Autor Thema: Statt auren PanikAttacken  (Gelesen 3089 mal)

Williams

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Statt auren PanikAttacken
« am: 18. Oktober 2016, 13:34:32 »
Hallo, nach der Operation war ich bereits 2 mal stationär Bei Langzeit EEG im bethel.
Epileptisch nichts zu finden.
Diagnose: Ängste und Depression.

Ärzte haben mir psychomotorische Klinik vorgesehen und da bin ich nun.

Jemand solche Erfahrungen gehabt?

Weiss halt nicht mehr was Aura und Angst ist, Bin auf hochspannung und depressiv nach der Op.

Lg

Bounty-

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Re: Statt auren PanikAttacken
« Antwort #1 am: 20. November 2016, 16:30:38 »
Hallo Williams,
bekommst du denn ein Antidepressivum ?
Ich habe Auren, auf die ein Anfall folgt (nur noch kleine Anfälle) und aurenartige "Panikzustände". Beides ähnelt sich sehr. Ganz schwer zu unterscheiden.
Mittlerweile sage ich mir, ich muss es auch nicht unterscheiden, und es einfach annehmen, wie es momentan ist.
"Loslassen" und "vertrauen".
Es ist schwer, ich weiß.
Mein psychischer Zustand ist eher schlechter geworden, seit die Epilepsie besser geworden ist. Eine Erklärung habe ich nur teilweise dafür gefunden,
Liebe Grüße
Bounty


Deele

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Re: Statt auren PanikAttacken
« Antwort #2 am: 21. November 2016, 01:27:02 »
Hallo Williams,

Du sprichst mir aus der Seele.
Ich habe auch Angstzustände und Panikatacken.
Seit meiner OP bekomme ich nur noch bei ganz viel Druck Anfälle und diesen Druck bekomme ich seit dem ich meine Ausbildung beendet habe vom Arbeitsamt UND vom Integrationsfachdienst.
Letzte Nacht dann wieder mein erster Anfall seit 3 Jahren, nachdem ich bereits in den letzten Wochen mehrere Auren hatte, wo ich schon wusste, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist bis ich tatsächlich einen bekomme.
Vor meiner OP hatte ich noch die üblichen epileptischen Anfälle, welche die meisten haben, ich weiß jetzt nicht wie die alle heißen. Die ersten Anfälle nach meiner OP hatte ich im Wachzustand durchgehend begleitet von der Aura und Panikatacken, sobald sich jemand mir genähert hat.
Letzte Nacht wieder eine ganz andere Version. Ich hatte nur ganz kurz eine Aura, so schnell hätte ich nicht einmal reagieren können, da war ich schon weg. Während des Anfalls hat man mich die ganze Zeit weinen hören. Es klang ein bisschen so, als würde ich nur so tun als wenn, aber das erklärt trotzdem nicht wieso dieses geheule, als würde ich irgendwas damit sagen wollen.
Zurück zum Thema auch meine Psyche hat stark an meine Vergangenheit gelitten, ich danke Gott dafür, dass es zu meiner Schulzeit damals noch keine Smartphones gab, sonst wären jetzt wahrscheinlich etliche Videos von mir im Netz wo ich einen Anfall habe. Jedenfalls ist mir auch klar geworden, dass ich wesentlich mehr unter meinen psychischen Problemen leide, als unter meinen Anfällen. Seit dem ich so selten und kontrollierbar Anfälle bekomme habe ich es geschafft die Krankheit zu akzeptieren, aber wie gesagt die Psyche wird mir immer Probleme bereiten : privat, beruflich und mit der Epilepsie. Deshalb habe ich beschlossen mich jetzt mehr auf meine psychischen Probleme zu konzentrieren und bin zu der Entscheidung gekommen, da ich ein Mensch bin, der nicht gerne über seine Probleme/Vergangenheit redet, (mir geht es danach eher schlechter ) habe ich mich für die Behandlung der Tiefenhirn Stimulation entschieden. Mit dieser Art von Behandlung kann man auch die Epilepsie bekämpfen, aber wie gesagt, ich bin davon überzeugt, dass wenn meine Angstzustände und Depressionen weg sind werde ich mich glücklich schätzen, dass ich "nur" so eine leichte Form von Epilepsie habe
Seit meinem siebten Lebensmonat Epilepsie

Williams

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Re: Statt auren PanikAttacken
« Antwort #3 am: 21. November 2016, 11:05:30 »
Hallo Bounty, ich nehme Antidepressiva Mirtazapin zum Abend, heute bin ich genau 10 Monate Anfallsfrei nach der OP.

Die Panikattacken sind nach der Op aufgetretten, vielleicht bin ich noch 100% belastbar nach der Op, deswegen reagiert mein körper mit Panik? Kann es sein?

Letzten Monat bei der Reha war alles in Ordnung, keine Auren 1 Monat lang.

Zuhause schon 2mal. Während dieser Aura/Panik kriege ich angst und möchte irgendwo flüchten, kribbeln am brustkorb und am bauch. Kann dabei reden und Gespräch folgen und während bei drang zu flüchten. Dannach ich bin ich nicht müde, nur leicht benommen.

In der Reha wurde gesagt, ich sollte mir Zeit nehmen nach der Op, gedulden.

MfG



Williams

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Re: Statt auren PanikAttacken
« Antwort #4 am: 21. November 2016, 11:14:32 »
Hallo Deele, was heisst leichte Epilepsie? Nimmst du Tabletten?
MfG

Bounty-

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Re: Statt auren PanikAttacken
« Antwort #5 am: 21. November 2016, 17:21:04 »
Hallo Williams,
Panikattacken sind richtig gemein, und können einen wirklich schwer belasten.
Ich hing da schon ziemlich drin, und selbst Therapien haben mich nicht weitergebracht. Entstanden sind die Panikanfälle durch die Epilepsie, bzw sie haben die Anfälle "abgelöst". Nachdem ich keine Grand Mals mehr hatte, schlugen die Panikattacken zu.
Was mir sehr geholfen hat ist ein Buch. Vielleicht magst Du es mal lesen.
"Der Weg aus der Angst" von Waltraud Gauglitz. Es gibt zwar unheimlich viele Bücher zu dem Thema, aber das befasst sich mit den wirklich hilfreichen Punkten: loslassen und annehmen. Wohl auch bei dir ein Thema... Geduld und Gelassenheit.
Alles wird gut  :tröst:

Liebe Grüße
Bounty

Williams

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Re: Statt auren PanikAttacken
« Antwort #6 am: 21. November 2016, 21:47:33 »
Halllo bounty. Danke für den BuchTip.
Nun, ich komm bisher damit zu recht ohne Buch. Kann die Panik noch beherrschen. Es ist wahrscheinlich noch ein prozzes Vom Operation. Vermutlich vergehen die panikAttacken nach einer gewisser Zeit. Interessant wie Panik deine Gm ersetzt hat. Wie verläuft deine panikattacke?
MfG

smileypieps

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Re: Statt auren PanikAttacken
« Antwort #7 am: 24. November 2016, 20:09:19 »
ich leide auch ständig unter starken panikattacken.
mein neuro benannte meine epi als psychisch .
daher hab ich angst daS durch die Panikattacke ein anfall folgt.

manchmal frage ich mich auch ist es ne panikattacke oder ne aura.

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Williams

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Re: Statt auren PanikAttacken
« Antwort #8 am: 24. November 2016, 21:21:48 »
Hast du MRT oder Langzeit EEG gemacht? Würde an deiner Stelle bei Epilepsiezentrum behandeln wenn du ungewiss bist. Wer weiß, vielleicht schluckst du zwecklos die Tabletten.
Hatte nach Operation 7-8 panikattacken in 1 Jahr und es hat gereicht.
MfG

LadyCaro

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Re: Statt auren PanikAttacken
« Antwort #9 am: 27. November 2016, 11:37:31 »
Hallo Williams, Aura und Angst nicht richtig unterscheiden können - das  kommt mir bekannt vor. Jedoch denke ich schon, zu erkennen was eine Aura ist - aber die Angst davor ist oft da. Was mir hilft, diesem unheimlichen Angstgefühl entgegenzuwirken: wenn ich mir vorspreche, was ich mit allen Sinnen gerade spüre, zB "ich sehe gerade xy, schmecke im Mund xy, höre xy etc." Das zeigt mir, dass ich ganz im Hier & Jetzt bin ohne Angst vor einer Aura oder Angstgefühl. Ganz konzentrieren auf das, was man gerade tut - dominant in der Gegenwart mit vollem Bewusstsein. Nicht an frühere Auren in Gedanken verlieren. Immer wieder mit dem ganzen Bewusstsein auf die Gegenwart fokussieren. Das hilft und tut gut!

Williams

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Re: Statt auren PanikAttacken
« Antwort #10 am: 28. November 2016, 19:52:09 »
Hallo Ladycaro, dominant in Gegenwart bewerten hört sich prima an. Woher hast du diese alle Tipps?
Finde gut, wie du einen passenden Zweck entdeckt hast.  Während dieser Angst vorm Aura versuch ich mich zu bewegen und nimm mich sogar mit Handy auf.
Es klingt wahrscheinlich absurd nun irgendwie verwirrt meine Psyche. Mir kommt es vor als würde man Anfälle vermissen. Schwer zu begreifen.
13 Jahre gelitten und auf einmal knallt es fast 1 Jahr nicht mehr nach der Operation.
Wie oft hast du solche Phasen bzw auren?

MfG

smileypieps

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Re: Statt auren PanikAttacken
« Antwort #11 am: 15. Dezember 2016, 08:21:39 »
"... die Anfälle vermissen..."
Klingt bescheuert, aber ich kenne das Gefühl.  :o


☺- pieps
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LadyCaro

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Re: Statt auren PanikAttacken
« Antwort #12 am: 13. Januar 2017, 16:30:16 »
Hallo Williams, versuchen, ganz dominant in der Gegenwart zu sein & auf den gegenwärtigen Moment konzentrieren hilft sehr. Voller Hingabe im Hier & Jetzt - mit Achtsamkeit & Konzentration.
Mich von Angstgefühlen, die sich anpirschen wollen, nicht überwältigen lassen, sondern ihrer Herr zu sein. Konzentrier Dich ganz auf die Gegenwart, in voller Achtsamkeit!

Seb

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Re: Statt auren PanikAttacken
« Antwort #13 am: 29. April 2017, 21:37:38 »
Oha und ich dachte ich wäre damit allein auf weiter Flur (gewesen). Um meine Situation und wie ich es mehr oder weniger lösen konnte, zu erklären, muss ich ein bisschen weiter zurück greifen:

Ich hatte 2010 einen sehr heftigen Anfall (bei mir immer Grand Mal). Wäre nicht so überraschend gewesen, wenn ich nicht schon ca. 5-6 Jahre lang vorher durch Lamotrigin anfallsfrei gewesen wäre. Der Anfall war nicht nur wegen der (eigentlich erwarteten) langen Anfallsfreiheit außergewöhnlich sondern er war auch extrem heftig. Der Notarzt hat laut meiner damaligen Arbeitskollegen und -kolleginnen 45 Minuten gebraucht, bis ich überhaupt abtransportiert werden konnte. Ich bin zwischendrin immer mal kurz wach geworden und hatte sogar dieses Gefühl des "nahenden Todes". Ich lag dann eine Nacht im Krankenhaus und musste mich auch wirklich erholen (war vorher nie so, da war ich 15-30 Minuten nach dem Anfall wieder fit).

Die Probleme gingen aber erst danach los. Mein Vertrauen ins Medikament war weg und jedes kleine komische Gefühl hab' ich sofort als Aura interpretiert (und ich hab' bei meinen Anfällen max. 2 Sekunden Zeit zum Reagieren bevor "das Licht ausgeht"). Entsprechend ist in mir jedes Mal eine extreme Panik hoch gestiegen. Mein Neurologe hatte mir dann quasi "testweise" Frisium in sehr kleiner Dosierung verschrieben wodurch die Panik komplett weg ging (was ja auch Sinn des Medikaments ist).

Blöd war nur, dass nach dem Absetzen (schließlich schien das ja der Beweis zu sein, dass die Panik rein psychologisch ist), die Attacken wieder kamen ohne, dass ich was machen konnte. Das ging dann ein paar Tage später soweit, dass ich beim Spaziergang mit meiner damaligen Freundin völlig panisch geworden bin, mich auf den Boden gelegt habe (draußen mitten im Februar) und aus Angst, dass gleich der Anfall kommt, nicht mehr aufstehen wollte. Als Ergebnis haben mich meine Eltern dann am selben Tag noch in ein Klinikum gebracht wo ich dann darauf bestanden habe, dass mein Kopf durchs MRT gejagt wird, weil ich extreme Angst hatte, dass da wieder was "kaputt" gegangen ist. (Man hatte viele Jahre vorher festgestellt, dass da als erster Ursprung meiner Epilepsie offensichtlich eine Blutung war.)

Nachdem dann erkannt wurde, dass die Vernarbung alt ist und in meinem Gehirn nix neues passiert ist, wurde ich insgesamt etwas ruhiger. Trotzdem sorgte jedes kleine komische Gefühl im Kopf nach wie vor dafür, dass ich Schwindel bekam, das Bild vor meinen Augen hin und her sprang und meine Atmung extrem schnell wurde. Das konnte ich dann nur durch Hinlegen und Augenschließen wieder unter Kontrolle bringen. Da aber gewisse Symptome immer wieder unterschiedlich waren, dämmerte mir dann selber schon, dass das nicht direkt körperlich sein kann und nicht mit der Epilepsie direkt zusammenhängt. Nur, sich sowas bewusst zu machen und dann entsprechend zu reagieren sind zwei unterschiedliche paar Schuhe.

Heute ist es bei mir so, dass ich diese Attacken nur noch extrem selten habe und sie dann auch zu kontrollieren weiß. Interessanterweise ist es, und jetzt nicht lachen, oft ein bestimmtes Wort oder Formulierung das diesen "Schalter" in meinem Kopf nach wie vor anknipst. Dabei ist das nicht irgendwas abstraktes, sondern kommt durchaus im normalen Sprachgebrauch vor. Wenn ich es aber gezielt hervor bringen will, fällt mir das Wort NIE ein.

Ich konnte dem ganzen mit einer "Halt's Maul!"-Haltung in Richtung meines Gehirns entgegen wirken. Wenn nach 1-2 Sekunden noch nix passiert war, war klar, dass mich mein Kopf eh wieder nur "verarscht". Die Ärzte sagten auch ganz klar, dass ich wieder aufhören muss zu sehr in meinen Körper hinein zu hören, was auch funktioniert hat. Das ging natürlich auch nicht von heute auf morgen (bevor hier jemand ein falsches Bild bekommt). Ich hab' ca. 3-4 Monate gebraucht, bis ich das dann ganz gut im Griff hatte. Über die Jahre ist es dann immer weniger geworden. Kann mich nur an zwei wirklich kritische Situationen in den letzten 12 Monaten erinnern.

Was mir auch heute noch hilft, ist das Konzentrieren auf irgendwas, was um mich herum gerade passiert. (Ähnlich, wie es LadyCaro über mir schon angesprochen hat.) Soll heißen, als Reaktion auf das ungute Gefühl versuche ich sofort mein Kopf mit etwas von außen zu beschäftigen, um ihn mehr oder weniger "abzulenken". Allein die Konzentration darauf lenkt dann schon ein bisschen ab. Sei es Musik die gerade irgendwo läuft, ein Gegenstand um mich herum oder so. Am besten etwas, was sich verändert wie Töne oder Bewegung. Z.B. eben Musik, wehende Baumblätter im Wind, vorbeifahrende Autos usw. Allerdings nichts, bei dem ich selber interagieren muss (Gespräch, Schreiben usw.), denn das lenkt die Konzentration wieder zurück auf meinen Körper und genau von dem will ich ja in dem Moment nix hören.

Das ist die Methode, die mir sehr geholfen hat und bis heute hilft. Vielleicht hilft das ja als Idee. Würde mich freuen, wenn es dadurch jemandem von euch dann irgendwie besser geht. :)
« Letzte Änderung: 29. April 2017, 22:10:49 von Seb »