Autor Thema: Ein Jahr Fahrverbot ohne diagnostizierte Epilepsie  (Gelesen 763 mal)

MK90

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Ein Jahr Fahrverbot ohne diagnostizierte Epilepsie
« am: 01. November 2017, 11:34:21 »
Hallo zusammen,

ich heiße Marc, bin 27 Jahre alt und hatte im Februar dieses Jahres einen erstmaligen grand mal Anfall am Steuer meines Fahrzeuges. Zuvor gab es keinerlei Anzeichen einer Epilepsie. Nachdem alle Untersuchungen durchgeführt wurden wurde im Abschlussbericht folgendes festgehalten:

"Es liegt ein erstmaliger grand mal Anfall vor den wir wegen des vorausgegangenen Alkoholkonsums (Zusatz: Am Tag zuvor lediglich 5 kleine Bier an einem Abend. Habe vor als auch auch nach dem Anfall des Öfteren deutlich mehr getrunken und hatte keinerlei Probleme, weshalb ich persönlich den Alkoholkonsum als Grund ausschließe) als Gelegenheitsanfall werten. Die Diagnsotik mit cMRT EEG, Labor und LP erbrachte abgesehen vom Schlafentzugs EEG keinen richtungsweisenden Befund. Wir empfehlen die Verlaufsbeobachtung. Eine Medikation ist zur Zeit nicht notwendig, wäre aber bei einem zweiten GM indiziert. Wir sprachen gemäß Begutachtungsrichtlinien ein Fahrverbot von 12 Monaten (!!!) aus, dann zunächst neurologische Wiedervorstellung mit EEG zur Erteilung der Fahrerlaubnis."

Laut Begutachtungsrichtlinien wird ein einjähriges Fahrverbot lediglich ausgesprochen, wenn die Diagnose Epilepsie gestellt wurde, was bei mir jedoch nicht der Fall ist. Lediglich das Schlafentzugs EEG war auffällig. Nun ist es so, dass ich aufgrund der nahenden Wintermonate auf ein Fahrzeug angewiesen bin, da ich, weil ich auf dem Dorf wohne leider eine sehr schlechte ÖPNV Anbindung habe. Nun meine Fragen:

- Kann man die Entscheidung des Arztes über ein 12-monatiges Fahrverbot in irgendeiner Weise anfechten oder ist diese aufgrund des auffälligen EEG in dieser Form gerechtfertigt? Spiele dauerhaft mit dem Gedanken einfach zu fahren, habe jedoch Angst vor eventuellen rechtlichen Konsequenzen falls es doch zu einem zweiten Anfall kommen sollte, was ich natürlich nicht hoffe. Und selbstverständlich möchte ich niemanden gefährden.
- Für den Fall, dass das EEG im Februar erneut auffällig sein sollte, ich jedoch keinen erneuten Anfall hatte, kann ein weiteres Fahrverbot ausgesprochen werden

Vielen Dank im Voraus !
« Letzte Änderung: 01. November 2017, 11:50:44 von MK90 »

Meditester

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Re: Ein Jahr Fahrverbot ohne diagnostizierte Epilepsie
« Antwort #1 am: 01. November 2017, 12:03:43 »
Hallo Marc!

Mein Vater fuhr auch Auto als plötzlich sein Anfall (erster) auftrat.
Er hatte nicht so ein Glück wie du.
Nachdem er bewußtlos war und nach dem Abtransport in einer Klinik
am Kopf operiert werden musste
lag er lange im Koma.
Ob und wann er aufwachen würde war ungewiss.

Als er nach vielen Tagen erwachte war nichts wie zuvor.
Seine Epilepsie wurde immer stärker.
Lange wurde nach dem richtigen Medi gesucht.
Nach dem Unfall fuhr er daher auch nie wieder Auto.

Und auch ich habe meinen Führerschein als Erinnerung
an unbeschwerte Zeiten im Ordner liegen.
Könntest du es mit deinem Gewissen vereinbaren, wenn bei einem erneuten Anfall
nicht Alles so ohne Folgen ablaufen würde?

Wie würdest du z.B. einer Mutter erklären
wenn ein durch Epi verursachter Unfall ihr das Kind nehmen würde?
Und könntest du danach ohne schlechtes Gewissen in die Augen lachender Kinder sehen?

Mancher aus dem Forum hat Epilepsie auch wenn im EEG nichts Eindeutiges zu ersehen ist.
Jedoch ist dort die Einsicht des Nicht-Auto-Fahrens vorhanden.
Ein guter Schauspieler wurde auch zum Opfer
https://youtu.be/dSvZpdplN_E

Meditester
Es ist nicht böse gemeint,
aber soll so ein Video auch von dir entstehen?


Fantasie ist ein Schatz, den dir Keiner nimmt
Auch an eiskalten Tagen trage Wärme im Herzen

Alex12

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Re: Ein Jahr Fahrverbot ohne diagnostizierte Epilepsie
« Antwort #2 am: 01. November 2017, 13:47:47 »
Natürlich will Mark nicht, dass so ein Video von sich entsteht. Er schreibt ja auch, dass er Niemanden gefährden will und ist zudem seit Februar nicht gefahren, was für einen (bisher) verantwortungsvollen Umgang mit der Situation spricht.
Wenn es sich um einen einmaligen Anfall handelte und seit Februar, ohne Medikamenten Einnahme, keine weiteren Anfälle aufgetreten sind, dann spricht (von außen betrachtet) einiges für einen Gelegenheitsanfall. Dann ist auch die Frage vollkommen berechtigt, warum ein 12 Monatiges Fahrverbot verhängt wurde, obwohl evtl. 6 Monate möglich gewesen wären.

Zu Deinen Fragen Marc:
Das rechtliche Problem, trotz ausgesprochenen Fahrverbots zu fahren, ist hauptsächlich der Versicherungsschutz.

Ich kenne die Richtlinie jetzt nicht genau, sie spricht aber von MINDESTENS 6 Monaten. D.h. der Arzt hat durchaus die Möglichkeit darüberhinaus zu gehen, wenn er es für richtig hält.
Aus meiner Sicht solltest Du zu deinem Neurologen hingehen und ihn fragen, warum er ein Fahrverbot von 12 Monaten verhängt hat. Wenn Dich das nicht überzeugt, dann würde ich zu einem anderen Neurologen gehen um eine zweite Meinung zu holen. Vielleicht hat der ja die Möglichkeit ein kürzeres Fahrverbot auszusprechen (ob das geht weiß ich nicht).

Ich würde mich Meditester aber anschließen und vom Fahren trotz Fahrverbots definitiv abraten.

Alex

Muschelschubser

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Re: Ein Jahr Fahrverbot ohne diagnostizierte Epilepsie
« Antwort #3 am: 01. November 2017, 21:22:24 »
Hallo Mark, ich schließe mich meinen Vorschreibern an. Rede nochmal mit Deinem Arzt und notfalls auch mit einem spezialisierten Anwalt. Aber mir wäre das Risiko auch zu groß. Die Richtlinien findest Du hier auch im Netz und in einem Faltblatt der Deutschen Epilepsievereinigung (auf deren Seite unter "Downloads").

Viele Grüße von der Muschelschubserin
Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen!

CrazyGrisu

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Re: Ein Jahr Fahrverbot ohne diagnostizierte Epilepsie
« Antwort #4 am: 13. Mai 2018, 00:12:26 »
Moin Mark, kein Arzt der Welt kann Dir den Führerschein weg nehmen!!  :tröst:

Das geht erst dann wenn der behandelnde Richter eines Gerichts (ohne Spaghetti)  :eatfish: den Beschluss gefällt hat Deine Fahrerlaubnis einzuziehen.

Selbst die Führerscheinstellen sind ohne Gerichtsbeschluss nicht berechtigt einen Führerschein einzuziehen! Leider drehen die ihr Amtsdeutsch so hin, dass man sich angesprochen fühlt und deren hinterlistigen Machenschaften beidreht.

In dem Moment hast Du Deinen Führerschein "freiwillig" abgegeben, was Dein Recht auf die Fahrerlaubnis erheblich verschlechtert.

Um den dipolomatischen Mist zu unterwandern nimm Dir einen guten Anwalt für Verkehrsrecht und vielleicht noch einen dazu der zusätzlich Medizinrecht vertritt.

Bedenke aber ... den Eigentanteil pro Anwalt musst Du aufbringen ... 102 Euro.  :luftguck:
Meine aktuellen Epi-Medis seit 21.01.2013
Morgens: 750mg UCB Levetiracetam + 125mg GSK Lamictal
Mittags: 125mg GSK Lamictal
Abends: 750mg UCB Levetiracetam

Gewicht: 78,0 kg seit 01.05.2018 18:00 Uhr