Autor Thema: Epilepsie vererblich???  (Gelesen 24777 mal)

krisi2112

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Epilepsie vererblich???
« am: 20. November 2005, 18:53:09 »
Hallo,
unsere große Tochter (knapp 9 ) hat Epilepsie. Sie hatte vor 2 Jahren einen Anfall und nimmt seitdem Medikamente (z.Zt. Orfiril long 300g ) Hatte auch keinen Anfall mehr. EEG im Moment unauffällig, das nächste ist am 6. Dezember.
Die Tochter meiner Cousine hat auch Epilepsie . Die Ärzte sagen zwar, das es nicht vererbbar ist, aber es ist schon komisch, das es in der Familie noch mal vorkommt.
Mach mir nun Gedanken, das noch ein Kind (sind noch 3 Kidies da) in der Familie betrifft.
Habt ihr Erfahrungen? Gibt es Gegenden, wo Epilepsie gehäufter Auftritt??
mach mir gerade ziemlich viel Gedanken, da mir das Verhalten unsere 2 Großen überhaupt nicht gefällt..
LG Krisi

lingua

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Re:Epilepsie vererblich???
« Antwort #1 am: 20. November 2005, 19:29:26 »
Hallo Krisi !
Eine Vererbbarkeit der Epilepsie ist schon möglich. Man ist aber in der Forschung noch nicht ganz soweit, dass man die genauen Erbfaktoren, also von wem sie übertragen werden können, noch nicht ganz bestimmbar ist, aber wenn ein Epi.-Anfall aufgetreten ist und man hat ihn mit einer guten Therapie im Griff, weshalb sie auch Medikamente nehmen muß, bevor es zu grösseren Anfallsformen kommen kann, brauchst du dir deshalb keine grossen Sorgen über die Zukunft deiner Kinder zu machen. Wenn in der Verwandtschaft, wo ich bei mir auch danach gefragt hatte, keine Epi., bekannt ist-kann es von einer vorhergehenden Generation, die übersprungen wurde-zu einer Epi. in einer anderen Generation, also deiner Kinder gekommen sein. Ich habe auch danach gefragt, da meine Schwester eine Epi., aber anderen Form hat. Es ist also nicht immer das Gleiche, da die Ursachen immer andere sind! Zu dem Orfiril long, sicher in diesen kleinen Beuteln als Granulat ist wirklich gut verträglich! Was die Gegenden, also das Naturbedingte Umfeld betrifft, wo es zu häufigeren Anfällen kommen sollte, gibt es nicht, aber Luftdruck und Wetter, also wo dies sehr schlecht ist, kann schon eher als "Anfallsauslöser", bedingt vorkommen, hat aber nichts mit der "Umwelt", in der ich lebe, nichts Gemeinsames! Ich denke,-das reicht jetzt erst einmal-jedenfalls brauchst du sicher keine Angst dazu zu haben, dass man sich natürlich Gedanken darüber macht, ist ganz normal.
Grüsse sendet-lingua

olli

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Re:Epilepsie vererblich???
« Antwort #2 am: 22. November 2005, 17:42:50 »
Hallo Krisi

lange wurde der Standpunkt vertreten das Epilepsie vererblich sei. War auch bei mir der Fall, da eine Cousine die Krankheit hatte, bis zu ihrer ersten Schwangerschaft. Soviel ich weiß, ist es widerlegt, das Epilepsie vererblich ist. Ich weiß nur das wenn von den Eltern jemand Epilepsie hat, die Möglichkeit besteht, dass das Kind auch an Epilepsie leidet (war bei einer Ex-Freundin aus Bethel der Fall), aber muss nicht sein.

Gruss olli  
Schau mal auf meiner Homepage vorbei: www.epilepsie-ad-acta.de Würde mich über Deine Meinung und Kritik im Gästebuch freuen.

Petra S.

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Re:Epilepsie vererblich???
« Antwort #3 am: 22. November 2005, 21:15:57 »
Das, was ich im Netz gefunden habe sagt: Nicht die Epilepsie ist erblich, aber es kann eine Krampfbereitschaft vererbt werden.
Diese eventuell ererbte Krampfbereitschaft kann in etwa 10% dann auch ausbrechen.
Das heißt, im Prinzip weiß niemand, ob man nicht auch selbst betroffen ist.

Liebe Grüße
Petra
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lingua

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Re:Epilepsie vererblich???
« Antwort #4 am: 22. November 2005, 21:34:07 »
Hallo Olli und Petra!
Am 20.11. habe ich ja dazu meinen Beitrag geschrieben und in diesem ist sicher genügend Antwort von mir gegeben worden. Es ist also so, dass jeder Epitologe einen Fragebogen erstellt, um Ursachen der aufgetretenen Epilepsie, als auch die Fragen nach der Verwandtschaft mit Epilepsie, schon deshalb sehr wichtig sind, um dementsprechende Medikations TH, richtig einleiten zu können, da auch aus biologischer Sicht, oft bei Frauen eine andere Medeikation zum Einsatz kommen muss, wie beim Mann, besonders dann, wenn es um Nachwuchs geht, ist dies unbedingt mit dem Neurologen abzusprechen, da in diesem Fall dann andere Wirkstoffe zum Einsatz kommen müssen. Ich gebe meine Daten in eine Epivista "t-online-Version" ein, bei der auch diese Daten, die ich erstelle, in den Zentralrechner der UNI-Greifswald erfasst werden, daraus ergibt sich schon allein die Wichtigkeit zu diesem Thema!
LG-lingua

tonia

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Re:Epilepsie vererblich???
« Antwort #5 am: 25. November 2005, 09:14:39 »
Hallo,
vererrbt wird nicht die Krankheit selbst sondern die bereitschaft dazu ->Krampfbereitschaft. Ist die Mutter erkrankt liegt diese höher, sind beide Elternteile erkrankt liegt sie noch höher.

lg

hafada

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Re:Epilepsie vererblich???
« Antwort #6 am: 25. November 2005, 09:49:17 »
Schaut doch bitte mal ins Genetik-Unterforum. Ich habe bereits ausführlich darüber geschrieben und sogar einen Link zu einer Datenbank bekannter Epilepsie-verursachender Gene eingestellt.

Carsten

lingua

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Re:Epilepsie vererblich???
« Antwort #7 am: 25. November 2005, 16:54:00 »
Hafada!
Dies ist zwar richtig, aber entscheidend ist auch die Ursache der entstandenen Epi.! Bei mir war sie nach einer Op, dadurch entstanden, dass die Sauerstoffversorgung im Gehirn, nicht richtig überwacht wurde, was man nicht mehr rückgängig machen kann. Das war 1987 bei einer 12 std.-Op, wo noch keine solche Überwachungstechnik vorhanden war, wie sie heute ist. Durch diese entstandenen Epi., wird sie natürlich auch nicht auf die nachkommende Generation übertragen. Also diese Faktoren muss man auch richtig einordnen!
LG-lingua

hafada

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Re:Epilepsie vererblich???
« Antwort #8 am: 25. November 2005, 17:00:18 »
Ich habe auch nicht behauptet, dass Epilepsie grundsätzlich erblich ist, sondern nur darauf hingewiesen, dass es erbliche Formen gibt und dass bereits Gene bekannt sind, die mit der Erkrankung gekoppelt sind.
Natürlich weiss ich, dass es erworbene Epilepsien gibt, die nichts, aber auch garnichts mit Vererbung zu tun haben. Meine Frau hat übrigens eine erworbene Epilepsie.

Gruß

Carsten

lingua

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Re:Epilepsie vererblich???
« Antwort #9 am: 25. November 2005, 17:17:47 »
Hallo hafada!
Ist schon "oky"! Wichtig ist, dass wir nicht gegeneinander arbeiten, sondern uns einander ergänzen und nicht dem "Fragesteller", letzlich in "Angst und Schrecken", bringen und er nicht mehr weiß, was er glauben sollte. Ich neuge auch oft dazu. Habe gerade in dieser Zeit täglich sehr viele Anfälle und man kann letztlich nichts dagegen machen. Ich habe schon über 20 Jahre Epilepsie mit unterschiedlichen Syndrom-Diagnosen und über die Ätiologie, die als Kryptogen(undurchsichtig), angegeben wird, wird wohl dieser Begriff immer stehen bleiben, obwohl man als Patient über eine genaue Diagnose, informiert sein möchte und nur so kann auch eine richtige TH, angewendet werden. Den Begriff-Kryptogen findest du im Buch-schau mal nach-ist weit ausgelegt!
Gruß-lingua

hafada

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Re:Epilepsie vererblich???
« Antwort #10 am: 25. November 2005, 18:04:34 »
Da stimme ich Dir natürlich zu. Wir haben inzwischen natürlich auch gelernt, nicht immer nach dem "Warum" zu fragen. Das kann ich auch nur allen raten, die nicht genau wissen, wovon ihre Epilepsie verursacht wird:
Viel wichtiger ist es, mit der Erkrankung klarzukommen und ein mögligst normales Leben zu führen. Dazu gehört eine offensive Umgangsweise mit der Erkrankung, denn nur so wird man mit Vorurteilen, Benachteiligungen und Bemitleidigungen fertig.

Liebe Grüße

Carsten

mama-von-justin

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Re: Epilepsie vererblich???
« Antwort #11 am: 21. November 2010, 13:12:11 »
also bei uns hab nicht ich und auch nicht justins vater epilepsie...wir hatten nie einen anfall garnichts...und auch in den familien ist es nicht bekannt...aber justin hat eine genetisch bedingte epilepsie... :tröst:
Mut ist nicht, keine Angst zu haben, sondern die eigene Angst zu überwinden!

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Kinder sind Hoffnungen, die man verliert, und Ängste, die man nie los wird! (Karl Heinz Deschner)

hafada

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Re: Epilepsie vererblich???
« Antwort #12 am: 21. November 2010, 19:05:07 »
Tja, sieht nach einem rezessiven Erbgabg aus. Da kann über zig Generationen in beiden Familien nichts gewesen sein und dann kommen ausgerechnet im Kind  kommen zwei krankmachende Allele zusammen. Bekanntestes Beispiel ist die Mucoviscidose.
Ist denn bekannt, welches Gen bei Justin betroffen ist?
HG Carsten

mama-von-justin

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Re: Epilepsie vererblich???
« Antwort #13 am: 21. November 2010, 22:48:32 »
davon war noch nicht die rede...wie gesagt und noch im kh wusste ich auch noch nicht was alles für mich wichtig  ist...bis zu unseren nächsten termin hab ich schon paar fragen...eben auch welches gen, auf jeden fall evt vielleicht medis umstellen ach und noch paar....
tja kann natürlich sein das es bei uns anfallsleiden ganz ganz früher gab...und wenn nicht mhm...glaub hab mal gelesen es sind bloß 1% aller genetischen beingten epilepsien wo anfallsbereitschaft oder epi noch nie vorgekommen ist...
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hafada

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Re: Epilepsie vererblich???
« Antwort #14 am: 22. November 2010, 08:48:40 »
Ich muss mich noch mal präzisieren, da ich Deinen anderen Thread noch nicht gelesen hatte, in der Du von einer idiopathischen Epilepsie gesprochen hast.
Es ist richtig, dass man dabei eine genetische Ursache vermutet. Das hat aber damit zu tun, dass es ja praktisch nichts anderes sein kann, wenn man weiss, dass die Epilepsie nicht anders erworben wurde (Meningitis, Grippe etc.).
Nur bei 1–2% der idiopathischen Epilepsien scheint ein einzelner Gendefekt die ausschlaggebende Rolle zu spielen. Bei den meisten Erkrankten liegt jedoch eine genetisch komplexe Ätiologie vor. Das heisst, dass die Kombinaton verschiedener Allele (Zustandsformen von Genen) ursächlich für die Erkrankung ist.
Bei den idiopathischen Epilepsien mit genetisch komplexer Disposition haben molekulargenetische Studien bisher kein Gen identifizieren können, das einen bedeutenden Anteil zur genetischen Varianz beiträgt. Das bedeutet, dass die Aufklärung der genetischen Ursache nahezu unmöglich ist und deshalb wird man Dir wahrscehinlich auch kein Gen nennen können, das bei Justin betroffen ist.
Das ist furchtbar unbefriedigend, denn die Frage nach dem "Warum" beleibt leider unbeantwortet. Ich hoffe, dass wenigstens die Gründe dafür klar geworden sind.

HG Carsten