Autor Thema: Zeitweise geistige Verwirrtheit  (Gelesen 7855 mal)

Reinhard Neumann

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Zeitweise geistige Verwirrtheit
« am: 14. April 2018, 09:52:51 »

Meine Frau Angelika bekommt trotz Medikamenteneinnahme jeden Monat Anfälle.
Aber das ist noch nicht das Schlimmste.
Schlimmer ist es, dass sie ca. 1 Woche nach ihrem letzten Anfall scheinbar geistig verwirrt ist.
Wie sich das bemerkbar macht? Sie sitzt auf dem Sofa und schaut nur aus dem Fenster oder vor sich hin. Sie verweigert die Tabletteneinnahme. Sie verweigert das Trinken. Sie sagt agressive Worte zu mir. Sie vergisst ihre täglichen sonstigen Arbeiten. Seit drei Tagen gebe ich ihr die Tabletten im Musli zu essen und sie hat es noch nicht bemerkt. Ein großes Problem ist es das zu den Medikamenten auch morgens und abends jeweils 1 Kapsel Pregabalin gehört. Und ich weiss nicht ob sie diese unbemerkt zerkaut oder ganz runtergeschluckt hat. Gestern hatte sie nur eine Hälfte der Schüssel lehr gegessen und zu mir gesagt: "Die andere Hälfte ist für Dich". Dass hat sie auch mit dem Essen versucht. Da habe ich einfach den Teller gedreht und gesagt: "Da ist noch eine andere Hälfte für Dich" Das hat Gott sei Dank funktioniert.
Wie geht ihr mit solchen Zeiten der Verwirrtheit um?
mit freundlichen Segensgrüßen
Reinhard Neumann

yossarian

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #1 am: 14. April 2018, 10:59:37 »
Hallo Reinhard,

guten Tag und herzlich willkommen bei uns im Forum. Du bist auf einer Plattform für Epilepsiekranke und ihre Angehörigen. Gut, dass Du zu uns gekommen bist. Nur leider können wir dir nicht helfen, Diagnosen stellen dürfen nur Ärzte.

Du hast die Symptome gut geschildert, beim nächsten Besuch beim Neurologen würde ich es so weitergeben. Ich gehe davon aus, dass der hellhörig wird, wenn Du ihm das erzählst. Du schreibst, dass Du deine Frau überlistest, indem Du ihr die Pillen ins Müsli packst? Meines Wissens nach isst man Müsli mit Milch. Wenn das so sein sollte, können die Tabletten nicht helfen, weil der Wirkstoff nicht wie gewünscht an den Körper abgegeben werden kann. Denn Tabletten dürfen nur mit Wasser ohne Kohlensäure genommen werden.

Hat sie dem Arzt erzählt, dass sie Medikamente nicht nehmen will? Geht der Wille, mit Medikamenten anfallsfrei zu sein, nicht von ihr aus? Ich finde, aus Deiner Schilderung lässt sich sehr viel deuten, nur steht es mir als Patient ohne medizinisches Wissen nicht zu, dazu etwas zu schreiben. Ich wünsche ihr gute Besserung und dir weiterhin die Kraft, für sie da zu sein.

Liebe Grüße
yossarian

Joy

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #2 am: 14. April 2018, 11:10:06 »
Hallo Reinhard,

hast du sie mal gefragt, warum sie die Tabletten und das Trinken nicht mehr zu sich nehmen will?

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass man nach Anfällen schon mal verwirrt sein kann. Aber das äussert sich bei mir dann eher in Dinge vergessen, in die falsche U-Bahn steigen, solche Dinge und geht nach einem Tag wieder vorbei.

Das ist ein Fall für den Arzt! Die Sache mit dem Müsli... da könnte sie irgendwann dahinter kommen und wie schon erwähnt worden ist, mit Milch kommt nicht mehr viel Wirkstoff an.

Alles Gute für euch beide, dass sich das bald klärt!

Lg Joy

Reinhard Neumann

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #3 am: 14. April 2018, 11:26:40 »
Das mit der Milch habe ich schon mit dem Neurologen geklärt. Er meinte ich darf diese Art von Tabletten in Milch auflösen. Kritischer ist die Sache mit den Kapseln. Die Verhaltensweise meiner Frau nach den Anfällen ist dem Neurologen auch bekannt. Als ich mit meiner Frau bei ihm war, sagte meine Frau, dass sie nicht noch mehr Tabletten nehmen will um die Anfälle noch mehr zu mildern.
Ihr müsst Euch den Zustand meiner Frau so vorstellen, als hätte sie zeitweise Demenz und reagiert ärgerlich wenn man ihr Tabletten hinlegt und sie auffordert diese zu schlucken. Manchmal reicht es aus, ihr die Tabletten nacheinander in eine Hand zu legen, dann nimmt sie die Tabletten.
Aber eben nicht immer. Dann legt sie die Tabletten einfach wieder hin. Ich kann sie wenn sie in diesem Zustand (der ca. 3-5 Tage anhält) ja nicht zwingen. Denn dann wehrt sie sich.
Vielleicht solltet Ihr noch wissen, dass Angelika seit ihrem 12 Lebensjahr eine resistente Epilepsie hat und jeden Monat ca. 4-8 Anfälle hat, die am Anfang mit sehr lautem Geschrei und gleich danach mit einer längeren Schlafphase einhergehen.
Selbst ein chirurgischer Eingriff würde keine Verbesserung bringen, weil der Anfallsherd im Gehirn sowohl mit dem Kurzzeitgedächtnis wie auch mit dem Langzeitgedächtnis verbunden ist. Das ist das Ergebnis einer eingehenden stationären Diagnose im Epilepsiezentrum Bonn.
Ich glaube eines der größten Hindernisse für eine regelmäßige Tabletteneinnahme ist die Tatsache, dass der Patient von den Anfällen selbst nichts mit bekommt, aber sehr wohl unter den Nebenwirkungen der Medikamente leidet.
Hat denn keiner von Euch Angehörigen mit so einer Epilepsieauswirkung bzw. Medikamenteneinwirkung zu tun?
« Letzte Änderung: 14. April 2018, 11:45:24 von Reinhard Neumann »
mit freundlichen Segensgrüßen
Reinhard Neumann

Lena2911

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #4 am: 14. April 2018, 15:01:42 »
Woher ist die Information, dass man keine Tablette niemals mit Milch einnehmen darf?
Wenn dies so wäre, müsste man das in den Packungsbeilagen lesen.
Es gibt einige Medikamente, bei denen das so ist, aber nicht bei allen.
Ich nehme jetzt seit 1,5 Jahren AE morgens mit Milch ein und bin von 6 Anfällen am Tag auf 0 Anfälle seit 260 Tagen runtergekommen...

Herzblatt

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #5 am: 14. April 2018, 16:55:41 »
Hallo Reinhard,

mein Mann hat Epilepsie, Grand Mals, zum Glück mittlerweile sehr gut eingestellt.

Doch wir hatten auch schon eine Zeit mit mehreren Anfällen pro Woche, teilweise 4 Stück am Tag.

Aber diese Verwirrtheit, wie Du sie beschreibst ist nie aufgetreten.
Nicht in diesem Maße.

Das mein Mann nicht wusste, wo er war, nichts von dem Anfall wusste, kleine Blackouts hatte, ja, aber nicht so gravierende Verwirrtheit, die Deiner Beschreibung nach tatsächlich Ähnlichkeit zur Demenz aufweist.

Das muss unbedingt mit dem Neuro abgeklärt werden.

Lieben Gruß
Herzblatt
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aggi61

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #6 am: 15. April 2018, 07:41:56 »
Moin Herzblatt

Epilepsie - die Krankheit mit den vielen Gesichtern ...

Zitat
Aber diese Verwirrtheit, wie Du sie beschreibst ist nie aufgetreten.

Ich habe viele Jahre in der ambulanten Pflege gearbeitet und dort hatte ich eine Patientin mit einer Art Epilepsie - ähnlich wie der, die Reinhard sie von seiner Frau beschreibt.

Diese Patientin (schon etwas älter) war eigentlich vom Verhalten ganz normal, wir halfen ihr lediglich bei der täglichen Körperpflege - beim Duschen usw.

Ab und an merkten wir, dass verschiedene Sachen nicht mehr aufzufinden waren: Das Blutzuckermessgerät oder Ähnliches ... kann man verlegen ... OK ...
Aber im Lauf von 3 oder 4 Tagen reagierte die Patientin immer unadäquater ...

Wenn man ihr die Hand zur Begrüßung reichte, dann streckte sie die Zunge raus, sie gab unpassende Antworten auf Fragen, verlangte man beim ankleiden den rechten Arm, gab sie den linken Fuß usw.

Nach der Phase war sie für ca. 1 Woche völlig bettlägrig. Man musste ihr Essen und Trinken eingeben, sie war inkontinent.

Danach konnte sie wieder langsam selbst essenund trinken, den Nachtstuhl benutzen und nach ein paar Tagen war sie wieder fit - bis zum nächsten Anfall.

Also: Es gibt bei der Epi anscheinend nix was es nicht gibt ...
Anfänger haben die Arche gebaut - Profis die Titanic ;)

Schlaf - ist das nicht dieser halbherzige Coffeinersatz???

Herzblatt

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #7 am: 15. April 2018, 10:21:57 »
Hallo Aggi,

ich sprach auch nur von meinem Mann. Und bei uns traten diese Symptome zum Glück nie auf.

Reinhard fragte, ob keiner von uns anderen  Angehörigen mit so etwas zu tun hat.

Und wir hatten das zum Glück nicht.

Wenn Du anderes erlebt hast, ist es schön, dass Du diese Information mit Reinhard teilen kannst.

Und natürlich gibt es unzählige Formen und Ausprägungen der Epilepsie. Und andere können dann darüber schreiben.

Aber ich kann nur schreiben, das so etwas bei uns nicht passiert (zum Glück)!

Sollten solche Symptome jedoch jemals auftreten, wäre für mich selbstverständlich, den Arzt zu informieren und mir Hilfe zu holen. Und wenn es über die Neurologische Klinik wäre.

Lieben Gruß
Herzblatt
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Reinhard Neumann

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #8 am: 16. April 2018, 09:42:23 »
Vielen Dank für Eure Mitteilungen!

Und auch Gott sei Dank!
Heute nach ca. 1 Woche ist Angelika wieder da. Das heisst, sie nimmt wieder selbstständig ihre Tabletten und schluckt sie. Gestern konnte sie auch wieder "vernünftig" reden. Nur auf mich ist sie immer noch ärgerlich und ich muss aufpassen mich nicht zu sehr einzumischen. Nun bin ich gespannt ob sie wieder ihren Alltag sebstständig gestaltet. Irgendwie beruhigt es mich zu wissen, dass es noch andere Patienten gibt die Ähnliches durchmachen. Der Neurologe ist über diese Vorgänge informiert.
Ob mehr Tabletten oder eine höhere Dosis diese Vorgänge stoppen können? Zumal Angelika nicht bereit ist noch mehr Tabletten bzw. eine höhere Dosierung zu nehmen. Ich könnte ja mal mit dem Neurologen über eine höhere Dosierung pro Tablette reden, aber das darf Angelika nicht mitbekommen, sonst verweigert sie sich. Vielleicht sollte ich Angelika dazu veranlassen, die Tabletten die in Milch aufgelöst zu sich genommen dürfen, ins Müsli zu tun. Dann brauchte sie nur noch morgens und abends die Kapsel zu schlucken.
Was meint Ihr?
mit freundlichen Segensgrüßen
Reinhard Neumann

Reinhard Neumann

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #9 am: 16. April 2018, 16:12:15 »
Um Angelikas Epilepsie besser zu verstehen, möchte ich Euch kurz den Werdegang schildern.
Wie ja in einem vorigen Post geschrieben hat sie seit ca. 53 Jahre Epilepsie. Die Auswirkungen wie ich sie zur Zeit schildere waren nicht immer so. Als ich sie 1975 kennenlernte hatte sie nur kurzzeitige Abwesenheit. Auch folgende Schwangerschaften gingen ohne Probleme. Dann gab es eine kurze Zeit in der sie überhaupt keine Anfälle hatte. Danach hatte sie einen chirurgischen Eingriff wegen einer anderen Krankheit. Bei der Verabschiedung einer anderen Patientin trank sie Sekt mit Orange. Und ab da waren die Anfälle wieder da. Mit der Zeit veränderten sich die Anfälle von kurzzeitigen Abwesenheiten mit Aura, über Anfälle mit Aura und Stürzen und einer kurzzeitigen nicht ansprechbaren Phase, bis zur stationären Diagnoseklärung mit Messungen unter der Kopfhaut in dem Epilpsiezentrum Bonn. Ab da war alles anders. Es war vorbei mit einem Warngefühl vom Magen her. Jetzt fällt sie einfach um, egal wo sie sich aufhält. Dies war dann die Zeit für einen Kopfschutz. Aber dann kam ein neues Problem. Sie war und ist auch heute nur in den Anfallszeiten bereit, den Kopfschutz zu tragen. Und selbst in den Anfallszeiten vergisst sie oft den Helm wieder aufzusetzen, den sie sich, wenn sie sich hingesetzt hat, regelmäßig abnimmt. So stehe ich immer "unter Strom". Sobald ich ein lautes Geräusch höre, eile ich.
Bitte bedauert mich nicht. Ich und auch Angelika holen uns unsere Kraft aus dem Glauben an Jesus Christus. In guten wie in schweren Zeiten
mit freundlichen Segensgrüßen
Reinhard Neumann

Joy

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #10 am: 16. April 2018, 18:28:17 »
Hi Reinhard,

wieso sollen wir dich bedauern?, du hast die Epi doch nicht. Obwohl das alles aus Sicht der Angehörigen sicher auch nicht schön ist. Die Medis ohne ihr Wissen zu erhöhen und ihr unterzuschieben, finde ich ein absolutes No go! Die Medis haben Nebenwirkungen und manche von denen sind schwer heftig! Bei meiner letzten Zonnegranerhöhung wurde mein Kopf geradezu leer, ich wurde quasi voll blöd, konnte nur sehr schlecht denken, hatte Probleme bei den kleinsten Dingen, da wird der Alltag zum Horror, da habe ich nach Absprache mit dem Arzt die Medis auch wieder reduziert trotz Anfälle jede Woche. Das ist es mir dann doch nicht wert.

Und ob das irgendwo Körperverletzung ist, jemanden solche Medis zu geben, wenn er nicht will, bleibt auch zu überlegen. Das soll kein Vorwurf sein, aber du handelst gegen ihren Willen und das wird richtig Stress geben.

Ich finde es auch etwas seltsam, dass du über sie mit ihrem Arzt sprichst. Deine Unterstützung ist sehr lobenswert, aber ohne sie? Sie hat auch noch Rechte oder ist unmündig erklärt worden?

Dass sie den Helm nicht überall tragen will, ist nachvollziehbar. Das Teil ist nicht sehr hübsch und man fällt sofort auf. Da kann man sein Outing auch gleich in die Welt schreien. Gegen das Vergessen weiß ich leider auch nichts.

Bleibt bei eurem Glauben, das ist gut, irgendwas braucht der Mensch, an dass er sich klammern kann!

Lg Joy


yossarian

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #11 am: 16. April 2018, 21:21:56 »
Hallo Joy,

ich stimme dir zu, wenn mir jemand ohne mein Wissen Pillen ins Futter packte, würde er es nicht überleben. Und wenn er dennoch überlebte, wäre er bis ans Ende seines Lebens gebrandmarkt, körperlich und moralisch.

Ich finde, Reinhard sollte das Gespräch zu seiner Frau suchen und alles daran setzen, bei Einhaltung aller Toleranz einen guten Weg für beide zu finden. Eine Alternative zum jetzigen Zustand kann nur  ein selbstbestimmtes Leben seiner Partnerin sein, ohne Steuerung durch Dritte. Und wenn sie dann den Helm nicht tragen möchte und die Medikamente vergisst, wäre es ihre Sache und sie alleine, nicht ihr Mann, würde dem Arzt erklären, aus welchem Grunde sie es unterlassen hätte.

@Reinhard
Du hast uns u. a. gefragt, was wir an Deiner Stelle machen würden und wolltest unsere Erfahrungen hören. Wir sind ganz bei Verstand und wissen sehr wohl, was wir wollen. Wir sind empfindlicher als Otto-Normal-Verbraucher, Oberflächlichkeit ist uns nicht gegeben. Wir unterstützen das Gleichheitsgesetz der Bundesregierung. Bitte gebe Deiner Frau eine Chance und unterstütze sie dabei. Ich kann mich gut in Deine Lage versetzen.

Liebe Grüße
yossarian


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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #12 am: 16. April 2018, 22:40:24 »
Hallo Reinhard,

das, was Du von Deiner Frau schilderst, erinnert mich an eine Erkrankung, die oft erst viel zu spät diagnostiziert wird, weil die Krankenkassen bei dem bloßen Verdacht, es könnte sich um übermäßig hohen Hirndruck handeln, das MRT noch nicht bezahlen.

So quälen sich Patienten dann viele Jahre, verlieren ihre kognitiven Fähigkeiten und sind dann nicht mehr in der Lage, sich selbst zu versorgen. Man muss sich das so vorstellen, dass sich mit zunehmendem Alter der Knochenbau verkleinert.

Auch die Hirnwasserkammern (Ventrikel) verlieren dann an Größe. Dadurch steigt der Hirndruck, was zu demenzähnlichen Symptomen führen kann. Ist das schon abgeklärt worden?

Viele Grüße
yossarian


Reinhard Neumann

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #13 am: 08. Mai 2018, 12:26:38 »
Ich bin mit Angelika übereingekommen, die Tabletten in Müsli aufzulösen (was auch der Arzt erlaubte). So dass sie nur noch die Kapseln schlucken muss. Seit Gestern sind sie wieder da, die Anfälle.
Um mehr Verständnis von meiner Frau für meine Situation zu bekommen, haben wir uns vor 2 Tagen auf Youtube unter "Epilepsy" ein Video angesehen.

Welche Erfahrung habt ihr mit Kurzzeit- bzw. Tagespflege in einer Einrichtung?
Verschiedene Einrichtungen in der näheren Umgebung habe ich kontaktiert und jedesmal wurde mir mitgeteilt, dass keine Epileptiker aufgenommen werden. Die Begründung war: Sie könnten es aus Rücksichtnahme auf die anderen Bewohner nicht tun.
Was soll ich machen wenn ich mal mehrere Tage von Zuhause weg muss, aber Angelika nicht allein lassen kann? Brauche ich dann unbediingt einen Richterlichen Beschluss, wie in einem anderen Thema berichtet?
Vielen Dank für eine Antwort
« Letzte Änderung: 08. Mai 2018, 12:43:06 von Reinhard Neumann »
mit freundlichen Segensgrüßen
Reinhard Neumann

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #14 am: 08. Mai 2018, 16:51:49 »
Hallo Reinhard,

schön, dass Du dich wieder meldest. Leider kann ich dir nicht helfen, sondern nur sagen, was ich an Deiner Stelle machen würde. Mediziner behandeln mich nach einer Beratung. Ich wüsste nicht, was mir erlaubt werden sollte. Ich würde Tabletten nicht mit Müsli und Milch einnehmen, weil ich davon überzeugt bin, dass sie so nicht wie gewünscht wirken.

Mit einem Video von Youtube über Epilepsiekranke ist es dir gelungen, mehr Verständnis für deine Situation bekommen. Hast also innerhalb der Familie Mitleid eingeheimst? Wenn ich das lese, stellt sich mir die Frage, wer von euch beiden krank ist.

Epilepsie ist keine Erkrankung, um Pflege in Anspruch zu nehmen. Anders sieht es bei Erkrankungen aus, bei denen der Patient sich nicht mehr selbst versorgen kann. Mir ist nicht bekannt, dass es hier im Forum jemand gibt, der Pflege in Anspruch nimmt.

Epilepsie ist eine Hirnleistungsstörung. Der Patient ist nicht irre, auch psychisch gestört ist er nicht.. Ohne richterlichen Beschluss darf nur eingewiesen werden durch Ordnungshüter, psychiatrische Ärzte und Gerichte. Warum, willst Du Deine Frau einsperren lassen?

Fragen, wie Du sie uns stellst, kann zum Beispiel der Sozialdienst gut beantworten. Ihn gibt es in jeder Stadt oder Gemeinde. Oder ich würde zum Kreisamt zum Gesundheitsamt gehen. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass zunächst alles gemacht werden sollte, um die Epilepsie richtig zu behandeln.

Kann es sein, dass dir die Krankheit Deiner Frau so zu schaffen macht, dass Du selbst gesundheitliche Probleme hast. In solchen Fällen kann psychologische Psychotherapie als Paartherapie verordnet werden. Würde ich mit dem Hausarzt oder Neurologen drüber sprechen.

Ohne zu wissen, wie alt ihr seid, aber es gibt viele Möglichkeiten mit einer Epilepsie zurecht zu kommen. Auch alleine. Vielleicht ginge es Deiner Frau alleine besser als zu zweit. Plötzlich wäre sie gesund und dir ginge es besser? Es ist nicht gegen dich gerichtet, aber ich würde es ansprechen. Alles Gute!

Liebe Grüße
yossarian