Autor Thema: Grad der Behinderung / Zuordnung  (Gelesen 2642 mal)

Joy

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Re: Grad der Behinderung / Zuordnung
« Antwort #15 am: 24. Dezember 2017, 11:18:26 »
ok sorry,  mein Fehler!

Courtside

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Re: Grad der Behinderung / Zuordnung
« Antwort #16 am: 15. März 2018, 19:38:36 »
Hallo zusammen!
Ich bin neu hier und bräuchte da mal den ein oder anderen Rat.
Habe heute schon einmal versucht was zu schicken, aber dabei wohl einen Fehler gemacht. Vielleicht aber auch nicht und dann gibt es zweimal Post von mir. Wenn ja, entschuldige ich mich dafür.

Erst einmal ein paar Fakten:
Im letzten Jahr, genauer gesagt am 14.09.17, hat es mich erwischt. Im Büro, einfach so und aus heiterem Himmel.
Eben noch mit der Kollegin gesprochen, soll ich dann wohl komische Atemgeräusche gemacht haben, muss dann wohl aufgestanden sein und dann hat es mit erst gegen die Wand und danach auf den Boden geworfen. Ungebremst erst die Wand und dann der Boden. Gesehen hat es keiner, aber gehört, denn es soll einen Mordsschlag getan haben. Ich selbst habe davon rein gar nichts mitbekommen. Ich bin erst wieder zu mir gekommen, als ein bärtiger Rettungssanitäter auf mich einsprach. Ich wollte natürlich sofort aufstehen, was aber nicht ging, weil ich mit die Schulter total zerlegt hatte (Schultereckgelenksprengung mit allem was dazu gehört) und noch ziemlich benommen war (voll die fette Beule am Kopf und einen ordentlichen Schädel). Ich war total weg, konnte mich gerade noch so an meinen Namen erinnern, aber so Sachen wie die Uhrzeit, das Datum - alles weg.
Man packe mich dann auf eine Trage und brachte mich ins Krankenhaus, wo ich die nächste Woche verbrachte und am Ende nicht wirklich schlauer war. Leider hatte ich nicht das Mitspracherecht, in welches Krankenhaus man mich bringen solle. Immerhin wurde bereits am fünften Tag (halt blöd, wenn so etwas vor dem Wochenende passiert) ein EEG gemacht und auch ein MRT - beides unauffällig. Ich hatte die Zeit genutzt und nach alternativen Behandlungszentren in der Umgebung Ausschau gehalten. Als dann auch klar war, was mit der Schulter los war, kümmerte ich mich um die schnellstmögliche Entlassung und man danach Kontakt mit dem Epilepsiezentrum der Uniklinik Frankfurt auf, wo ich alsbald vorsprechen durfte. Auch die nächsten EEG's waren alle unauffällig. Ich hatte Hoffnung, vereinbarte einen Termin zum Dauermonitoring und kümmerte mich erst einmal um die Schulter (Hakenplatte rein und drei Monate warten). Sollte mich da etwas aus der Vergangenheit einholen? Als Jugendlicher hatte ich nach heftigen Abenden und Nächten hin und wieder mal Absencen und wurde so mit knappen 20 Jahren medikamentös behandelt aber nach 5 Jahren wurde dies mit Überwachung zurückgefahren, dann ganz eingestellt und es war nie wieder etwas. Egal, wird schon gut gehen.
Dann war es soweit. Mitte November ging es früh morgens ins Klinikum, wo ich aufgenommen und verkabelt wurde. Die Tabletten (ich wurde auf Keppra eingestellt) wurden abgesetzt und ich wurde beobachtet. Die zweite Nacht durfte/musste ich wachbleiben was ich gut gepackt habe, weil ich die NBA live verfolgen konnte. Allerdings hatte ich bereits am späten Abend einen Aussetzer, den ich so gar nicht wahrgenommen hatte.
Am nächsten Morgen dann kam es bei der EEG-Messung mit Provokation zu einem erneuten Anfall - als ich wach wurde und alle Seitenteile des Bettes oben waren ich Muskelkater wie Sau hatte, wusste ich bereits was passiert sein musste. Also doch...! Temporallappen Epilepsie rechts lautete die Diagnose.
Die Folge: ein Jahr kein Auto fahren und wie soll ich zur Arbeit kommen? Zum Glück nehmen mich nette Kollegen mit und vom Chef aus darf ich auch im HomeOffice arbeiten, sonst hätte ich echt ein Problem, dann mit den öffentlichen bräuchte ich je Strecke 1:45 Std. - super! Gut ist, dass ich seitdem keinen weitern spontanen Anfall hatte und die nun höhere Dosis Keppra ganz gut vertrage. Nebenwirkungen kann ich, bis auf die dichte Nase, keine wahrnehmen und hoffe natürlich, dass dies so bleibt.

Auf Anraten meines Arztes beantragte ich dann auch die Feststellung des GdB beim Sozialamt. Alle Berichte rein und ab damit. GdB 50 (vielleicht 60) sollte möglich sein, sagte mir mein Arzt und erstellte mir noch ein zusätzliches Schreiben, welches ich gleich nach dem ersten Bescheid mit dem Widerspruch zurückschickte, denn es gab "nur" GdB 40. Gestern kam dann auch der zweite Bescheid - wieder nur GdB 40. Und nun? Was kann ich mir dafür kaufen? Nichts!!!
Ich habe Kostenbeteiligung für die Medikamente an der Backe, eine Schulter die im Arsch ist und nie wieder so werden wird wie zuvor und darf noch weiter sechs Monate (hoffentlich nicht länger) auf mein Auto verzichten. Dafür gibt es einen Freibetrag von 320 € bei der Steuer - ich könnte ***n. Da bist du von jetzt auf gleich chronisch krank und bist am Ende noch der Depp - super.

Ich könnte jetzt in den nächsten Widerruf einsteigen und vor das Sozialgericht ziehen. Habe ich da eine Chance auf mindestens GdB 50 oder ist das völlig unsinnig hier weiter gegen Windmühlen zu kämpfen? Ich fühle mich gerade so richtig ***e und fallengelassen.
Gibt es einen hier im Forum - Ich gehe schwer auf die 50 zu, bin zwar mit der ganzen Technologie groß geworden, habe aber nicht so die großen Erfahrungen mit Foren - irgend jemanden, der ähnliches erlebt hat und mir etwas raten könnte?

LG Stephan
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yossarian

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Re: Grad der Behinderung / Zuordnung
« Antwort #17 am: 15. März 2018, 21:39:21 »
Hallo Stephan,

herzlich willkommen bei uns im Forum. In etwa hast Du es richtig gemacht mit der Anmeldung und Einstellung Deines Textes. Genaueres erklären wir auf Anfrage. Ich fasse Deine Vorgeschichte kurz zusammen. Als Folge exzessiven Lebenswandels ist es in der späten Jugend zu einer Epilepsie gekommen, die medikamentös behandelt werden musste. Mit Mitte 20 Ende der medikamentösen Therapie in Absprache mit dem behandelnden Neurologen, weil es Anfälle nicht mehr gab, die laufenden Untersuchungen waren unauffällig.

September 2017 meldet sich die Epilepsie  zurück in Form eines großen epileptischen Anfalls mit Schultereckgelenkssprengung. Ein späteres Monitoring weist auf eine Epilepsie  hin, die mit Levetiracetam behandelt wird. Der Hinweis auf ein „Fahrverbot“ wird erteilt.

Zu Deiner Frage zum Schluss: Ich persönlich halte eine Minderung der Erwerbfähigkeit von 50 für den Beginn für angemessen. Weil noch nicht gesagt werden kann, wie es sich weiterhin entwickelt. Das Merkzeichen „G“ ist etwas ganz Besonderes. Wenn Du jetzt durch ständige Anfälle überwiegend abwesend wärst, würdest Du es sofort bekommen. Das „G“ bezieht sich auf die körperliche Beweglichkeit, auf das Gehen. Es hat nichts mit einer schlechten Verbindung im öffentlichen Nahverkehr zu tun. Bitte konfrontiere uns mit Deinen Fragen.

Liebe Grüße
yossarian


Noch ein Hinweis: Sollte es bei einem GdB von 40 im Ausweis bleiben, wärst Du noch nicht Behinderter im Sinne des Gesetzes. Dann empfiehlt es sich, mit dem Arbeitsamt (Arbeitsamt.de) Kontakt aufzunehmen, und einen Gleichstellungsantrag dort zu stellen.

Krankheiten, Soziales & Recht
http://www.betanet.de/betanet/soziales_recht/?s=0&q=Epilepsie+%3E+Schwerbehinderung

« Letzte Änderung: 15. März 2018, 21:51:57 von yossarian »
Deutsche Epilepsievereinigung
http://www.epilepsie-vereinigung.de/


Arbeitsamt
www.arbeitsamt.de


Grundlagenwissen Epilepsie (Autor: Dr. Matthias Bacher, Facharzt für Neurologie)
http://modellprojekt-epilepsie.de/uploads/media/Grundlagenwissen_Epilepsie_Matthias_Bacher.pdf

Courtside

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Re: Grad der Behinderung / Zuordnung
« Antwort #18 am: 15. März 2018, 22:01:20 »
Vielen Dank für die schnelle Antwort.
Werde ich machen - das Konfrontieren mit Fragen.
Zur Zeit sind da noch ganz viele....
LG
St.
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Muschelschubser

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Re: Grad der Behinderung / Zuordnung
« Antwort #19 am: 21. März 2018, 20:46:41 »
Hallo Courtside,

ich kann Dir nur eine Mitgliedschaft im Sozialverband VdK wärmstens ans Herz legen. Kostet nicht viel, die beraten sehr gut in sozialrechtlichen Fragen und bei Problemen mit Behörden - auch im Zusammenhang mit dem GdB.

Außerdem könntest Du Deinen Arzt fragen nach einer sogenannten Moses-Schulung und auf der Seite der Deutschen Epilepsievereinigung vorbeisurfen sowie auf der Seite izepilepsie.de

Viele Grüße von der Muschelschubserin (z.Zt. in Reha und nicht oft online im Forum ...)
Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen!