Autor Thema: Geburt und nervöse Ärzte  (Gelesen 1663 mal)

FrauHolle26

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Geburt und nervöse Ärzte
« am: 11. März 2017, 23:03:05 »
Hallo Zusammen,
vor etwa 2 Jahren habe ich eine gesunde Tochter zur Welt gebracht. Obwohl ich natürlich Vorgespräche mit den Ärzten geführt habe (ich war in der Uniklinik), waren betreffende Ärzte am Tag der Geburt entweder nicht anwesend, oder aber beschäftigt. Auf jeden Fall habe stand alles in den Akten und mein Mann hat auch nochmal gesagt, dass ich Epilepsie habe. Nach 14 Stunden abwechselnd Wehen und Übergeben, nicht wirkenden Schmerzmitteln und Hebammen, die meinem Mann erklärt haben "Das schafft sie nicht, wenn das so weitergeht!" habe ich dann meine Tochter geboren. Das, was dann kam, war ein reines Desaster. Die Ärzte sagten "Wir würden Ihnen jetzt gern etwas Leichtes zum Ausruhen geben. Ich völlig erschöpft , mein Mann natürlich ebenso hab nur gesagt "Ja ja, machense mal.". Dass sie mir eine Riesendosis Tavor verabreichen würden ("Als Vorsichtsmaßnahme", wie ich im Nachhinein erfahren habe), war mir nicht klar. Und schließlich bin ich nach Stunden aufgewacht und losgetorkelt, weil ich natürlich zu meinem Kind wollte. Auf halber Strecke hatte ich einen ziemlich üblen Schwächeanfall (es war zu 100% keiner meiner epileptischen Anfälle). Die Gyyn-Ärzte haben Panik ("oh Hilfe, eine Epileptikerin, die flach atmet, gleich kommt der Exitus") bekommen, und ich bin zuerst vom Reha-Team malträtiert worden und dann per Express in die Neuro geschoben worden - ohne mein Kind natürlich, und meinem Mann wurde in der Aufregung erstmal gar nichts gesagt. Wir alle 3 haben von diesem Erlebnis noch recht lange was gehabt...  :-\
"Jeder Arzt, der Ihre Akte liest, wird sich bei einem weiteren Kind nur auf einen Kaiserschnitt einlassen", wurde mir bei der Entlassung gesagt.
Nun denn, im Sommer ist es so weit. Ich habe Epilepsie, ja, aber ich bin körperlich und psychisch fit und stark - und ich will wieder eine "normale" Geburt - es sei denn, ein Kaiserschnitt ist medizinisch notwendig. Und da liegt das Problem. Wie erkenne ICH diese Zeichen für MICH, dass in der Situation ein Kaiserschnitt oder bestimmte Medikamente die richtige/einige Wahl ist? Angst ist ein schlechter Ratgeber, und nervöse Ärzte neigen nach meiner jahrelangen Erfahrung tw. zu folgenreichen Fehlentscheidungen, halt "aus Vorsicht". Wie kann ich unterscheiden? Gibt es noch mehr als mein Bauchgefühl und meine Intuition, das mich sicherer macht - im einen wie im anderen Fall? Mein Neurologe sitzt woanders und Beleghebammen gibt es in dieser Uniklinik nicht. Natürlich hat die Sicherheit meines Kindes (und meine natürlich auch irgendwie ;)  immer Priorität und steht an oberster Stelle, aber ein Kind, das ohne wirklichen medizinischen Grund nach der Geburt für mehr als 24h einfach von seiner Mutter getrennt wird und anschließend wegen ""Notfall""-Medikamenten erstmal nicht gestillt werden kann, das ist auch keine gute Sache. Woran kann ich mich und wir uns orientieren, wenn wir das Gefühl haben, ein Gyn-Arzt haut aus Nervosität oder Unsicherheit daneben. Oder ist es ein komplettes Vertrauen auf Gedeih und Verderb? Ein "Besser Vorsicht, Medikamente und Kaiserschnitt, als Bauchgefühl + Info, dass ein Kaiserschnitt nicht grundsätzlich und automatisch bei Epileptikerinnen notwendig ist?

Und noch eine Frage: Wie war das nach den Geburten Eurer Kinder, mussten sie alle erstmal 1-3 Tage auf die Überwachungsstation mit Puls-Klips am Fuß?

Vielen Dank schon mal und viele Grüße,
Jonjolante

FrauHolle26

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Re: Geburt und nervöse Ärzte
« Antwort #1 am: 14. März 2017, 08:22:15 »
Keiner eine Idee?  ???

Zeli

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Re: Geburt und nervöse Ärzte
« Antwort #2 am: 14. März 2017, 09:01:27 »
Hallo,
es tut mir leid. Ich kann dir zwar nicht helfen weil ich noch keine Kinder habe und davon noch weit entfernt bin, möchte dir aber sagen das es schön ist wie sehr du dir da gedanken drum machst! Das ist sehr sinnvoll bei deinen Erlebnissen bisher. Kannst du vielleicht mit den dortigen Ärzten kontakt aufnehmen und deine Sorgen schildern?
Lg Zeli

simona

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Re: Geburt und nervöse Ärzte
« Antwort #3 am: 14. März 2017, 10:06:47 »
Hi Frau Holle,

wie wäre es mit einem Kompromiss? Gyn-Ärzte werden sehr schnell nervös – das war schon immer so. Bei mir wollte sie auch unbedingt einen Kaiserschnitt machen (und ich lag schon über einen Monat in der Uniklinik) als die Geburt eingeleitet wurde. Der betreuende Neurologe meinte, eine PDA (Periduralanästhesie) würde durchaus langen. Mein gesunder Sohn kam deshalb auf natürlichem Weg (und schmerzfrei) auf die Welt. Die Gynäkologen hätten – bei Bedarf – direkt und sofort einen Kaiserschnitt durchführen können.

Alles Gute!

LG simona

ELMchen

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Re: Geburt und nervöse Ärzte
« Antwort #4 am: 14. März 2017, 11:43:16 »
Hallo,
Zur ersten Frage: Lass dir von deinem Neurologen einen Brief schreiben in dem steht, dass du fit bist für eine natürliche Geburt und dass es aus seiner/ihrer Sicht keinen Grund für einen Kaiserschnitt oder Abstillen gibt.
Zur zweiten Frage: Meinen Sohn haben die Kinderärzte 10 Tage auf der Neo zur Überwachung behalten, bis wir gesagt haben es reicht! Wir nehmen unseren Sohn morgen mit! Es gab eigentlich nur die ersten 2 Tage ein Problem. Er konnte seine Temperatur nicht halten. Aber das haben auch Kinder von gesunden Müttern.
LG und alles Gute!
ELMchen
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FrauHolle26

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Re: Geburt und nervöse Ärzte
« Antwort #5 am: 14. März 2017, 13:22:46 »
Oh, das mit dem Brief ist eine gute Idee! Werd ich meinen Neuro beim nächsten Termin direkt drauf ansprechen.
10 Tage Überwachung ist wirklich ganz schön viel! Kam er denn zu früh, ELMchen? Und sind die Ärzte bei anderen Säuglingen mit dem gleichen Problem genauso verfahren und haben sie so lang da behalten?
LG und danke für die Tipps!

GuydeLusignan

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Re: Geburt und nervöse Ärzte
« Antwort #6 am: 14. März 2017, 14:12:47 »
Dab ei uns auch so ein trara war, würde ich mal vermuten, dass es einfach daran liegt:
ein Elternteil ist Epielptiker, also möglichst lang(auch wenn die Epi in unserme fall nicht genetisch bedingt ist)
und dann wäre da noch das thema bettenbelegung(leere betten bringen kein geld)
Morgens, 7 Uhr in Deutschland:
Epi: Guten Morgen GdL
GdL: Guten Morgen  Epi, gut geschlafen?
Epi: Hmh ja, gehen wir jetzt spielen?
GdL: Nö, bleib du mal liegen, ich hab keine Zeit für dich.

FrauHolle26

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Re: Geburt und nervöse Ärzte
« Antwort #7 am: 14. März 2017, 22:57:37 »
Tjaja, das liebe Geld.. :\
Dennoch: Ist es wirklich grundsätzlich medizinisch notwendig, dass die Neugeborenen nach einer komplikationslosen Geburt überwacht werden? Es würde mir einleuchten von wegen Medikamentenspiegel oder? Ich habe bisher aber noch keinen offiziellen Leitfaden im Netz gefunden, der darüber klare Aussagen macht.  ??? Lediglich, dass die frisch gebackene Mutter zwingend überwacht werden sollte...

Muschelschubser

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Re: Geburt und nervöse Ärzte
« Antwort #8 am: 14. März 2017, 22:59:03 »
Hallo Frau Holle, warst Du mal auf den Seiten von Eurap? Vielleicht haben die noch was Erhellendes? Ich habe selbst leider keine Kinder bekommen ...

Grüße von der Muschelschubserin 
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FrauHolle26

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Re: Geburt und nervöse Ärzte
« Antwort #9 am: 14. März 2017, 23:03:21 »
...und wiederum ein guter Tipp der Muschelschubserin  :D

kati543

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Re: Geburt und nervöse Ärzte
« Antwort #10 am: 28. März 2017, 21:22:55 »
Hallo,
meine Kinder waren nicht zur Überwachung, hatten keinen Fußklips (was ist das?) und es war auch eine spontane Geburt, trotz dass den Kliniken die Epilepsie bekannt war.
Ich hatte einen Zettel vom Bethel, dass ich gut eingestellt und seit X Jahren anfallsfrei bin. Eine spontane Entbindung sei kein Problem, solange es nicht zu einem Schlafentzug kommt. Meine Kinder waren jeweils nach knapp 2 Stunden da - also alles kein Problem.

Aber:
Es gibt bestimmte Antiepileptika von denen wird man ja abhängig und das Ungeborene bekommt das gute Zeug über die Plazenta auch ab. Unmittelbar nach der Geburt folgt also der Entzug. Ich könnte mir also vorstellen, dass man das überwachen wollte.

LG
Katrin

ELMchen

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Re: Geburt und nervöse Ärzte
« Antwort #11 am: 16. Mai 2017, 08:11:53 »
Mein Sohn kam zwei Wochen eher per Kaiserschnitt zur Welt, weil ich ein paar Tage davor einen Grand Mal Anfall hatte und die Ärzte setzten uns so zu bis wir dem zugestimmt haben. Aber er war 3850g schwer und 53 Zentimeter groß. Abgesehen davon, dass er in den ersten zwei Tagen die Probleme mit der Körpertemperatur hatte, war alles okay. Die Ärzte in der Klinik dort waren übervorsichtig und es waren 5 Betten auf der Neo frei.  ;)
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