Autor Thema: Antipsychotika + Antikonvulsiva + Antidepressiva?  (Gelesen 3303 mal)

Merkur

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Antipsychotika + Antikonvulsiva + Antidepressiva?
« am: 27. Juli 2014, 00:36:25 »
Hey!
Ich leide womöglich an Epilesie und zudem noch (diagnosatiziert) an paranoider Schizophrenie und Depressionen. Nehme dafür drei verschiedene Medikamente ein. Und wenn man mir das bald diagnostizieren sollte, also die Epilepsie, wäre es nicht eine "schlechte Mischung", wenn man so viele Medikamente zu sich nimmt? Könnte da das eine Medi nicht die Wirkung des anderen herabsetzen oder sogar erhöhen?
Vielen Dank!
Merkur

buddleja

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Re: Antipsychotika + Antikonvulsiva + Antidepressiva?
« Antwort #1 am: 27. Juli 2014, 08:31:20 »
Hallo Merkur,

es gibt durchaus Medikamente die für 2 Erkrankungen eingesetzt werden, oder wo es so ist das ein Medikament gegen deine Depression durchaus eine positive Wirkung auf die Epilepsie hat- Nach solchen Medikamenten wird dann sicherlich geschaut, da schlägt man 2 Fliegen mit einer Klappe.
Aber dein Neurologe wird da sicherlich dran denken, denn es ist immer ein Risiko der Wechselwirkungen da. Und diese Art von Medikamenten sind schon ein recht großer Eingriff in den Körper - aber eben auch notwedig!

LG
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Merkur

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Re: Antipsychotika + Antikonvulsiva + Antidepressiva?
« Antwort #2 am: 27. Juli 2014, 16:23:31 »
Ooook, danke Buddleja! So was wusste ich nicht. Es ist schön, dass man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann! Vielen Dank für die Antwort! ;)
Ich hoffe, dass man etwas findet, das die doppelte Wirkung hat.

susili

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Re: Antipsychotika + Antikonvulsiva + Antidepressiva?
« Antwort #3 am: 27. Juli 2014, 17:49:46 »
hallo liebe merkur,

eventuell könnte ich dir etwas dazu schreiben. es wäre aber schön, wenn du meine biographie nicht als aufhänger nimmst.

ich hatte 3x eine medikamenteninduzierte psychose. das gibt es nicht oft. es war aber ganz schön heftig.

wenn ich zum arzt gehe, laufe ich immer mit paranoider schizophrenie oder schizoaffektiver psychose  etc. durch. - ja - und halt epilepsie in unterschiedlichsten facetten.

zu deiner frage:

- es gibt das alte medikament gegen epi - carbamazepin - daß erst seit - na sagen wir mal - 10 jahren auch gegen depressionen eingesetzt wird - scheint ganz gut zu sein. carbam. ist aber ein altes medikament, dazu gibt es sehr viele studien und genauso viele nebenwirkungen.

- ich nehme z.b. keppra (levetiracetam) gegen grand mal - also generalisierte - anfälle  hervorragend - allerdings, siehe mein fall - mit seltenen starken nebenwirkungen.

damit ich vom keppra keine psychose bekommen nehme ich zusätzlich risperdal (atypisches neuroleptikum). nun ist es so, daß bei risperdal bei den nw. steht, daß es epilepsie verursachen kann. - tut es aber nicht immer - ich nehme beides.

- dann gibt es abilify (auch ein atypisches neuroleptikum) wo sich der beipackzettel genauso grauselig liest, wie bei risperdal oder keppra - und auch bei abilify steht, daß man keine epilepsie haben sollte - steht drauf - aber wie das so ist, kann im seltenen fall, aber nicht muß.

usw. usw.

wenn du die nebenwirkungen studierst - oder nur googelst - wirst du auf alles mögliche treffen.

nimm nur mal die antipsychiatriebewegung - die finden jedes neuroleptikum schlimm, auch wenn es manchen hervorragend hilft.

dann kommen die psychiater, die sind darüber so sauer, daß sie erzählen, daß die gesamte antipsychiatriebewegung von scientology gesteuert ist.

es ist also sehr kompliziert.

für dich ist wichtig, daß du ein vertrauensvolles verhältnis - sowohl zum neurologen, als auch zum psychiater - hast und dich von ihnen gut beraten und bei ihnen wohl fühlst.

es gibt keine 100prozentige lösung.

du solltest dir auch keinen großen streß machen. warte erstmal ab, was genau du hast. und wenn es dann zusätzlich zu depri und schizophrenie noch epilepsie ist, dann wäre es schön, wenn du die ruhe bewahren würdest, und nix unentschlossenes ohne rücksprache mit deinen ärzten unternimmst.

bleib ruhig, laß dich nicht nervös machen - auch nicht von dem, was du im internet so alles an meinungen und themen findest.

ganz herzliche grüße, susili
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Merkur

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Re: Antipsychotika + Antikonvulsiva + Antidepressiva?
« Antwort #4 am: 27. Juli 2014, 23:59:29 »
Danke Susili!
Was heißt denn genau "als Aufhänger nehmen"? Ich habe es gegoogelt, aber nichts gefunden..

Ich nehme zurzeit Fluoxetin, Abilify und Seroquel XR. Und habe diese starken "Anfälle" seitdem ich Abilify einnehme.. Ich hab mir schon gedacht, dass es daher kommt. Wollte das auch absetzen, aber dann würde ich mal wieder in eine Psychose rutschen...
Du hast Recht, ich muss mich gut in Kontakt halten, sowohl mit dem Neurologen als auch mit dem Psychiater.  ;-)

LG

susili

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Re: Antipsychotika + Antikonvulsiva + Antidepressiva?
« Antwort #5 am: 28. Juli 2014, 09:13:21 »
hi merkur,

als aufhänger meinte ich meine erschreckende geschichte mit der psychose vom keppra und der hand.

siehe meine signatur...

herzliche grüße, susili
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Vivi

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Re: Antipsychotika + Antikonvulsiva + Antidepressiva?
« Antwort #6 am: 28. Juli 2014, 19:18:14 »
Auch ich kann bezüglich Keppra von Psychischen Nebenwirkungen sprechen. Keppra hat bei mir eine Suizidale Krise ausgelöst bei der es zu mehren, zum Glück gescheiterten, Suizidversuchen kam. Ich war 20 Monate am Stück deswegen im Kh.

Aber zur eigentlichen Frage. Ich habe auch neben der Epilepsie psychische Diagnosen (Borderline, Depressionen, PTBS und dissoziative Lähmungen). Da man bei mir auch nicht so viele Medis einsetzten wollte haben wir uns auch um Doppellösungen bemüht. So muss ich zum Glück nur Carbamazepin und Lamotrigin nehmen. Und das mit Erfolg in beiderlei Hinsicht.

lg Vivi

Krokodil

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Re: Antipsychotika + Antikonvulsiva + Antidepressiva?
« Antwort #7 am: 29. Juli 2014, 12:46:59 »
Ich war (und bin es teilweise immer noch) ein totaler Fan der Antipsychiatriebewegng

Ich kann mit Sicherheit sagen, dass nicht alles was mit Antipsychiatrie zu tun hat zu Sientology gehört.
Ganz bestimmt ist das nicht der Fall zum Beispiel bei www.weglaufhaus.de


Die Antipsychiatrie beruft sich immer auf Ronald Laing. Er wird als Vater der Antipsychiatriebewegung bezeichnet. Er wart aber papdoxerweise sehr gegen den Begriff "Antipsychiatrie". er war auch papdoxerweise weder gegen Psychiatrie , noch gegen Medikamente. Er war auch nicht gegen den Krankheitsbegriff von psychischen Krankheiten, was für die moderne Antipsychiatrie ausschlaggebend ist.
So gesehen hat der "Vater" der Antipsychiatreibewegung nicht mehr viel gemeinsam mit der modernen Antipsychiatrie. Was aber oft bei einer Ideologie der Fall ist. Dass die Ideologie nicht mehr viel gemeinsam hat mit den Ursprüngen und mit dem sogenannten Begünder.
Ich habe von Laing "Das geteilte Selbst" gelesen. Absolut empfehlenswert. Für mich war es aber nicht so einfach zu verstehen. Es ist sehr philosophisch auch und ich denke das wollte auch der Autor, eine Brücke schaffen zwischen Philosophie und Psychiatrie.
Was ich an Laing absolut toll finde, ist dass er sich mit den psychologischen Aspekten von Schizophrenie so gut und intensiv befasst hat.
er schreibt dass Schizophrenie (auch) entsteht du eine sogenannte paradoxe erziehung. Wenn ein Kind immer alles falsch macht egal was es tut. Zum Beispiel zieht ein Kind ein rotes T-Shirt an, wird es kritisiert warum es nicht das grüne T-Shirt anzieht und umgekehrt.
Oder dass man dem Kind gegenüber unehrlich ist. Man hat eine Abneigung gegen das Kind und behauptet aber immer wie sehr man es liebe.
Auch wenn diese Theorien bei der biologischen Psychiatrie sehr kritisiert werden. Für mich hört sich so ein Verhalten der Eltern gegenüber den Kindern extrem grauenvoll an. Das muss ja das Kind total verwirren. Und ein Kind ist ja total auf die Eltern angewiesen , es kommt ja nicht aus! So ein Verhalten ist ja auch schon für Erwachsene schlimm, obwohl man als Erwachsene diesen Situationen auskommen kann.

Die Antipsychiatrie hat aber in dem Punkt Recht dass Antipsychotiker das Gehirn sehr schwer schädigen können, teilweise irreversibel. Und dass Antipsychiotiker sehr dämpfend wirken. Was in Punkto Lebensqualität auch Nachteile haben kann.

Ich finde jeder Mensch sollte das Recht haben auf die Gefahren der Neuroleptika hingewisen zu werden. Aber wenn jene trotzdem helfen und man sie nehmen möchte , dann sollte man das niemanden verwehren oder ausreden.



Merkur

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Re: Antipsychotika + Antikonvulsiva + Antidepressiva?
« Antwort #8 am: 29. Juli 2014, 23:45:37 »
Interessant! Das mit der Erklärung für Schizophrenie kannte ich noch nicht! Ich wurde leider auch so "paradox" aufgezogen... "Du kannst frei entscheiden." Doch dann:"Nein, das ist falsch so, so ist das richtig/besser!" Immer wieder das selbe...

Leider wurde ich nicht über die Risiken von Neuroleptika aufgeklärt...mir wurde mal sogar, ohne mein Wissen, typische Neuroleptika verschrieben, die schlimme Nebenwirkungen mit sich brachten...

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Re: Antipsychotika + Antikonvulsiva + Antidepressiva?
« Antwort #9 am: 30. Juli 2014, 12:22:08 »
Hallo Krokodil und Merkur,

ich rate dringend zur Vorsicht.

Zuerst zur Erklärung der Entstehung von Schizophrenie. Diese ist in dieser Form Unsinn. Das ist eine absolut veraltete Vorstellung, die nicht belegt werden konnte.

http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/stoerungen-erkrankungen/schizophrenie-und-schizophrene-psychosen/ursachen/

Zitat
Früher wurden als mögliche Ursachen einer Schizophrenie auch bestimmte Beziehungs- und Kommunikationsmuster in der Familie, Erziehungsstile und belastende Lebensereignisse diskutiert. Die Beteiligung von familiären und sozialen Faktoren an der Verursachung schizophrener Erkrankungen konnte jedoch wissenschaftlich nicht belegt werden. Man kann einer falschen Erziehung also nicht die Schuld an der Erkrankung geben. Gesichert ist aber, dass die Art der Kommunikation in der Familie den Verlauf der Erkrankung beeinflussen kann. Wichtig ist auch, dass die beobachteten Besonderheiten nicht Ursache, sondern Resultat der Erkrankung eines Familienmitgliedes sein können. So kann ein überbehütender Umgang dadurch erklärt werden, dass Eltern frühzeitig die psychische Verletzlichkeit und Erkrankungsbereitschaft des Kindes wahrnehmen und entsprechend schützend reagieren. Kritische Lebensereignisse (Ortswechsel, neue Partnerschaft/Trennung, Jobwechsel/Arbeitsplatzverlust) zählen nicht zu den eigentlichen Risikofaktoren, allerdings können sie die schizophrenen Anzeichen verstärken oder einen Rückfall begünstigen.

Hingegen ist belegt, dass unter anderem genetische Aspekte eine wichtige Rolle spielen
http://www.unibas.ch/unibas_print_news.cfm?uuid=57E56483B8CAF92C548F65EE511BC4C0&type=search&show_long=1&printmode=true
http://medonline.at/2014/schizophrenie-umfangreiche-genom-studie/

Zur Antipsychiatrie schreibe ich später noch etwas. Im Moment fehlt mir dazu die Zeit.

Liebe Grüße
Cornelia
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Re: Antipsychotika + Antikonvulsiva + Antidepressiva?
« Antwort #10 am: 30. Juli 2014, 19:47:23 »
Hallo Krokodil,

ich halte die Anti-Psychiatrie für ein Gemenge von Interessengruppen, in dem sicherlich nicht alles zu Scientology gehört, aber doch vieles mit Scientology in Beziehung steht, wenngleich dies nicht immer auf den ersten Blick erkennbar wird.

Bitte tu mir den Gefallen und lies Dir diese Website einmal gründlich durch. Sie ist unübersichtlich, ich weiß, aber das ist die Anti-Psychiatrie auch. Jede Aussage dort ist durch Dokumente belegt:
http://www.ingo-heinemann.de/Psychiatrie-Kritik.htm

Doch dass Scientology Einfluss auf die Anti-Psychiatrie-Gruppierungen nimmt, ist nur eines der Probleme.

Selbstverständlich ist Kritik an der Psychiatrie nicht nur berechtigt, sondern wichtig. Ziel muss sein, sie stetig zu verbessern, fragwürdiges zu hinterfragen und einen Umgang mit psychischen Problemen und psychiatrischen Erkrankungen zu finden, der einerseits den betroffenen Menschen würde- und respektvoll behandelt und ihm wie jedem anderen Menschen größtmögliche Freiheit in der Gestaltung seines Lebens lässt, aber andererseits auch die Gefahren, die mit solchen Erkrankungen und Problemen einhergehen können, nicht einfach ignoriert, sondern ernst nimmt und berücksichtigt.
Die Anti-Psychiatrie aber will die Psychiatrie nicht menschlicher gestalten, sondern abschaffen. Und das ist keine Lösung.


Es hilft niemandem, wenn man psychische Störungen und psychiatrische Erkrankungen einfach wegdefiniert. Das ist zu kurz gesprungen.

Es gibt Situationen, in denen ein Mensch nicht mehr imstande ist, vernünftig zu denken, eigenverantwortlich zu handeln und die Folgen seines Tuns angemessen bei seinem Handeln zu berücksichtigen.
Diese Menschen kann man weder einfach ihrem Schicksal überlassen noch kann man andererseits Menschen, die durch Handlungen, die in solchem Zustand begangen werden, bedroht werden, einfach ihrem Schicksal überlassen.
Das ist ein Dilemma, das es zu lösen gilt, das aber nicht so einfach zu lösen ist.

Man löst es jedenfalls nicht durch "PatVerfü", oder durch das willkürliche Absetzen von Medikamenten.
Denn es gibt Situationen, in denen das lebensbedrohlich für einen selbst oder für andere werden kann. Das jedoch ignoriert die Kampagne, die Nina Hagen bewirbt, und die in ihrem Video behauptet, dass Menschen, die nackt auf der Straße tanzen, allein deshalb gegen ihren Willen fixiert und mit Medikamenten zwangsbehandelt würden. Das ist eine Verharmlosung psychiatrischer Erkrankungen und eine Verzerrung des eigentlichen Problemes.

Die Vorstellung, bei einer handfesten Psychose käme man allein mit einfühlsamer psychologischer Begleitung weiter, ist schlicht und einfach unrealistisch.

Es ist richtig, dass antipsychotische Medikamente (je nach Medikament in unterschiedlichem Maße) ein nicht geringes Nebenwirkungsrisiko haben, und dass manche dieser Nebenwirkungen auch dauerhaft sein können.
Aber was man dabei nicht vergessen darf, ist: eine Psychose hat ebenfalls Nebenwirkungen und auch sie kann schwerwiegende, dauerhafte Probleme bewirken, für den Betroffenen, aber durchaus, je nach individuellem Verlauf, auch für andere, und sie kann manchmal auch tödlich enden.

Wie immer muss man Risiko und Nutzen sorgfältig gegeneinander abwägen. Und natürlich muss ein Patient normalerweise darüber informiert werden.
Es gibt aber Situationen, in denen das nicht möglich ist, weil der Patient überhaupt nicht versteht, was man ihm zu erklären versucht.
In denen er aber in die Behandlung einwilligen würde, wenn er es verstünde.
Oder in denen die einzige Alternative wäre, wenn man ihn unbehandelt lässt, dass man ihn je nach individueller Situation zum Schutz der Gesellschaft lebenslang einzusperren muss oder riskiert, dass er stirbt.
Es gibt Menschen, die anschließend dankbar sind, dass sie zwangsbehandelt wurden, auch das muss man bei der Abwägung berücksichtigen.


Das alles ist ein sehr heikles und schwieriges Thema, in dem es keine einfache Lösung gibt, und in dem auch die Ärzte oft gezwungen sind, eine Gratwanderung zu gehen.

Menschen mit psychischen Störungen bzw. psychiatrischen Erkrankungen haben dasselbe Recht auf einen respektvollen, würdigen Umgang mit ihnen, wie jeder andere Mensch, und so weit irgend möglich auch auf ein selbstbestimmtes Leben, das ist selbstverständlich.
Aber man lässt sie im Stich, wenn man ihnen suggeriert, dass die Psychiatrie ihr Feind sei oder dass es in Wirklichkeit gar keine psychiatrischen Erkrankungen gäbe oder dass sich alle Probleme allein mit ein bisschen Verständnis für ihre Art, die Welt zu erleben, beheben ließen.
Psychosen neigen dazu - ähnlich wie Epilepsien - sich unbehandelt immer weiter zu verschlimmern, und sie sind, wenn sie lange andauern, zunehmend schwieriger behandelbar. Auch das darf man nicht einfach so außer Acht lassen.

Darum halte ich von der Anti-Psychiatrie nichts. Sie führt in die falsche Richtung. Sie schafft Feindbilder, statt Wege zu suchen, die wirklich weiter führen.

Liebe Grüße
Cornelia
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Re: Antipsychotika + Antikonvulsiva + Antidepressiva?
« Antwort #11 am: 30. Juli 2014, 21:06:42 »
Boah, nicht schlecht Cornelia!
Ich bin auch für die Psychiatrie, denn ohne sie würde ich nicht mehr leben und mein Mann auch nicht!  ;)
Die Medis haben mir zwar sehr viel geschadet, jedoch haben sie auch das Problem "beseitigt" bzw. versteckt. Psychopharmaka heilen leider keine Krankheiten, doch sie verbessern immerhin die Lebensqualität ungemein und schützen auch die Bevölkerung vor gefährlichen psychisch Kranken. Ich war damals auch gefährlich: hätte beinahe meine Eltern und meinen Mann umgebracht, also hatte diese Gedanken. Diese sind aber dank der Neuroleptika weg! Und ich kann mittlerweile zwar kein normales Leben führen, doch wenigstens eins mit Würde!  :)

Liebe Grüße
Merkur

spike

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Re: Antipsychotika + Antikonvulsiva + Antidepressiva?
« Antwort #12 am: 31. Juli 2014, 01:11:25 »
Liebe Cornelia!

Vielen Dank für deine hervorragende Beiträge. Du hast mir mit dem Letzten wirklich aus der Seele gesprochen!
Viele Dank dafür!

Deinen Job als Mod füllst du bemerkenswert und ganz ganz toll aus!

LG, Spike

susili

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Re: Antipsychotika + Antikonvulsiva + Antidepressiva?
« Antwort #13 am: 31. Juli 2014, 10:28:25 »
liebe cornelia,

auch von mir herzlichen dank für deinen text und deine erklärung.

ich habe vor 5 jahren die hilfe der psychiater wirklich gebraucht. eines darf man jedoch nicht vergessen: die starken nebenwirkungen der verschriebenen neuroleptika, sehr heftig.

liebe grüße, susili
« Letzte Änderung: 31. Juli 2014, 10:31:20 von susili »
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