Autor Thema: Wie äussert sich eine psychose überhaupt?  (Gelesen 2424 mal)

Williams

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Wie äussert sich eine psychose überhaupt?
« am: 08. Oktober 2016, 18:44:05 »
Hallo, ich wurde vor 9 Monaten am temporal rechts operiert. Bin seitdem arbeitslos und beschäftige mich nur um meine Krankheit und Op.

Nach der Operation bekam ich schlimme Depression und hatte 3 PanikAttacken.
Sollte keppra ausschleichen und hatte entzugerscheinungen.

An manchen Tagen habe ich ein Entfremdungsgefühl. Das macht mir Angst. Bin sehr Geräuschempfindlich und ängstlich.

Bin im Behandlung gegen Depression.
Jetzt kommts: ich war 2 mal beim Psychologen, als ich nachdem zuhause ankam, vergass ich alles. Ich weiss nur das ich anwesend war! Einfach alles gelöscht.

An manchen Tagen Bin ich desorientiert. Habe keine Halluzinationen.

Nun muss ich mir sorgen machen?
Oder Bin ich noch verwirrt von der Operation?
Wie beginnt eine psychose?

Ich wohne allein und komm mit allem zurecht.



Joy

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Re: Wie äussert sich eine psychose überhaupt?
« Antwort #1 am: 08. Oktober 2016, 19:35:46 »
Hi Winona,

das könnten schon noch Nachwirkungen von der Op an. Wenn du in Therapie bist, ist doch gut. Eine Psychologin wird ja wohl noch einen Psychopathen erkennen können. Du kannst ja mit ihr darüber reden, sie wird dir deine Angst bestimmt nehmen können.

Das Entfremdungsgefühl kennen viele, ich auch.

In einem Buch über Gehirnforschung habe ich gelesen, dass Psychopathen/Soziopathen meistens eine gestörte/kleine Amygdala haben, die ist für Gefühle zuständig. Bei vielen von uns ist die Teilweise amputiert worden, aber das Gehirn kann ja noch einiges kompensieren und wir sind sicher nicht alle psychisch gestört.

Gib dir einfach noch Zeit, bis dein Gehirn wieder in die Gänge kommt.

Lg Joy




sterntaler

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Re: Wie äussert sich eine psychose überhaupt?
« Antwort #2 am: 08. Oktober 2016, 19:55:02 »
Wer psychotisch wird, merkt es nicht - zumindest nicht wenn er keine Erfahrungen damit hat und für gewisse Symptome sensibilisiert ist. Der Mensch in der Psychose erlebt das was er erlebt, also Sinnestäuschungen, Halluzinationen, Stimmenhören etc als vollkommen real. Zu 100% echt. Das ist ja das fiese daran. Die eigene Hand kann dann wirklich geheime Botschaften geben (ich bin durch Topamax Eindosierung an einer Psychose vorbeigeschrammt, konnte die Halluzinationen aber immer beim 2. oder 3. Gedanken auf Realitätsmöglichkeit überprüfen im Sinne von: es ist deine Hand, die k a n n  dir keine geheimen Botschaften geben). Seitdem weiß ich durch eigene Erfahrung was das ist. Solange Du Veränderungen als solche wahrnehmen und vor allem auch so differenziert beschreiben kannst - bist und wirst Du gerade nicht psychotisch !!
LG, Sterntaler

Williams

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Re: Wie äussert sich eine psychose überhaupt?
« Antwort #3 am: 08. Oktober 2016, 22:17:54 »
Danke für die aufmunternde Sätze.
Herzlichen beileid sternetaler, hast du es selbst mitbekommen dass mit dir was nicht stimmt oder wurde es dir erzählt?

Hab ebenfalls ein Buch übers gehirn gelesen joy. Wenn man amyganda entfernt, würde der Mensch gar keine Gefühle und Ängste haben. Zum Glück haben wir es noch. Und ja, hast recht. Psychologin hätte es mir sofort erklärt.

Nun zu psychose: dieses Entfremdunggefühl spüre ich deutlich Bei reizüberflutung. Irgendwie kann mein Gehirn noch nicht aufeimal Reize verarbeiten. Kann es sein?

MfG




panda

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Re: Wie äussert sich eine psychose überhaupt?
« Antwort #4 am: 08. Oktober 2016, 22:48:41 »
Hallo Williams,

Mein Sohn hatte schon oft Psychosen nach GMs. Er hat dann kein Bezug mehr zur Realität und sieht, hört und fühlt Dinge, die nicht existieren. Für ihn existiert das alles.
Ohne Notfallmedikamente kommt er da nicht wieder raus.

Joy

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Re: Wie äussert sich eine psychose überhaupt?
« Antwort #5 am: 08. Oktober 2016, 22:49:39 »
Oh man sorry, hab den Namen von einem anderen Thread vertauscht. Peinlich, peinlich <-( Sollte natürlich Williams heißen.

Ja, da haben die mal ein Experiment gemacht, bei dem sie einen Mann beide Amygdala rausoperiert haben. Er konnte absolut nichts mehr fühlen. Mit einem zu leben geht schon noch ganz gut, auch wenn man merkt, dass da was fehlt.

Denke auch, wenn man ein Psychopat ist, fragt man sich nicht, ob man verrückt ist, sondern nimmt alles als normal hin.

Ich werte dieses Entfremdungsgefühl als Aura. Ob physisch oder psychisch, weiß ich nicht. Bei mir dauert es zum Glück nur Sekunden bis wenige Minuten.

Lg Joy


Iggy

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Re: Wie äussert sich eine psychose überhaupt?
« Antwort #6 am: 09. Oktober 2016, 06:48:08 »
Hi Joy,

deine Beiträge hier in dem thread klingen so als würdest du glauben ein Mensch mit einer Psychose sei ein Psychopath.

Das ist aber nicht richtig.

Eine Psychose ist dadurch gekennzeichnet dass man Dinge und Vorgänge wahrnimmt die nicht da sind, so wie sterntaler es beschreibt. Man reagiert dann darauf entsprechend, was für andere Menschen völlig unverständlich ist da sie ja diese Wahrnehmung nicht teilen.

Als Psychopathen werden Menschen beschrieben die willentlich und ohne Mitleid andere Menschen manipulieren oder ihnen Schmerzen zufügen.

Glg Iggy
***komplexe Temporallappenepilepsie die mit Levetiracetam behandelt wird ***

Joy

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Re: Wie äussert sich eine psychose überhaupt?
« Antwort #7 am: 09. Oktober 2016, 08:42:29 »
Sorry, da hab ich psychopat statt Psychose geschrieben.  :weirdo: Ich weiß aber schon, dass das 2 unterschiedliche Dinge sind.

Lg Joy

sterntaler

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Re: Wie äussert sich eine psychose überhaupt?
« Antwort #8 am: 09. Oktober 2016, 11:00:14 »
Guten Morgen,

@ Williams, erstmal: dieses psychotisch anmutende Erleben habe ich selbst überprüfen können - und niemandem erzählt. Da mein Bruder schwerst chronisch psychotisch ist, bin ich auch besonders sensibilisiert - und sicherlich auch genetisch vorbelastet.
Es ist extrem erschreckend, aber da ich "vom Fach" bin (arbeite seit 15 Jahren im Bereich Sozialpsychiatrie), kenne ich die Vorgänge. Ich habe es nur zum ersten Mal am eigenen Leib erleben müssen und das hilft mir seitdem meine Betreuten viel besser zu verstehen.

Das (schwer auszuhaltende) Entfremdungsgefühl ist ein Schutzmechanismus der Psyche vor einem Zuviel: zuviel an Aussenreizen, zuviel Emotionen, zuviel Belastungen jeder Art. Eben Derealisation (und oder Depersonalisation, noch schlimmer, dann verlierst Du nämlich auch den bezug zu Dir selbst). Hatte darüber ja schon mal geschrieben.
Es hilft nur: Rückzug, Pause, Aussenreize abschalten. Ich muß mich immer nach der Arbeit anderthalb Stunden ins Bett legen, sonst kann ich den Rest des Tages in die Tonne kloppen. Einfach weil nichts mehr geht.
Und dann ist es wichtig, sich auch mit allem auseinanderzusetzen - sprich Psychotherapie bei einem erfahrenen Therapeuten zu machen. Auch ein Ventil zu suchen. Reden hilft auch ... 

Es ist schwer auseinanderzuhalten was was ist, was ist Epi (Aura oder einfach Langzeitfolge), was ist Psyche. Ich lebe chronisch seit Jahrzehnten mit diesem Symptom, und sage immer jeder andere würde verrückt werden, ich kenne es aber und habe gelernt wie mit einer weiteren - allerdings sehr schweren - Behinderung damit umzugehen. Ich kann dem Ganzen manchmal sogar was Gutes abgewinnen - das Entfremdungsgefühl schützt nämlich auch vor Überflutung durch Aussenreize, ich beame mich quasi etwas weg.
Trotzdem ist dieses Symptom a u c h  Bestandteil von der Epi. Ich habe hormongebundene Anfälle - und dieser Zustand, ich nenne ihn seit 30 Jahren "Besoffenheit" - verstärkt sich eindeutig wenn die Hormone kreisen. Gerade letzte Woche war es einige Tage wieder fies, dann wirkt alles was ich tue vollkommen fremdgesteuert, eben auch fast wie Psychosebeginn, ist aber wieder vorbei.
Bei Temporallappenepi ist (entweder häufig oder immer?) die Amygdala betroffen, daher könnte einfach auch eine Übersensibilität in diesem Bereich bestehen, so daß ich auch unabhängig von Anfallstagen auf jede Art von Stress mit Derealisation und- Depersonalisation reagiere. Allerdings sind bei mir die psychischen Belastungen auch nicht ohne - und wenn ich Urlaub habe, geht es mir oft besser. Bei mir wurde im MRT eine dezente Veränderung des Hippocampus/ Amygdala festgestellt.

Schönen Sonntag, ich gehe jetzt zum Sport (hilft nämlich auch s e h r  gut gegen das Entfremdungsgefühl !!)

Williams

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Re: Wie äussert sich eine psychose überhaupt?
« Antwort #9 am: 09. Oktober 2016, 12:00:29 »
Viel Spaß beim Sport sterntaler.
Da du Beginn der psychose Entfremdunggefühle hattest, macht mir nachdenklich.
Ich habe vorm kurzen 2000 mg keppra ausgeschliechen. Höchstwahrscheinlich bin ich davon noch durcheinander.

Bin erstaunt wie du es chronisch verkraftest.
Reine Gewöhnungssache wahrscheinlich.


Schönen Sonntag.


ruth-etc.

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Re: Wie äussert sich eine psychose überhaupt?
« Antwort #10 am: 09. Oktober 2016, 12:36:25 »
@ Williams

> http://www.psychose.de/frueh-erkennen-von-psychosen-06.html

Bei Risiken, Sorgen oder diesbezüglichen Beschwerden kontaktieren sie bitte ihren Arzt!

Williams

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Re: Wie äussert sich eine psychose überhaupt?
« Antwort #11 am: 09. Oktober 2016, 13:07:06 »
Mach ich Ruth. Werde Psychologen auch ansprechen.
Meine Eltern sagen ich mach mir einfach zuviel Sorgen nach der Op.

MfG

ruth-etc.

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Re: Wie äussert sich eine psychose überhaupt?
« Antwort #12 am: 09. Oktober 2016, 13:21:13 »
So ist das nun mal bei einer 'Depression', Williams.  :tröst:
Dafür hast du ja wohl auch das Mirtazipin bekommen?

Kenne das, aus aktuellerer Zeit insbesondere im Hinblick auf Zukunftssorgen.
Ich nehme Sertralin. Nahm einige Jahre 50 mg, mussten aber dann auf 100 mg erhöhen.

LG Ruth

Williams

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Re: Wie äussert sich eine psychose überhaupt?
« Antwort #13 am: 09. Oktober 2016, 15:52:33 »
Richtig Ruth, habe Depression bekommen und konnte erste 3 Wochen während keppra Entzug überhaupt nicht schlafen.
Bei nachuntersuchung im bethel wurde mir langsam mirtazapin eingeschlichen.

Finde gut dass Du mich verstehst.
Bin ebenfalls am grübeln. Hab Angst vor der Zukunft.
Die Verwirrung vom op macht mir das Leben schwer.

MfG