Autor Thema: vorübergehende Lähmung nach OP - "SMA Syndrom" ?  (Gelesen 6253 mal)

Ronnie

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vorübergehende Lähmung nach OP - "SMA Syndrom" ?
« am: 02. August 2011, 12:06:28 »
Hallo,

nachdem meine Ergebnisse jetzt ausgewertet wurden, komme ich um eine invasive Ableitung nicht herum.
In den Zusammenhang sagte man mir, bei einer evtl. OP müsse ich in jedem Fall damit rechnen, danach vorübergehend Lähmungen zu haben. Sie würden das SMA Syndrom nennen. Im Internet finde ich unter dem Begriff nur eine Krankheit, die angeboren ist.

Kann mir jemand von Euch mehr dazu sagen bzw. ist operiert worden und hatte mit Lähmungen danach zu tun?

Danke.
Ronnie
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Hermann

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Re: vorübergehende Lähmung nach OP - "SMA Syndrom" ?
« Antwort #1 am: 02. August 2011, 17:59:32 »
Hallo zusammen,

vom SMA-Syndrom habe ich bisher noch nichts gehört und kann somit nichts dazu sagen.  Wer sich in Bielefeld-Bethel operieren lässt, unterschreibt derzeit die im Folgenden näher bezeichneten Risiken. Zuvor erkläre ich den Status eines epilepsiechirurgischen Eingriffs.  

Liebe Grüße
Hermann

Der Status eines epilepsiechirurgischen Eingriffs

Um die Frage zu beantworten, warum vor epilepsiechirurgischen Eingriffen so sehr auf die bestehenden Risiken hingewiesen wird, muss man Folgendes wissen. Die Epilepsiechirurgie steht mit der Schönheitsoperation, zum Beispiel  dem Lifting, dem Fett absaugen oder der Brustvergrößerung  auf einer Stufe. Es ist keine Notoperation wie es zum Beispiel beim entzündeten Blinddarm, der entfernt werden muss, ist. Oder wie beim Beinbruch, der unbedingt durch eine Schienung (konservativ) oder durch eine Operation therapiert werden muss. Auch beim entzündeten Blinddarm muss der Arzt den Patienten versorgen.

Anders bei der Epilepsiechirurgie. Der Arzt ist nicht zur Behandlung verpflichtet. Er würde sich ohne Unterschrift der Risiken auf dünnes Eis begeben und könnte postoperativ vom Patienten bei Nichtzufriedenheit wegen operationsbedingter neurologischer Defizite verklagt werden. Um weiterhin zu operieren zu können und nicht ständig im Gerichtssaal zu stehen, erfolgt präoperativ ausführliche Aufklärung des Patienten.

Das Krankenhaus Mara in Bielefeld-Bethel, eine Klinik des Epilepsie-Zentrums Bethel, hat in der Einverständniserklärung, die es sich von Patienten oder deren Vertreter präoperativ unterschreiben lässt, Folgendes stehen:

„Bei der Epilepsie-Chirurgie handelt es sich um einen (nicht lebensnotwendigen) Wahleingriff, der auch Risiken beinhaltet. Allgemeine Komplikationen können nach jeder Operation auftreten: Narkoserisiko, Infektionen, Nachblutungen, Wundheilungsstörungen, Beinvenenthrombosen, Lungenembolie und Lungenentzündung.

Darüber hinaus können in diesem Operationsbereich spezielle Komplikationen auftreten wie: Knochendeckelinfektion mit nachfolgendem Knochenersatz, Hirnhaut- oder Hirnoberflächenentzündung, Eiteransammlung im Hirn mit evtl. operativer Entfernung und ein Hirninfarkt.

Dadurch können bleibende Schäden bei den operierten Patienten auftreten. Die Rate schwerer Komplikationen bis hin zum Wachkoma und Tod ist in unserer Klinik mit <0,25 % ermittelt worden. Hingegen sind Lähmungen, Gefühlsstörungen, Sprachstörungen, Sehstörungen (Gesichtsfelddefekt), Gedächtnisverschlechterungen, vermehrte Anfälle und evtl. Hirnwasserzirkulationsstörungen (Ventilimplantation) mit bis zu 3 % möglich.

Neben diesen Risiken muss die mögliche Chance durch die Operation berücksichtigt werden. Die Wahrscheinlichkeit für Anfallsfreiheit nach der Operation beträgt ca. 70 bis 80 %.“

http://www.thieme.de/specials/ebner/pdf/gesamt.pdf
« Letzte Änderung: 02. August 2011, 18:02:52 von Hermann »

cerebrie

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Re: vorübergehende Lähmung nach OP - "SMA Syndrom" ?
« Antwort #2 am: 02. August 2011, 18:38:28 »
Hallo Ronnie

ich habe auch nix anderes gefunden im Netzt wie du.
Leider  :-\
Hoffe das du keine Lähmungen bekommst.
Hast du jetzt bedenken? :tröst:
Mein Herz lege ich in deine Hände, wahre es gut,denn so bleib ich immer bei dir.
Für mein Stern Yannick-Peter

Gundi

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Re: vorübergehende Lähmung nach OP - "SMA Syndrom" ?
« Antwort #3 am: 02. August 2011, 20:49:56 »
Hallo Ronnie

Ich kann etwas dazu sagen, da ich mich sehr viel mit dem Gehirn selbst beschäftigt habe.
Und zwar komme ich etwas auf die Anatomie zu sprechen. Siehe auch die Zeichnung:

http://www.gehirn-atlas.de/cortex.html

SMA ist ein Bereich unseres Gehirn’s, in der Regel als prämotorischer Kortex, oder auch  supplementärmotorisches Areal bezeichnet.

Im prämotorischen Kortex (SMA) werden Bewegungen geplant. Je nach Körperteil werden dabei bestimmte Gebiete aktiv. Eine Aktivität von Nervenzellen aus diesem Bereich veranlaßt die Körperteile zu Bewegungen. Der pämotorische Kortex bereitet eine Bewegung vor und gibt danach Impulse an den motorischen Kortex weiter. Dieser läßt dann die entsprechenden Körperteile die geplanten Bewegungen ausführen.

Von daher wird die Durchführung einer invasiven Ableitung in deinem Fall vermutlich kleine Teile deines prämotorischen Kortex verletzen, wodurch es zu Schwierigkeiten bei der Planung und Koordinierung von Bewegung kommt, denn der motorische Kortex erhält keine korrekten Befehle, welche Bewegungen er den Körper durchführen lassen soll. Denn wenn sie ihm nicht geliefert werden, kann er sie nicht an die Gliedmaßen weiterleiten. So werden diese garnicht, oder fehlerhaft und unkoordiniert durchgeführt.

Doch durch die wiederholten Impulse sogenannter Spiegelneurone (welche ebenfalls im prämotorischen Kortex sitzen) an den motorischen Kortex, entstehen in deinem Fall dann neue Nervenbahnen, welche die zerstörten Nerven im verletzen Gebiet ersetzen. Aus dem Grund sprechen sie auch im Vorfeld schon klar von einer vorübergehenden Lähmung. Die Verletzungen werden von daher äußerst gering und bei diesem Eingriff aus Erfahrung vermutlich leider Standard sein.

Wünsche Dir alles Gute!
Gundi

Ronnie

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Re: vorübergehende Lähmung nach OP - "SMA Syndrom" ?
« Antwort #4 am: 02. August 2011, 21:38:07 »
@ Hermann: vielen Dank für Deine Erläuterung und den Link.
@cerebrie: danke für Deine guten Wünsche !

@ Gundi: Deine Ausführungen sind für mich sehr hilfreich. Jetzt kann ich das Ganze erstmalig nachvollziehen. Hab vielen Dank!

LG
Ronnie
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cerebrie

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Re: vorübergehende Lähmung nach OP - "SMA Syndrom" ?
« Antwort #5 am: 03. August 2011, 09:05:13 »
Na logisch Ronnie ;D
Mein Herz lege ich in deine Hände, wahre es gut,denn so bleib ich immer bei dir.
Für mein Stern Yannick-Peter

Mäxle

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Re: vorübergehende Lähmung nach OP - "SMA Syndrom" ?
« Antwort #6 am: 11. März 2018, 10:19:58 »
Mir steht das SMA Syndrom vlt auch bevor ;/
Sollte noch einmal jemand danach suchen, hier das ganze auf englisch:
http://operativeneurosurgery.com/doku.php?id=supplementary_motor_area

Schneggi

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Re: vorübergehende Lähmung nach OP - "SMA Syndrom" ?
« Antwort #7 am: 11. März 2018, 15:31:37 »
Hallo,
ich wurde letztes Jahr in Bielefeld operiert. Auch mir stand deshalb das SMA-Syndrom bevor. Es ist nicht so schlimm gewesen wie befürchtet. Wobei es wohl sehr unterschiedlich ausfällt. Da ich es wusste habe ich von Anfang an immer viel die Füße bewegt und das Greifen mit der linken Hand intensiviert. Mein Problem war eher das linke Bein, aber mit Physio und positiver Einstellung bin ich nach 1 Woche wieder flüssig gelaufen.
Es ist ein komisches Gefühl aber mit Ehrgeiz und Wille bekommt man es gut in den Griff. Nur nicht aufgeben 💪🏼

LG
« Letzte Änderung: 11. März 2018, 15:34:57 von Schneggi »