Autor Thema: Epileptischer Anfall nach kaltem Alkoholentzug  (Gelesen 3839 mal)

venom

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Epileptischer Anfall nach kaltem Alkoholentzug
« am: 14. Januar 2017, 01:34:17 »
Guten Morgen

Weiss nicht ob ich hier richtig bin.
Ansonsten bitte verschieben.

Kurz zur Geschichte:
- 28 Jahre alt
- 10 Jahre davon starker Alkoholiker (diente auch als Einschlafhilfe)
- vor einer Woche epi. Anfall, da ich vor 2 Wochen blöderweise mit dem kalten Entzug begonnen habe (bin immer noch trocken 🤗)
- drei Tage stationärer Aufenthalt, Keppra, Valium usw. -  Jedoch nach Aufenthalt muss ich nichts mehr zu mir nehmen.

Nun kann ich schon seit Tagen nicht mehr schlafen, habe mir heute das Schlafmittel Benocten geholt. Auf der Beipackung steht jedoch, bei Epilepsie nicht einnehmen.

Nun meine Frage: Das was ich hatte, fällt das unter Epilepsie und sollte auf das Schlafmittel verzichten?

Nebenbei, mir ist bewusst, dass die Frage bei gewissen  Schicksalsschlägen lächerlich vorkommen mag. Aber da ich mir erst jetzt um Epilepsie Gedanken mache, bitte ich um etwas Rücksicht.

Besten Dank für eure Hilfe.

Liebe Grüsse
Philipp

susili

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Re: Epileptischer Anfall nach kaltem Alkoholentzug
« Antwort #1 am: 14. Januar 2017, 05:31:57 »
guten morgen lieber philipp,

herzlich willkommen hier im forum :)

klasse, dass du bis jetzt trocken bist, glückwunsch, halt durch :)

deine frage ist schwer zu beantworten... hmm... keppra ist z.b. ein dauermedikament, welches du längere zeit nehmen müßtest, erst nach ca. 6 wochen wüßtest du genau über die nebenwirkungen bescheid.

2 wochen trocken ist auch noch keine zeit, der körper braucht bestimmt minimum 4 monate, bis er sich überhaupt daran gewöhnt hat, dass kein alkohol mehr kommt.

wenn du jetzt schon mit einem anfall reagierst, solltest du unbedingt mit dem entzug in einer klinik weiter machen und dich mindestens 1x die woche sowohl beim psychiater als auch beim neurologen blicken lassen, aber wie gesagt, lieber stationär.

nach dem schlafmittel solltest du dich bei einem arzt erkundigen, der sowohl von entzug, als auch von epilepsie ahnung hat.

es klingt fast schon logisch, dass dein körper nicht mehr einschlafen mag, wenn er den nötigen stoff nicht hat.

aber all das gehört echt - damit du auch durchhältst - in die hände von spezialisten.

du kannst auch in die nächste drogenberatungsstelle gehen, da findest du viel schneller hilfe, als einen termin beim neurologen zu bekommen... aber ich schrieb ja: ab in die klinik.

ich wünsche dir alles gute - du schaffst das!

herzliche grüße, susili
Mein Buch - Autobiografie - 40 Jahre Epilepsie - - - Psychose vom Keppra - Epilepsie-Chat - Das Schlimme an Zensur ist █████

Alex12

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Re: Epileptischer Anfall nach kaltem Alkoholentzug
« Antwort #2 am: 14. Januar 2017, 13:45:37 »
Hallo Philip,

vielleicht kann ich dich etwas beruhigen. Mein Neurologe meinte zu mir, dass Alkohol eine antiepileptische Wirkung hat und dass deshalb viele Alkoholiker, wenn sie mit dem Alkohol aufhören, epileptische Anfälle bekommen.
Das würde bedeuten, dass du keine Epilepsie hast, sondern lediglich durch den Entzug einen Anfall provoziert hast. Es würde auch bedeuten, dass wenn Du nochmal trinken und dann wieder aufhören solltest, du wieder Anfälle auslösen könntest.

Sollte dies für Dich zutreffend sein, hast du also keine Epilepsie, sondern Die Anfälle durch den Entzug ausgelöst.
Das ist nur eine Möglichkeit. Es kann natürlich auch sein, dass Du tatsächlich eine Epilepsie hast, dass musst Du halt herausfinden (beim Neurologen).
Was das Schlafmittel angeht, würde ich in die Apotheke gehen und versuchen eins zu besorgen, wo es keine Probleme mit Epilepsie gibt.

Generell gilt natürlich, dass ich kein Arzt bin und man mit Diagnosen und medizinische Ratschläge im Internet extrem vorsichtig umgehen muss. Es erspart keinesfalls den Gang zum Arzt.

Viel Erfolg auf jeden Fall für die Überwindung deiner Alkoholkrankheit. 




sterntaler

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Re: Epileptischer Anfall nach kaltem Alkoholentzug
« Antwort #3 am: 14. Januar 2017, 15:10:02 »
Hallihallo,

ich habe 2 Jahre in einer Alkoholiker-Ambulanz in der Uni-Psychiatrie gearbeitet, einer Spezialambulanz für Schwerstabhängige. Das größte Risiko für die Patienten waren damals die sogenannten Entzugsanfälle, also genauso wie Du es beschreibst. Das ist dann keine Epilepsie, sondern eine Reaktion des Gehirns auf den Entzug der Droge Alkohol.

Natürlich kann auch zufällig beides gemeinsam auftreten, aber wenn Du bisher keine Epi-Vorgeschichte hast, kann ich mir nicht vorstellen dass nun ausgerechnet Dein kalter Entzug gemeinsam mit Epi auftreten sollte.
Ich würde mich auf jeden Fall medikamentös begleiten lassen, gegen den Suchtdruck und zur Stabilisierung.

Alles Gute und ... halte durch !!! Es lohnt sich.
Sterntaler

venom

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Re: Epileptischer Anfall nach kaltem Alkoholentzug
« Antwort #4 am: 14. Januar 2017, 17:33:02 »
Guten Abend meine Liebsten

Besten Dank, für eure Antworten.
Ihr konntet meine Befürchtungen etwas lindern.

Bez. begleitetem Entzug werde ich kommende Woche sowieso von der Krankenkasse kontaktiert. Ich werde diesen jedoch nicht stationär machen, da ich keine Probleme habe, wenn andere um mich herum trinken.

Noch:

1) Sollte ich jemals wieder nur ein Bier trinken (nein, ich möchte es nicht, mimmt mich einfach Wunder), könnte dies bereits wieder einen Anfall auslösen?
2) Alkoholfreies Bier (< 0.5% Vol.) - erlaubt? - Denn gestern habe ich 2 kleine, alkoholfreie getrunken.
3) Warum wurde ich während den paar Tagen Spitalaufenthalt mit Keppra behandelt - obwohl man hier sagt, dass man das Medi über einen längeren Zeitraum einnehmen muss?

Danke für das Durchlesen und beantworten.  :)

Ich wünsche euch allen ein ruhiges Wochenende.

Liebe Grüsse
Philipp

ruth-etc.

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Re: Epileptischer Anfall nach kaltem Alkoholentzug
« Antwort #5 am: 14. Januar 2017, 21:25:33 »
Hallo Philipp

Du schreibst von dir selbst das du 10 Jahre starker Alkoholiker warst.
Darf ich fragen wieviel und was du täglich an Alkohol zu dir genommen hast?

Punkt 1.) Kann ich nicht beantworten.

Punkt 2.) Nein. Mein Onkel war viele Jahre starker Alkoholiker. Schon ein wenig Alkohol in einem Stück Kuchen hätte zu einem sofortigen Rückfall führen können. Als er es "wirklich" geschafft hatte, konnte auch in seiner Gegenwart etwas getrunken werden. Er mied alles was auch nur im geringsten danach aussah, da er inzwischen um die Gefahr wusste.

Punkt 3.) Weiß ja nicht was da bei und mit dir passiert ist. Ich selbst trinke in der Regel sehr selten Alkohol. Mitte Dezember hatte ich während der Arbeit wohl einen heftigeren Anfall und bin dann vom Stuhl gefallen. Da wir Pause hatten, war ich alleine. Kollegen wurden darauf aufmerksam, weil sie einen lauten dumpfen Aufschlag vernahmen und dachten ein Trafo währe auf den Boden gefallen. Aber das war dann mein Kopf, der wohl zuerst aufschlug. Ich krampfte noch kurz und röchelte dann wohl rum. RTW - Klinik. Dort soll es erneut losgegangen sein? - bekam Tavor und Keppra intravenös. Am Abend kam ich dann sehr gechillt zu mir und am nächsten Tag war ich total gerädert.  *augenroll*

Warum Keppra intravenös? Das kann ich dir jetzt auch nicht so wirklich sagen. Bei mir sah ich 2 Möglichkeiten. Entweder war mein Spiegel zu niedrig, da ich mich gerade in einer Umstellung befand und Levetiracetam (ist Quasi das Selbe) seit ein paar Tagen auf 500-0-500mg reduziert hatte, oder weil es erneut los ging? Also zum Durchbrechen eines Status, bzw. einer Serie? Keine Ahnung...

Dir auch ein ruhiges Wochenende!

LG Ruth

PS: Meine Ex-Schwägerin war (?) auch schwer Alkoholabhängig. Hat mehrmals einwöchige Entzugsaufenthalte in der Klinik durchgezogen. Aber immer alles im Griff und keine Probleme gehabt.

Zum Thema Schlaftabletten... Das nennt man "Suchtverlagerung", nicht angehen der Ursache.  :tröst:


venom

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Re: Epileptischer Anfall nach kaltem Alkoholentzug
« Antwort #6 am: 14. Januar 2017, 22:22:24 »
Hey Ruth

Bis vor dem Entzug täglich zwischen 4-6l Bier. - Wahrscheinlich mehr.
Vor ca. einem halben Jahr hatte ich auch so einen Anfall - kalter Entzug wegen ***.

2) Also wege der Erlaubnis. Es bezieht sich nicht auf die Rückfallgefahr, wieder jemals Alk anzurühren. Sondern ob bereits deswegen wieder die Gefahr besteht, einen Epi-Anfall zu erleiden.

3) Wofür ist das Keppra genau zuständig? - Man sagte mir iwie so kurz und bündig, dass es nicht nochmals geschieht?


Gruss
Philipp

sterntaler

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Re: Epileptischer Anfall nach kaltem Alkoholentzug
« Antwort #7 am: 14. Januar 2017, 22:55:58 »
Hi Philipp,

wenn Du wirklich, und ich meine wirklich trocken werden willst, dann heisst das NULLKOMMANULL Alkohol, kein alkoholfreies Bier (wo noch ein Rest drin ist), keine Lebensmittel/Süßigkeiten mit Alkohol, kein Rotwein in der Sauce, niente.
Dein Suchtgedächnis springt sofort und vor allem lebenslang an sobald Du auch nur ein Molekül Alkohol zu Dir nimmst, alkoholfreies Bier hat den gleichen Effekt weil der Geschmack, Geruch, das Aussehen des Getränks Dein Gehirn ebenfalls triggern.
Die Leute, die behaupten sie könnten das alles trotzdem tun und abstinent bleiben - sind es nicht. Und machen sich viel vor. Deine Anfälle haben Dir schon gezeigt, dass Du mit Deiner Gesundheit nicht spielen solltest, wenn Du jetzt schon wieder bei alkoholfrei bist, dann ist der Schritt zum normalen Alk und damit zu einem Entzugsanfall irgendwann nicht weit.
Eine Betreute von mir, viele Jahre lang Alkoholikerin, ist gerade an einem Entzugsanfall erstickt, mit 36 Jahren. Sie wusste es ja immer besser ... Aber die Menschen sind selbst für sich verantwortlich.
Also: stationär ist manchmal sinnvoller, da kannst Du Dir nicht so viel vormachen. 


venom

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Re: Epileptischer Anfall nach kaltem Alkoholentzug
« Antwort #8 am: 14. Januar 2017, 23:07:47 »
Deine Anfälle haben Dir schon gezeigt, dass Du mit Deiner Gesundheit nicht spielen solltest, wenn Du jetzt schon wieder bei alkoholfrei bist, dann ist der Schritt zum normalen Alk und damit zu einem Entzugsanfall irgendwann nicht weit.
Ok, das habe ich nun begriffen.
Wie sieht es mit isotonischem Bier (0.0% Vol.) aus? - Ich mag einfach den Geschmack.

Eine Betreute von mir, viele Jahre lang Alkoholikerin, ist gerade an einem Entzugsanfall erstickt, mit 36 Jahren. Sie wusste es ja immer besser ... Aber die Menschen sind selbst für sich verantwortlich.
Wie kann das passieren? Solange gekrampft, bis alles stillstand?
Also: stationär ist manchmal sinnvoller, da kannst Du Dir nicht so viel vormachen.
Ich überlege es mir..

Jetzt noch eine generelle Frage zu einem Epi-Anfall.
Kann man den frühzeitig erkennen (Ich fing ca. 90Minuten vorher an extrem zu zittern, wusste aber nicht, dass des daran lag..)? Steigt der Puls oder so?

Grüsse aus der Schweiz

Alex12

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Re: Epileptischer Anfall nach kaltem Alkoholentzug
« Antwort #9 am: 15. Januar 2017, 01:16:27 »
Hallo Phillip,

ich glaube, dass Dein Forumseintrag bisher für Dich recht ergiebig gewesen ist. Ich denke aber, dass Dir bei den weitergehenden Fragen dieses Forum nicht mehr wirklich weiterhelfen kann. Du musst zu einem qualifizierten Neurologen gehen. Nur der kann Dir fundiert beantworten warum bei Dir im konkreten Fall Keppra verwendet worden ist.
Da hier keiner Deinen Körper und die konkreten Umstände des Einzelfalles kennt, kann Dir hier niemand sagen, ob ein alkoholfreies Bier risikofrei ist. Auch das ist eine Frage, die Du nur mit dem Neurologen besprechen kannst.

Du schreibst, dass Du vor einem halben Jahr schon einmal einen Entzug gemacht hast und einen Anfall hattest. Das spricht in der Tat dafür, dass bei einem nächsten Entzug (der hoffentlich niemals notwendig sein wird)  eine große Gefahr besteht, dass es wieder zu Anfällen kommt. Deshalb sollte der Entzug dann wohl in der Klinik stattfinden, wenn Du nicht Dein Leben unnötig aufs Spiel setzen willst.

Was das alkoholfreie Bier angeht, kann ich mir ehrlich gesagt nicht so richtig vorstellen, wie das funktionieren soll, dass Du, wenn Du Dich ständig der Versuchung aussetzt, dauerhaft abstinent bleibst. Dein Grund "Ich mag einfach den Geschmack" hört sich irgendwie nicht wirklich überzeugend an. Ich denke das erfolgsversprechende ist es leider wirklich in den sauren Apfeln zu beißen und alles was mit Bier  zu tun hat nicht mehr anzurühren. Mir ist natürlich vollkommen klar, dass sich das als Nichtbetroffener sehr leicht sagt. 

Ich wünsche Dir, dass Du die Kraft finden wirst durchzuhalten.


https://de.wikipedia.org/wiki/Entzugsanfall
« Letzte Änderung: 15. Januar 2017, 01:21:13 von Alex12 »

ruth-etc.

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Re: Epileptischer Anfall nach kaltem Alkoholentzug
« Antwort #10 am: 15. Januar 2017, 09:07:28 »
Lieber Philipp

Hui, das ist in der Tat eine erhebliche Menge. Bei uns würde man sagen: "Da hast du ja fast jeden Tag ein Rähmchen weggehauen." So nennt man hier einen Kasten Bitburger.

Magst du mal hier schauen? > Alkoholentzugssyndrom:
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Alkoholkrankheit#Alkoholentzugssyndrom

Noch was zum Thema Keppra:

Zitat
3.2.3 Gründe für die Verwendung von i.V. LEV

Der im Vordergrund stehende Grund für die Verwendung von ivLEV (Levetiracetam/Keppra, intravenös) im SE (Status epilepticus) ist ein refraktärer (nicht beeinflussbar) SE bei Versagen der vorherigen Therapie in Kombination mit Kontraindikationen (Faktor der gegen eine therapeutische Maßnahme spricht) für weitere indizierte Antikonvulsiva.

z.B.: Leberschäden und Medikamenteninteraktionen als Kontraindikationen für Valproat und Herzrhythmusstörungen als Kontraindikation für Phenytoin.
Einer erhöhten Belastung der Leber..., einer weiteren Schädigung der Leber... bei Leberinsuffizienz bzw. Leberzirrhose zu vermeiden. Eine Verschlimmerung einer phenytoininduzierten Arrhythmie zu vermeiden. Oder einfach, weil es sich bereits früher als effektiv erwiesen hat etc..

Quelle: http://d-nb.info/1013288378/34 - Seite 25

Ich sende dir ein großes Paket Kraft die Ursache weiterhin mit Unterstützung anzugehen. Der Wille ist da, denn dass du deine Geschichte hier so offen mit uns teilst, zeigt mir dass du bereits auf dem Weg bist. :-)

Liebe Grüße und alles Gute!  :tröst:
Ruth