wie vor 10 Jahren - sehr viel Kaffee. (4 Tassen mind.) - Was sollte ich denn merken? So um 14.00 Uhr muss ich einen starken Kaffee trinken, oder ich schlafe im sitzen ein. (NW von Zonegran).

Es sollte ich Deiner Meinung nach merken? - Ich schreibe sonst nur in die falsche Richtung.
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Re: Levetiracetam Wirkungsdauer
« Antwort #4 am: 11. April 2018, 19:02:44 »
Okay :)

Ich hatte nämlich von Personen gehört, bei denen das Koffein zu Anfällen geführt hat. Weil es wirkt ja stimulierend. Einmal hatte ich einen so starken Kaffee getrunken, dass ich nur noch schwarze Kreise gesehen hatte, aber das ist ne andere Geschichte.  :jojo: