Autor Thema: Medikament (Levetiracetam) Schuld an Trennung?  (Gelesen 3180 mal)

propeller1980

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Medikament (Levetiracetam) Schuld an Trennung?
« am: 15. Oktober 2012, 14:46:33 »
Hallo Forummitglieder,

ich bin so ratlos und kann Hilfe gebrauchen.

Mein Mann und ich kennen uns seit Juni 2001. Schon als wir uns kennenlernten hatte er diese „Aussetzer“ und Déjà-vus wie er es nannte.
Seinen ersten Grand Mal hatte er Gründonnerstag 2002. Da ist er in der Frühstückspause zum Bäcker gefahren und beim Bestellen seines Brötchens in die Theke der Bäckerei gefallen. Zum Glück ist nichts weiter passiert, die Angestellten haben einen Krankenwagen gerufen, er wurde mitgenommen, über Ostern im Krankenhaus behalten zur Beobachtung und mit den Worten: „Einen Anfall hat jeder frei.“ wieder entlassen. Keine Medikamente, keine Beobachtung beim Neurologen.
Am 08.08.2003 hatte er dann seinen 2. GM. Diagnose: Kryptogene Epilepsie mit fokal-komplexen und sekundär generalisierten Grand Mal Anfällen. 1 Woche im Krankenhaus  behalten und ihn auf Timonil retart eingestellt. 300-0-300. 
Damit ging es Ihm gut. Er hatte zwar Phasen, in denen er mal Absencen hatte, aber nur mal eine im Monat oder halben Jahr. Es gab sogar eine Phase vom 11.2005-11.2007 in der er gar nichts hatte.
Seinen 3. GM hatte er bei unserer Schwägerin im Friseursalon im November 2008. Am nächsten Tag war er bei dem Neurologen und der hat alles gecheckt Dosis auf 450-0-600 erhöht und ihn 1 Woche krankgeschrieben, dann durfte er wieder arbeiten.
Bis zum nächsten Anfall hatte er dann mal monatlich eine Absence oder auch ein halbes Jahr mal gar nichts.
Im Juni/Juli 2010 wird sein Medikament umgestellt auf Apydan extend 600-0-600 mg. Grund dafür ist eine bessere Verträglichkeit.
Der 4. GM folgt im September 2010 im Büro. Ich bin wieder dabei, da wir seit 2003 in einem Büro arbeiten. Da der Anfall fast 5 Minuten dauert und der „Ersthelfer“ der Firma es so will, wird ein Krankenwagen gerufen.  Auslöser war ein Telefonat mit einer Kollegin über das er sich tierisch (agressiv) aufgeregt hat und sich nicht beruhigen lies. Auf eigenen Wunsch ist er aus dem Krankenhaus entlassen worden und nach Hause gegangen.
Sein 5. GM folgte Weihnachten 2011, wieder morgens beim Schlafen, diesmal nicht so heftig, so dass ich abgewartet habe bis es vorbei ist. Er hat dann einfach weitergeschlafen, so den halben Tag, und wusste von selber, dass er einen GM hatte ohne das ich was sagen musste.
Seit Januar 2012 nimmt er nun Levetiravetam 500-0-1000 und zuerst Zonegran und nun Zabinix 50-0-50. Seit dieser Umstellung führe ich ein Anfallstagebuch und schreibe alles auf (er hat vormittags mind. 3-10 Absencen). Das habe ich vorher auch schon getan, nun aber sehr viel genauer. Die Gründe dafür liegen in seinen Veränderungen und damit auch in unserer privaten Geschichte.

Im Juni 2008 haben wir geheiratet, ein Haus gebaut und wollten dann wenn alles fertig ist an Kinder denken. Bis zum Sommer 2010 war das unser beider Wunsch. Wir haben ein Haus mit 2 Kinderzimmern gebaut, er selber hat sich gewünscht, dass sollte ein Mädchen dabei rauskommen es heißt wie seine Oma und solche Dinge. Als es schließlich darum ging, es zu wagen und nicht mehr zu verhüten, hat er den „Absprung“ nicht geschafft und immer wieder gesagt, dass er nicht weiß was er will. Das war ab August 2010, also nach der Tablettenumstellung. Es war eine schwierige Zeit bis zum Jahresende, denn er ist als DJ in seiner Freizeit aktiv und hat dann wenig Zeit an den Wochenende und diese dann für meinen Geschmack zu viel mit anderen Leuten verbracht. Der Eklat folgte im Januar 2011, als er auf meine Frage wegen Kindern mal wieder mit „Weiß ich nicht“ antwortete habe ich gesagt, dass ich das nicht mehr akzeptiere und wissen will, was er will. Daraufhin hat er mit mitgeteilt, dass er  privat einen Wechsel will und mich vor die Tür gesetzt. Am nächsten Tag und den darauffolgenden hat er mir gezeigt, dass das ein Fehler war und er das gar nicht will und ich bin nach 2 Wochen wieder zurück gekehrt.
Jetzt habe ich vorletzte Woche in seinen Sachen einen Brief (aus März!!!) gefunden, in dem er die Ehe zu mir wieder beendet. Grund ist das er mein Leben nicht blockieren will und er auch ein „nicht unwesentliche Interesse“ an einer anderen Frau hat. Er war bei einem Familientherapeuten und in den Gesprächen ist ihm bewusst geworden, dass er der Grund ist warum ich unglücklich bin und deshalb hat er sich getrennt. Das habe ich aber nie gesagt!!! :'( Als ich ihn nach dem Grund für die Trennung gefragt habe, hat er tatsächlich gesagt: „Das habe ich mir so überlegt und deshalb ziehe ich das auch durch.“ Hä? Kein „Ich liebe dich nicht mehr“ oder „ich habe eine Neue“ oder „ich bin unglücklich“. Im Gegenteil, ich bin das Beste was ihm je passieren konnte und er will mich nicht verlieren und ich werde immer das wichtigste in seinem Leben sein.
Er hat mit mir in den letzen Monaten nichts Privates mehr unternommen, damit ihm die Trennung leichter fällt.
Inzwischen hat er in Gesprächen wieder gesagt, dass das ein Fehler war und er nicht weiß was mit ihm los ist. Er hat ein ganz genaues Bild von uns und das will er auch so leben. Alles was er sagt verursacht in meinem Kopf nur Chaos und ich weiß echt nicht, was ich tun soll.  :weirdo:  :´-(
Am 6. November hat er einen Termin in Bethel, den wollte ich eigentlich nutzen um seine Veränderungen anzusprechen. Dazu wird es nun wohl nicht mehr kommen. Darum versuche ich mal von Euch etwas Hilfe/Trost/Rat zu bekommen.

Seit Sommer 2010 bemerke ich folgende Veränderungen an meinem Mann:
-   Antriebslosigkeit, immer Müde, keine Lust zu irgendwas
-   Schlecht gelaunt, manchmal so sehr, dass nichts ihn aufmuntern kann
-   Genervt von Kleinigkeiten, aggressiv
-   Desinteresse am Zusammenleben oder auch was die Planung von Urlaub, Haus, Zukunft etc. angeht
-   Vergesslich
-   Wenn er etwas zu erledigen hat, muss ich mich dahinter klemmen, damit was passiert, ansonsten lebt er nach dem Motto: Morgen ist auch noch ein Tag und dann noch einer und noch einer…
-   Er ist so distanziert und gar nicht mehr liebevoll (kein umarmen, knuddeln, küssen etc.) Früher hat er manchmal gesagt: „Heute kann ich in die rein kriechen, so sehr liebe ich dich!“ Das war irgendwie total innig und hat sein „Verlangen“ nach mir gezeigt.
-   Totaler Verlust der Libido (kam gegen Ende des Jahres 2010 und hält noch an)
-   Angst davor, Kinder in die Welt zu setzen bzw. findet er nicht den richtigen Zeitpunkt. Neuerdings hat er Angst, dass er sich nicht freuen kann, sollte ich mit dem Ergebnis „Schwanger“ vom Arzt nach Hause kommen.

Auch seiner Mutter sind ein Teil dieser Veränderungen aufgefallen, wie sie mir mitteilte, z.B. dass er immer schlecht gelaunt ist, gar nicht mehr positiv denken mag und auch nicht mehr so viel Antrieb hat. Sie hat gesagt, dass Dennis immer jemand war, der es geschafft hat sie zum Lachen zu bringen, egal was sie gerade beschäftigt hat und war es noch so traurig.

Ich wäre echt total dankbar, falls irgendjemand dazu eine Meinung hat und bitte verschont mich mit dem Tipp, lass ihn laufen und werde glücklich. So einfach ist es nämlich leider nicht. Ich glaube immer noch daran, dass der Mann den ich geheiratet habe irgendwo da drin steckt.

Vielen Dank schon einmal für das Lesen dieses langen Berichts!

Viele Grüße!
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Elsbeth

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Re: Medikament (Levetiracetam) Schuld an Trennung?
« Antwort #1 am: 15. Oktober 2012, 15:35:17 »
Hi

Wenn seine ganzen veränderungen angefangen haben als er das Medi gewechselt hat kann es schon sehr gut sein das das alles am Lev liegt.
Die Wahren Gründe kennt letztendlich nur dein Mann. Gerade wenn du zwischen durch erwähnst das er ein nicht unwesentliches Interesse an einer anderen Frau hat/hatte. Ist ja aber auch möglich das er das nur erzählt um es die leichter zu machen.

Auch könnte ich mir vorstellen das dein Mann mit de Epi etwas zu hadern hat und deswegen "Angst" vor eigenen Kindern hat. Nach dem Motto: Was ist wenn ich es weitervererbe?
Wie geht dein  Mann denn insgesamt mit der Epi um? Kann er gut damit leben? Fühlt er sich eingeschränkt? Belastet ihn die ganze Krankheit?

Kannst du deinen Mann vielleicht dazu "überreden" ihn zu dem Termin am 6.11. zu begleiten. Damit die Ärzte dort trotdem deine SIcht anhören. Gerade auch was das Anfallsgeschehen betrifft. Dann kann man ja nebenbei die ganzen Nebenwirkungen ansprechen die dir/euch aufgefallen seid.

Ich kann ja schlecht darüber Urteilen, aber für mich persönlich hört es sich schon danach an als ob das Lev schuld ist. Viele der Sachen die du aufgeschrieben hast passen sehr gut. Manchmal fällt einem selbst aber so eine veränderung gar nicht auf. Erst wenn man von anderen darauf aufmerksam gemacht wird

LG Elli
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propeller1980

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Re: Medikament (Levetiracetam) Schuld an Trennung?
« Antwort #2 am: 15. Oktober 2012, 16:20:41 »
Hallo Elli,

vielen Dank für deine Antwort.

Auch ich habe schon mit dem Gedanken gespielt, dass er Gründe "sammelt" um sich zu Trennen bzw. mir die Trennung leichter zu machen. Nur verstehen kann ich es absolut nicht, denn ich will mich nicht trennen!!! Ich weiß aber auch nicht wie es weitergehen soll, denn jetzt hat er sich schon zum 2. Mal getrennt. Wie viel soll mein Herz denn noch aushalten? :'(

Auf Deine Frage, wie er mit seiner Epi umgeht kann ich folgendes antworten: Gar nicht! Über diese Thema wird nicht gesprochen, es sein denn ich fange davon an. Am liebsten würde er die Medis absetzen und so tun als hätte er gar nichts. Ich denke schon, dass er daran sehr zu knacken hat und kann mir auch vorstellen, dass ihn das im Bezug auf die Zukunft belastet. Aber reden tut er mit mir nicht darüber! Dabei weiß ich es doch eh und es ist auch kein Grund sich zu schämen. Er kann doch nichts dafür! Ich glaube, dass er sich da in etwas verrannt hat und nun nicht mehr rauskommt.  :escape:
Grundsätzlich wissen nur die wenigsten Leute um ihn und die Epi Bescheid, da es ihm peinlich ist und er es als Schwäche ansieht.

Ich sollte zu diesem Termin am 6.11. in Bethel mit. Aber ob das nun noch so ist weiß ich nicht. Ich habe auch immer Bedenken, wenn ich von den NW anfange, dass er das wie Verrat oder petzen aufnimmt. Dabei meine ich es doch nur aus tiefstem Herzen gut mit ihm!

Genauso wie ich das Anfallstagebuch führe und nicht er. Darüber regt er sich tierisch auf und sagt immer ich solle den *** sein lassen.

Viele Grüße!
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Schluffi

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Re: Medikament (Levetiracetam) Schuld an Trennung?
« Antwort #3 am: 15. Oktober 2012, 17:15:32 »
Hallo propeller

Welcher Bereich des Gehirns ist denn betroffen?
Anfallsherd,welcher sicherlich bekannt ist

Grüße

Meditester

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Re: Medikament (Levetiracetam) Schuld an Trennung?
« Antwort #4 am: 15. Oktober 2012, 17:33:44 »
Hallo propeller!
Es hört sich schlimm an, dass Dein Mann nach so vielen gemeinsamen Jahren
Eure Zweisamkeit beenden will. Ich denke mal, dass die NW von Levi da eine Mitschuld an seiner Wesensveränderung haben.
Viele brauchen ewig, um die Krankheit als Teil von sich zu akzeptieren.
Auch bei mir waren es Jahre. Man will sich dagegen wehren
und kann doch nicht gewinnen.

Vielleicht schreibst Du Deinem Mann mal einen Brief,
in dem Du ihm Deine weitere Treue und den Wunsch
nach einem weiteren Zusammenleben mitteilst.
Teile auch nochmal mit, dass Du mit ihm gemeinsam in Bethel erscheinen möchtest.

Ich hab mal versucht mich in Dich hinein zu versetzen.
So sind doch bestimmt Deine Gedanken.
(Kannst sie ja dem Brief beifügen)

Akzeptierst Du Deine Krankheit nicht, die sich nennt Epilepsie,
so frage ich mich: "Wie kann ich ich Dir helfen? Wer sagt mir wie?
Gemeinsam wir schon viele Jahre zusammen leben.
Willst Du uns nicht eine Chance geben?
Zusammen bauten wir für uns ein Heim.
Es sollte doch unser gemeinsames Zuhause sein.

Ich will Dich noch viele weitere Jahre lieben.
Möchtest Du unsere gemeinsame Zukunft auf`s Abstellgleis schieben?
Bitte lass mich doch weiterhin an Deiner Seite stehen!
Ich möchte uns noch im hohen Alter als Liebespaar sehen.

Grüße von Meditester
Fantasie ist ein Schatz, den dir Keiner nimmt
Auch an eiskalten Tagen trage Wärme im Herzen

Schluffi

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Re: Medikament (Levetiracetam) Schuld an Trennung?
« Antwort #5 am: 15. Oktober 2012, 18:23:21 »
Hallo Propeller

Noch vergessen zu meiner Frage

Kann es sein,das es sich um eine Temporale Epilepsie handelt?

Grüße

Niemand

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Re: Medikament (Levetiracetam) Schuld an Trennung?
« Antwort #6 am: 15. Oktober 2012, 19:05:26 »
Die Typische Nebenwirkung Wesensveränderung wie es oft beim Levetiracetam der Fall ist. Hat er auch Depri's ???
Das er mit seiner Krankheit nicht klar kommt und darüber nicht sprechen will auch nicht mit dir und das erst einmal verarbeiten muss ist aber nicht nur bei Ihm so. Das haben andere auch das Problem erst später schaffen Sie es dann sich zu öffnen dann bleibt noch die Frag ob er sich Dir gegenüber öffnet.

Aber Wesensveränderung ist beim Levetiracetam nicht selten was jetzt allerdings nicht heißen muss das es der Grund ist das er sich getrennt hat.

propeller1980

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Re: Medikament (Levetiracetam) Schuld an Trennung?
« Antwort #7 am: 15. Oktober 2012, 21:01:47 »
@schluffi, in einem Befund aus dem KH steht folgendes: es zeigte sich ein Hinweis auf einen rechts temporalen Herd mit Veränderungen, die mit einem fokalen Anfallsbeginn vereinbar sind.

@meditester, das ist super lieb, das Du dich in meine Lage versetzt und mir die Zeilen vorgibst.  ;) Genauso sieht es in mir aus und ich bin in keinster Weise bereit diesen wunderbaren Menschen einfach aufzugeben. Mir geht es hier wirklich um den Menschen an sich und nicht um das was drum herum ist.

@tablettenjunky, leider kann ich nicht sagen, ob er Depris hat. Mir kommt das manchmal so vor, aber ich bin kein Arzt um das zu diagnostizieren. Ich denke nicht, das sein Neurologe um diese Dinge Bescheid weiß. In seiner Familie will nicht über Krankheiten gesprochen werden. Man schweigt es tot. Meiner Ansicht nach die schlechteste Lösung. Er muss sich nicht unbedingt mir gegenüber öffnen, ich will nur, dass er sich helfen lässt und versteht, dass er kein Mensch 2. Güte ist.
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