Autor Thema: Angst  (Gelesen 725 mal)

Mela94

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Angst
« am: 24. Dezember 2017, 23:41:26 »
Hallo meine lieben,
Da bei mir im letzten Jahr in der Schwangerschaft Epilepsie festgestellt worden ist (wahrscheinlich habe ich diese Krankheit seit meiner Pubertät) habe ich extreme Angst und Panikattacken, ich hatte schon immer ein wenig Angst vor Krankheiten und vorm Sterben und so, habe aber noch nie mit einem Arzt gesprochen, es ist echt schwer damit Jahre lang zu leben. Ich habe
Tavor als Notfallmedikament bekommen falls ich denke das ich gleich einen Anfall kriege, aber ich würde am liebsten jeden Tag eine davon nehmen weil mich das so entspannt. Ich habe mich seit einem Jahr seit bei mir Epilepsie festgestellt worden ist gewöhnt nicht alleine zu Hause zu bleiben und raus zu gehen, da mir immer gesagt worden ist das man auf mich aufpassen muss. Wenn mein Mann am Wochenende arbeiten geht gehe ich mit meinen Kindern zu meiner Mutter was eh schon richtig nervig ist weil mein großer nicht mal mehr weiß wo sein richtiges zu Hause ist  und wenn mein Mann mal kurz von zu Hause weg geht krieg ich Panik und alleine mit meinen Kindern raus gehen ist für mich ein Traum und unvorstellbar da ich ja jeden Moment einen Anfall bekommen könnte. Ich muss auch ehrlich gestehen das ich ständig im Internet blödsinn lese was mit Epilepsie zu tun hat und mir das schlimmste immer raus suche zum lesen, zum Beispiel das Man mit der Krankheit sterben kann und eine verkürzte Lebenserwartung hat, was mir natürlich noch mehr Angst macht. Ich würde mich so sehr über ein Paar  Tipps freuen wie ich mich entspannen könnte, locker bleiben und diese ***e Angst endlich aus mir raus kriege jeden Moment einen Anfall zu bekommen.

Danke euch schon mal im Voraus falls mir jemand helfen kann
Liebe Grüße.

Lora

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Re: Angst
« Antwort #1 am: 25. Dezember 2017, 08:35:15 »
Hallo Mela,

bei mir wurde Epi festgestellt, da war mein Junge ein halbes Jahr alt. Ich ging mit dem Baby alleine nicht raus und es war so schwer, mit der Diagnose klar zu kommen und Verantwortung für ein Kind zu haben. Zur Sicherheit habe ich meinen Sohn zB nur auf den Fußboden gewickelt, nicht dass da was passiert.

Komischerweise ist mir nie was passiert, wenn ich alleine war. Und später hatte ich das Gefühl, das Kind spürt irgendwie, wenn es mir schlecht ging. Er war ganz ruhig im Kinderbettchen und ich lag davor auf einer Decke, weil ich mich von Anfällen ausruhen musste.

Angstattacken und Panik kenne ich jahrelang nur zu gut. Oft war der Krankenwagen da, weil ich dachte, ich sterbe. Zum Glück war mein Mann da und wir konnten immer über alles reden. In solchen Momenten habe ich genau erzählt, wie es mir geht und was in mir vorgeht.

Vom Diazepam ging es mir auch schlecht und eine gute Wirkung hatte es schnell verloren. Nur die schrecklichen Nebenwirkungen hatte ich und das wollte ich nicht mehr. Ich musste also irgendwie anders mit der Angst klar kommen.

Meine Therapie lief schon "nebenbei". Und extrem viel wurde über die Epi und den Anfällen gesprochen. Ja, das hat mir gut getan.

Wenn ich also nach den Anfällen so Panik bekam, musste ich reden und reden. Mein Mann hat zum Glück immer viel Geduld und konnte mich beruhigen. Vor allem hat er mit der Zeit alles besser verstanden.

In den vielen Jahren seit ich von der Epi weiß, ist mir nie was schlimmeres passiert. Klar bin ich mal so gefallen und habe mich verletzt oder auch vor der Grundschule zusammengebrochen usw. Doch ich habe auf mein Glück vertraut. Alles andere schaffe ich schon, immerhin habe ich Verantwortung. Und immer waren irgendwelche Leute da, die helfen konnten. Ich bin auch mal zur Nachbarin gelaufen, weil ich durchgedreht bin und habe ihr erzählt und erzählt. Zum Glück ist sie lieb.

Vor Benzos oder Schlafmittel, Beruhigungmittel habe ich Angst, die können so viel tun. Bei mir nicht positiv. Daher wollte ich es ohne all dieses schaffen und musste mich also mit der Angst auseinandersetzen. Das Gefühl mal aushalten, innerlich dagegen reden und versuchen, ruhig zu atmen zB.
Mit der Zeit ging es besser und besser. Jetzt sind Anfälle immer noch schlimm und kurze Zeit denke ich mal, das kann doch kein Mensch aushalten. Aber ich weiß, nach spätestens drei Tagen hat sich mein Gehirn wieder normalisiert, alles sitzt am richtigen Platz und erstmal habe ich wieder Ruhe.
Tja, dann habe ich eben diese drei Sch.... Tage, ich kann eh nichts dagegen tun.

Ich hoffe, dir irgendwie geholfen zu haben.

LG, Lora

Joy

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Re: Angst
« Antwort #2 am: 25. Dezember 2017, 09:52:31 »
Hallo Mela,

Ich muss auch ehrlich gestehen das ich ständig im Internet blödsinn lese was mit Epilepsie zu tun hat und mir das schlimmste immer raus suche zum lesen, zum Beispiel das Man mit der Krankheit sterben kann und eine verkürzte Lebenserwartung hat, was mir natürlich noch mehr Angst macht.

So vollkommen falsch ist das Ganze leider nicht.  Von GM's kann man sterben,  tut man das in jungen Jahren, hat man ein kurzes Leben.  Aber das zu verallgemeinern, dass z.B. Epis nicht lange leben ist Quatsch.  Da gibt es noch ganz andere schlimme Dinge,  die nicht nur irgendwo stehen,  sondern einen Menschen ins Gesicht sagen, wie man ist doch nicht normal,  blöd, geisteskrank... Das ist Blödsinn. Dann lies das Zeug doch einfach nicht. Nur weil es im Netz steht,  muss es nicht wahr sein.

Die Angst wird wohl nie ganz weg gehen.  Die Epi ist mein erster Gedanke am Morgen. Anfall gleich oder nicht? Aber man kann auch auf die Strasse gehen und vom Auto überfahren werden,  sich den Kopf drüber zerbrechen bringt nichts,  auch wenn man es trotzdem tut.

Nimm die Tavor bitte nicht jeden Tag,  man wird davon so schnell abhängig und ist die ganze Zeit ko.

lg Joy

shadowline

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Re: Angst
« Antwort #3 am: 25. Dezember 2017, 10:41:26 »
Guten Morgen,
ich habe auf wissenschaftlichen Seiten wie zB www.doccheck.de gelesen das bei der Einnahme von Antiepileptika die Gefahr erhöht sein könnte später an Demenz zu erkranken .Was soll ich tun ?  Im "hier und jetzt" mein Leben so nehmen wie es ist oder schon jetzt Angst vor der Zukunft haben ??
LG
Genieße Dein Leben so wie es ist.

Joy

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Re: Angst
« Antwort #4 am: 25. Dezember 2017, 18:59:28 »
Das erstere ist besser oder?  Später ist später und es kriegen so viele Leute Demenz, die vorher keine Medis hatten. Ein könnte ist noch lang kein muss.  Bringt doch nichts,  vor allem,  was noch kommen kann, Angst zu haben.  Da gibt es so viele Sachen, die Angst machen  und trotzdem passieren sie nicht. Aber durch die Angst versaut man sich die Unbeschwertheit des Lebens und die ist auch so schon schwer zu kriegen. Kannst ja mit deinem Arzt drüber reden,  wenn du dir unsicher bist.

Mela94

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Re: Angst
« Antwort #5 am: 25. Dezember 2017, 20:16:48 »
Danke für eure Tipps, das alles stimmt was ihr sagt, ich muss mich nur noch daran gewöhnen das man das Leben genießen soll und nicht an später denken soll.
Liebe Grüße an euch

Muschelschubser

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Re: Angst
« Antwort #6 am: 26. Dezember 2017, 22:45:04 »
Hallo Mela, kennst Du das Selbstcoaching bei Epilepsie? Das ist auch ein Seminar, das die Deutsche Epilepsievereinigung anbietet, jedes Jahr wieder. Das hat was von "Selbsttherapie", man lernt die eigenen Faktoren kennen, die der Epilepsie Vorschub leisten, und was man tun kann, um den Anfall möglichst abzuwehren.

Grüße von der Muschelschubserin
Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen!

Famala

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Re: Angst
« Antwort #7 am: 18. Januar 2018, 19:38:02 »
Hallo Mela, ich bin auch so ein Typ der gerne auf irgendwelchen Seiten rum guckt und sich dann einen Kopf macht. Das hat mich eine ganze Zeit auch sehr runter gezogen. Ich kann nur raten mal über eine Reha nachzudenken. Ich war jetzt das zweite mal zur Reha in Bielefeld in der Mara Klinik. Dort gibt es Schulungen die mir sehr viel gebracht haben. Vorgetragen von Leuten die seit etlichen Jahren mit Epilepsie erkrankten zu tun haben. Entspannungsübungen usw. Mir hat es gut getan und ich sehe seit dem einige Dinge anders. Ich weiß das es leichter gesagt ist als es umzusetzen, Versuche nicht zu sehr negativ zu denken.
Gruß Markus

Meditester

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Re: Angst
« Antwort #8 am: 22. Januar 2018, 11:59:09 »
Hallo Mela!
Mir ging es nach einem Hinknallen mit Rippenprellung schlecht.
Da wusste ich nie wann ich das nächste Mal umfalle.
Das Blöde ist, dass es stets ohne Vorwarnung passiert.
Daher hatte ich eine zeitlang nicht mal den Herd benutzt.

Nun nehme ich es so hin, da ich es eh nicht ändern kann.
So ist es dabei nun passiert, dass mein Arm gebrochen ist.
Aber der wird schon irgendwann wieder richtig funktionieren.
Zuviele negative Gedanken helfen niemals.

Lies doch mal bei Gedichte über Epilepsie !

Meditester
(Bleibt eine Schnecke stets in ihrem Haus so wird sie verhungern =
ewig zurück gezogen fehlen Kontakte zum menschlichen Umfeld.
Irgendwann sind die Kinder erwachsen.)
Fantasie ist ein Schatz, den dir Keiner nimmt
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