Autor Thema: Meine Situation  (Gelesen 518 mal)

Alexibri

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Meine Situation
« am: 21. Oktober 2017, 19:09:51 »
Hallo alle zusammen erstmal,

Vorweg, diesen Post zu machen ist für mich sehr schwer und ein wenig der Versuch, den Mut dafür aufzubringen meinen Neurologen anzuschreiben...

Ich nehme seit bald 3 Jahren zweimal täglich 500mg Levetiracetam von Aurobindo, sonst keine anderen Medikamente, kein Alkohol, Drogen oder andere Krankheiten.

Ich hätte normalerweise schon lange professionelle Hilfe aufsuchen sollen, aber einige von euch kennen vielleicht diese Ängste und naja, es ist dann noch nicht dazu gekommen. Das wirklich große Problem ist, dass es manchmal wirklich nicht viele Dinge für mich gibt, die mich weiter machen lassen und einer der größten Motivationsgeber für mich ist meine geplante Zukunft. Ich bin im Moment am Start von meinem Medizinstudium und möchte dann letztendlich Psychiater werden, dieser Traum und Plan war manchmal schon praktisch das Einzige, dass mich wirklich davor bewahrt hat so tief in das Loch zu fallen, dass ich nicht mehr rauskommen würde. Das Problem ist jetzt, dass ich eine sehr große Angst davor habe, wegen meinen Problemen niemals als Psychiater arbeiten könnte und ich deshalb, aber auch wegen anderen Sachen, die ich nicht schaffe in Worte zu fassen es einfach nicht hinbekomme, mir professionelle Hilfe zu suchen...

Also, das Problem ist jetzt, dass ich nach so langer anfallsfreier Zeit wieder (trotz Medikamente und sogar Gewichtsverlust) Anfälle hatte. Die waren zwar nur super kurz und schwach (ein wenig Zittern und geistige Abwesenheit für vielleicht 10 Sekunden), wurden aber langsam mehr... Im Oktober waren es schon mehrere, während es im Juli und August nur einer war, also muss ich auf jedenfall zu meinem Neurologen. Was mir aufgefallen ist, ist dass sie entweder aufgetreten sind wenn ich auf einer Feier war (So große soziale Situationen sind garnicht schön für mich) oder wenn ich sehr müde war (es gab 2 Nächte in denen ich beim einschlafen immer wieder genau vor dem einschlafen welche bekommen habe, die dann auch relativ stark schon waren, bis ich noch eine Tablette mehr genommen habe und dann eine Stunde gewartet habe damit sie wirkt...).

Ich versuche mal meine Symptome halbwegs zu beschreiben (sie haben erst wirklich letzten Dezember angefangen)... Angstzustände und ein Angstgefühl habe ich praktisch ständig, besonders Abends ist es oft sehr stark. Panik/Angstattacken sind auch häufig und werden auch schon wirklich stark. Schlafprobleme habe ich auch praktisch jede Nacht, einschlafen geht zwar meistens relativ leicht, aber mein Schlaf ist oft unterbrochen und kurz und ich bin im Allgemeinen praktisch immer müde. Dissoziative Symptome kenne ich auch, so falle ich oft bei/nach sehr schlimmer Angst in eine Art "Halbschlaf" in denen ich abdrifte und meine Gedanken von mir unkontrolliert sehr eigenartig werden, während ich irgendwie tief in meinem eigenen Kopf bin, dieser Zustand lässt sich am ehesten mit träumen beim schlafen vergleichen und einmal bin ich um mitten in der Nacht aufgewacht, schreiend und vor mich hin redend durch die Wohnung gelaufen und als das meine Eltern geweckt hat, habe ich auf sie reagiert und ihnen anscheinend erzählt, dass es nur ein Alptraum war, danach habe ich anscheinend noch mehr geschlafen, ich habe absolut keine Erinnerung daran, habe nur von meinen Eltern gehört, was passiert ist. Ich habe mir mal die DSM-IV diagnostischen Kriterien für allgemeine Depression angesehen und es gab nicht einen Punkt, der nicht auf mich zutrifft für eine schwere depressive Episode, um das mal ein wenig zusammenzufassen, wobei es mir um einiges besser geht, seitdem ich meine Freundin gefunden habe und mit ihr in einer Fernbeziehung bin, also ist es vermutlich nicht mehr ganz so schlimm. Psychotische Symptome wie leichte Halluzinationen kenne ich auch, ich höre aber nicht wirklich Stimmen, auch wenn oft Gedanken nicht wirklich von mir stammen, die mich dann quälen und ich nicht bekämpfen kann und oftmals habe ich eine Art Paranoia in der ich fast eine Art Verfolgungswahn bekomme. Letzten Winter habe ich eine Zeit lang kaum etwas gegessen, dass hat sich aber wieder etwas normalisiert. Eine weitere Sache ist, dass alles irgendwie Phasenartig verläuft. Ich passe zwar nicht wirklich ganz zu einer bipolaren Störung, habe aber auch manchmal fast manische Phasen (dauern ein paar Tage normalerweise) und hatte auch Zeiten, die ich eigentlich nur als temporäre Soziopathie beschreiben kann (dauern ein paar Wochen normalerweise), da ich unheimlich gefühlskalt wurde, in diesen Zeiten hätte jeder den ich "liebe" (zu solchen Zeiten gibt es keine Liebe für mich, keine Gefühle für niemanden) sterben können und ich wäre nur genervt gewesen... Es gibt noch viel mehr, was ich hier eigentlich reinbringen möchte, aber mein Kopf ist im Moment einfach ein Chaos und gleichzeitig leer, also mache ich hier Schluss. Das Einzige was mir noch einfällt ist, dass ich oft starke Konzentrationsschwierigkeiten und sowas alles habe, was das Lernen für mich sehr schwer macht und einen kleinen Tic, der aber im Verhältnis wirklich keine Rolle spielt. Im Alltagsleben und eigentlich überall außer im Internet trage ich eigentlich eine Art Maske, fast schon ein anderer Mensch, hinter der ich mich verstecke, niemand in meiner Umgebung weis etwas von meinen Problemen, nicht mal im Ansatz, da die Maske sehr stark ist, so stark, dass ich mich manchmal sogar selbst dahinter vergesse, während ich sie trage... Das führt dann zu dem Problem, dass ich oft denke, dass mit mir gar nichts falsch ist und ich mir nur alles einbilde, wodurch ich mich ehrlich gesagt auch schuldig dafür fühle, nach Hilfe zu fragen...

Was ich erhoffe hier zu finden sind Antworten, was mich beim Neurologen erwartet (werden mir die Medikamente weggenommen? Denn das möchte ich wirklich nicht, da meine Epilepsie schon etwas traumatisches für mich ist... werde ich möglicherweise eine höhere Dosis bekommen? Werde ich vielleicht Medikamente für die psychiatrischen Beschwerden bekommen?) und ob irgendjemand weiß, ob mir sowas die Karriere als Psychiater zerstören würde und mir damit eines meiner größten Motivationsgeber rauben würde? Vielleicht gibt es hier auch Jemanden, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat oder so...
Klingt das überhaupt noch nach Nebenwirkungen oder steckt da möglicherweise noch mehr dahinter?...

Danke und Grüße,
Alexibri.

PS: Ich weis, dass ich hier nicht zu viel an medizinischem Fachwissen erwarten kann und wir alle keine Professionellen sind, aber vielleicht gibt es hier einfach irgendjemanden, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat oder vielleicht gibt es eben genau niemanden, was dann für mehr als nur Nebenwirkungen sprechen würde und vielleicht habt ihr Tipps, wie ich weiter langsam die Schritte gehen kann, bis ich es dann endlich über mich bringe und meinen Neurologen kontaktiere. Ich muss mal schauen, dass ich mir hier auch noch einige andere Posts mal durchlese, aber ich bin einfach so zugeplant in letzter Zeit und die Angstgefühle sind hier immer noch sehr heftig, leider.
PS2: Ich hätte den Post normalerweise in eine Unterkategorie geschoben, wüsste aber nicht welche, da irgendwie alle/so gut wie alle drin vertreten sind, habe ich das Gefühl.

Viola M

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Re: Meine Situation
« Antwort #1 am: 21. Oktober 2017, 23:53:36 »
Hallo Alexibri,
du solltest dringend zum Neurologen gehen oder dich sogar in ein Epilepsiezentrum überweisen lassen.
Das Levetiracetam wird dir bestimmt keiner wegnehmen, die Dosierung von 2x500mg täglich ist sehr niedrig, vielleicht wird es sogar erhöht oder du bekommst andere Medikamente dazu, aber das haben Ärzte zu bestimmen und nicht wir.
Vielleicht würde dir auch zusätzlich ein Psychiater helfen, es hört sich doch sehr nach psychogenen Anfällen an und da hat dein Neurologe dir ja schon das richtige Epilepsiemedikament gegeben.
Wie es mit deiner Karriere als Psychiater aussieht kann ich dir nicht sagen. Ich habe selber im medizinischen Forschungslabor gearbeitet, für meinen Chef war die Epilepsie kein Problem, da niemand alleine im Labor arbeiten darf und jeder plötzlich einen epileptischen Anfall bekommen kann. Allerdings habe ich auch schlechte Erfahrung gemacht, wenn Vorgesetzte keine Ahnung von Epilepsie hatten (es waren aber alles Naturwissenschaftler!), da bin ich 3x entlassen worden, weil ich es beim Vorstellungsgespräch nicht erwähnt habe.
Ich wünsche dir viel Kraft, nimm deinen Mut zusammen, damit es dir wieder gut geht und hoffentlich dein Berufswunsch in Erfüllung geht.
GlG
Viola

Alexibri

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Re: Meine Situation
« Antwort #2 am: 22. Oktober 2017, 02:14:34 »
Also ich habe schon Epilepsie, hatten auch EEG u.Ä. gezeigt und die Beschreibung auf einen psychogenen Anfall hier https://www.wicker.de/kliniken/hardtwaldklinik-ii/behandlungsschwerpunkte/erkrankungen-a-z/psychogene-anfaelle/ passt da eigentlich nicht wirklich. Hatte auch einmal kurz nachdem ich mit meinen Medikamenten angefangen hatte einen wirklich großen Anfall der 2,3 Minuten ging mit eigentlich allem was dazu gehört, weiße Augen, blutiger Schaum (Zungenbiss), Verkrampfungen am ganzen Körper, Gedächtnis-löcher, geistig fast abwesend und der Notarzt hat mich mit Fragen halbwegs wach gehalten, etc.

Lena2911

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Re: Meine Situation
« Antwort #3 am: 22. Oktober 2017, 14:43:34 »
Schau mal in deine PN :)

spike

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Re: Meine Situation
« Antwort #4 am: 22. Oktober 2017, 20:59:44 »
Hallo Alexibri,

Deine Symptome/ Beschwerden mit schwerer Depression, ev psychotische Symptomen kann auch vom Levetiracetam verursacht sein.
Das Gespräch mit deinem Neurologen ist also dringend notwendig!
Abhängig von der diagnostischen Einordnung deiner Epilepsie wäre viel vielleicht Lamotrigin eine Möglichkeit.

Levetiracetam verursacht häufig depressive, auch sehr schwere Depressive Beschwerden als NW.

Also scheue dich nicht mit dem Neurologen zu reden.

LG, Spike

Alexibri

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Re: Meine Situation
« Antwort #5 am: 22. Oktober 2017, 23:42:00 »
Vielen lieben Dank auf jeden Fall an euch alle,
hoffe es geht euch allen gut!

Viele Grüße,
Alexibri.