Autor Thema: Wie oft Kontrolluntersuchungen?  (Gelesen 847 mal)

kts1

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Wie oft Kontrolluntersuchungen?
« am: 19. Juli 2017, 08:25:43 »
Hallo zusammen,

ich habe eine generalisierte Oligoepilepsie mit Grand Mal-Anfällen (in der Summe ca. 10 Stück). Es besteht - unter Einnahme von Lamotrigin - seit ~ 8 Jahren Anfallsfreiheit.

Vor zwei Jahren habe bei meinem Führerscheinantrag die Epilepsieerkrankung angegeben. Die Konsequenz war, dass ich bei einer amtlich anerkannten Begutachtungsstelle ein fachärztliches Gutachten anfertigen lassen musste, das positiv ausgefallen ist, allerdings auch einen Passus enthält, dass in zwei Jahren eine Nachuntersuchung nötig sei. Die Aufforderung, diese Nachuntersuchung machen zu lassen, ist mir dann letzte Woche ins Haus getrudelt.

Da die Behörde auf die amtliche Begutachtungsstelle besteht, geht das ganze leider ziemlich ins Geld (je nach Begutachtungsstelle zwischen 485 und 800 Euro). Auf Anfrage hat mir die Behörde mitgeteilt, dass sich im Laufe der Zeit die Abstände der Nachuntersuchungen vergrößern können, ob sie ganz eingestellt werden liege aber ausschließlich im Ermessen des jeweiligen Gutachters.

Habt ihr irgendwelche Erfahrungen mit der Entwicklung der Abstände und wisst ihr, wann der Gutachter ggf. befindet, dass keine Nachuntersuchungen mehr nötig sind (sofern keine weiteren Anfälle auftreten)?

Ich habe ja durchaus Verständnis dafür, dass sich die Führerscheinstelle (genau wie ich selbst auch) um die Verkehrssicherheit sorgt, aber ich bin mir bei dem ersten Gutachten ziemlich verarscht vorgekommen. Ich war ca. 20 Minuten bei der Ärztin. Währenddessen hat sie aus ihrer Studienzeit erzählt, mir aufs Knie geklopft und meinen Blutdruck gemessen. Ein EEG, eine Blutabnahme, um den Medikamentenspiegel zu testen oder irgendeine andere Art von Untersuchung, die nur im Entferntesten mit Epilepsie zu tun hat, gab es nicht. Stattdessen hat sie im Wesentlichen einfach den einseitigen Wisch meines behandelnden Arztes (auch darin seit Jahren kein EEG, da es der Arzt gar nicht mehr für nötig hält) in das Gutachten kopiert. Und dafür hat sie dann knappe 500 Euro kassiert und ich habe irgendwie den Eindruck, dass es denen bei den Nachuntersuchungen v.a. darum geht, wieder für quasi null Arbeit einen Haufen Kohle zu verdienen. Gibt es irgendeine Möglichkeit, sich gegen sowas zu wehren, falls mir der nächste Gutachter wieder sowas in das Gutachten schreibt?

Danke im Voraus für eure Hilfe!!

Liebe Grüße

kts

yossarian

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Re: Wie oft Kontrolluntersuchungen?
« Antwort #1 am: 19. Juli 2017, 13:29:28 »
Hallo,

herzlich willkommen bei uns im Forum. Aus meiner Sicht hast Du ein Eigentor geschossen. Die Angabe der Erkrankung wäre nicht nötig gewesen. Die Führerscheinstelle des Straßenverkehrsamtes geht davon aus, dass Du Kenntnis hast, ob Du einen Schein machen darfst oder nicht.  Solltest Du es nicht wissen, würde der Neurologe dich darauf hinweisen.

Die 500 Euro bist Du los. Es ist die Gebühr für die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MUP). Ich würde in Zukunft alle Vierteljahr zum Neurologen gehen, damit auch der nach einem Jahr etwas dazu sagen kann. Leider kann es jetzt lange dauern, bis Du den Schein machen kannst. Ich würde zum VDK oder zu einem der anderen Sozialdienste gehen, die kennen sich aus und wissen besser als wir, was zu tun ist.

Viele Grüße
yossarian
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kts1

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Re: Wie oft Kontrolluntersuchungen?
« Antwort #2 am: 19. Juli 2017, 13:44:34 »
Hallo yossarian,

danke für deine Antwort!

Den Führerschein habe ich bereits seit zwei Jahren, da das erste Gutachten ja in Ordnung war. Mir geht es jetzt konkret um die Kontrolluntersuchungen, die wohl nun in einem regelmäßigen Zeitraum angeordnet werden.

Was das Eigentor angeht hast du wahrscheinlich recht. Ich dachte halt damals, dass ich im schlimmsten Fall einmal so ein Gutachten erbringen muss und dann auf der sicheren Seite bin. Dass die mich dann dauerhaft mit diesen Dingern drangsalieren konnte ich mir nicht vorstellen  :'(

simona

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Re: Wie oft Kontrolluntersuchungen?
« Antwort #3 am: 19. Juli 2017, 17:08:24 »
Hallo kts1,

erstens willkommen hier bei uns im Forum.

Dein Beitrag hat mich total sprachlos gelassen. Damals als ich den Führerschein gemacht habe, habe ich einen Attest von meinem Neurologen vorgelegt und das war es. Ich habe keinen Pfennig (es war 1990) für diese paar Zeilen samt Stempel zahlen müssen. Und musste auch nie wieder zur Kontrolle. (Ich habe den Führerschein noch irgendwo rumliegen, fahre allerdings seit ca. 12 Jahren nicht mehr. )

Ich würde probieren mit solch einem Attest von deinem Neurologen so diese MUP zu "entkommen". 

Viel Glück und LG
simona

yossarian

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Re: Wie oft Kontrolluntersuchungen?
« Antwort #4 am: 19. Juli 2017, 17:10:07 »
Hallo,

mir ist kein Fall bekannt, bei dem das Straßenverkehrsamt regelmäßig Kontrolluntersuchungen angeordnet hat. Zu einmaligen Kontrolluntersuchungen kommt es, wenn Du Auffälligkeiten zeigst, wenn Dein Punktekonto fast voll ist oder direkt nach einem Verkehrsunfall, bei dem es so aussieht, als sei mit Deiner Gesundheit etwas nicht in Ordnung.

Oder der Neurologe kann es über die Straßenverkehrsbehörde veranlassen. Er wird dich auf die Richtlinien „Straßenverkehr und Führerschein“ hinweisen, es von dir unterschreiben lassen  und dir sagen, dass Du das Auto stehen lassen musst, wenn erneut Anfälle auftreten. Sollte er dahinter kommen, dass Du in solch einem Fall dennoch fährst, kann er es der Führerscheinstelle melden.

Die Vierteljahresbesuche beim Neurologen halte ich für unverzichtbar. Erstens zu Deiner Kontrolle und zweitens als Bestätigung dem Amt gegenüber, dass Du dich wegen der Erkrankung regelmäßig untersuchen lässt. Du benötigst regelmäßig Tabletten, da lässt sich das eine mit dem anderen verbinden.

Wenn Du den Führerschein seit 2 Jahren hast, dürfte es kein Schein mehr auf Probe sein, oder? Ich dachte bisher, er läuft die ersten Jahre auf Probe? Oder ist er neuerdings grundsätzlich befristet?

Viele Grüße
yossarian


PS.: Die Richtlinien "Epilepsie und Führerschein" in seiner aktuellen Fassung findest Du über unsere Suchfunktion oben rechts.
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kts1

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Re: Wie oft Kontrolluntersuchungen?
« Antwort #5 am: 19. Juli 2017, 19:55:55 »
Hallo nochmal,

danke für den Hinweis mit den Leitlinien. Der Link im Forum hat leider nicht funktioniert, aber ich denke, dass ich über Google das richtige gefunden habe (https://www.bast.de/DE/Verkehrssicherheit/Fachthemen/BLL/Begutachtungsleitlinien-2016.pdf?__blob=publicationFile&v=9).

Auf Seite 52 heißt es da: "Bei Fahrerlaubnisinhabern beider Führerscheingruppe sind eine fachneurologische Untersuchung sowie fachneurologische Kontrolluntersuchungen in zunächst jährlichen Abständen erforderlich. Im Verlauf (etwa bei einer langjährigen Anfallsfreiheit) kann das Intervall zwischen den Untersuchungen verlängert werden."

In dem Gutachten vor zwei Jahren stand wahrscheinlich aus diesem Grund: "Aufgrund der langjährigen Anfallsfreiheit ist eine Nachuntersuchung in zwei Jahren ausreichend". Das wiederum wird die Führerscheinstelle zum Anlass genommen haben, mich jetzt zu einem neuen Gutachten aufzufordern. Ich hatte nie einen Unfall oder Punkte und die Probezeit ist mittlerweile auch vorbei, insofern wird es daran eher nicht gelegen haben.

Ich habe bei der Behörde nachgefragt, ob es in Ordnung wäre, wenn ich das Gutachten bei einem "normalen" Neurologen (also außerhalb einer amtlichen Begutachtungsstelle) anfertigen lasse, da es dort weitaus günstiger wäre. Der Sachbearbeiterin zufolge war das wohl bis vor einigen Jahren möglich. Da diese Gutachten aber häufig nicht den Vorschriften entsprochen hätten, habe man sich dazu entscheiden, allgemein nur noch Gutachten von amtlichen Begutachtungsstellen (also TÜV, Dekra, etc.) zu akzeptieren.

Also ich fürchte in den sauren Apfel mit dem zweiten Gutachten werde ich wohl oder übel beißen müssen. Ich würde nur gerne verhindern, dass in Zukunft noch weitere Gutachten von mir verlangt werden (wobei ich eben nicht weiß, wie das gehen soll). Im Idealfall wird der zweite Gutachter sagen, dass keine Nachuntersuchung nötig ist, aber wenn ich mir die Leitlinien anschauen, ist da ja nur die Rede von größeren Intervallen und nicht davon, dass die Kontrolluntersuchungen gar nicht mehr durchgeführt werden müssen. Meint ihr, der Gutachter kann sich darüber hinwegsetzen bzw. glaubt ihr, dass es Sinn macht, mit ihm darüber zu "verhandeln"?

Danke und liebe Grüße

kts

Muschelschubser

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Re: Wie oft Kontrolluntersuchungen?
« Antwort #6 am: 20. Juli 2017, 23:13:33 »
Hallo kts, meiner Meinung nach brauchst Du mit dem Gutachter nicht zu verhandeln. Lass Dich von Deinem Arzt beraten und vom Sozialverband VdK, da sitzen Fachleute.

Alles Gute, viel Glück!
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kts1

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Re: Wie oft Kontrolluntersuchungen?
« Antwort #7 am: 21. Juli 2017, 15:09:37 »
Hallo nochmal und vielen Dank für eure Antworten!

Ich habe jetzt mit einem Anwalt gesprochen. Der hält es auch für ein ziemliches Eigentor, dass ich die Epilepsie damals angegeben habe. Jetzt kann man ihm zufolge juristisch leider nicht besonders viel tun. Während es gegen die Anordnung des Gutachtens überhaupt keine Rechtsmittel gebe, könne man theoretisch den darauf folgenden Bescheid der Behörde, in dem auf die später anstehende Nachuntersuchung hingewiesen wird, anfechten. Die Erfolgsaussichten hält er aber für sehr gering, da sich juristisch kaum gegen die medizinische Einschätzung eines Arztes argumentieren lasse.

Insofern bleibt wohl nur die Hoffnung, dass der nächste Gutachter nicht wieder eine Nachuntersuchung für nötig hält. Ich würde mich wirklich nie ans Steuer setzen, wenn ich gerade einen Anfall hatte und mein behandelnder Arzt mir nicht wieder grünes Licht gegeben hat. Das werde ich dem Gutachter soweit wie möglich auch deutlich machen. Ob er mir Glauben schenkt bzw. überhaupt gewillt ist, auf eine Nachuntersuchung zu verzichten, steht leider auf einem anderen Blatt.

Danke euch auf jeden Fall nochmal für eure Hilfe! Wenn sich etwas neues ergibt bzw. mir das Gutachten vorliegt, werde ich hier auf jeden Fall nochmal schreiben!

Liebe Grüße

kts
« Letzte Änderung: 21. Juli 2017, 15:13:33 von kts1 »

CrazyGrisu

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Re: Wie oft Kontrolluntersuchungen?
« Antwort #8 am: 28. Juli 2017, 12:12:27 »
Moin!

Jede Führerscheinstelle verfügt über  eine detailierte Liste von Verkehrsmedizinern.

Die Führerscheinstelle hat keinen Rechtsanspruch sich gegen das Gutachten zu befinden.
Besonders gerne verwenden die bei nicht gefallen den Begriff Befangenheit.

Besorge Dir einen guten Anwalt für Verkehrsrecht.
Rede offen über alles mit dem, gib ihm Arztbriefe mit einem für Dich guten Anfallsfreien Verlauf.

Das Honorar lässt Du mittels einer Generalvollmacht  seinerseits über Deine Verkehrsrechtschutz laufen.
Ein übliches aussergerichtliches Verfahren koste Deine Versicherung 500-700 Euro.
Mein letztes Gutachten hat 130 Euro gekostet.

Die Führerscheinstelle ( https://youtu.be/dSvZpdplN_E )versteht von Epilepsie nichts aber sie befinden wegen dem Todesfahrer von Eppendorf

 selbstherrlich im Gottmodus was Recht und Recht ist.

schönes  Wochenende
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Sarastro

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Re: Wie oft Kontrolluntersuchungen?
« Antwort #9 am: 29. Juli 2017, 00:23:52 »
Hallo,

komische Sache. Bin seit 10 Jahren anfallfrei und muss 1x im Jahr zum Neuro. 1x EEG und die Bitte um Erwähnung der Fahrtauglichkeit im Bericht an meinem HA reicht aus.

Ich habe meine EPI angegeben, als ich den FS gemacht habe ( muss man), habe ein DINA4 Attest bekommen, vorgelegt und das wars. Von Nachuntersuchungen und Gutachten habe ich bisher noch nichts gehört und auch keinen Schrieb bekommen.

Grüße
Sarastro
Willst du glücklich sein im Leben,
trage bei zu andrer Glück.
Denn die Freude, die wir geben,
kehrt ins eigne Herz zurück.

(Johann Wolfgang von Goethe)

CrazyGrisu

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Re: Wie oft Kontrolluntersuchungen?
« Antwort #10 am: 11. September 2017, 13:24:06 »
Bist Du als Berufskraftfahrer tätig?
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kts1

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Re: Wie oft Kontrolluntersuchungen?
« Antwort #11 am: 11. September 2017, 16:00:12 »
Bist Du als Berufskraftfahrer tätig?

Hallo CrazyGrisu,

nein, ich bin nicht als Berufskraftfahrer tätig - ich fahre nur privat.

Meine Begutachtung steht in ein paar Tagen an, ich werde dann auf jeden Fall darüber berichten!

Zwischenzeitlich habe ich übrigens eine Rechnung der Führerscheinstelle über 28,09 Euro für die "Anordnung einer fachärztlichen Fahreignungbegutachtung" erhalten - als wären die 500 Euro für die Untersuchung noch nicht genug...  ::)

Liebe Grüße

kts

Viola M

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Re: Wie oft Kontrolluntersuchungen?
« Antwort #12 am: 26. September 2017, 14:45:52 »
Ich habe 1986 den FS gemacht, aber mich hat keiner nach Krankheiten gefragt. Mein damaliger Neurologe hatte zum Glück keine Ahnung und somit auch nichts dagegen, dass ich den Führerschein mache!!! Ich war aber therapierefraktär, hatte aber zum Glück hauptsächlich isolierte Auren und nur vereinzelt größere Anfälle. Damals waren auch so Fälle wie der Todesfahrer von Eppendorf noch nicht so bekannt, also hat einem kein Neurologe ein Fahrverbot ausgesprochen oder dazu geraten. Ich habe sogar mit 20 den Motorrad-FS gemacht, als ich dann aber immer öfter dyskognitive und GM hatte, habe ich das Auto sofort stehen lassen. Nach meiner OP und entsprechend langer Anfallsfreiheit (1 Jahr) hat mein Epileptologe grünes Licht gegeben und ich konnte sofort wieder fahren und brauchte zu keiner Kontrolle.