Autor Thema: Anfall verarbeiten, nur wie ?  (Gelesen 13542 mal)

dörte

  • Gast
Re:Anfall verarbeiten, nur wie ?
« Antwort #30 am: 21. Februar 2006, 11:44:05 »
Hallo Andy, hallo Petra,
ich kann euch sehr gut verstehen. Mein Mann erlitt im letzten Jahr 15 Grand Mal Anfälle und mußte  9! danach ärtzlich behandelt bzw. genäht werden.
Leider fällt er immer in Richtung Heizkörper, Badewanne usw. Wir (seine Eltern und ich)haben selten das Glück das wir verhindern können, das er sich verletzt.
Am schlimmsten war es für mich im Oktober 2004, er ist mit dem Hinterkopf an die Heizung geknallt und mußte mit Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden und mit 15 Stichen genäht werden. Jedes Mal wenn es irgendwo laut wird, habe ich Panik, das er umgefallen ist. Ich habe nachts Alpträume, in denen er die Treppe runterfällt, vor ein Auto fällt o.Ä. und sich so schwer verletzt, das er an diesen Verletzungen stirbt. Diese Angst kann mir keiner nehmen, ich mußte lernen mit ihr umzugehen, so schwer mir das auch fällt. Gott sei Dank haben wir sehr gute Freunde, die jederzeit für uns da sind, und mit denen wir(Mein Mann geht wesentlich besser damit um als ich)alles erzählen können, was uns bedrückt.Ich weiß, das ich gegenüber meinem Mann diese Panik nicht ständig zeigen darf, da er sich dadurch unter Druck gesetzt fühlt und es dann wieder zu Anfällen kommt.
Was mich auch sehr beruhigt hat: wir haben uns einen neuen Neurologen nach dem letzten Anfall letzte Woche gesucht . Viele Dinge sind festgestellt worden u.anderem auch das mein Mann der diese Krankheit seit 11 Jahren hat, falsch behandelt worden ist und sich daher die Anfälle gehäuft  im letzten Jahr so extrem gehäuft hatten.
Der hat uns wirklich Mut gemacht und Hoffnung, die wir voher schon fast aufgegeben hatten(ich weiß das klingt weinerlich, aber mein mann hatte voher 5 Jahre lang keine Anfälle,durfte Auto fahren usw. und plötzlich geht gar nichts mehr). Ich weiß das mich jetzt wahrscheinlich wieder viele angreifen werden, wie blöd es doch ist, und das ich mich nicht anstellen soll und das ich es positiv sehen soll.Seht auch die andere Seite, diejenigen die den Anfall miterleben, stehen so viele Ängste durch, haben in dem Moment soviel Panik. Diese Angst kann man nicht ausblenden und dann zu hören zu bekommen, man soll sich nicht so anstellen,hilft nicht weiter. Ich versuche meinen Mann nicht mit der Angst zu belasten, ich versuche es positiv zu sehen und das es wieder besser wird hoffe ich von Herzen.

rapi

  • Gast
Re:Anfall verarbeiten, nur wie ?
« Antwort #31 am: 21. Februar 2006, 17:02:05 »
Man braucht sich nicht zu schämen und es ist auch nicht weinerlich. es ist schon schlimm, wenn man alles hautnah miterlebt. Viele Eltern haben genauso die Probleme, junge Paare, die von einer zur nächsten Stunde damit konfrontiert werden stehen da wie das Kanichen vor der Schlange.
Nein schreiben was die Seele bedrückt. Ich bin der Betroffene, mein Freund hat mich noch nie gesehen dabei. Es muss ja aussehen wie in einem Film von Lars von Trier. Ich habe auch die "Begabung" wenn ich falle, dann auf den Hinterkopf. (nähen und klammern). Es ist schon nicht einfach und deshalb nur Mut und wenn man das dem Pfarrer mitteilt. Seelenfrieden finden das ist wahrscheinlich das Einzige was man empfehlen kann und das wird sehr schwer sein. Ich empfinde mit
Ihnen Dörte und mit den Anderen. Liebe Grüße Rapi (letzter Anfall 31.5.2005 GM)

Dennis85

  • Gast
Re:Anfall verarbeiten, nur wie ?
« Antwort #32 am: 21. Februar 2006, 20:59:32 »
Hi,
ich kann den Andy vollkommen verstehen was er am Anfang durchgemacht hat. ich hab es auch schon erlebt, bei meiner jetzigen freundin, ich wusste das sie epilepsie hat aber ich wusste nicht wie heftig es ist, weil ich es vorher halt noch nie gesehen habe. Den ersten Anfall den ich mitbekommen habe hatte sie auf dem Stuhl eine freundin konnte direkt reagieren. Zum glück, aber der Zweite hat bei mir auch ein kleines Trauma verursacht. Wir waren in der Badewanne, wir haben schön geredet, dann schaute sie starr auf einen Punkt, ich sprach sie an, keine Reaktion und dann fing das auge an zu zucken, ich wusste zum glück was los war und dann fing es an ich habe natürlich direkt das wasser rausgelassen, und seit dem denke ich jeden Tag und jede sekunde nach was ist wenn es jetzt passiert und jetzt am sonnntag wieder und da hab ich es nicht ganz mitbekommen ich guckte nur kurz aus dem Fenster und dann fiel se plötzlich vom Stuhl. Ich weiß echt nicht was ich machen soll um diese Gedanken wegzukriegen.
Bitte versucht mir zu helfen.

MfG

dörte

  • Gast
Re:Anfall verarbeiten, nur wie ?
« Antwort #33 am: 22. Februar 2006, 09:32:30 »
Danke Rapi, für die lieben Worte!! Ich habe nicht immer gute Erfahrungen gemacht, wenn ich darüber mit jemandem sprechen wollte.
Sog. "Freundinnen "haben sich abgewandt, als die Krankheit immer schlimmer wurde(da mein Mann ja nicht mehr als "kurierfahrer" für Diskobesuche o.ä. herhalten konnte!!)oder mir nur an den Kopf geworfen, ich würde alles ja dramatisieren... genau.....
Das schlimmste Erlebnis hatte ich bei einem Anfall, den mein Mann auf dem Erntefest bei uns erlitten hatte.
Es gibt Leute die es unglaublich witzig finden, wenn jemand mit einem epileptischen Anfall umfällt und zuckt!!!!
Hätte ich meinen Mann (nach dem Anfall haben mein Schwiegervater und ich ihm zum Auto geschleppt, da er sich nach den Anfällen immer hinlegen und schlafen muß) ich hätte diesen, diesen(mir fällt kein Begriff ein, der passend wäre, selbst Ar...loch wäre noch zu nett für solche charakterlosen Subjekte) nicht gerade gehalten, hätte ich diesen "leuten" nicht nur die meinung gesagt, sondern wahrscheinlich auch um mich geschlagen.

Gott sei dank haben wir viele gute Freunde, auf die wir uns 100% verlassen können, die immer für uns da sind und für uns in die bresche springen.
Ansonsten wäre es für uns auch schwerer das alles durchzustehen.
LG
Dörte

rapi

  • Gast
Re:Anfall verarbeiten, nur wie ?
« Antwort #34 am: 22. Februar 2006, 09:44:21 »
Liebe Dörte ich weiß jetzt nicht ob ihr christlich verbunden seit. (protest. oder kath.).
Das Ereigniss zu Erntedank spricht Bände. Solltet ihr relig. Verbundunden seit, dann mal mit dem Geistlichen darüber reden. Es gibt die Möglichkeit in der Predigt, dass zur  Sprache zu bringen. Der Pfarrer sollte auf Grund der Vorkommnisse (vergessen hat das keiner der Anwesenden bei dem Erntedank)den Namen deines Mannes nennen. Da werden sich alle an den Kopf greifen und sich sagen "Wie KONNTE ICH NUR". Ihr braucht euch nicht zu schämen, aber angreifen, dass ist die beste Verteitigung. Solltet Ihr nicht in die Kirche gehen, dann trotzdem ins Pfarrhaus, denn das ist immernoch eine  Amtsperson. Es wird sich herumsprechen. wie eine Feuerbrunst. Herzlichst Rapi

dörte

  • Gast
Re:Anfall verarbeiten, nur wie ?
« Antwort #35 am: 22. Februar 2006, 10:08:50 »
Hallo Rapi,
danke für den guten Tipp. Leider ist dieses Ereignis schon länger her(Ende September 2005) von daher würde das wahrscheinlich nichts nützen. Aber für das nächste Mal werde ich deinen Tipp beherzigen.Angriff ist die beste Verteidigung, aber in dem Moment war ich einfach nur geschockt. (Das war abends auf der Zeltparty).
Wir glauben an Gott(evangelisch)sind allerdings nicht so die Kirchengänger, da der Pastor der für uns zuständig ist, nicht so unser Fall ist. Der Vorgänger war allerdings noch schlimmer. Als meine Schwiegermutter damals(vor 11 Jahren) Hilfe in der Kirche und im Glauben gesucht hat, hat dieser Pastor doch tatsächlich zu ihr gesagt, das es wohl richtig sei, das mein Mann dieses hat, diese Krankheit sei "Teufelswerk" und wenn mein Mann gläubig wäre hätte er diese Krankheit nicht.....
Sie hat sich sofort beim Vorstand beschwert und der Pastor ist kurzer Zeit später in den Ruhestand versetzt worden.

Von daher ist eine gewisse Zurückhaltung, was Gespräche mit Geistlichen über die Krankheit betrifft, nachvollziehbar...
Wir halten lieber so Zwiesprache mit Gott.

Liebe Grüße,
Dörte

Piet

  • Gast
Re:Anfall verarbeiten, nur wie ?
« Antwort #36 am: 22. Februar 2006, 10:23:14 »
Ins Pfarrhaus gehen? Beim Pfarrer petzen?

Verzichte auf eine Wertung.....

@Dörte,

klar gibt es Leute, die sowas witzig finden...aber ich denke, dass sie zumeist ihre Unsicherheit verbergen wollen.
Gegafft wird doch bei Allem, was nicht ins Bild passt - ob nun jemand am Tourette-Syndrom oder an Trisomie21 leidet...oder eben an Epi.
Ein von mir geprägter und des öfteren benutzter Spruch lautet:' Der dumme Mensch lacht über alles.'
Oftmals nur, um nicht zu zeigen, dass er etwas nicht verstanden hat.

Für meinen Teil bin ich auch immer froh gewesen, dass ich den Anfall und das meiste danach nicht mitkriege...wer weiß, wie manche dabei glotzen, wenn es mich auf der Straße wegknallt. Beim letzten GM im Freien standen dann auch 10, 20 Leute drumrum. Da war ich dann froh, als hinter mir die Tür vom RTW zuging.

Des öfteren hatte ich auch schon das Gefühl, man müsse sich bei den anderen entschuldigen, dass man ihnen den Anblick eines Anfalls zugemutet hat.

Selbst habe ich bisher nur einmal einen Anfall erlebt.
Im Bus fiel plötzlich ein Mädchen um und krampfte - die Leute glotzten nur und fingen sich sogar an zu beschweren, weil der Busfahrer anhielt und nicht weiterfahren wollte.
Da bin ich dann auch etwas lauter geworden und hab mit dem Busfahrer zusammen den Bus geleert.

Manchmal muss man sich schon stark wundern, wie egoistisch und gleichgültig die Leute sind.....

LG
Peter

dölrte

  • Gast
Re:Anfall verarbeiten, nur wie ?
« Antwort #37 am: 22. Februar 2006, 11:36:03 »
Hallo Piet,
da stimme ich dir voll zu.
Mein Mann war für einige "Freunde"nur interessant, weil er ja nicht trinkt und demzufolge ja immer fahren konnte.....
Als die Krankheit sich wieder ins Gedächtnis rief(nach 5 Jahren ohne Anfall denkt man ja nicht mehr täglich daran, außer das halt Tabletten genommen werden), waren diese Leute ganz schnell verschwunden.
Das ist halt so. Für meinen Schatz war es eine sehr schwere Zeit als er das erkennen mußte und auch ich hatte in der Richtung sehr schlechte Erfahrungen gemacht.
In solchen Situationen, zeigt sich erst, wer wahre Freunde sind!

Mein Mann hat auch immer das Gefühl sich nach einem Anfall bei allen, die es mitbekommen haben, sich entschuldigen zu müssen.
Aber wofür denn? klar ist es hart, das mitzukriegen und ich habe damit (wie voher schon geschrieben)ziemliche Probleme damit, aber es ist nicht die Krankheit die mir die Probleme bereitet, sondern die Hilflosigkeit in diesem Moment und die Lebensgefahr in der er u.U. gerade schwebt. Das macht mich fertig. Die Krankheit ist nicht das Problem an sich, sondern die Angst, ihn zu verlieren.
Ich  wußte von Anfang an von dieser Krankheit, sie ist ein Teil von ihm und da ich ihn über alles liebe, muß ich auch diesen Teil annehmen.
Auf Regentage folgt auch immer Sonnenschein und nach einem  heftigen Jahr mit 15 Anfällen hoffen wir, das es sich wieder einigermaßen "einpendelt". Wenn dem aber nicht so ist, dann müssen wir das auch akzeptieren und damit leben.
Nur den Kopf in den Sand stecken, das werden wir nicht mehr.

rapi

  • Gast
Re:Anfall verarbeiten, nur wie ?
« Antwort #38 am: 22. Februar 2006, 11:39:19 »
Hallo Piet, das habe ich auch nicht erwartet. Mir genügt, dass du es zur Kenntnis genommen hast. Kannst mich ja ruhig maßregeln, aber eines kann ich dir mitteilen: Quod licet Iovi, non licet bovi.
Das ist lateinisch, ich hoffe dass du der Sprache mächtig bist. Falls nicht -
Die Übersetzung: Was Jupiter erlaubt ist, darf das Rindvieh noch lange nicht.

Piet

  • Gast
Re:Anfall verarbeiten, nur wie ?
« Antwort #39 am: 22. Februar 2006, 11:54:01 »
Keine Ahnung, wo ich Dich gemaßregelt haben soll, aber meines Wissens lautet die Übersetzung Deines Spruches:

„Was dem Jupiter erlaubt ist, ist es dem Rindvieh nicht."

Womit auf heutige Zeit übertragen gemeint ist - Was der Meister darf, darf der Azubi noch lange nicht.

Die Frage ist letztlich, was Du mit dem Spruch meinst?

Vielleicht wäre es besser, wenn auf den Müller-Thurgau Flaschen Warnhinweise auf Latein stehen würden....

rapi

  • Gast
Re:Anfall verarbeiten, nur wie ?
« Antwort #40 am: 22. Februar 2006, 12:18:38 »
Ich bin hocherfreut, über die Reaktion, ich habe zu danken.lg Rapi

dörte

  • Gast
Re:Anfall verarbeiten, nur wie ?
« Antwort #41 am: 22. Februar 2006, 12:28:09 »
Nicht schon wieder Streit... wir wollten uns doch bessern :)
also: friede!!

Piet

  • Gast
Re:Anfall verarbeiten, nur wie ?
« Antwort #42 am: 22. Februar 2006, 12:33:09 »
Wieso wir?

Hab ich irgendwas getan?

rapi

  • Gast
Re:Anfall verarbeiten, nur wie ?
« Antwort #43 am: 22. Februar 2006, 14:36:41 »
liebe dörte es gibt keinen streit, ich habe dazu keine zeit. bin mit allzu vielen dingen beschäftigt.
ich lasse mich nicht aus der ruhe bringen.
habe heute ein ganz wichtiges buch erworben. (als Mitglied der deutschen Hospizgesellschaft ist das pflichtlektüre) "Abgezockt und Totgepflegt" Vorwort von Günther Wallraff. Kann mir auch passieren, ich brauche bloß einmal sehr      unglücklich hinzufallen. Econ Verlag € 16,95.
Nun du siehst ich habe immer neue Sachen auf den Tisch.
lg. Rapi ich denke an dich.

rapi

  • Gast
Re:Anfall verarbeiten, nur wie ?
« Antwort #44 am: 22. Februar 2006, 15:34:58 »
an dörte,
heute im internet, musste ich erfahren, dass eine pflegekraft lebenslänglich wegen tötungsdelikte verurteilt worden. in einem besonderen schweren fall. deshalb habe ich eine patientenverfügung und bin im hospiz angagiert. mein bett bezahle ich nun schon drei jahre. der tag ist bald rum (22.02.). ( auch diese rubrik). die andere hälfte geht es um die neue enzyklika von benedigt XVI. wer darf wann prister werden. weil auch homosexuelle gern prister werden wollen (bin es selber, Homosexuell) betrifft das mich in soweit, dass nun endlich mal reformiert wird. auch die stellung der frau in der kath. kirche ist von belang. naja ein kleiner spalt ist geöffnet worden. bin aber noch nicht fertig mit lesen. ergo: wieder auf hompages zum vatican und dann das büro für veröffentlichung anklicken. lg. rapi