Autor Thema: Epilepsie am Arbeitsplatz  (Gelesen 9248 mal)

Sternenkind

  • ... gehört hier zum lebenden Inventar.
  • ****
  • Beiträge: 442
  • Gedankenspiel mach den Kopf frei Mensch du denkst
Epilepsie am Arbeitsplatz
« am: 15. Mai 2011, 16:37:37 »
Hallo !

Wie sprecht Ihr mit Euren Kollegen über eure Erkrankung wenn es euch zu viel wird z.B. ....
komplex- fokale Anfälle // fokale Anfälle in der Hand! -> Double-kortex-syndrom! Na und? Mir geht es gut! und Dir?

Holgi

  • ... gehört hier zum lebenden Inventar.
  • ****
  • Beiträge: 336
Re: Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #1 am: 15. Mai 2011, 17:55:48 »
Hallo Judith,

ich rede offen darüber und erkläre auch die Anfallsform, dass ich nicht den ganzen Tag beobachtet werde. Das legt sich dann mit der Zeit, wenn sie merken das ich nicht gleich auf dem Boden liege.
Wenn es mal ein GM am Arbeitsplatz wäre und keiner Bescheid wüsste, wäre mir das auch nicht Recht.

Lg Holger  :eatfish:
Verachte das Leben,
um es zu genießen.

Jean Paul

phanti

  • ... ist hier noch neu oder schreibt eher selten.
  • *
  • Beiträge: 12
Re: Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #2 am: 28. Juni 2011, 10:21:46 »
hallo
ich habe meinen kolegen und mit meinen neuen arbeitgeber auch darüber gesprochen
weil ich finde das sie es wissen sollten um mir besser helfen zu können wenn was parsiert oder kunden informieren was sache ist
  :)
liebe das leben und mache das beste draus
lg phanti

julia...

  • ... gehört hier zum lebenden Inventar.
  • ****
  • Beiträge: 364
Re: Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #3 am: 28. Juni 2011, 11:20:23 »
Ich bin gerade erst mit der Schule fertig und kann also nur sagen, wie ich des da gehandhabt habe...ich hab so direkt eig keinem Lehrer was gesagt (außer Sportlehrer oder halt die, die mit auf Klassenfahrt waren). Sie konnten es aber aus der Schülerakte entnehmen (bzw. gibts an meiner alten Schule eine Liste mit allen 'gefährdeten' Schüler, z.B. auch Asthmatiker oder sowas).

Nebenbei arbeite ich einem Supermarkt als Aushilfe. Dort weis eigendlich niemand bescheid...Ich habe aber auch meine Gründe, warum es niemand weis (kaum Anfälle, nur kurze Arbeitszeiten)

Wenn ich aber wo dauerhaft arbeite, werde ich meinem Chef/in bescheid geben.

Lg, Julia...
Von allen Reisen, sind Liebe und Freundschaft die schönsten...<3

Niemand

  • Gast
Re: Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #4 am: 29. Juni 2011, 10:00:16 »
Also ich rede offen darüber ohne es Erwähnt zu haben hätte ich den Job nicht bekommen. die Kollegen haben es zwar nach und nach erst erfahren aber die Chefs wussten Bescheid. Denn das Unternehmen bekam ein Förderung für ca. 1 Jahr für mich.
Dazu hatte man auch schon jemanden der zumindest epileptische Anfälle bekam also kannte sich etwas damit aus.
Meine Anfälle merken sie eh meinst NIE wenn ich welche hatte was natürlich schon vor kam dann wurde der RTW (kam für Anfall nur 1mal vor) gerufen. Dies war auch zu meinem Vorteil denn jetzt bin ich von der Maschine weg  :jojo: und in einer andere Abteilung.
Ich gehe ziemlich offen damit um entweder man akzeptiert mich so oder gar nicht dann hat man Pech gehabt.

big-daddy12

  • ... findet sich im Forum zurecht wie in der eigenen Westentasche.
  • ***
  • Beiträge: 145
Re: Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #5 am: 12. Juli 2011, 05:09:10 »
Hallo !
Tja Arbeit und Epi das ist so eine Sache. Bei einer Einstellung musst du es mit angeben und nach einer Statistik werden von 100 Leuten nur 5 eingestellt. Wenn es wärend einer Anstellung passiert und du durch deine Krankheit dich und andere nicht Gefährden kannst sagt das Arbeitsrecht aus ( Beschluss vom Amtsgericht Kassel ) und das ist der Hammer musst du deine Kollegen darüber Informieren und das sogar von deinen Kollegen Unterschreiben lassen das du Epi hast brauchst aber nicht deine Big-Boss Informieren er muss aber die Liste mit den Unterschriften in deine Personalakte ablegen mit einem Gutachten eines Arbeitsmediziners. Blödsinn so weis er es auch. Aber so sind die Paragrafen. Deswegen nimmt der Deutsche auch nur dreilagieges Tolettenpapier .

MFG Stefan
Es geht schon weiter.

CrazyGrisu

  • ... schreibt sich die Finger wund im Epi-Netz.
  • *****
  • Beiträge: 2.087
    • ZION-NETWORX
Re: Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #6 am: 08. Oktober 2011, 08:33:38 »
Guten Morgen,

Ja! Ich rede offen über meine Epilepsie!

Leider hatte ich gestern erst wieder ein "dummes" inhaltsloses Gespräch mit meinen Kolleginnen, wo es mir zeigt recht allein zu sein bei einem Anfall im Büro. (Auch wenn wir zu Spitzenzeiten sieben Leute sind).

"Ich weiss nur, dass ich Dich mit einer Decke zu decke und alle Gegenstände von Dir weg räume!"

die andere: "Ich rufe einen Rettungswagen!"

Ich sagte dann nur: "Lass mich doch bitte erst mal auskrampfen! Wenn es nicht endet, dann kannst Du immer noch den Arzt rufen!"

14 Jahre arbeite ich schon in der Firma. Mit der Krankheit bin ich damals dort als Schwerbehinderter eingestellt worden.

Vor fünf Jahren (06. August 2006) kam nach 20 Jahren wieder der erste Anfall (nicht auf der Arbeit).

Das Epilepsiezentrum Hamburg bietet ein Projekt an sich mit den Arbeitgebern in Verbindung zu setzen und zu informieren, was Epilepsie ist und wie man sich verhält, wie zu helfen und was zu tun ist, wenn der Moment X da ist.

Das find ich eine gute Sache!

Mein Chef findet die Idee gut - ich soll ihm doch einen Kontakt herstellen!

Liebe Grüsse

Euer Michael
Meine aktuellen Epi-Medis seit 21.01.2013
Morgens: 750mg UCB Levetiracetam + 125mg GSK Lamictal
Mittags: 125mg GSK Lamictal
Abends: 750mg UCB Levetiracetam

Gewicht: 78,0 kg seit 01.05.2018 18:00 Uhr

Reni2

  • ... schreibt sich die Finger wund im Epi-Netz.
  • *****
  • Beiträge: 1.701
  • Zur Weltumrundung ein neues Bild
Re: Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #7 am: 08. Oktober 2011, 08:41:20 »
Find ich gut das dein Cheff einen Kontakt zu diesem Projekt möchte.

vielelicht finden dann acuh deine Kolleginnen mehr interesse daran. ich könnt mir vorstellen, das die einfach überfordert sind, oder Angst haben vor einem eventuellen anfall?

Da könnte doch so eine Schulung abhilfe schaffen.
GRüße Reni2
Wer Schmetterlinge lachen hört der weis wie Wolken schmecken

CrazyGrisu

  • ... schreibt sich die Finger wund im Epi-Netz.
  • *****
  • Beiträge: 2.087
    • ZION-NETWORX
Re: Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #8 am: 08. Oktober 2011, 09:01:34 »
Sooo.... ich bin erst mal weg in den Garten Müll weg fahren ... Tragende Hilfen sein darf ... Frau fährt ...

Darf ihr mein Leben anvertrauen ... Ich wünsche Euch einen schöenen Samstag *wink*
Meine aktuellen Epi-Medis seit 21.01.2013
Morgens: 750mg UCB Levetiracetam + 125mg GSK Lamictal
Mittags: 125mg GSK Lamictal
Abends: 750mg UCB Levetiracetam

Gewicht: 78,0 kg seit 01.05.2018 18:00 Uhr

krimi

  • ... gehört hier zum lebenden Inventar.
  • ****
  • Beiträge: 251
Re: Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #9 am: 11. November 2011, 15:35:02 »
Hi,

ich arbeite in einer Grundschule als Schulsekretärin. Meiner Schulleiterin habe ich von meiner Epilepsie nicht erzählt. Warum? Im Sommer erhielten wir durch Umzug ein weiteres epilepsiekrankes Kind. Die Reaktion meiner Schulleiterin hat mich so geschockt, dass ich für mich beschloss meine Krankheit für mich zu behalten. (Ich glaube an anderer Stelle schrieb ich schon darüber.) Eine Kollegin und Freundin ist aber eingeweiht und weiß was im schlimmsten Fall bei mir zu tun ist.
Nun stehen die Anmeldungen der neuen Lernanfänger für das nächste Jahr an. Die Vorgespräche an diesen Tagen führe ich und ich hatte schon die blanke Panik im Nacken. Nach meiner Gehirntumor-OP im Februar diesen Jahres hatte ich einen Sprach Arrest und von dem weiß meine Schulleiterin. Damit begründete ich meine Angst und die bitte um Hilfe.
Da ich aber noch einen Chef habe, das ist der Leiter des zuständigen Fachbereichs in der Gemeinde, dem ich als städt. Angestellte unterstellt bin. Diesen habe ich angerufen und über meine Epilepsie reinen Wein eingeschenkt und ihn gebeten mir eine Kollegin für diese Tage als Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Diesem Chef habe ich auch von der Reaktion meiner Schulleiterin im Sommer erzählt und ihn gebeten ihr nichts von meiner Epilepsie zu erzählen. Er versprach es mir, fragte auch nach ob ich mich jemandem in der Schule anvertraut habe, unter dem Aspekt im Notfall jemanden zu haben der mir helfen kann. Ich konnte ihm sagen, dass eine Kollegin eingeweiht sei. Er war sehr einfühlsam im Gespräch und auch verständnisvoll. Für die Anmeldetage bekomme ich nun Hilfe, da ich weiß, dass ich nicht stundenlang allein diese Vorgespräche führen kann. Jedenfalls dieses Jahr noch nicht.
Ich fühle mich jetzt auf der sicheren Seite. Der eine Chef weiß Bescheid und ist verständnisvoll und der Schulleiterin brauche ich nichts zu sagen und so ihre evtl. Reaktion zu fürchten. Nur irgendwie muss ich ihr jetzt noch beibringen, dass es jemanden im Kollegium gibt, der mehr als sie weiß und auch weiß was zu tun ist wenn mir etwas "passiert".

Das musste ich hier erst einmal aussprechen, äh ... schreiben.

krimi
"Mir fehlen die Worte." "Macht nix. - Ich hab noch welche."  P. T. Schulz
(Mein Motto nach Speech Arrest.)

Meditester

  • ... schreibt sich die Finger wund im Epi-Netz.
  • *****
  • Beiträge: 2.439
Re: Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #10 am: 11. November 2011, 17:23:22 »


Hallo krimi!

Es ist traurig, dass Epileptiker nicht von Jedem als vollwertige Menschen angesehen werden.
Lob an deinen Chef!
Kannst ja mal die Schulleiterin darauf hinweisen, dass Epi in jedem Alter ausbrechen kann.
Viele haben die Veranlagung dazu in sich und wissen nichts davon.
Und außerdem wie würde sich denn die Schulleiterin verhalten,
wenn plötzlich ein Schulkind vor ihr einen Anfall kriegt.
Das kann sie dann doch nicht einfach ignorieren.
Also, appeliere vielleicht über diesem Wege an ihr Gewissen.
Und toi,toi für die weitere Arbeit

wünscht Meditester
Fantasie ist ein Schatz, den dir Keiner nimmt
Auch an eiskalten Tagen trage Wärme im Herzen

Ronnie

  • ... schreibt sich die Finger wund im Epi-Netz.
  • *****
  • Beiträge: 1.532
Re: Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #11 am: 11. November 2011, 21:56:12 »
In der Umfrage fehlt die Auswahl, wenn man nur einen Teil der Kollegen eingeweiht hat.
Das ist bei mir der Fall. Ich arbeite in einem großen Konzern mit vielen Mitarbeitern in einem Großraumbüro. Da möchte ich nicht jedem von der Epi erzählen.

Allerdings: Wenn ich in ein paar Wochen mit meiner unübersehbaren Narbe aus der Reha komme, werden mich viele ansprechen und das ist sicher die beste Gelegenheit, gleich Aufklärungsarbeit zu leisten...

LG,
Ronnie
-Bewahre mich davor, über einen Menschen zu urteilen, ehe ich nicht eine Meile in seinen Mokassins gegangen bin.
-Wenn du ganz unten bist, steht dir die Welt offen...

julia...

  • ... gehört hier zum lebenden Inventar.
  • ****
  • Beiträge: 364
Re: Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #12 am: 11. November 2011, 22:49:53 »
Als angehende Sonderpädagogin kann ich so viel Ignoranz, wie sie die Schulleiterin gezeigt hat, ob jetzt gegenüber einem Kind oder einem Angestellten/Kollegen einfach nicht verstehen und nicht akzeptieren..

So eine Krankheit kann jeden treffen. Warum dann Menschen, die betroffen sind, noch zusätzlich zur Last legen, dass man sie nicht unterstützt und ihnen nicht hilft, wenn sie Hilfe benötigen? Unfassbar, die Reaktion mancher Menschen...Warum macht man Menschen das Leben noch zusätzlich schwer? Ich versteh das nicht...

Sry, das musste mal raus...
Von allen Reisen, sind Liebe und Freundschaft die schönsten...<3

krimi

  • ... gehört hier zum lebenden Inventar.
  • ****
  • Beiträge: 251
Re: Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #13 am: 12. November 2011, 23:18:29 »
Hallo Meditester, hallo julia,

danke für euer Mitgefühl. Ich muss meine Schulleiterin ein klein wenig in Schutz nehmen. Sie wird, sollte ein Kind vor ihren Augen einen Anfall bekommen, schon für Hilfe Sorgen. Sie ist nur so .... so .... hysterisch? Nicht genau getroffen. Alles ist für sie soooo schlimm und durch/in einer Regelschule nicht leistbar.
Bei einem Kurs für Ersthelfer den ich mit ihr besuchte, war sie immer so hibbelig. Sie machte mich ganz kirre.
Meine Schulleiterin ist auch wirklich um mich besorgt. Ich sagte ihr rundheraus, dass ich Angst habe bei den Gesprächen mit den Eltern von meiner Stimme verlassen zu werden. Der ganzen Sache noch nicht so richtig gewachsen zu sein. All ihre Besorgnis basiert aber nur auf den Hintergrund meiner Hirn-OP. Und sie sagte mir gleich, dass ich sofort Bescheid geben soll wenn es nicht mehr geht. Für den Nachmittag bekomme ich ja nun Unterstützung. Den langen Anmeldetag brauche ich gar nicht zu leisten, da ich kurzfristig eine "Einladung"  :) in die Uniklinik erhalten habe, zur Befundbesprechung meines Kontroll-MRTs. Nur von meiner Epi weiß sie nichts.

Ich weiß auch nicht was mit mir los ist. Mit vielen Problemen bin ich immer so selbstbewusst umgegangen. Meine Gehirntumordiagnose hatte mich nicht umgehauen. Selbst nicht die Diagnose der Epi. Was mich umhaut ist die Reaktion der Menschen darauf, wenn jemand sagt er hat Epilepsie.

Jetzt will ich aber nicht mehr daran denken und das Wochenende genießen. Und ihr auch.

krimi
"Mir fehlen die Worte." "Macht nix. - Ich hab noch welche."  P. T. Schulz
(Mein Motto nach Speech Arrest.)

julia...

  • ... gehört hier zum lebenden Inventar.
  • ****
  • Beiträge: 364
Re: Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #14 am: 14. November 2011, 17:53:41 »
Hallo krimi

Ich kann dich total gut verstehen...das genau ist das Problem in unserer Gesellschaft...sobald man ein kleines bischen von der Norm abweicht, wird man sofort ausgegrenzt (z.B. Kinder sofort in Sonderpädagogische Förderzentren gesteckt)....

Ich hoffe, dass du genug Menschen um dich rum hast, die dich akzeptieren, wie du bist und dich unterstützen...

 :tröst: Julia...
Von allen Reisen, sind Liebe und Freundschaft die schönsten...<3