Autor Thema: Angst, Unsicherheit, Zusammenhalt  (Gelesen 1490 mal)

Cat81

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Angst, Unsicherheit, Zusammenhalt
« am: 10. April 2017, 22:53:21 »
Hallo,

Ich bin ganz neu hier, weiß grade noch gar nicht wo vorne und hinten ist...
Ich versuche nicht allzu wirr zu schreiben, obwohl in mir alles in Aufruhr ist.

Ich bin seit Januar mit meinem Freund zusammen, wusste aber vorher schon, dass er Epeleptiker ist, da wir uns schon 12 Jahre kennen.
Ich hatte aber bis Freitag (07.04) noch nie einen Anfall miterlebt...
Wir sehen uns leider nur sehr selten (einmal im Monat), da zwischen uns ca 500 km liegen.
Jetzt hatte er eine Woche Urlaub, die wir miteinander verbracht haben...
Es fing aber schon an dem Tag an, an dem er kommen sollte...
Am 01.04. wartete ich auf dem Bahnhof auf ihn, er kam nicht... Da habe ich versucht ihn auf dem Handy zu erreichen, wo er denn jetzt sei, ich habe ihn nicht erreicht... Nach dem 20en durchklingeln wurde ich langsam panisch, nach ca 60 Anrufen, kriegte ich ihn ans Handy, er war noch verwirrt, redete mich mit dem Namen seiner Ex an und sagte er sei im Krankenhaus...
Da fiel mir erst mal ein Stein vom Herzen, er ist in Sicherheit.
Am nächsten Tag ist er nach Hause (er wollte unbedingt zu mir), hat sich noch ausgeruht und ist am Montag (03.04.) zu mir.
Er hat mir erzählt, daß sein Medikamentenspiegel zu niedrig war und erhöht wurde und er einen Termin beim Neurologen hat.
Die Woche verlief wunderschön, wie waren viel unterwegs, er hat meine Freunde kennengelernt etc.
Und dann kam der "Gau"...
Am Freitag (07.04.) hatte ich Frühstück gemacht. Er setzte sich zu mir an den Tisch und ich sah ihm in die Augen und dachte noch, irgendetwas stimmt nicht...
Plötzlich fing er an zu krampfen und kippte mit dem Stuhl nach hinten, er zerschlug dabei einen Keramiknapf, ich war im ersten Moment total geschockt und wusste erst mal nicht was ich machen sollte. Dann erinnerte ich mich, dass er gesagt hätte, ich soll ihn liegen lassen und auskrampfen lassen, was ich auch gemacht habe, als er dann fertig und einigermaßen klar war, sah ich das ganze Ausmaß des Ereignisses, er hatte mehrere Schnittwunden am Rücken, die ich behandelt habe. Ich habe ihn danach ins Bett gebracht. Das war gegen 08:00 Uhr.
Gegen 09:30 Uhr stand er auf setzte dich hin und trank was. Dann kam er zu mir rüber und sagte ich doll seinen Rücken noch mal anschauen, er fing an zu schwanken, ich habe ihn gehalten und zu Boden gleiten lassen, das war gegen 10:00 Uhr. Danach ist er ins Bett und hat geschlafen.
Er war immer wieder kurz auf, hat was getrunken und ist wieder ins Bett.
Um 13:00 Uhr hätte er 2 Anfälle hintereinander, aus dem einen noch nicht ganz raus, in den nächsten rein... Da hab ich den Notarzt verständigt. Als der kam war Andi schon wieder klar. Aber glaubt mal nicht, dass der Arzt was gemacht hat ausser ein paar Fragen zu stellen, wie: Wissen sie,  wer Sie sind, welcher Tag heute ist, wann und wo geboren etc. Aufgrund das er diese beantworten konnte, wurde entschieden keine weiteren Maßnahmen zu ergreifen, ich solle ihm einfach Ruhe gönnen...
Er war den ganzen Tag am Schlafen, um 21:30 Uhr hatte er seinen letzten Anfall, stand danach auf, als wäre nichts gewesen, hat mir einen Kuss gegeben und gesagt: Ich mach jetzt das Licht aus gute Nacht.
Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, war wach neben ihm gelegen, hatte Angst um ihn. Am nächsten Tag war nichts mehr, ich war aber immer noch auf hab Acht... Sonntag (09.04.) ist er nach Hause gefahren. Er ist gut angekommen.
Heute haben wir telefoniert und er hatte wieder einen kleinen Anfall, nicht schlimm, er hat sogar mit mir weiter gesprochen...

Ich liebe ihn, fühle mich aber total hilflos...
Vorallem, was ich nicht verstehe, er war fast 3 Jahre Anfallsfrei, seitdem wir zusammen sind, häuft es sich.
Liegt es etwa an mir?

Liebe Grüße Chrissy
 

Luke92

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Re: Angst, Unsicherheit, Zusammenhalt
« Antwort #1 am: 11. April 2017, 08:23:05 »
Hallo Chrissy,

es liegt nicht an dir. Du sagtest das bei deinem Freund die Dosierung erhöht wurde. Ich denke das die Medikamente nicht mehr greifen und er deswegen so oft krampft.

Ich selber musste die Erfahrung machen mit 18 wirkten meine Medikamente nicht mehr wurde im Blutbild aber nur als zu niedrig angezeigt.
Ich hatte dann nach 2 Wochen ohne Medikamente, da die alten ja nicht mehr gewirkt haben, hatte ich einen so starken Krampfanfall, das ich nach 15 Minuten nach dem der Notarzt da war erst wieder aus dem Krampfanfall raus ich würde ins Krankenhaus gebracht und wurde ich auf neue Medikamente eingestellt.

Also mach dir keine Sorgen es liegt definitive nicht an dir.

LG
Lucas

Cat81

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Re: Angst, Unsicherheit, Zusammenhalt
« Antwort #2 am: 12. April 2017, 12:51:42 »
Hallo Lucas,

Vielen Dank für deine Antwort.
Kann man denn feststellen ob die Medikamente gar nicht mehr wirken, oder nur unterdosiert sind?  Sorry für die doofe Frage...
Bin eben noch total unsicher.
Er hat soweit ich weiß morgen einen Termin beim Neurologen.
Es war für mich eben nur seltsam, dass es jetzt seit er mit mir zusammen ist, so häufig vorkommt, deswegen habe ich es auf mich bezogen.
Ich werde jetzt erstmal sehen was raus kommt... Auf jeden Fall werde ich für ihn da sein.

Liebe Grüße
Chrissy

Muschelschubser

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Re: Angst, Unsicherheit, Zusammenhalt
« Antwort #3 am: 12. April 2017, 22:55:09 »
Hallo Chrissy, ich finde es ganz toll, wie Du schreibst, dass Du zu ihm stehst. Das muss für Außenstehende unheimlich schwer sein, jemanden so zu erleben. Ich hatte auch einen Freund, der mich mit allem Drum und Dran akzeptiert hat.

Es liegt bestimmt nicht an Dir. Geh doch - wenn es sich zeitlich machen lässt - mal mit zum Arzt.

Viele Grüße von der Muschelschubserin, alles Gute Euch beiden!
Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen!

Luke92

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Re: Angst, Unsicherheit, Zusammenhalt
« Antwort #4 am: 13. April 2017, 07:42:01 »
Hallo Cat81,

Ärzte stellen das oft an den Blutwerten fest,
wie lange war der Patient Krampffrei?, wie häufig kommen die Krampfanfälle?.

Ich würde euch beiden gerne ans Herz legen, wenn die Medikamente umgestellt werden sollten, bitte lasst das Stationär machen BITTE!.

Ich habe extrem schlechte Erfahrungen mit dem Umstellen von Medikamenten Zuhause.

LG
Lucas

Cat81

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Re: Angst, Unsicherheit, Zusammenhalt
« Antwort #5 am: 13. April 2017, 11:48:54 »
Hallo Muschelschubserin,
Es ist verdammt schwer, da ich mir ständig Sorgen mache, aber ich liebe ihn nun mal.
Das ist schwierig, da wir noch ca 600 km auseinander wohnen und uns meistens nur am WE sehen, oder bei mir dann.

Hallo Luke,
Krankenhaus ist so ein Thema, an dem ich bei ihm verzweifle... Er geht nicht freiwillig... Ich könnte ihn zwingen indem ich ihm die "Pistole" auf die Brust setzen:"entweder du gehst, oder ich gehe"... , aber was bringt das, es würde nur das Vertrauen zerstören.
Ich werde aber versuchen mit ihm vernünftig zu reden.

Liebe Grüße
Chrissy

Luke92

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Re: Angst, Unsicherheit, Zusammenhalt
« Antwort #6 am: 18. April 2017, 07:51:30 »
Hallo Chrissy,

mit der Pistole auf die Brust setzen denk ich ist wirklich keine gute Idee.

Weshalb weigert er sich ins Krankenhaus zu gehen? Wenn du den Hintergrund kennst, kannst du ja vernünftig argumentieren. Versuchs einfach weiter. Kannst ihm ja sagen das es gute Epilepsie Kliniken gibt. Ich weiß nicht wo er Wohnt aber ich habe verschiedene Kliniken ausprobiert ich war in Köln, Bethel und bin in Bochum vorstellig geworden.

Liebe Grüße

Lucas

Cat81

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Re: Angst, Unsicherheit, Zusammenhalt
« Antwort #7 am: 29. April 2017, 03:59:24 »
Hallo Luke

Er mag keine Krankenhäuser, weil er schlimme Erinnerungen hat. Er wohnt in Bayern, Landsberg am Lech.
Ich bin dieses Wochenende bei ihm, da werde ich mit ihm reden. Ich werde berichten. Schönes Wochenende

Liebe Grüße
Chrissy

Muschelschubser

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Re: Angst, Unsicherheit, Zusammenhalt
« Antwort #8 am: 30. April 2017, 09:57:58 »
Hallo Cat, ist Erlangen eine Option? Ich kenne mich in Bayern nicht so aus. Der Chef ist Hajo Hamer, ein ausgesprochen guter Arzt! Euch ein schönes verlängertes Wochenende mit viel Sonne und Entspannung! Viele Grüße von der Muschelschubserin
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Cat81

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Re: Angst, Unsicherheit, Zusammenhalt
« Antwort #9 am: 01. September 2017, 16:54:53 »
Hallo ihr Lieben,
Habe schon lange nichts mehr geschrieben, hatte kein Internet mehr.
Wollte nur mal ein kleines Update machen...

Mein Schatz war im Juni im Krankenhaus, da er da fast täglich kleinere Anfälle hätte, die er selbst nicht mitbekommen hatte. Von kleineren Sprachaussetzern bis leichte Desorientierung.
Ich war, da wir ja nicht zusammen wohnen, Anfang Juni bei ihm. Da hätte er einen Termin gehabt, hatte ihn aber vergessen und so kam seine Casemanagerin Managerin (Betreuerin)  zu ihm... Er hatte wieder seinen typischen "vor dem Anfall"  Blick. Ich kenne den schon... Sie kannte ihn nicht und unterstellte ihm betrunken oder auf Drogen zu sein. Ich klärte das auf und sie hat einen Arzt gerufen, welcher ihn dann ins KH bringen sollte. Er wollte natürlich wieder nicht. Da bin ich eingeschritten und sagte zu ihm: Schatz, wenn du mich wirklich liebst und du mich nicht verlieren willst, geh mit. " Das hat ihn wach gerüttelt und er ist mit. Seine Casemanagerin und ich sollten Sachen packen und nach kommen...
Als wir ankamen sagte man uns, dass er auf Intensiv liegt. Sie hat mich dann als seine Verlobte ausgegeben, dass ich mit durfte.
Wir erfuhren, dass er auf dem Weg 2 schwere Anfälle hatte. Bei der Untersuchung kam heraus, daß sein Medikamenten Spiegel kaum noch vorhanden war (obwohl er seine Tabletten regelmäßig genommen hat.
Er war 5 Tage im KH,  die Medikamente wurden "umgestellt", das eine Medikament kam weg, das andere wurde verdoppelt und ein neues kam dazu. Seit dem hatte er bis jetzt keinen Anfall mehr.
Er war zwar noch Wochenlang ziemlich fertig, aber jetzt geht es ihm gut.

Liebe Grüße
Chrissy

Muschelschubser

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Re: Angst, Unsicherheit, Zusammenhalt
« Antwort #10 am: 02. September 2017, 10:40:39 »
Hallo Chrissy, das freut mich, dass es ihm wieder gut geht. Ist ihm seine Lage dann klar geworden ... auf der Intensivstation. Lass mal gern von Dir hören, wie es weitergeht. Ich drücke alle Daumen! Grüße von der Muschelschubserin
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Re: Angst, Unsicherheit, Zusammenhalt
« Antwort #11 am: 05. September 2017, 09:50:57 »
Ja, klar lass ich von mir /uns hören.
Ja das mit Intensivstation war schlimm. Ich war bis abends bei ihm gesessen. Er wachte immer so halb auf, hat mich aber nicht erkannt.
Am nächsten Vormittag, war er wieder voll klar und auf normal Station.
Eingesehen? Hätte ich nicht gesagt: "Du gehst mit, sonst bin ich weg". Wäre er wieder nicht mit...
Mittlerweile, ja. Wir haben uns lange darüber unterhalten. Er hat mir endlich gesagt, warum er nicht ins KH wollte,was seine Ängste sind... Jedesmal, wenn er ins KH musste haben ihn die "Weiber" sitzen lassen. Seine Ex hat ihn wo er das letzte Mal im KH war, nach 5 Jahren Beziehung, seine Sachen gepackt und ihn in einer Obdachlosen Unterkunft abgesetzt...
Das saß natürlich tief.
Ich habe ihm versichert, dass er diese Angst bei mir nicht haben braucht.
Im Moment schaue ich, dass ich für ihn eine Arbeit bei mir finde und dann hole ich ihn zu mir, damit er keine Angst mehr haben braucht.

Liebe Grüße Chrissy

Muschelschubser

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Re: Angst, Unsicherheit, Zusammenhalt
« Antwort #12 am: 07. September 2017, 23:00:39 »
Hallo Chrissy, dann hat er ja schon einiges mitgemacht. Würde es ihm vielleicht helfen, mit einem Psychologen darüber zu sprechen? Frauen sind da sicher offener als Männer für das Thema ...

Grüße von der Muschelschubserin
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Re: Angst, Unsicherheit, Zusammenhalt
« Antwort #13 am: 08. September 2017, 12:45:12 »
Mit Psychologen m/w kommt er nicht zurecht, öffnet sich mir aber immer mehr.
Ich denke mal, er hat kapiert, dass er mir vertrauen kann und ich zu ihm stehe in jeder Lebenslage.
Im Oktober sehen wir uns wieder, da kommt er wieder zu mir.

Liebe Grüße Chrissy
Auch einen lieben Gruß von Andi, der jetzt auch weiß, dass ich hier schreibe und es toll findet.

Meditester

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Re: Angst, Unsicherheit, Zusammenhalt
« Antwort #14 am: 08. September 2017, 17:32:43 »

Na dann kannst du ihm ja den Rat geben mal hier zu lesen.
So weiss er wie Andere mit ihrer Situation umgehen.

Meditester
Fantasie ist ein Schatz, den dir Keiner nimmt
Auch an eiskalten Tagen trage Wärme im Herzen