Autor Thema: Wiedereingliederung gestoppt vom Arbeitgeber  (Gelesen 1573 mal)

Iggy

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Wiedereingliederung gestoppt vom Arbeitgeber
« am: 24. Februar 2017, 13:42:35 »
Hallo, ihr Lieben,

nach längerer AU und Aufenthalt in einer psychosamitschen Klinik habe ich eine Wiedereingliederung beantragt, die nur duch Intervention des Integrationsfachdienstes ermöglicht wurde, da mein Arbeitgeber nicht so recht zustimmen wollte.

Nun mußte ich wegen einer Halsentzündung 7 Tage zu Hause bleiben während der Wiedereingliederung, war auch deswegen beim Hausarzt und habe dafür eine AU, trotzdem erklärt mein Arbeitgeber die Wiedereingliederung für gescheitert.

Ich bin nun etwas ratlos weil ich nicht so recht weiß was ich machen soll.

Einach zur Arbeit gehen wenn die AU wegen der Wiedereingliederung abgelaufen ist?

Die Neurologin meinte, ich solle zum Betriebsarzt, weil sie nicht beurteilen kann wie gefährlich die Maschinen sind, mit denen ich an der Arbeit hantiere...diese Antwort war auch keine wirkliche Hilfe...

Beim Betriebsarzt war ich schon mal vor längerer Zeit, er ist auch nicht vor Ort, Betriebsrat oder Schwerbehindertenvertretung haben wir keine.

Der IFD ist nicht zu erreichen, wahrscheinlich wegen der Karnevalszeit....

Ich hasse solche Ungewissheiten, ich hätte am Montag gerne die Wiedereingliederung fortgesetzt. Sie geht noch bis zum 8.3. Könnt ihr mir einen Rat geben? Was würdet ihr tun?

Brauche ich eine schriftliche Bestätigung des Arbeitgebers, dass er die Wiedereingliederung für gescheitert hält?

glg, Iggy
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Herzblatt

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Re: Wiedereingliederung gestoppt vom Arbeitgeber
« Antwort #1 am: 24. Februar 2017, 16:36:34 »
Hallo Iggy,

Was bedeutet das? Die Wiedereingliederung ist gescheitert?
Wie kommt dein Arbeitgeber dazu, diese Entscheidung zu treffen?
Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass er das Recht dazu hat.
Solange der IFD nicht zu erreichen ist, würde ich die Wiedereingliederung genau so fortsetzen wie es vereinbart und unterschrieben war und weiter am IFD dran bleiben.

Will Dein Arbeitgeber, dass Du direkt wieder voll einsteigst ohne Wiedereingliederung?
Oder will er Dich gar nicht mehr im Unternehmen haben?

Das der IFD nicht erreichbar ist, ist blöd, weil ich auch denke, dass das deine erste Anlaufstelle sein müsste.

Lieben Gruß
Herzblatt

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sterntaler

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Re: Wiedereingliederung gestoppt vom Arbeitgeber
« Antwort #2 am: 24. Februar 2017, 17:29:17 »
Hi Iggy,

ich schliesse mich Herzblatt voll und ganz an. Solange das nicht mit dem IFD abgesprochen ist, würde ich an dem vereinbarten festhalten. Wenn Dein AG in den nächsten Tagen Stress macht und Du keine schnelle Unterstützung erhalten kannst, würde ich mich noch ein paar Tage krankschreiben lassen. Als Selbstschutz.

Ich mache leider auch gerade die blöde Erfahrung, dass der AG einen schnell loswerden will wenn man "wagt" auf sein Recht zu pochen. Egal wie gut die Arbeitsleistung sonst ist. Auch ich hole mir dann immer Unterstützung vom IFD, manchmal auch nur um einen neutralen Ansprechpartner zu haben, das ist hilfreich. 

Iggy

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Re: Wiedereingliederung gestoppt vom Arbeitgeber
« Antwort #3 am: 24. Februar 2017, 18:01:10 »
Erst mal lieben Dank für eure Antwort.

Ich sagte zu meinem Abteilungsleiter, dass ich am Montag wieder zur Arbeit kommen werde, nachdem ich wegen Halsentzündung noch mal 2 Tage länger zu Hause bleiben musste, und er sagte, nein, ich brauche nicht zu kommen. Ich dachte ich hätte mich verhört und habe nochmals nachgefragt ob ich es richtig gehört habe. Und er sagte wieder, dass ich zu hause bleiben solle.

Ich habe dann gefragt, was ich nun machen solle, und er sagte, ich solle einfach zu hause bleiben, ich wäre ja sowieso krank geschrieben bis zum 8.3. und dann nochmal zum Arzt gehen und dann werde man weiter sehen.

Da ich nur Nachmittags arbeite, habe ich ja zum Glück noch Montagmorgen Zeit ein bischen was zu regeln. Einerseits möchte ich gerne weitermachen mit der Wiedereingliederung, andererseits möchte ich auch nicht irgendwo hin gehen wo man mich nicht will.

Ich glaube, mein Arbeitgeber will mich loswerden, weil ich aufgrund meiner Erkrankung manche Tätigkeiten nicht mehr aus üben darf.

Ich habe auch schon bei der Krankenkasse angerufen und dort gemeldet, dass ich nicht mehr weiter zur Wiedereingliederung kommen brauch von Seiten des Arbeitgebers. die wollten nur einen Vermerk an die Akte machen.

Ich bin echt hilflos grade, im Internet findet man auch nix Genaues dazu.

Herzblatt, würdest du an die Arbeit gehen auch wenn dein Abteilungsleiter sagt, du sollst zu Hause bleiben?

Sterntaler, ich bin ja sowieso krankgeschrieben auf Grund der Wiedereingliederung. Ich denke ich gehe am Montag am Besten noch mal zur Neurologin.
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ruth-etc.

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Re: Wiedereingliederung gestoppt vom Arbeitgeber
« Antwort #4 am: 24. Februar 2017, 19:48:51 »
Hallo Iggy

Zitat
Die stufenweise Wiedereingliederung kann aus gesundheitlichen und betrieblichen Gründen bis zu "längstens" 7 Tage unterbrochen werden. Voraussetzung ist, dass an dem vorgesehenen Stufenplan festgehalten wird.

Bei einer länger als 7 Tage andauernden Unterbrechung gilt die stufenweise Wiedereingliederung vom ersten Tag der Unterbrechung an als abgebrochen.

Erholungsurlaub vor und während der stufenweisen Wiedereingliederung:
Da vor und während der stufenweisen Wiedereingliederung eine durchgehende Arbeitsunfähigkeit bestehen muss, ist ein Erholungsurlaub in dieser Zeit nicht möglich.

Quelle: http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/5_Services/04_formulare_und_antraege/_pdf/G0832.pdf?__blob=publicationFile&v=14


VG Ruth

Iggy

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Re: Wiedereingliederung gestoppt vom Arbeitgeber
« Antwort #5 am: 24. Februar 2017, 20:11:53 »
Hi Ruth, danke für das Raussuchen.

Sind 7 Kalendertage oder   7 Arbeitstage gemeint?

Es waren 7 Arbeitstage, 9 Kalendertage...Nachdem ich krank geworden bin, habe ich mich gleich überalll gemeldet.

Meine Ärztin meinte, eine Woche wegen Halsentzündung zu fehlen wäre noch kein Grund zum Abbruch.

Am Montag bin ich hoffentlich schlauer.

Glg, Iggy
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yossarian

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Re: Wiedereingliederung gestoppt vom Arbeitgeber
« Antwort #6 am: 25. Februar 2017, 15:15:25 »

Hallo Iggy,

an Deiner Stelle würde gleich am Montagvormittag zu der Stelle gehen, die finanziell das größte Interesse daran hat, dass Du die Arbeit behältst, dem Arbeitsamt. Die würden  dem Arbeitgeber mitteilen, dass er für Kosten, die eine ungerechtfertigte Kündigung mit sich bringen würde, aufzukommen hat. Das Arbeitsamt könnte dir ebenfalls verbindlich sagen, wie Du dich zu verhalten hast, ohne dass dir späterhin ein Fehler vorgeworfen werden kann.

Viel Glück und gute Grüße
yossarian

Herzblatt

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Re: Wiedereingliederung gestoppt vom Arbeitgeber
« Antwort #7 am: 25. Februar 2017, 16:54:58 »
Hi Iggy,

ich würde am Montag auf der Arbeit erscheinen, aber versuche auf jeden Fall am Montag morgen noch iwas zu erfahren, sei es über IFD oder Arbeitsamt.

Ich persönlich würde allein deswegen gehen, weil dann von Deiner Seite alles eingehalten wurde, was vereinbart war und Dir da kein Fehler unterstellt werden kann.

Die Aussage mit den 7 Tagen ist in Deinem Fall nun richtig blöd, aber mal angenommen, es sind 7 Werktage gemeint und Du bleibst am Montag zu Hause, dann gilt die Wiedereingliederung definitv als abgebrochen, und zwar von Deiner Seite aus.

Lieben Gruß
Herzblatt
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Muschelschubser

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Re: Wiedereingliederung gestoppt vom Arbeitgeber
« Antwort #8 am: 26. Februar 2017, 22:30:17 »
Hallo Iggy, die Ratschläge der anderen klingen gut. Noch eine Idee: Der Sozialverband VdK könnte Dir auch noch helfen im Zweifelsfall. Da musst Du aber Mitglied sein.

Viele Grüße von der Muschelschubserin und viel Erfolg!!! 
Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen!

ruth-etc.

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Re: Wiedereingliederung gestoppt vom Arbeitgeber
« Antwort #9 am: 21. April 2017, 08:54:03 »
Liebe Iggy

Ich habe im letzten Jahr ebenfalls eine medizinische Reha über 5 Wochen gemacht. Nach der 2. Woche war Zwischengespräch (Dauer max. 5 Min.) wo es in der Hauptsache um die Fragestellung meiner Wiedereingliederung ging.

Dem stimmte ich zu und mein AG gab auch auf Nachfrage der Klinik sein Einverständnis, wie man mir kurz darauf mitgeteilte. Ob er das musste weil ich seit 2009 einen SBA mit einem GdB von 80 (unbefristet) habe... inzwischen weiß ich es:

Zitat
Die frühere Auffassung, dem Arbeitgeber stehe die Entscheidung frei, ob er einer stufenweisen Wiedereingliederung zustimmt oder nicht, ist nach Einführung des § 84 SGB IX überholt. Im Weigerungsfall können Schadensersatzansprüche des Arbeitnehmers in Betracht kommen (vgl. hierzu Urteil des LAG Hamm vom 4.07.2011 - Akz.: 8 Sa 726/11).

Daraufhin wurde in der letzten Woche? (da bekam ich ihn) ein Stufenplan von 4 Wochen erstellt: 2 Wochen - 2 Std., 1 Wochen - 4 Std. und 1 Woche 6 Std., was ich dann aber nicht wirklich schaffte. Sprach mit meiner Ärztin über alles und die 4 Std. wurden dann erstmal um weitere 4 Wochen verlängert.

Dadurch erklärte die DRV meine Wiedereingliederung als gescheitert und stellte ihre Zahlungen (Übergangsgeld) zum vorgesehenen Ende an mich ein. Merkte zwar, dass eine letzte Zahlung kam, diese auch nur noch anteilig und dann nichts mehr. Habe es aber erst sicher nach einer Weile durch ein Schreiben von ihnen erfahren.

Das gefiel wohl auch der KK nicht (?) und diese machte ebenfalls erstmal dicht. Nach meinem derzeitigen Empfinden mit eher fadenscheinigen Erklärungen. Sie müssten eben ersteinmal klären wer jetzt für mich zuständig wäre. So einfach wie ich und meine Ärztin uns das vorstellen ginge es ja nun nicht.

Meiner Meinung nach Unverschämt, auf Zeit gespielt. Denn so erhielt ich in über 3 Monaten gerade etwa 1.400 €, was nicht mal für meine Miete reichte. Zuvor bereits einige Monate krank, was ebenfalls hohe Einkommseinbußen zur Folge hatte.

Mir wurde das dann alles schnell wieder auf eine andere Art zu viel, so dass ich die letzte Woche von mir aus schon eine Stunde länger machte und danach einfach wieder Voll ging. Ich musste eine Entscheidung treffen und diese war für mich persönlich seinerzeit "trotz allem" die, die mir unterm Strich seinerzeit am besten erschien.

Es war eine längere Zeit körperlich, z.T. auch psychisch, ein Höllenritt. Brauchte jedoch gesamt unbedingt wieder Stabilität und eine gewisse Ruhe in meinem Leben.

Nachdem ich 2 Wochen gearbeitet habe überwies die KK plötzlich umgehend alle noch ausstehenden Beträge. Es folgte auch noch "ein Anruf" einer Sachbearbeiterin, welche sich entschuldigte und betonte dass es ihnen leid tue, dass die Überprüfung so viel Zeit beansprucht habe.

Nicht immer einfach alleine z.T. schwerwiegende Entscheidungen zu treffen...

Habe seinerzeit eine falsche getroffen indem ich wieder arbeiten ging. Doch wenn man sich in bestimmten Situationen "unter Druck gesetzt fühlt" und ständig mit Papierkram überflutet wird den man die meiste Zeit nicht umsetzen kann, macht es das Ganze nicht einfacher.


Kurzfassung: Wenn sie es wollen, werden sie Wege finden uns los zu werden. Alleine schaffen wir das nicht. Alles viel zu komplex, zermürbend und für unsere Köpfe erst Recht.  :tröst:


"So ist das Leben..." - sagte der Clown und malte sich mit Tränen in den Augen ein Lächeln ins Gesicht.


Wünsche dir alles Liebe und Gute!  :tröst:

Iggy

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Re: Wiedereingliederung gestoppt vom Arbeitgeber
« Antwort #10 am: 27. April 2017, 20:14:12 »
Ihr Lieben,

danke für eure Antworten und euer Mitlesen hier.

Ich bin so vergesslich, dass ich schon ganz vergessen hatte dass ich hier etwas zu meiner gescheiterten Wiedereingliederung geschrieben habe.

Es ging dann so weiter, dass ich gleich zu meiner Neurologie kommen durfte. Sie erzählte mir dass sogar der Verwaltungschef persönlich bei ihr angerufen habe ob meine Einschränkungen  mit den Schneidemaschinen noch gültig wären. Da selbst die Betriebsarzt in das schon im August letzten Jahres festgestellt hatte, wunderte sie sich sehr.

Da die Belastungsprobe in der Wiedereingliederungszeit nicht stattfinden konnte, habe ich nun mit Hilfe meiner Neurologin einen Rehaantrag gestellt und werde wohl bis dahin krank geschrieben werden. Ich möchte eine Reha machen, in der meine Belastungsfähigkeit getestet und gestärkt wird...

Da sich die Anfallsfrequenz sowie die Stärke erhöht haben dosieren ich grade das Vimpat auf morgens und abends je 200 mg auf. In letzter Zeit kann ich mich wesentlich schlechter konzentrieren als früher und habe starke Wortfindungsprobleme, von der zunehmenden Vergesslichkeit mal abgesehen.

Mein direkter Vorgesetzter war sehr überrascht als ich die Krankmeldung hin brachte, er sagte, sie hätten gedacht ich käme nun wieder. Bei allem Respekt vor meiner Erkrankung, so meinte er, müsse ich mich doch nur mal ein wenig zusammen reißen, und wenn ich wirklich wollte, könnte ich auch arbeiten.

Meine Neurologie meinte die Klinik Mara in Bielefeld wäre für Belastungserprobungen  sehr gut. Hat jemand von euch damit Erfahrungen gemacht?
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Muschelschubser

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Re: Wiedereingliederung gestoppt vom Arbeitgeber
« Antwort #11 am: 30. April 2017, 10:05:16 »
Hallo Iggy, Dein Vorgesetzter ist ja ein Herzchen! Zum Glück haben wir immer noch recht gute Arbeitnehmerrechte in Deutschland ... alles Gute! Von Mara habe ich Gutes gehört, aber keine eigenen Erfahrungen. Viele Grüße von der Muschelschubserin
Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen!