Autor Thema: Fahrerlaubnis-Regelungen in Österreich und der Schweiz  (Gelesen 6555 mal)

Cornelia-Admin

  • Administrator
  • ... schreibt sich die Finger wund im Epi-Netz.
  • *****
  • Beiträge: 2.155
    • http://www.autismus-etcetera.de
Fahrerlaubnis-Regelungen in Österreich und der Schweiz
« am: 10. April 2012, 13:55:53 »
Hallo, Grüß Gott und Servus,  :)

um es den österreichischen Forenbesuchern zu erleichtern, auch die für sie entscheidenden Regelungen zum Führerschein bei Anfallserkrankungen zu finden, setze ich sie hier in einen eigenen Thread.


Die Leitlinien zum Führerschein in Österreich stehen hier (die PDF-Datei ist knapp 10 MB groß):


http://www.bmvit.gv.at/verkehr/strasse/recht/fsg/erlaesse/downloads/gesundheit/handbuch.pdf

Seite 124-128:
Zitat
3.7.5 Epilepsie und andere Anfallserkrankungen, nichtepileptische Störungen des Bewusstseins

a) § 12 Abs 3 FSG-GV (Führerscheingesetz-Gesundheitsverordnung)
Personen, die unter epileptischen Anfällen oder anderen anfallsartigen Bewusstseinsstörungen oder -trübungen leiden, kann eine Lenkberechtigung der Gruppe 1 nur unter Einbeziehung einer befürwortenden fachärztlichen Stellungnahme erteilt oder belassen werden. Der Facharzt hat die Epilepsie oder andere Bewusstseinsstörungen, deren klinische Form und Entwicklung, die bisherige Behandlung und die Anfallsfreiheit und das Anfallsrisiko zu beurteilen. Hingegen darf solchen Personen keine Lenkberechtigung der Gruppe 2 erteilt oder belassen werden.

b) Kurzfassung:
1.
Wer unter wiederkehrenden epileptischen Anfällen leidet, ist von der gesundheitlichen Eignungsvorsaussetzung zum sicheren Lenken eines Kfz ausgeschlossen.
2.
Erst- oder Wiederzulassung als Kfz-Lenker bei Anfallsfreiheit (mit oder ohne Antiepileptika) von einem Jahr. Verkürzung der Frist bei partiellen Anfällen, schlafgebunden Anfällen, etc. möglich.
3.
Erstmalig unprovozierte und provozierte Anfälle ziehen eine Fahrkarenz von 3 – 6 Monaten nach sich.
4.
Es ist nicht gerechtfertigt, allein aus dem EEG Konsequenzen für die Beurteilung der Fahreignung zu ziehen.
5.
Beim völligen Absetzen der Antiepileptika besteht für die Dauer von 3 Monaten Fahruntauglichkeit.
Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich nur auf das Lenken von Kraftfahrzeugen der Gruppe 1, da nach dem Führerscheingesetz Personen mit epileptischen Anfällen oder anderen anfallsartigen Bewusstseinsstörungen oder -trübungen keine Lenkberechtigung der Gruppe 2 erteilt oder belassen werden darf. zudem sollten Personen, die auf Grund von epileptischen Anfällen oder anderen anfallsartigen Bewusstseinstörungen oder -trübungen eine befristet Lenkberechtigung der Gruppe 1 besitzen, von der gewerbsmäßigen Beförderung anderer Personen (zB Taxi, Schulbus) ausgeschlossen werden.

Danach folgen eine ausführliche Tabelle zu den einzelnen Anfallsformen und weitere Anmerkungen, die man sich besser im Original in der Datei ansieht.

Der Abschnitt endet mit:

Zitat
d) Inhalt einer neurologischen Stellungnahme im Falle eines Anfallsleidens:
-
Identitätsnachweis des Patienten
-
Vorgeschichte
-
Diagnosen, Beurteilung der klinischen Form und der Entwicklung des Anfallsleidens
-
Bisherige Behandlung,
-
Dauer der Anfallsfreiheit und das Anfallsrisiko
-
ggf. Kommentar zum EEG-Befund
-
Miteinbeziehung einer Fremdanamnese
-ev. Angabe des Medikamentenspiegels,
-
Nebenwirkungen der antiepileptischen Therapie
-
empfohlene Kontrolluntersuchungen
e) Weitere Kontrolluntersuchungen nach Erteilung der Lenkberechtigung:
Bei Anfallspatienten ist die Lenkberechtigung zunächst befristet zu erteilen. Kontrolluntersuchungen sind erforderlich, wobei die Abstände unter Berücksichtigung von krankheitsrelevanten Faktoren festzulegen sind
f) Literatur
Richtlinien der Österreichischen Sektion der Internationalen Liga gegen Epilepsie zur gesundheitlichen Eignung zum Lenken von Kraftfahrzeugen (Führerschein-Richtlinien) bei Personen mit epileptischen Anfällen oder anderen anfallsartigen Bewussteinsstörungen oder -trübungen (aus: Wiener Klinische Wochenschrift/SpringerVerlag 2000, 112/20: 899-901).

Liebe Grüße
Cornelia
« Letzte Änderung: 10. April 2012, 13:59:47 von Cornelia-Admin »
Ich bin identisch mit Cornelia-etc. :)

http://www.autismus-etcetera.de

Cornelia-Admin

  • Administrator
  • ... schreibt sich die Finger wund im Epi-Netz.
  • *****
  • Beiträge: 2.155
    • http://www.autismus-etcetera.de
Re: Fahrerlaubnis-Regelungen in Österreich und der Schweiz
« Antwort #1 am: 10. April 2012, 13:59:28 »
Hallo und Grüezi,  :)

die Schweizer Forenbesucher sollen selbstverständlich denselben Service genießen können.

Die Regelungen in der Schweiz hat Dr. Krämer hier übersichtlich dargestellt, Stand 2005:

http://www.swissepi.ch/fileadmin/pdf/Zentrum/Fuehrerschein_und_Epilepsie.pdf

Liebe Grüße
Cornelia
Ich bin identisch mit Cornelia-etc. :)

http://www.autismus-etcetera.de

ruth-etc.

  • Gast
Re: Fahrerlaubnis-Regelungen in Österreich und der Schweiz
« Antwort #2 am: 08. Februar 2015, 12:06:10 »
Fahrverbot ist nachvollziehbar aber voll ***e! :-(
Für mich definitiv eine Art von Freiheitsentzug!
Ich kann es nicht vergessen, möchte es nicht vergessen und vermisse das Autofahren... :escape:

EPI ist der letzte vemaledeite MIST den es gibt! >:-(

philivey

  • ... hat sich hier gut eingelebt.
  • **
  • Beiträge: 35