Autor Thema: Verzweifelt  (Gelesen 946 mal)

hannibunny0606

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Verzweifelt
« am: 06. September 2017, 12:21:45 »
Ich habe meine Diagnose ja noch nicht so lange, erst seit knapp drei Monaten.
Erst seit heute ist mir klar, was genau das für mich und mein Leben bedeutet, es macht alles kaputt wofür ich je stand.
Und auch heute kamen mir zum ersten mal die Tränen seit der Diagnose und ich habe niemanden zum Reden. Meine Familie unterstützt mich zwar aber ich weine nicht vor ihr.
Was für mich noch furchtbar schlimm ist, ist die Angst in eine Sucht zu geraten, ständig denke ich an Alkohol oder an Benzos. Als Notfallmedikament habe ich Tavor zuhause. Noch konnte ich dem Drang, mich einfach abzuschießen widerstehen, doch ich weiß nicht, wie lange das noch gut geht. Suizidgedanken habe ich zum Glück nicht, hatte ich aber als Jugendliche und meine Befürchtungen sind groß, dass sie wiederkommen.
Zum Psychotherapeuten gehe ich schon seit einem halben Jahr aber ich kann mich ihm nicht so richtig anvertrauen, da er sowieso schon möchte, dass ich eine stationäre Therapie machen aber so will er das erst recht.

Momentan weiß ich einfach nicht weiter, ich hätte gerne jemanden der mich in den Arm nimmt und ich weinen kann.

Joy

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Re: Verzweifelt
« Antwort #1 am: 06. September 2017, 16:04:29 »
Hi hannibunny0606,

das ist natürlich alles sch...  :tröst: :tröst: :tröst:

Es gibt so viele Menschen mit Epilepsie, die gut oder einigermaßen gut leben können. Auch die, die die Dieagnose noch nicht haben und wollen weiterleben. Wenn man nicht grad Stundenlang am Tag krampft, dann packt man das schon irgendwie und wir hier müssens's ja wissen.

Vielleicht brauchst du einen anderen Psychologen, wenn du mit deinem jetzigen nicht so klar kommst/dich vor ihm nicht öffnen kannst? Wobei, wenn es dir gerade gar so schlecht geht, wäre eine psychosomatische Klinik gar keine schlechte Idee. So schnell kriegt man da für normal eh kein Platz.

Ich finde in solchen Zeiten das Lied immer ganz toll:

https://youtu.be/jxf6PTOCN6s

Gute Besserung dir, es kommen auch wieder schönere Tage :insel:

lg Joy


Meditester

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Re: Verzweifelt
« Antwort #2 am: 07. September 2017, 12:13:54 »
Hallo hannibunny!

Hast du nicht vielleicht in deinem Umfeld Jemanden zum Reden?
Ich war mal als Begleitung mit zum Psychologen und auch als Mutter.
Dabei habe ich auch nie so "den richtigen Draht" gefunden.

Mit meinem Nachbarn kann ich über Alles reden und diskutieren
obwohl er schon wesentlich älter ist als ich.
So könnte ich selbst mit Eltern oder anderen Verwandten nicht reden.

(Energie bei miesen Gesundheitsproblemen hole ich mir beim Rausgehen mit dem Hund,
Reden mit anderen Menschen (welche ich nicht näher kenne) sowie aus positiver Musik.)
Auch denke ich dass es hilft einfach aufzuschreiben Was einen so beschäftigt.
Es muss ja Keiner lesen.

Meditester
Fantasie ist ein Schatz, den dir Keiner nimmt
Auch an eiskalten Tagen trage Wärme im Herzen

Muschelschubser

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Re: Verzweifelt
« Antwort #3 am: 07. September 2017, 23:12:43 »
Liebe Hannibunny,

ich kenne das, ganz weit unten zu sein psychisch, ganz am Ende. Weine Dich aus. Gehe vielleicht einfach in eine Kirche, in eine ruhige Ecke, mache eine Kerze an, vertraue einer "übergeordneten Macht" Deine Sorgen an (auch wenn Du nicht gläubig bist).
Glaube mir: Es gibt einen Weg raus. Er dauert, er ist schmerzhaft, aber es gibt ihn. Lass Dir vielleicht auch hilfsweise ein Antidepressivum verschreiben, das nicht abhängig macht (Fluvoxamin), lass Dich von Deinem Hausarzt diesbezüglich beraten oder Deinem Neurologen.

Was spricht gegen eine stationäre Therapie? Ich kenne jetzt Deine Geschichte nicht. Kannst mir auch eine Privatnachricht schreiben.

Viele liebe Grüße von der Muschelschubserin (seit 11 Jahren die Diagnose)
Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen!

Susi93

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Re: Verzweifelt
« Antwort #4 am: 18. September 2017, 07:48:26 »
Hallo Hannibunny,

Ich kann deine Gedanken sehr gut nachempfinden.
Ich habe meine Diagnose auch erst vor einem halben Jahr erhalten und zweifel sehr oft an allem.
Das ist, denke ich, normal.
Von einem auf den anderen Schlag ist man nicht mehr gesund. Ab sofort
ist man chronisch Krank. Das ist am Anfang alles sehr viel.
Man stellt sich 100 Fragen, meist ist man nicht bewandert in diesem Thema. Das schafft Unsicherheit und Angst.

Dass deine Familie  so wenig Interesse zeigt, ist wirklich schade.
 Vielleicht ist es bei ihnen auch eher die Angst etwas falsch zu machen?
Hast du Freunden mitgeteilt, dass du Epilepsie hast?
Eventuell gibt es in deiner Nähe eine Selbsthilfegruppen zum Thema Epilepsie.
Dort kannst du frei darüber sprechen, dich mit anderen Austauschen und sicher auf viele Fragen eine Antwort bekommen.
So werden auch die "ich kann nicht mehr" Gedanken weniger werden.

Nimm dir die Zeit, die du brauchst, um dich an die Krankheit, die Tabletten und die Veränderungen in deinem Leben zu gewöhnen. Es wird nicht immer leicht sein, aber Stück für Stück wird es besser werden. Das "alte" Leben wird nicht völlig  zerstört sein, es wird sich nur ändern

Alles Gute!

hannibunny0606

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Re: Verzweifelt
« Antwort #5 am: 19. September 2017, 23:57:28 »
Vielen Dank für eure Rückmeldungen, leider schaffe ich es erst heute zu antworten, vorher hat es mich so extrem mitgenommen.
Mein Psychotherapeut ist gut, keine Frage aber ich habe so furchtbar viele Baustellen und man kann nicht gleichzeitig an allen arbeiten. Gegen eine stationäre Therapie spricht mal wieder Zeit und Geld, ich kann es mir einfach nicht leisten.
Ich nehme schon so furchtbar viele Medikamente, mittlerweile sind es schon 5 und ich denke damit quäle ich meinen Körper genug. Daher möchte ich nicht noch mehr nehmen. Ich kenne nur eine Person, mit der ich drüber reden könnte aber sie möchte es nicht.
Die Diagnose chronische Krankheit ist für mich jetzt nicht so schlimm, denn es ist die dritte aber sie ist halt so unberechenbar. Das stört mich und die vielen Einschränkungen, nicht nur körperlich.
Meine Familie hat Interesse, nicht falsch verstehen, aber ja, sie habe fürchterliche Angst um mich. Nachdem ich letzte Woche in einen krassen Status gefallen bin natürlich noch mehr.
Meine “Freunde“ wissen von der Diagnose aber die sind nur noch genervt, ständig liege ich im Krankenhaus, werde operiert, bekomme neue gesundheitliche Probleme. Ich kann sie ja verstehen aber das macht die Situation nicht einfacher.
Ich denke tatsächlich, dass auch vieles mit den Medikamenten zusammenhängt und hoffe auch, dass das noch besser wird. Ich merke auch, dass i.H.v. ziemlich aggressiv bin, zwar nur in mir drin aber das gefällt mir nicht