Autor Thema: Lehrer/Lehramt mit Epilepsie?  (Gelesen 1467 mal)

19Schmetterling98

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Lehrer/Lehramt mit Epilepsie?
« am: 25. Mai 2017, 11:45:47 »
Hallo, ich mache gerade mein Abitur  und würde danach gerne Lehramt für Gymnasium studieren. Allerdings habe ich Okzipitallappenepilepsie, die sich (siehe meinen anderen Beitrag) nicht medikamentös einstellen lässt.

Meine Situation sieht momentan folgendermaßen aus:
- etwa 2 bis 3 Anfälle pro Woche
- beginnend mit starken Magen-/Bauchschmerzen
- teilweise mit Erbrechen
- nach etwa 30 Minuten starkes Flimmern vor den Augen, teilweise Blindheit, Halluzinationen (mein Spiegelbild verändert sich komplett), die Welt um mich herum fängt an sich zu drehen oder schaukeln oder vibrieren
- Außenstehende sagen, dass meine Augen wie wild zittern oder ich die Augen verdrehe oder einfach in die Leere schaue
- meist bin ich ansprechbar, antworte auch sinnvoll, kann mich aber nicht immer daran erinnern
- in etwa 30% der Fälle zittern meine Hände und meine Fingerspitzen werden blau
- das ganze dauert zwischen 5 Minuten und 2 Stunden
- anschließend gibt es drei Szenarien: entweder bin ich total müde und schlafe einfach ein oder ich habe starke Kopfschmerzen, die sich mit Ibuprofen sehr gut unterdrücken lassen oder ich bin total fit und überdreht und muss mich unbedingt bewegen

Eigentlich lässt sich das mit keinem Beruf wirklich vereinbaren :testwall:

Andererseits denke ich mir, hat das bis jetzt als Schülerin ja auch einigermaßen geklappt und da ich echt gerne mit Kindern arbeiten würde, wäre Lehrerin ja doch ganz nahe liegend.

Wie seht ihr das? Oder gibt es hier vielleicht sogar Lehrer mit Epilepsie, die von ihren Erfahrungen berichten können?

LG Schmetterling

Joy

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Re: Lehrer/Lehramt mit Epilepsie?
« Antwort #1 am: 25. Mai 2017, 13:12:35 »
Hi Schmetterling,

wenn du nix sagst, kannst du alles machen, aber ob das so schlau ist. Wie kommst du denn auf die Idee, dein Verhalten als Schülerin mit dem der Lehererin gleichzusetzen? Stell dir vor, du kriegst einen Anfall und bist danach unendlich fertig, wie soll das funktionieren? Die Schüler sind selbst Schutzbedürftige und dann auch noch die Lehrerin? Sorry, aber dass sehe ich sehr kritisch. Mit Epi hat man in Sachen Beruf einfach die A-Karte gezogen!

lg Joy

19Schmetterling98

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Re: Lehrer/Lehramt mit Epilepsie?
« Antwort #2 am: 25. Mai 2017, 13:35:51 »
Ich setzt mich nicht mit Lehrern gleich. Der Gedanke war darauf bezogen, dass man als Lehrer immer dasselbe Umfeld hat und die meisten Lehrer haben ja auch nicht 8 Stunden durchgehend Unterricht, sondern immer wieder Freistunden und Pausen dazwischen. Klar kann ich meiner Epilepsie nicht sagen, dass sie genau in den Zeiten kommen soll, aber die Wahrscheinlichkeit, dass es während des Unterrichts passiert ist dadurch natürlich verringert.

Wenn ich in der Schule einen Anfall kriege und danach fertig bin, dann kann ich mich immer für ein paar Stunden mit Koffeeintabletten wach halten. Das wäre also eher ein geringeres Problem.

Joy

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Re: Lehrer/Lehramt mit Epilepsie?
« Antwort #3 am: 25. Mai 2017, 16:27:29 »
Hi Schmetterling,

ich meinte eher, dass es als Schülerin mit Anfall mehr oder weniger egal ist, da kannst du dich verdrücken, wenn es dir ***te geht.  Als Lehrerin hast du dann Verantwortung und kannst nicht jedes Mal abhauen. Kannst du z.B. während des Anfalls klar denken und sprechen? Das ist bei den meisten Arten nicht der Fall und da kann man nun mal nicht unterrichten.  Und das danach... weder schlafen noch rumtennen geht da. Aber sprich doch mal mit irgendeinem Lehrer oder so.

lg Joy

Lena2911

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Re: Lehrer/Lehramt mit Epilepsie?
« Antwort #4 am: 26. Mai 2017, 12:05:05 »
Hi Schmetterling,
ich würde das Studium nicht direkt aufgeben. Bis du wirklich Lehrer bist, sieht deine Situtation mit den Anfällen wieder vielleicht ganz anders aus. Such dir bei einer Berufsberatung für Menschen mit Epilepsie (z.B. in Bethel) einen vernünftigen Ansprechpartner! Meistens lassen sich trotzdem Mittel und Wege finden, um sich seine Träume zu erfüllen.
Gib nicht auf und informier dich richtig :-)

LG

Sandra24

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Re: Lehrer/Lehramt mit Epilepsie?
« Antwort #5 am: 26. Mai 2017, 14:15:25 »
Hi Schmetterling
Ich gebe lena Recht ich würde auch nicht das Studium aufgeben. Ich hatte früher jeden tag anfälle bzw mehrere in der Woche und habe trotzdem eine Ausbildung zur Kinderpflegerin/Sozialpädagogischer Assistentin erfolgreich abgeschlossen :) Viele meinten zwar immer das ginge nicht wegen der Epilepsie aber ich habe das damals geschafft und hatte zum Teil auch einen besseren Notendurchschnitt als andere die gesund waren  ;D ;)
Ich hoffe für dich dass du deine Wünsche erfüllen kannst :)
Lg Sandra

BEpi

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Re: Lehrer/Lehramt mit Epilepsie?
« Antwort #6 am: 26. Mai 2017, 16:56:44 »
Hallo Schmetterling,

ich hab Lehramt Gymnasium studiert ohne vorher zu überlegen ob ich Lehrer werden kann oder nicht. Vor der Abschlussprüfung bin ich dann auf Diplom gewechselt, aber nicht wegen Epi sondern eher weil ich nicht mein ganzes Leben Lehrer sein wollte. Probleme hätte ich bestimmt bei einer Verbeamtung bekommen, da ich mich privat nicht krankenversichern könnte. Ob es bei einer Anstellung Vorschriften wegen Epi gibt ist wahrscheinlich in jedem Bundesland anders, da Schule Ländersache ist.
Aber ein abgeschlossenes Studium hilft dir in jedem Fall weiter. Egal, ob du eine Lehreranstellung bekommst oder nicht. Es werden aktuell eh ziemlich viel Lehrer gesucht, da werden vielleicht auch Epis genommen...

VG
BEpi

zimtstern91

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Re: Lehrer/Lehramt mit Epilepsie?
« Antwort #7 am: 27. Mai 2017, 12:22:05 »
Hallo Schmetterling,
ich bin in ein paar Wochen mit meinem Referendariat (Lehramt Realschule) fertig. Bevor ich das Ref begonnen hab, hatte ich noch keine Epilepsie. Erst zu Beginn des ersten Schuljahres hatte ich die ersten zwei Anfälle überhaupt, was vermutlich durch den Stress, der dann langsam abgenommen hat, bedingt war.
Seitdem hatte ich aber auch nur einen einzigen Anfall und der war nach dem Schlafen am Wochenende, also ist es eh recht unwahrscheinlich, dass sowas bei mir im Unterricht passieren würde.
Du hast ja scheinbar schon oft Anfälle, und da würde ich es mir mit Lehramt schon gut überlegen. Du willst Gymnasium machen - das ist wohl noch am vernünftigsten. Ich bin im Moment an einer Brennpunktschule, und ganz ehrlich, ich wüsste nicht, was meine ohnehin schon schwierigen Schüler mit mir machen würden, wenn ich einen Anfall hätte. Noch dazu hast du Aufsichtspflicht.
Ich will dich nicht entmutigen :-) Lehrer ist schon auch ein schöner Beruf, und immerhin muss man dazu nicht Auto fahren "dürfen". Aber bedenke, dass das Ref sehr stressig ist. Wenn du besonders auf Stress reagierst und da vermehrt Anfälle bekommst, würde ich es mir gut überlegen. Danach wirds besser ;-)

Liebe Grüße
zimtstern

JaneBond

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Re: Lehrer/Lehramt mit Epilepsie?
« Antwort #8 am: 30. Mai 2017, 11:02:15 »
Liebe/r Schmetterling!
Also ich bin auch Lehrerin mit Epi :) - und ich fände es toll, wenn Du Deinen Traum weiterverfolgst, denn Lehrer ist ein toller Beruf, und es sollten ihn auch möglichst Leute machen, die das wirklich wollen!
Es ist natürlich die Frage, inwiefern es für Dich gefährlich werden könnte. Bei kleinen Kindern könnte es schwierig sein, länger "weg" zu sein, denn die Aufsichtspflicht ist ja wichtig. Ich stelle mir vor, es ist Bastelstunde, Du hast einen Anfall, und ein Schüler schneidet den anderen mit der Schere - dann bekommst Du Ärger. Aber mit Teenagern am Gymnasium sehe ich kein Problem. Du musst halt ein dickes Fell haben!! Die Krankheit ist ja nicht gerade Image-fördernd ;)
Ich hatte mittlerweile 3 oder 4 Anfälle vor der Klasse und habe behauptet, dass ich zu wenig gefrühstückt hätte. Ein Schüler hat es "durchschaut" und mich sehr freundlich angesprochen, ob es nicht Epilepsie sein könnte, seine Tante hätte das auch. Ich habe gesagt: "Ja, du hast recht. Bleibt aber bitte unser Geheimnis." Und dabei ist es bislang auch geblieben :)
Du hast im Öffentlichen Dienst auch eine ganz andere Akzeptanz als in der Privatwirtschaft. In einer Firma einen Anfall zu haben, kann Dich schnell mal den Job kosten …
Ich denke, wenn die Politiker Inklusion fordern, muss das auch für erkrankte Lehrer/innen gelten!!
Liebe Grüße von Jane
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