Autor Thema: Integrationsämter - es tut sich was in Sachen "Arbeit mit Epilepsie"  (Gelesen 13327 mal)

Cornelia-Admin

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Hallo zusammen,

ich habe heute auf dem Amt eine Broschüre der Integrationsämter entdeckt.
Die Juni-Ausgabe dieses Jahres hatte das Schwerpunktthema Epilepsie, mit dem Titel:
"Epilepsie
Ein überschätztes Risiko?"

Darin sind gute Informationen für potentielle Arbeitgeber.
Die Broschüre ist hier online abrufbar:
http://www.integrationsämter.de/2011-ZB-02/346c/index.html

Allem Anschein nach werden diese Broschüren auch an Betriebe verteilt. Das ist gut, um Vorurteile abzubauen und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Was mir aber besonders gut gefiel, ist die Information auf Seite 13,
http://www.integrationsämter.de/ZB-02-2011/346c4402i6p/index.html
dass die Integrationsämter bis Februar 2013 ein Netzwerk "Epilepsie und Arbeit" aufbauen wollen, mit bundesweit tätigen Fach-Beratungsteams für Arbeitnehmer, Arbeitgeber und beteiligte Experten.
In Bayern sind diese Teams bereits im Einsatz.

Ziel ist es, individuelle Möglichkeiten zu suchen, wie Menschen mit Epilepsie am Arbeitsplatz integriert werden können, ohne dass die Arbeitgeber ihnen aus Angst vor Arbeitsunfällen oder Versicherungsproblemen keinen Job zutrauen oder ihnen voreilig kündigen. Dazu begehen die Fachberater im Zuge der Beratung auch die Betriebe vor Ort, in denen jemand mit Epilepsie arbeitet oder eine neue Stelle antreten soll, und geben konkrete Empfehlungen ab, wie das gelingen kann.
Bei notwendigen Umbaumaßnahmen werden die Betriebe auch finanziell unterstützt.

In Bayern haben sie es immerhin geschafft, im letzten Jahr 100 Fälle zu bearbeiten und dabei durch Beratung und, wo notwendig, auch der Umgestaltung des Arbeitsplatzes unter teils schwierigen Voraussetzungen 4 von 5 Arbeitsplätzen zu erhalten.

Also Leute, wendet Euch an die örtlichen Integrationsämter, wenn ihr Hilfe benötigt bei der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz oder bei der Erhaltung Eures jetzigen!  :)

Das Projekt hat auch eine eigene Website eingerichtet unter:
http://www.epilepsie-arbeit.de/

Hoffentlich gelingt es auch unter den Forenmitgliedern dem einen oder anderen, dadurch tatsächlich einen Arbeitsplatz zu erhalten, der bisher keinen fand.

In einem der Fallbeispiele wird auch erwähnt, dass es Epilepsieberater gibt, die auch Seminare für Kollegen des Epilepsiekranken gibt, in denen diese informiert und im Umgang mit der Behidneurng geschult werden, so dass sie lernen, weniger aufgeregt mit Anfällen umzugehen:
http://www.integrationsämter.de/ZB-02-2011/346c4402i5p/index.html
Auch diese könnten vielleint manchem hier ebenfalls helfen.

Das klingt doch alles durchaus ermutigend, meint ihr nicht?  :)

In der Broschüre wird auch noch mal auf die von den Berufsgenossenschaften veröffentlichten "Empfehlungen zur Beurteilung beruflicher Möglichkeiten von Personen mit Epilepsie" hingewiesen:
http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/bgi585.pdf

Liebe Grüße
Cornelia
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cerebrie

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Re: Integrationsämter - es tut sich was in Sachen "Arbeit mit Epilepsie"
« Antwort #1 am: 15. Dezember 2011, 16:23:52 »
Hallo Cornelia

Das ist eine Super Sache für die jenigen die Arbeitsfähig sind  :tröst:

LG Diana
Mein Herz lege ich in deine Hände, wahre es gut,denn so bleib ich immer bei dir.
Für mein Stern Yannick-Peter

Cornelia-Admin

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aggi61

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Re: Integrationsämter - es tut sich was in Sachen "Arbeit mit Epilepsie"
« Antwort #3 am: 09. Februar 2012, 04:34:22 »
Danke Cornelia

Den Flyer für den Arbeitgeber hab ich mir gleich gespeichert, da ich ja ab dem Sommer auf Arbeitssuche gehen werde  :laugh:

LG aggi
Anfänger haben die Arche gebaut - Profis die Titanic ;)

Schlaf - ist das nicht dieser halbherzige Coffeinersatz???

Goerli

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Re: Integrationsämter - es tut sich was in Sachen "Arbeit mit Epilepsie"
« Antwort #4 am: 21. Dezember 2012, 12:53:16 »
Hallo Cornelia,

das sind interessante Info's.
Ich habe gerade das Integrationsamt von einer Arbeitsassistenz überzeugt. Die wird mich auf meinen Reisen zu Kunden (bin im Außendienst) begleiten. Das Integrationsamt stellt das entsprechende Budget zur Verfügung. Mir fehlt zwar noch der schriftliche Bescheid aber ich war überrascht wie unkompliziert das klappte.

Die Integrationsämter scheinen also tatsächlich mittlerweile die Probleme mit Epilepsie am Arbeitsplatz erkannt zu haben.

snegge

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Re: Integrationsämter - es tut sich was in Sachen "Arbeit mit Epilepsie"
« Antwort #5 am: 29. Januar 2013, 10:03:44 »
Das freut mich sehr !   :dance:

Annikah

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Hallo an alle,
ich bin z ersten mal hier im Forum. Es ist schien, hier so viele Infos zu bekommen. Mein Mann hat Epilepsie, er weiß es seit 15 Jahren u ist medikamentös gut eingestellt. Dennoch hat er 1 bis 2 Anfaelle pro Jahr. z zz ist er arbeitssuchend.  Meine Frage: Ist es ratsam,beim naechsten Bewerbungsgespraech offen anzugeben,dass er Epilepsie hat? Er hat bisher keinen Schwerbehindertenausweis,will ihn aber beantragen. Ob er diesen bekommt,ist unklar...daher: Arbeitgeber inf. oder nicht?     In der Vergangenheit hat er beide Wege bereits ausprobiert...u jeweils seinen Job verloren. Was denkt ihr?
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Mikesch

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Ganz klar:
SBA holen!
Behinderte sind,wenn mal eingestellt, so gut wie unkündbar. Epi gibt mindestens einen GdB von 30 %. Alle Krankheiten im Antrag aufführen und alles mit Attest belegen. Wenn er 50% bekommt ist es gut,wenn nicht, einen Gleichstellungsantrag stellen,dann zählt er als behindert.

Eigentlich sind Epis mit nur wenigen Anfällen Edeljoker für Unternehmen. Ein Behinderter für die Quote,der in diesem Fall eigentlich leistungsfähig ist.

Im Vorstellungsgespräch sollte man immer ehrlich sein.

Ach ja. Wem wegen Epi gekündigt wird, dem könnte man dem Gang zum Arbeitsrechtanwalt vorschlagen. Eventuelle Verstöße gegen das KSchG und das AGG.
Staatsdiener sind auch nur Menschen...zumindest die meisten :)

Annikah

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Hallo Mikesch,

vielen Dank für deinen Rat! Wir stellen heute den Antrag auf SBA, tel mit dem Versorgungsamt und sehen dann, was sich tut.

Zum Glück sind mein Lebensgefährte und ich mittlerweile davon überzeugt, dass es nur mit Offenheit weiter geht.

Kannst du mir auch sagen, wo wir den Gleichstellungsantrag stellen können, falls er unter 50% kommt?

Lg,
Annikah
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Mikesch

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Klar,
gemäß § 68 Abs. 2 Satz 1 SGB IX  ist der Antrag bei der "Bundesagentur für Arbeit" zu stellen. Am besten siehst du im Internet nach,wo deine nächste Bundesagentur ist!

Der Mitarbeiter des Versorgungsamts wird dir wahrscheinlich einen Fragebogen zuschicken, den du (eig.dein Partner) ausfüllen musst.

Viel Erfolg,


Mikesch
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Annikah

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Re: Integrationsämter - es tut sich was in Sachen "Arbeit mit Epilepsie"
« Antwort #10 am: 28. März 2013, 22:07:34 »
Danke! Das hat uns schonmal weitergeholfen. Viele Gruesse, Annikah
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silver_salt

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Re: Integrationsämter - es tut sich was in Sachen "Arbeit mit Epilepsie"
« Antwort #11 am: 07. Oktober 2013, 16:02:53 »
Mit so genannten Integrationsämtern, Rehaabteilungen in Arbeitsämtern, Jobcentern, der DRV Bund etc. habe ich so dermaßen schlechte Erfahrungen gemacht, ich kann einfach nicht mehr und glaube denen auch nicht mehr.
Der einhellige Tenor in Dresden und Umgebung ist z.B. "da können wir Ihnen auch nicht helfen...". Warum gibt es die überhaupt frage ich mich?
Ich habe einen GdB von 50% wegen einer OP am Hirn. Damit bin ich eine vorübergehende Erscheinung, Saisonkraft und vor Ende der Probezeit wieder draußen.
Das ist in Baden-Württemberg auch nicht anders! Ich habe jetzt seit 2009 (Ende der Rehaausbildung) in insgesamt 4 Läden gearbeitet. Die meiste Zeit war ich arbeitslos und selbst bei Vorstellungsgesprächen werden diese mit 31 extrem vielen Stationen in meinem Leben immer als Grund des Anstoßes genutzt, und du kannst nie die richtige Antwort geben!

Im Handel ist es zugegebenermaßen recht schwierig mit Epilepsie. Das hatte ich aber während der Ausbildung nicht, danach 3 Jahre lang auch nicht und jetzt? Steh ich wieder da wie der letzte Arsch und das "Integrationsamt" antwortet mir nicht mal.

Scrat

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Re: Integrationsämter - es tut sich was in Sachen "Arbeit mit Epilepsie"
« Antwort #12 am: 24. Oktober 2013, 12:48:54 »
Ich habe auch einen GdB von 50%.
Ich habe eine Umschulung fürs Büro im BFW Dresden erfolgreich abgeschlossen.
Diese Ausbildung ist jetzt schon über 6 Jahre her und außer 1 Jahr ABM und diversen Praktika und einigen Maßnahmen ist nachher nichts zählbares herausgekommen.

Ich sollte auch schon einmal eine Maßnahme mit  Auslandspraktikum machen.
Nach dem "Vorstellungsgespräch" bei der Trägerfirma hatte ich am selben Tag einen Anfall und habe das "Angebot"  lieber nicht angenommen.
So richtig seriös fand ich die ganze Geschichte von Anfang an nicht!

Bei den diversen Maßnahmen kam nie irgendwas wirklich verwendbares dabei heraus, außer Arbeit spielen und Praktika's.
Das Arbeitsamt hatte dann auch recht schnell das Rehaverfahren abgeschlossen und wegen fehlender Erfolgsaussichten beendet.

Über die Rentenversicherung habe ich's auch probiert, aber bei der Unterstützenden Suche nach Arbeitsplätzen durch eine Privatfirma war ich wohl
auch zu anspruchsvoll?
Ich denke mal nächstes Jahr wird da das Rehaverfahren auch beendet werden.
Auf die Anmerkung dass die Ausbildung dann Geld und Zeitverschwendung war kam die Antwort: Sie hätten's ja nicht machen müssen.
Zur letzten (für mich Sinn-freien) Maßnahme mit Praktikas, die auch vorzeitig beendet wurde - wir arbeiten sehr gut mit dieser Firma zusammen.

Die  Ausbildung war über-betrieblich, ich habe nie in einer Firma in dem Beruf gearbeitet und ist zu lange her, das wissen auch Jobcenter und Rentenversicherung.
Viele Berufe kann man nicht machen, in einige Branchen will man vielleicht gar nicht erst, so richtig weiß ich nicht mehr weiter.




Cheyenne

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"Der Mensch mit Epilepsie als wertvoller Arbeitnehmer"

PDF-Datei_Format >> http://www.modellprojekt-epilepsie.de/fileadmin/sites/epilepsie/images/Brosch-Epilepsie-Betriebe.pdf

Eine Informationsbroschüre für engagierte Arbeitgeber

herausgegeben vom
ModellProjekt Epilepsie







Anmerkung

Zitat:

Es besteht nicht immer die Verpflichtung, dem Arbeitgeber zu sagen, dass man einen Behindertenausweis hat. Eine Verpflichtung zur Mitteilung der Schwerbehinderung besteht nur, wenn sich die Schwerbehinderung ganz konkret auf die arbeitvertraglichen Pflichten des Arbeitnehmers auswirkt, der Arbeitnehmer also aufgrund seiner Schwerbehinderung gar nicht oder nur sehr eingeschränkt in der Lage ist, die sich aus dem Arbeitsvertrag ergebenden Pflichten zu erfüllen.

[...]

Bei der Offenbarungspflicht einer chronischen Erkrankung und einem Schwerbehinderungsgrad muss man zunächst unterscheiden. Wirkt sich die chronische Erkrankung bzw. Schwerbehinderung auf die Erfüllung der arbeitsvertraglichen Verpflichtungen des Arbeitnehmers aus. Wenn ja, dann besteht bereits beim Bewerbungsgespräche eine Offenbarungspflicht. Wenn nein, dann kann man die Frage nach einer chronischen Erkrankung bzw. Schwerbehinderung auch verneinen, obwohl sie in Wirklichkeit vorliegt. Aus diesen Gründen muss man entweder die Erkrankung vollständig benennen oder im letzteren Fall gar nicht benennen, so dass sich die Frage wieviel von der Erkrankung preis gegeben werden muss gar nicht stellt.

[...]

Die Erkrankung kann zu einem Kündigungsgrund führen, wenn der Arbeitnehmer aufgrund der Erkrankung sehr häufig fehlt oder aber aufgrund der Erkrankung gar nicht mehr in der Lage ist, seinen arbeitsvertraglichen Verpflichtungen nachzukommen.

Nur bei einer Offenbarungspflicht des Arbeitnehmers kann unter Umständen der Arbeitsvertrag vom Arbeitgeber angefochten oder gekündigt werden. Weitere Konsequenzen wie Schadenersatz etc. des Arbeitgebers können nur bejaht werden, wenn dem Arbeitgeber tatsächlich auch ein Schaden entstanden ist. Dies müsste der Arbeitgeber aber detailliert darlegen und beweisen.




Autor: RA Andreas Czech - Publizistisch präsent auf AMSEL-Veranstaltungen und auf amsel.de. Seit 2004 niedergelassener Rechtsanwalt in Stuttgart mit Schwerpunkten Arbeits-, Zivil- und Sozialrecht.