Autor Thema: Autoaggressionen  (Gelesen 4677 mal)

bergsanso

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Autoaggressionen
« am: 23. Mai 2014, 23:15:30 »
Hallo,

von Aggressionen hab ich ja hier schon viel gelesen. Damit habe ich eigentlich - zumindest bis jetzt (hab die Diagnose ja erst seit 19. April). Am Anfang hab ich ja nicht viel von Nebenwirkungen gemerkt. Jetzt bin ich bei 150mg (Lamotrigin) angekommen und merke, wie ich jeden Tag antriebsloser werde und wegen jeder Kleinigkeit zu heulen beginne. Das kenne ich von mir überhaupt nicht, auch nicht die halbwegs Depristimmung. Seit heute spür ich auch starke Aggr. gegen mich selbst und den Drang, mich selbst zu verletzen. Macht mir ganz schön Angst! So düstere Gedanken passen gar nicht zu mir. Bin eigentlich eine sehr unternehmungslustige, abenteuerfreudige, die viel Abwechslung sucht, viel lacht und gerne große Sachen organisiert. Das ist nun alles weg! Kommt das wieder? Wird das irgendwann wieder besser mit Depristimmung und SVV? Mit der höheren Dosierung, vorher waren es nur 100 pro Tag, kommt auch noch so was komisches, dass ich irgendwie meine Füße nicht mehr still halten kann und eine belastende Müdigkeit. Ganz ehrlich, meine fokalen Anfälle find ich nicht so schlimm. Das tat und tut nicht weh. Habe das auch mindestens schon 2 Jahre habe es aber für Sekundenschlaf oder sowas gehalten. Nachdem das aber immer öfter kam und ich dabei Computer schrieb oder redete wurde mir Angst und Bange und ich ging zum Doc. Dann ging es ganz schnell mit der Diagnose und dem Verlust der Fahrtauglichkeit. Das ist mein größtes Problem! Und löst eine Menge Frust und Ärger aus.
LG Bergsanso

Joy

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Re: Autoaggressionen
« Antwort #1 am: 23. Mai 2014, 23:30:48 »
Hallo Bergsanso,

das was du beschreibst, wird bei Lamotrogin auch bei Nebenwirkungen aufgeführt. Wenn auch selten, weil es ein Ad , kann es doch sein. Wenn es mit Suizidgedanken und allen so gravierend ist, dann sprich ganz schnell mit deinem Arzt!

LG Joy

bergsanso

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Re: Autoaggressionen
« Antwort #2 am: 24. Mai 2014, 23:38:11 »
Was ist denn "Ad"? Mein Doc hat am Wochenende nicht auf und wenn ich am Montag nach einem Termin frage, ist auch die Frage wann der ist... und das Hinkommen ein weiteres Problem. Wir wohnen am Dorf! Drum ist es ja so schlimm mit dem Fahrverbot. Deswegen hab ich da hier rein geschrieben.
Irgendwie hab ich auch Angst dass mich der Doc für verrückt erklärt, wenn ich ihm das sage. Hab schon viele schlechte Erfahrungen mit Ärzten gemacht: Viele Lügen, falsche Diagnosen, übersehene Brüche, und Folgeschäden von Medis, über die ich nie aufgeklärt wurde...hat mein Vertrauen zur "weißen Gesellschaft" nicht gerade gefördert.
Wenn also irgend jemand eine Idee, was ich bis zum Arzttermin tun kann, wär ich echt dankbar. LG Bergsanso

laulear

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Re: Autoaggressionen
« Antwort #3 am: 25. Mai 2014, 09:45:47 »
Hallo Bergsano,

Wenn du den Drang verspürst dich selbst zu verletzen MUSS dich der Arzt dran nehmen!!!
Kenn mich ja mit AEs nicht aus....und weiß auch nicht welche Alternativen es in deinem Fall gibt...ich würde aber tippen, dass du dann vielleicht ein anderes Medi bekommst...

Hast du jemand der dich hinfahren kann?  Wenn es sich heute noch mehr verschlechtert, ruf in einem KH an...

Liebe Grüße
laulear

Joy

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Re: Autoaggressionen
« Antwort #4 am: 25. Mai 2014, 10:23:34 »
Hi Bergsanso,

geh ins KH. Zur Not tuts auch das Telefonat mit deinem Doc. Meiner ruft immer zurück. Habt ihr keinen Bus? Oder Taxi? Irgendwelche Bekannte, die dich fahren können? Mit Ads meine ich Antidepressiva.

bergsanso

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Re: Autoaggressionen
« Antwort #5 am: 25. Mai 2014, 18:33:00 »
Hallo Joy und Laulear,

vielen Dank für eure gut gemeinten Ratschläge! Mit den Abkürzungen komm ich hier noch nicht so gut zurecht. Was ist den AEs? Sorry! Mir geht es allerdings genau so. Man kennt halt seine... aber bei fremden ist's dann doch schwierig. (SVV heißt übrigens Selbst Verletzendes Verhalten). In ein KH geh ich ganz sicher nicht.  :O
Hab das auch nicht so gemeint, dass ich mich umbringen möchte, ich weiß, dass ich Verantwortung für meine Kinder und unsere Tiere habe und meinen Mann möchte ich auch nicht unglücklich machen.
Passiert was, wenn ich die Dosis einfach nochmal zurückschraube, bevor ich den Termin beim Doc kriege? Es ist schon enorm, wie stark einen so ein kleines Pillchen verändern kann und wie sehr dies auch von der Dosis abhängig ist. Schlimmer ist der Drang zu SVV heute nicht aber es ist noch Schwindel und ein komisches Zittern am ganzen Körper dazu gekommen.
LG Bergsanso

laulear

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Re: Autoaggressionen
« Antwort #6 am: 25. Mai 2014, 19:26:58 »
Hallo Bergsanso,

AEs sind Anti-Epileptika.  Hab ich auch erst hier gelernt...  ;)

Selber rumschrauben an der Dosierung würde ich nicht...  ruf morgen früh gleich bei deinem Neurologen an! Auch wenn es nicht gleich mit einem Termin klappen sollte, könnt ihr es evtl. telefonisch klären!
Mit den vielen NW ist es ja ggf. gefährlich das Medi weiterzunehmen....
Wünsch dir, dass es dir schnell besser geht!  :tröst:

Liebe Grüße
laulear

Silvio

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Re: Autoaggressionen
« Antwort #7 am: 25. Mai 2014, 22:28:44 »
Hallo an alle,
der Begriff antiepileptika wird zwar schon immer verwendet und ist daher weit verbreitet, aber medizinisch nicht wirklich korrekt da die Medikamente nicht gegen die Erkrankung Epilepsie selbst wirken sondern nur gegen die Krämpfe.
Von daher wurde es durch antikonvulsiva (gegen Krämpfe) ersetzt.
Nur das mal so nebenbei, falls ihr den Begriff irgendwo lest, vorzugsweise in Arztberichten.
Gruß Silvio

bergsanso

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Re: Autoaggressionen
« Antwort #8 am: 29. Mai 2014, 21:24:06 »
Aha, also dann besser AK als AE...
habe gleich am Montag beim Doc angerufen. Er hat die Dosis wieder zurück geschraubt, mich aber dann an eine Fachklinik überwiesen. Nach langem Diskutieren hab ich für nächste Woche einen ambulanten Termin bekommen. Hoffe, es bleibt auch dabei. Ich hasse Krankenhäuser. Die Nebenwirkungen haben auch weitgehend nachgelassen. Kann wieder normal denken und reden ohne zu heulen. Der Drang zu SVV ist aber geblieben... weiß grad ned so recht, wie ich den auch noch wieder los werde. Hoffentlich merkt das im KH keiner.
Vielen Dank für eure Tipps und Erklärungen. Hier im Forum lernt man wirklich eine Menge und man fühlt sich unter Gleichgesinnten viel besser aufgehoben als bei den Docs.
LG Bergsanso

laulear

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Re: Autoaggressionen
« Antwort #9 am: 30. Mai 2014, 07:03:57 »
Hallo Bergsanso,

Schön, dass es durch das Runtereduzieren wieder besser wurde mit den NW! 

Dass du einen Termin in der Fachklinik für nächste Woche bekommen hast ist prima!  :)
Aber ich würde das auf jeden Fall sagen mit dem Drang zum SVV! Das ist wichtig!

Drück dir ganz fest die Daumen, dass dich der Termin weiterbringt und die Ärzte dort nett und kompetent sind!

Liebe Grüße
laulear

bergsanso

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Re: Autoaggressionen
« Antwort #10 am: 30. Mai 2014, 21:18:15 »
Hallo Laulear,
mal ganz ehrlich, Hand aufs Herz, hättest du den Mut bei einem fremden Arzt, in einem KH so ein sensibles Thema anzusprechen? Ich find das megapeinlich! Und die möglichen Reaktionen machen mir Angst. Damit muss ich schon selber klarkommen. Kann ja nicht so schwer sein.
LG Bergsanso

laulear

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Re: Autoaggressionen
« Antwort #11 am: 31. Mai 2014, 08:50:03 »
Hallo Bergsanso,

Es ist natürlich deine Entscheidung was du sagst oder was nicht!

Aber das ist NICHT megapeinlich! Das ist wichtig, damit sie dir helfen und richtig therapieren können!! (und ja, ich hab schon ganz andere Sachen beim Arzt angesprochen.....Ärzte haben Schweigepflicht)

Es ist schade, dass du soviel negative Erfahrungen mit Ärzten gemacht hast; aber es gibt auch gute Ärzte!

Hast du vielleicht jemand der mitgehen könnte? Jemand dem du vertraust?

Liebe Grüße
laulear

bergsanso

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Re: Autoaggressionen
« Antwort #12 am: 01. Juni 2014, 00:45:29 »
Hallo Laulear,
ja, an schlechten Erfahrungen konnte ich leider schon viele Punkte sammeln, egal ob bei mir selbst oder bei den Kindern.
Jemand mitnehmen ist schwierig, es gibt nur 2 Leuten, denen ich von SVV erzählt habe (war auch früher schon mal so ein Schwachpunkt bei mir wegen anderen schlechten Erfahrungen lange bevor diese Epi auftrat. Die 2 sind aber in der Arbeit...
Im Moment muss ich mich wohl auch erstmal um den Einspruch für den SBA kümmern. Trotz der vielen täglichen Anfälle, nicht vertragenem Medi, während Anfällen alles mögliche weiter machen (auf die Straße laufen)....rheumatische und schmerzbedingte Zusatzprobleme und noch einen haufen anderer Krankheiten haben sie mir nur einen gdb von 50 bestätigt ohne Merkzeichen. Laut meiner Beraterin sollten es 90-100 sein und G,B,H....irgendwas ist da schief gelaufen. Dafür waren sie aber megaschnell. Wie ich das mit dem Einspruch anstellen soll, weiß ich auch noch nicht (Beraterin im Urlaub, VdK nicht zuständig...)

LG Bergsanso

laulear

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Re: Autoaggressionen
« Antwort #13 am: 01. Juni 2014, 09:56:03 »
Hallo Bergsanso,

Fühl dich mal gedrückt!  :tröst:

Hoffe mit dem Einspruch klappt es und du bekommst die 90-100%!
Kenn mich da nicht  aus....aber wenn aktuell niemand da ist der dir helfen kann, würde ich einfach erstmal der Stelle schreiben, dass du Widerspruch/ Einspruch einlegst und die Begründung nachreichst...
Wenn die Beraterin wieder da ist, kannst du ja dann ein Schreiben zusammen mit ihr aufsetzen.... bzw. dir Tipps holen...
Drück die Daumen!

LG
laulear

Amazönchen

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Re: Autoaggressionen
« Antwort #14 am: 14. Juni 2014, 19:23:32 »
Hallo bergsanso

Wir haben heute den 14. Juni. Wie war der Termin? So katastrophal, wie Du es hier im Vorfeld gesehen hast? Ich tratsche auch in einer Klinik über meine Probleme und nicht in einer Praxis. Bei mir hat es den Vorteil, dass mein Epi-Doc gleich nebenan ist und die Zusammenarbeit Psych - Neuro sehr gut läuft.

Du möchtest hier Hilfe od. Tipps holen. Das ist sicher wichtig, aber wir sind keine Ärzte und können Dir wirklich nur Tipps geben. Echte Hilfe, die musst Du bei einer Fachperson holen. Ich weiss von 2 Personen, da ist ein Psychiaterin super mage und zusätzlich würde der Betroffene eigentlich keine Frau wollen, aber die Frau ist die Ausnahme. Die andere Person, die ich kenne, erlebte mit derselben Psychiaterin die Katastrophe schlechthin und würde nie mehr freiwillig zu ihr hin. Person zwei hat dann einen anderen Psychiater genommen ist hochzufrieden ;)

Wenn es das erste mal nicht gleich klappt, dann bitte nicht, weil er in weiss gekleidet war, sondern weil er zwischenmenschlich nicht geklappt hat.
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