Autor Thema: Meine Tochter hat Depressionen???  (Gelesen 822 mal)

Eos

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Meine Tochter hat Depressionen???
« am: 27. Juni 2017, 15:44:49 »
Hallo Leute,

lange war ich nicht mehr hier, denn je älter die Kinder werden desto weniger Zeit hat man als Eltern.
Dieses mal geht es nicht um mich, sondern um meine Tochter.
In der 1. klasse wurden Auffälligkeiten sichtbar, welche einen ganzen Ärztemaraton in Gang setzten.
Hier einmal kurz in Stichpunkten:
- 1.Klasse, irgendwas Stimmt nicht, Diagnose ADS,
- 2.Klasse, kampf mit der Lehrerin (Lisa sollte auf die Sonderschule)
   MRT - EEG - Kardiologe, Neurologe, Diagnose: Tourette
   Wiederholung der 2.Klasse
Das Tourette ist kein Problem bisher, es tritt sporadisch auf in Form von verschiedenen sich verändernden Tics. Es ist halt einfach da, wie ein Augenzwinkern. ;)
- 3.Klasse, neue Klassenlehrerin (Glücksfall) Lisas Noten wurden besser und nach der 4. Klasse gab es eine Realschulempfehlung.
- 5.Klasse, obwohl die Klasse sehr groß war (32 Kinder!) gab es eine gute Klassengemeinschaft, und Lisas Tics wurden von den Anderen auch akzeptiert. Wenn mal ein Mitschüler dumme Bemerkungen o.Ä von sich gegeben hat, standen die Anderen hinter ihr. Mit ihrer Klassenlehrerin kahm sie allerdings nicht so gut klar.
Ihre Noten wurden wieder schlechter, und sie fing an sich hin und wieder zurück zu ziehen.
- 6.Klasse, wieder eine neue Klassenlehrerin, diesmal eine ganz tolle. Sie hat sich wirklich lieb um Lisa gekümmert.
Lisas Schulnoten wurden trotzdem immer schlechter. Sie zog sich immer mehr zurück. Über ein Hobby hat sie sich eine Internetcomunity aufgebaut. Sie lässt mich auch kontrollieren, wer das ist (im i-net treiben sich viele ... rum) sie zeigt mir teile ihres Chats und ich war auch schon dabei wenn sie mit ihren freunden skypt. Da ist sie sehr vernünftig und vorsichtig.
Eine Zeit lang hat sie sich immer einen verband um den Arm gewickelt, ich habe das für eine "Macke" gehalten. Heute denke ich mir, wie blöd ich doch gewesen bin, denn einige Zeit später habe ich narben auf ihrem Oberschenkel entdeckt. Dann hat sie mir gestanden das sie sich geritzt hat. Wir haben darüber gesprochen und ich habe einen Termin bei der Caritas gemacht. Diese Frau war allerdings nicht wirklich hilfreich. natürlich habe ich gesagt wir sollten einen Psychologen aufsuchen, sie wollte das nicht, wir haben schon 2 durch (wegen dem ADS und dem Tourette) bisher konnte sie noch zu niemandem vertrauen fassen. Sie hat mir versprochen es nicht wieder zu tun. Ich kontrolliere das heimlich, bisher ist sie "clean" geblieben. 
Seid einiger Zeit lässt sie auch keine körperliche Nähe mehr zu, keine Umarmung oder einen Kuss auf die Wange. Das ist etwas was ich nicht nachvollziehen kann, aber ich respektiere das.
Sie hat arge Schlafstörungen und ist manchmal bis 4 Uhr wach, da sie zur Schule muss, ist das natürlich ein dauerhafter Konflikt, der ganz schön kräftezehrend für uns alle ist.
Am Wochenende kahm sie zu mir, und sagte sie glaubt das sie Depressionen hat. Sie hat geweint (ich auch gleich beim schreiben) und mir genau geschildert warum.
- Schlafstörungen, Panickattaken, Unwohlsein bei menschlicher nähe, Selbstvorwürfe, Stimmungsschwankungen, Gedankenroulette, ..... und noch vielmehr.
Ich habe ihr gesagt das ich sie nicht zu einem Psychologen zwingen kann, das würde nichts bringen. Aber es wäre der beste Weg um ihr zu helfen. Und sie versprach mir diese Möglichkeit zu überdenken. Gestern hat sie mir das zugesagt. (Gott sei dank)
Nächste Woche habe ich einen Termin bei meiner Neurologin und werde sie fragen welche Schritte zu gehen sind. Ich will das meine Tochter wieder glücklich ist.
Lisa wird jetzt 14, war/ist aber ihren Altersgenossen, vom Kopf her, immer 2-3 Jahre voraus. Was auch Lehrer, Erzieher und Ärzte immer wieder gesagt haben.
Die 6. Klasse hat sie nicht geschafft. Sitzenbleiben wäre keine Option gewesen. Die Klasse wäre noch größer und die anderen Kinder noch jünger. Darum wird sie nach den Ferien in die 7.Klasse der Hauptschule wechseln. Da sie es sich gewünscht hat kommt sie die Klasse ihres Bruders, Mark ist ein Jahr jünger. Ich hoffe das geht gut. Aber sie wollten es beide gerne.
Bei der vielen Aufmerksamkeit die Lisa braucht müssen wir immer zusehen, das er nicht zu kurz kommt.

Danke an alle die bis zum Ende gelesen haben, vielleicht habe ich ein bisschen konfus geschrieben, aber so geht es auch in meinem Kopf vor. Es tut gut das ganze mal aufzuschreiben und die Situation so zu "fassen".

Vielleicht fühlt sich ja der eine oder andere (teilweise) in der Beschreibung von Lisa wieder. Und kann mir evtl. Tipps geben,  wie ich reagieren kann. Damit ich ihr helfen kann.   

Gruß
Eos
Traue keiner Statistik, auch wenn sie nicht gefälscht ist.

Muschelschubser

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Re: Meine Tochter hat Depressionen???
« Antwort #1 am: 28. Juni 2017, 23:59:55 »
Hallo Eos, stell Deine Frage doch vielleicht nochmal im Unterthread für Eltern ... oder es dauert halt im Moment etwas länger, bis Reaktionen kommen, tut mir leid.

Das geht über ein bisschen normale Teenager-/Pubertätsprobleme hinaus ... Es ist gut, dass Deine Tochter endlich doch Hilfe anzunehmen bereit ist. Und ich finde es sehr vorbildlich, wie Du vorgehst. Euch viel Glück!

Grüße von der Muschelschubserin 
Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen!

Joy

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Re: Meine Tochter hat Depressionen???
« Antwort #2 am: 29. Juni 2017, 17:16:11 »
Hi Eos,

in dem Alter wundert es mich nicht, wenn man sich nicht mehr von den Eltern abknutschen lassen will. Die gehen auch ihren Weg zur Selbstständigkeit, so schwer es für Eltern auch ist, irgendwann muss man sich von ihnen langsam lösen.

In der Pubertät verlagert sich auch der Schlafrythmus. Teenager werden später müde und brauchen mehr Schlaf, das gibt sich mit dem Alter wieder meistens, da kann sie nix für.

Trotzallem scheint es deiner Tochter sehr schlecht zu gehen. Die Diagnose depressiv kann aber nur ein Psychologe oder Arzt stellen.

Aber wirklich toll, wie du mit ihr umgehst, die meisten haben nicht mal das Vertrauen in die Eltern, ihnen zu sagen, wie es ihnen geht!

Alles Gute für euch.

lg Joy