Autor Thema: Gibt's ne Ernährungshilfe bei Epilepsie  (Gelesen 1498 mal)

MondMaus

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Gibt's ne Ernährungshilfe bei Epilepsie
« am: 07. Juni 2017, 10:58:39 »
Hi !

Ich nehme seid Jahren Medikamente gegen die Epilepsie ein. Aber nach einer Zeit lässt immer die Wirkung nach und ich bekomme wieder vermehrt Anfälle . Manchmal wirken die Medis auch garnicht .
Gibt es vielleicht eine bestimmte Ernährung die da gegen hilft?
So wie bei anderen Erkrankungen.


Ich freue mich auf Antworten von euch und hoffe auf Tipps

yossarian

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Re: Gibt's ne Ernährungshilfe bei Epilepsie
« Antwort #1 am: 07. Juni 2017, 19:42:32 »
Hallo Mondmaus,

Du nimmst seit vielen Jahren Medikamente ein und hast festgestellt, dass bei ihnen die Wirkung mit der Zeit nachlässt. Man muss jedoch wissen, dass sich Epilepsien von Zeit zu Zeit verändern können. Immer vorausgesetzt, die Medikamente werden regelmäßig genommen.

Aus meiner Sicht lässt sich eine Epilepsie mit einer speziellen Ernährung nicht therapieren. Es gibt zwar die „Ketogene Diät“, angeblich kann sie jedoch nur  epilepsiekranken Kindern helfen. Gesunde Ernährung wirkt sich bei jedem positiv aus.Ein an Epilepsie erkrankter Patient wird sich besser fühlen und dadurch vielleicht die Zahl der Anfälle senken können.

Außerdem kann damit verhindert werden, dass weitere Erkrankungen wie Bluthochdruck, Übergewicht sowie Herz- und Kreislauferkrankungen auftreten. Zur „Ketogenen Diät“ schreibt Herr Prof. Dr. Hufnagel, Besitzer dieses Forums, unter epilepsie-netz.de ausführlich. Dort findest Du weitere Informationen, die dir bei der Arbeit in der Selbsthilfegruppe helfen können.

Viele Grüße
yossarian

morini

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Re: Gibt's ne Ernährungshilfe bei Epilepsie
« Antwort #2 am: 05. August 2017, 13:10:24 »
Hallo Mondmaus,
nach meiner Erfahrung mit einer ziemlich niedrigen Dosis Lamo, empfiehlt es sich trotz vieler Einwände dennoch bestimmte Lebensmittel zu bevorzugen, bzw Vitamin D (Nicht zu vergessen! das wird durch viele Medikamente verringert) und Vitamin B-Präparate einzunehmen, um das Nervensystem zu schonen bzw Anfälle zu verringern. Durch Epilepsiemedikamente oder die Epilepsie selbst werden viele Vitamine viel schneller verbraucht.
Ich meine wenn man zuviele Kohlenhydrate wie sie in Müsli und Lebensmitteln wie Kuchen, Spätzle oder Pizza vorkommen möglichst meidet, dann kann man auch mit einer normaler Fett-Energiezufuhr auf einen guten Level kommen. Fett hilft aber auch bei der Überführung der Vitamine und Mineralstoffe ins Blut. Ich esse aber auch gerne Kartoffeln, die viel Kalium enthalten. Ich hatte immer das Gefühl, dass wenn ich mal öfter Kuchen oder Nudeln gegessen hatte, die Anfalls-Neigung erhöht war, als wenn die Tabletten wirklich auch langsamer ins Blut gelangten. Ich erlebte außer den ersten Anfall alle bewußt, bin fokale TLEpi.
Schwierig ist glaub ich auch die Elektrolyten-Balance irgedndwie zu gewährleisten, also nicht zu stark aber auf jedenfall salzen, viel kaliumreiches Gemüse, aber auch Calcium und Magnesium sollte nicht fehlen, um Anfällen vorzubeugen.
Ich habe über ein halbes Jahr mit vegetarischer Ernährung und ohne Salz gelebt, weil ich dachte es sei gesund, aber nein! Salzen muss man auf jedenfall, es ist überlebenswichtig fürs Herz!
So.
Ich glaube damit kann man im Groben einiges selber tun.

D.e.n.d.r.i.t

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Re: Gibt's ne Ernährungshilfe bei Epilepsie
« Antwort #3 am: 06. August 2017, 03:45:11 »
Hallo MondMaus,

mir fiel ein, ob Du ausreichend Medikamente nimmst. Wird bei Dir der Medikamentenspiegel bestimmt? Es kann aber durchaus sein, dass Du (leider) zu den therapierefraktären Patienten gehörst (ich auch). Da hilft nur, das AE ausreizen, was geht und dann eines AE bzw -kombi eindosieren. Darauf achten, dass Du auch korrekt therapiert wirst. Also keine AE von einer Art, die nur für speziell primär gen. Anfälle bzw. sekundäre/fokale Anfälle, verwendet werden. Bist du bei nem Doc, der sich in Epilepsie gut auskennt? Das sind nur Fragen, aufgrund eigener Erfahrung. Ich bin schon fehltherapiert worden und von einem Arzt, der sich offenbar nicht wirklich bei Epilepsie auskennt.

Die Vorschläge bzgl. Ernährung sind zwar an sich gut gemeint, aber prinzipiell kann man das nicht so pauschal sagen. Es hängt auch davon ab, ob Du überhaupt einen Mangel hast. Da kann ein großes Blutbild ein Stück weiterhelfen. Wurden irgendwelche Mängel festgestellt? Hast Du Verdacht auf eine Mangelerscheinung?

LG, Manuela
Juvenile Myoklonische Epilepsie

Levetiracetam UCB / Keppra 4x 1.000 mg
Lamictal (Lamotrigin) 200-100-200 mg
Frisium (Clobazam) 0-0-0-5 mg

Citalopram 20-10-0 mg
Valdoxan 0-0-0-12,5 mg

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D.e.n.d.r.i.t

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Re: Gibt's ne Ernährungshilfe bei Epilepsie
« Antwort #4 am: 06. August 2017, 04:05:14 »
Hallo Morini,

vielen Dank für die ausführliche Beschreibung. Du hast wohl schon viel Erfahrung damit. :-) Ich möchte nur anmerken, dass man bei manchen Sachen erst das Blutbild berücksichtigen soll. Denn sobald jmd. anfängt, zusätzlich wg. vermutlicher Mangelerscheinung substituiert, kann der Schuss nach hinten gehen. Als Bsp. Kalium. Von Topimarat entstand bei mir klinischer und symptomatischer Mangel, also Hypokaliämie. Eine unabgesprochene Einnahme von Kalium auf Dauer hätte also irgendwann genauso zum Herzinfarkt führen können, sobald der Bedarf gesättigt worden wäre und nur einfach weiter eingenommen hätte.

Ich schreib die Anmerkung nur deswg., weil es manche "Gesundheitsapostel" gibt (es reichen ja stille Mitleser), die nicht darüber nachdenken und von einer Empfehlung zu einem Muss ausgehen. Drum schreib einfach obligatorisch mit dazu, was berücksichtigt werden soll und vor allem bei Substituierungen mit dem Doc absprechen. Ich weiß, ist blöd, aber leider gibts welche, die daneben rausschießen.

So, jetzt weiß ich nicht mehr, ob man das noch lesen kann. Bin hundemüde und muss endlich schlafen. Ich les es morgen nochmal, ob man es verstehen kann. ;-)

Gute Nacht

Manuela
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Aurasona

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Re: Gibt's ne Ernährungshilfe bei Epilepsie
« Antwort #5 am: 06. August 2017, 04:16:09 »
Hey,

Seitdem ich diese "Ernährungsempfehlerin" als Facebook Freundin habe, habe ich gelernt, mich mit guten Vitaminen zu belohnen und diese auch dekorativ und kreativ für ein Foto zu designern!

https://www.facebook.com/anna.olschok

und  die Vitaminreiche nahrungsumstellung half bis dato, das ich keine Krampfsymptome aufwies. Mein Umfeld glaubt seit einiger Zeit, ich hätte keine Zähne mehr,  hab ich aber noch welche, aber die Krämpfe sind weg!

LG
David78
« Letzte Änderung: 06. August 2017, 04:18:19 von David78 »

morini

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Re: Gibt's ne Ernährungshilfe bei Epilepsie
« Antwort #6 am: 08. August 2017, 22:32:28 »
Ja, wenn ich das nun lese, klingt das wirklich etwas übertrieben. Na klar, Dendrit, absprechen mit dem Doc mache ich in der Regel dennoch.
Wie gesagt, ich erwähnte es nur wegen dem Salzkonsum. Ich habe es nur mal gelesen,das die Natriumkonzentration die Verstoffwechelung des Medis mitsteuert. Ich glaube langsam bekomme ich so langsam einen Überblick, über diesen Mesokosmos hier. Ich hätte nicht hier zuerst schreiben brauchen. ;-)

morini

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Re: Gibt's ne Ernährungshilfe bei Epilepsie
« Antwort #7 am: 08. August 2017, 22:43:09 »
Oh... *Kopfschüttel
Das Wort war wirklich nicht gut gewählt..
Ich dachte es wäre nur ein harmloser philsophischer Begriff, ich mag Wortmalerei.

ladybird

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Re: Gibt's ne Ernährungshilfe bei Epilepsie
« Antwort #8 am: 09. August 2017, 08:33:05 »
Guten Morgen  :)

yossarian hat sie bereits erwähnt, die ketogene Diät, bzw. dann bei Jugendlichen und Erwachsenen dann die MAD (modifizierte Atkins-Diät). Mir wurde dies vorgeschlagen, als ich erst kürzlich für mehrere Wochen in einem Epilepsiezentrum (Kleinwachau) war. Ich werde die Möglichkeit wahrnehmen und hoffe auf Besserung. Das Einzige was mir jetzt im Vorfeld ein bisschen sauer aufstößt, ist die Tatsache, dass dann sämtliche Vitamine und Mineralstoffe substituiert werden müssen.  :-\ Das werde ich aber wohl in Kauf nehmen müssen.
LG

yossarian

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Re: Gibt's ne Ernährungshilfe bei Epilepsie
« Antwort #9 am: 09. August 2017, 21:11:10 »
Hallo,

ergänzend zu meinem Beitrag möchte ich mich den Ausführungen anderer anschließen und noch folgendes hinzufügen. Dendrit hat es angesprochen, ein Arzt muss den Patienten von hinten bis vorne kennen, um eine Therapie, auch die Ketogene Diät, zu verordnen. Da zählt die einzelne Meinung eines Arztes wenig. Herr Prof. Dr. Hufnagel hat sich in einem Newsletter dazu geäußert und ist der Meinung, dass die Ketogene Diät in den meisten Fällen an der praktischen Umsetzbarkeit scheitert.

Liebe Grüße
yossarian

Zitat Prof. Dr. med. Hufnagel (http://www.epilepsie-netz.de/)
„Ketogene Diät oder modifizierte Atkins-Diät
Bei der ketogenen Diät handelt es sich um eine Diät bei der 3-4 mal mehr Fett als die Summe aus Kohlenhydraten und Proteinen gegessen wird, somit kurz zusammengefasst um eine Fettdiät. Im Kindesalter wurde eine Reduktion der Anfallshäufigkeit um 30-50 % beobachtet und in Studien belegt. Nebenwirkungen sind u.a. Übelkeit und Durchfälle. Vitamine müssen substituiert werden.
In der Praxis hat es sich jedoch erwiesen, dass diese strenge Diät nur über kurze Zeit aufrecht zu erhalten ist. Viele Patienten und ihre Angehörigen geben bereits nach wenigen Wochen auf. Somit ist auch über die Langzeitwirkungen z.B. Hinblick auf eine sich entwickelnde Arteriosklerose nichts bekannt. Gewisse Risiken sind jedoch hypothetisch anzunehmen.“

ladybird

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Re: Gibt's ne Ernährungshilfe bei Epilepsie
« Antwort #10 am: 10. August 2017, 08:30:11 »
Hallo,

ein kleiner Nachtrag zu meinem vorherigen Beitrag, da er anscheinend etwas falsch verstanden worden ist.
Die Entscheidung zur Durchführung einer MAD ist niemals eine leichtfertig getroffene, weder von Seiten der behandelnden Ärzte (natürlich geht es da nicht um die Meinung EINES Arztes) noch von Patientenseite. Es wird dabei nichts “hoppla-hopp“ betrieben oder übers Knie gebrochen, da für so eine Form der begleitenden Therapie auch einfach nicht jeder Patient geeignet ist. Ist nach sorgsamer Abwägung, und unter Beteiligung aller (Klinikärzte, behandelnde Ärzte zuhause und natürlich Patient bzw. auch die Familie) die Entscheidung für eine Form der ketogenen Diät gefallen, so gibt es vor Beginn der stationären (!) Einleitung noch einen kleinen Untersuchungsmarathon, der durchlaufen werden muss. Dazu zählen die Bestimmung einer Vielzahl an Laborwerten,
angefangen bei einem simplen Blutbild (der Begriff wird meist medizinisch nicht korrekt verwendet) bishin zu speziellen Parametern, die z.B. eine bisher unentdeckte angeborene Stoffwechselerkrankung “aufdecken“ sollen. Auch wird der Zustand und die Funktion der Organe durch Ultraschall und auch EKG überprüft. Wäre bei diesen Untersuchungen etwas auffällig, so kann das Unternehmen “ketogene Diät“ auch schon im Vorfeld scheitern. Fällt alles positiv aus, so wird der Patient stationär aufgenommen und die einzelnen Mahlzeiten schrittweise auf “ketogen“ umgestellt. Man steht unter strenger ärztlicher Beobachtung, und mehrmals am Tag werden ausgewählte Laborwerte bestimmt. Diese Überprüfung des Blutes hat man als Patient daheim in Eigenregie fortzuführen. Generell ist sehr viel Eigeninitiative gefragt, soviel ist klar, und es muss auch ganz klar auf das ein oder andere verzichtet werden, wenn sich keine ketogene Alternative findet. Wenn die Bilanz am Ende jedoch stimmt, so ist mir persönlich das recht. Es ist für mich ,und sicher auch etliche andere, einfach eine Chance. Und selbst wenn man Dinge ausschließlich  nüchtern betrachtet, so ist es immer noch ein Stück Hoffnung, was einem dadurch gegeben wird, ebenso wie die Möglichkeit aktiv Einfluss nehmen zu können auf die Erkrankung. Mehr als nur das bloße Pillenschlucken, was ja auch nicht immer von Erfolg gekrönt ist. Von daher würde es mich freuen wenn man dieses Thema nicht nur schnell mit dem Zitieren eines Arztes abkanzelt, sondern duchaus als zusätzliche Form der Therapie ernst nimmt. Zumal ja ausdrücklich in so eine Richtung gefragt wurde (Ernährung). Vielen Dank.  :)
LG