Autor Thema: Gedächtnissschwäche  (Gelesen 187 mal)

Tulpe27

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Gedächtnissschwäche
« am: 08. August 2017, 14:57:00 »
Hallo,

Ich habe seit meinen 13 Lebensjahr Epilepsie. Seit einigen Jahren (4) nehme ich jetzt 3 verschiedene Medikamente( levitiracetam, Zonegran und Vimpat).Seit ich diese Kombination habe bin ich Anfallsfrei, eigentlich gut aber ich habe so schlimme Nebenwirkungen. Zu Beginn wo ich die Tabletten angefangen hab zu nehmen wusste ich ab und zu denn weg in die arbeit nicht mehr, Ausschläge usw..kammen dazu.  Es wurde dann zwar besser aber jetzt fängts wieder an.

Ich arbeite im Einzelhandel und gestern beim Kassieren  konnte ich die 1 cent stücke von die 2 cent stùcke nicht ausseinander halten. Ab und zu sehe ich alles doppelt und dann kommt es vor das ich aufeinmal die sätze die andere sagen nicht so richtig verstehe oder wie wenn sie nicht richtig ankommen würden. Vor allem kann ich mir nichts merken (hört sich jetzt blöd an) aber ich hab mir z.b. einen kurzfilm angesehen, das einzige was ich noch weiss ist das er lustig war ich kann mich nicht mehr an die handlung erinnern und das passiert mir andauernd. Ich kann mich nicht konzentrieren und vor 2 wochen war ich im KH und mein arzt meinte dass das Gedächtnissschwäche wäre!!!! Ich glaub der weiss selber nicht was das ist!!! Er meint entweder ich finde mich damit ab oder wir probieren andere Medikamente aus, nur ich hab schon soviele Medikamente ausprobiert. Ich fühl mich auch nicht wirklich ernst genommen.

Ich hab einfach Angst das es schlimmer wird und ich noch verwirrter sein werde. Bei mir in der Arbeit weiß keiner das ich Epilepsie.

Hat einer von euch mit sowas erfahrung.

Lg

Herzblatt

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Re: Gedächtnissschwäche
« Antwort #1 am: 09. August 2017, 11:08:23 »
Hallo Tulpe27,

ich kenne Deine Symptomatik nur zu gut und kann verstehen, dass Du Angst hast.
Erstmal tief durchatmen.

Deine Symptome können natürlich Nebenwirkungen sein, das wäre mit Deinem Neuro abzuklären.

Es kann aber auch sein, dass das gar nichts damit zu tun hat.

Ich habe keine Epilepsie, sondern mein Mann.

Ich hingegen habe HMS (Hypermobilitätssyndrom) und tatsächlich eine erwiesene Konzentrationsschwäche.

Und zwar nicht das typische ADS, was ja gerne bei aufgeweckten Kindern viel zu schnell diagnostiziert wird, sondern ganz reel eine Schwäche, die, je länger und anstrengender der Tag ist, zunimmt.

Mein Tag fängt in der Regel gut an, ich bin im vollen Besitz meiner Sinneskräfte und motorischen Fähigkeiten.
Nach und nach (je stressiger der Tag ist, um so schneller schreiten die Symptome voran) kommen dann:
Doppelt oder verschwommen sehen, schlecht hören, Tinitus, Geldscheine oder -stücke nicht mehr auseinanderhalten können (sitze auch beruflich an der Kasse), ganz kurze Momente, in denen ich bei routinemäßigen Aktionen (Funktionen der Kasse oder des Autos oder, oder, oder...) überlegen muss, wies geht.

Wenn es auf der Arbeit zu schlimm wird, sehe ich zu, dass ich meine Pause bekomme oder wenigstens für einen Moment zur Toilette kann. Dann schließe ich die Augen, atme tief durch und vor allem trinke ich einen groooooßen Schluck.
Bei mir hat das ganz viel mit Flüssigkeitsverlust zu tun.
Ich schwitze quasi durchgehend (auch ein Nebeneffekt der Konzentratonsschwäche, da das Gehirn, aus Angst, etwas zu verpassen, immer auf Hochtouren läuft) und verliere dementsprechend viel Flüssigkeit und auch Salz, weswegen ich mir auch im Sommer zwischendurch einfach mal ne Brühe mache, um den Salzhaushalt zu regulieren.

Meist geht es mir dann in kürzester Zeit wieder besser, so dass ich zumindest den Rest des Tages gut über die Runden komme.

Ich versuche, mir Auszeiten zu nehmen. Dazu reicht manchmal schon eine Viertelstunde nur dasitzen und nichts tun. Keine Musik, kein Fernseher, keine Arbeit oder so was. Einfach nur ganz bequem hinsetzen oder auch hinlegen. Das Du Dich wohlfühlst, ist hierbei das Wichtigste. Und dann nur so da sitzen, auf den Körper achten, einzelne Muskelpartien entspannen.
Ich verspanne mich ganz extrem im Gesicht und konzentriere mich dann z.B. auf meine Kinnpartie, so lange, bis ich merke, dass sie entspannt ist. Und in diesem Moment denke ich an nichts anderes als mein Kinn. Klingt blöd, ist aber sehr hilfreich, denn dadurch schleichen sich keine anderen Gedanken in mein Hirn, wie z.B. Haushalt, Arbeit, Mann, Familie, Finanzen...

Vielleicht magst Du ja auch erstmal bei der Medikamentenkombi bleiben und versuchst es mal mit Entspannungsübungen. Yoga, PMR, Tai-Chi, Qigong sind nur ein paar der Dinge, die man machen kann.
Ich selbst habe mit PMR die besten Erfahrungen gemacht.
Und viel trinken nicht vergessen.
Sollte das nicht helfen, kannst Du ja immer nochmal mit dem Neuro sprechen oder auch mit Deinem Hausarzt, vielleicht weiß der noch was Entspannendes.

Ich hoffe, dass es Dir bald wieder besser geht.

Lieben Gruß
Herzblatt
Wer will schon einfach?
Hm, ich, manchmal, ein kleines bisschen...

violet-rain

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Re: Gedächtnissschwäche
« Antwort #2 am: 09. August 2017, 14:26:56 »
Hallo Tulpe 27,

ich kenne das Problem und suche gerade nach einer Lösung.
Ich nehme seit 1 1/2 Jahren Lamotrigin und wurde im ersten Jahr ganz langsam auf 200 Hochdosiert, ohne Nebenwirkungen! Die Anfälle waren fast weg, nur noch "Minianfälle", dauern ca. 10 Sekunden, falle auch nicht um, mache meine Tätigkeit weiter, z.b. Gehen, aber eben nur gehen, wenn etwas anderes kommt, registriere ich es nicht, ich Schmatze und drehe die Hand ein.
Meine Neurologin meinte, eine Hochdosierung auf 300 bis 400 mg sollte die Anfälle stoppen. Leider ist dem nicht so und mittlerweile bin ich bei 400

Seit ich die Dosis erhöht habe,  merke ich zunehmend unangenehme Nebenwirkungen.
Ich muss mich oft extrem konzentrieren, dass ich z.B. Wörter richtig schreibe, dass ich mir eine logische Reihenfolge für meine Tätigkeiten überlegen muss (das ging früher automatisch)
Ich habe Wortfindungsstörungen.
Ich muss mir alles sofort aufschreiben, z.b. wenn Kunden anrufen, ich den Hörer wieder auflege, habe ich bestimmt den Namen oder die Adresse vergessen.
Ich habe Gedächtnislücken.
Ich muss mir auch eine To-Do-Liste machen, sonst vergesse ich die Hälfte, so besondere Sachen, wie Auto saugen, Badteppiche Waschen ...
Ich merke auch dass ich 2 Sachen nicht immer gleichzeitig machen kann ( Ich nehme eine Tasse aus dem Geschirrspüler, denke noch dass ich
die Waschmaschine einschalten muss und stelle die Tasse in den Kühlschrank )

Das ist aber nicht jeden Tag gleich und ist auch nicht so ausgeprägt, dass es mein Leben stark beeinträchtigen würde, aber es nervt und ich habe Angst, dass es schlimmer wird.
Ich hoffe, dass eventuell eine Medikamtentenumstellung oder -ergänzug die Nebenwirkungen dämpfen und die Anfälle stoppen kann.

Also, du siehst, du bist nicht alleine!
Wünsch dir alles Gute und weiter beobachten und Lösungen suchen!

Ciao violet-rain

yossarian

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Re: Gedächtnissschwäche
« Antwort #3 am: 09. August 2017, 17:11:39 »
Hallo Tulpe und halloViolet-rain,

seid herzlich willkommen bei uns im Forum. Fachlich kann ich nichts dazu sagen, ich nehme Levetiracetam und Oxcarbazepin und komme damit problemlos zurecht. Da ihr euch mit erheblichen Beschwerden herumplagt, eine Frage: Seid ihr schon in einem Epilepsie-Zentrum gewesen, habt die Probleme vorgestellt und die Medikation abklären lassen?

Das kann ich nur empfehlen, denn nichts ist schlimmer, als ständig wegen dieser Kleinigkeiten Zeit zu verschenken. Bitte oben rechts bei der Suchfunktion „Epilepsie-Zentrum eingeben, dann gibt es Informationen über diese Zentren.

Viele Grüße
yossarian

Viola M

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Re: Gedächtnissschwäche
« Antwort #4 am: 09. August 2017, 19:12:48 »
Ich kann auch nur jedem, der solche Probleme mit Nebenwirkungen oder mit Therapieresistenzen hat, raten, in ein Epilepsiezentrum zu gehen.
Seit meinem Epilepsierezidiv vor 3 Jahren wurden sehr viele Medikamente ausprobiert, auch in Kombinationen, die bis zur aktuellen Medikation nicht wirkten oder stärkste Nebenwirkungen hatten. Vor dieser ganzen Med.-Umstellerei wurde aber auch ein neuropsychologischer Test gemacht, wäre es zu Konzentrations- bzw kognitiven Problemen hätte man einen Vergleich gehabt. Mein Epileptologe kennt sich bestens mit den Medikamenten aus und würde mir nie zumuten, dass starke Nebenwirkungen meinen Alltag so beeinträchtigen. Dieser Arzt kennt mich seit 27 Jahren und merkt, wenn bei mir eine Besonderheit wie z.B. Sprachstörung, Bewegungsstörung, Konzentrationsstörung, psych. Störungen usw.  auftreten u handelt sofort, auch wenn ich oft denke, dass es nicht so schlimm ist.
Also: wir haben freie Arztwahl hier in Deutschland und auch wenn man vielleicht etwas weiter fahren muss für spezialisierte Zentren, aber es lohnt sich. Ich habe mehrere chronische neurologische Erkrankungen, für jede dieser Erkrankungen nehme ich einen zum Teil weiten Weg in Kauf, damit in guten medizinischen Händen bin.
Ich wünsche euch alles Gute
Viola

Nautilus

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Re: Gedächtnissschwäche
« Antwort #5 am: 11. August 2017, 11:44:02 »
Hallo Viola,
in welches Epilepsie-Zentrum gehst Du denn? Welches /Welche kannst Du empfehlen?
Gruß Nautilus
ber

Nautilus

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Re: Gedächtnissschwäche
« Antwort #6 am: 11. August 2017, 12:16:46 »
Hallo zusammen,
ich danke Euch allen für Eure Beiträge. Ich stelle fest, ich bin nicht allein mit dem Gefühl von "Gedächtnisverlust". Es tut mir für uns alle leid und ich hoffe für uns alle, dass es befriedigende Lösungen für jeden einzelnen geben wird. Ich selbst nehme seit ca. 17 Jahren Lamictal (150 mg tgl.) und nehme kognitive Einbußen erst seit ca. 2 Jahren wahr. (Kurzzeitgedächtnis lässt mich im Stich, Orientierung lässt nach, Konzentration fällt schwerer).
Auch ich ängstige mich wie es weitergeht und bin dankbar für alle Tipps und Hinweise wie es euch zukünftig ergeht! Lasst von euch hören!
Liebe Grüße

ber