Autor Thema: Wiedereingliederungsmanagement  (Gelesen 1792 mal)

BoolscheAlgebra

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Wiedereingliederungsmanagement
« am: 25. März 2013, 19:59:28 »
Grüezi miteinand'...,

nach langer Abwesenheit wegen immer wieder neuer Anpassungen meiner Medikation bin ich nun wieder in der Lage, an meine Arbeit zurückzukehren.
Seit zwei Monaten bin ich anfallsfrei und kann Tätigkeiten, die meinem Arbeitsalltag entsprechen auch wieder normal ausführen (Arbeitsprozesse erstellen, technisch bestimmen, umsetzen und nachher auswerten; ist also vordergründig Kopfarbeit).

Was kann man von einem Wiedereingliederungsmanagement erwarten? Mein Arbeitsplatz müsste eigentlich nicht angepasst werden, da ich am PC arbeite und mit dem Aufzug normal ins Gebäude komme.
Röhrenmonitore, Disco-Beleuchtung usw. gibt es dort eigentlich auch nicht...

Gibt es vielleicht Kleinigkeiten, die helfen? Z.B. Fensterplatz, spätere Arbeitszeiten (bin ein ziemlicher Abendmensch) oder Ähnliches? Habt Ihr da Erfahrungen?

sanny

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Re: Wiedereingliederungsmanagement
« Antwort #1 am: 31. März 2013, 22:57:16 »
Hi BoolscheAlgebra!

Also die Wiedereingliederung läuft ja von zwei Seiten her ab. Zum einen legt der Arzt den Zeitraum und die Stundenanzahl fest (in Absprache mit dir) und der Arbeitgeber muss diesen Plan akzeptieren. Meist vermerkt er auf dem Plan "Kostenübernahme durch Krankenkasse", damit die geleisteten Stunden nicht von ihm bezahlt werden müssen. Was du innerhalb der Wiedereingliederung am Arbeitsplatz tust, ist also rechtlich gesehen keine Arbeit du bist weiterhin krank.

Du arbeitest natürlich schon, aber der Arbeitgeber darf dich nicht wie einen gesunden Mitarbeiter einsetzen oder sogar einen vielleicht nach Hause schicken weil du jetzt da bist. Du hast jederzeit das Recht, dich auszuruhen oder früher die Arbeit zu beenden, wenn es dir nicht gut geht. Wenn du irgendwelche Wünsche hast, wie z.B. einen Fensterplatz, dann kannst du das sicherlich gerne ansprechen. Eine Verpflichtung, diesen zu gewähren, besteht nicht. Bzgl. der Arbeitszeit hast du sicherlich weitgehend freie Hand. Da im Plan ja nur steht, dass du bspw. in Woche 1 und 2 jeweils 4 Stunden pro Tag arbeitest, aber nicht wann diese 4 Stunden geleistet werden müssen, ist dem Arbeitgeber wohl ziemlich egal, wann du dort aufkreuzt.

Wenn ich Leute in Wiedereingliederung hatte, dann habe ich diese stets mit Samthandschuhen angefasst, sie nur leichte Tätigkeiten machen lassen, bzw. sie einfach mit einem Kollegen zusammenarbeiten lassen. Je nachdem aus welchem Grund die Wiedereingliederung erfolgt, macht es Sinn, dass der Mitarbeiter nicht alleine ist. Bei dir ist das wohl nicht das Problem, du wirst vermutlich an deinem Schreibtisch sitzen und weitgehend für dich arbeiten. Ich selbst hatte auch einmal eine Wiedereingliederung und wurde zu einer Kollegin gesteckt, allein schon wegen der Fortbewegung. Auto fahren durfte ich da noch nicht.

Bei mir selbst lief die Wiedereingliederung planmässig und ich konnte nach insgesamt 8 Wochen wieder normal Vollzeit arbeiten. Ich habe es aber auch durchaus schon erlebt, dass Mitarbeiter von mir die Wiedereingliederung verlängern oder sogar abbrechen mussten, weil es eben doch noch nicht ging. Dem Arbeitgeber und auch dem Arbeitnehmer kommt so eine Wiedereingliederung sehr entgegen. Vor allen Dingen nach längerer Krankheit kann sich der Mitarbeiter so "kostenlos" wieder etwas einarbeiten und auch der Chef gewinnt einen Eindruck von der Fitness des Mitarbeiters. Das ist sicherlich besser, als gleich wieder ins kalte Wasser geworfen zu werden. Ich wünsche viel Glück.  :-)

LG

sanny
Dies ist, glaube ich, die Fundamentalregel allen Seins: Das Leben ist gar nicht so. Es ist ganz anders! Kurt Tucholsky

CrazyGrisu

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Re: Wiedereingliederungsmanagement
« Antwort #2 am: 11. April 2013, 13:04:30 »
Hallo :)

Bei mir nannte sich das BEM Betriebliches Eingliederungsmanagment.

Ich bin zwar zu dem Tribunal (unfeines Gespräch) hingegangen, aber ich habe dieses BEM schriftlich abgelehnt!

Denn ich bin es seit dem ich arbeite (1994) so gewohnt immer Vollzeit und ohne Samthandschuhe betätschelt zu werden zu arbeiten!

Stundenreduzierung wurde mir angeboten, was sich dann leider auch auf mein Gehalt auswirken würde.

Ausserdem wollte ich nicht besser behandelt werden als meine ähnlich behinderten Kollegen, wo ich eh schon viele Neider drunter hatte (mindestens eine), weil ich zu meiner Epilepsie und den Momenten da nach vom Chef einen Fahrdienst aufgedrückt bekam, der mich immer mehr oder weniger gegen meinen Willen nach Hause fahren liess!

Versicherungsschutz im Falle eines Wegeunfalles nannte der das. :(

Bei diesem BEM waren der Chef, der wenig hilfreiche Schwerbehindertenvertreter, die widerliche Tante vom Personalbüro dabei.

Alle sassen Dir direkt gegenüber und meiner Einer ganz alleine auf der anderen Seite vom grossen Tisch.

Es wurde mir nahe gelegt weniger Fehlstunden und Ausfälle durch Krankheit zu produzieren, weil ich da nach deren Zeiterfassungssystemen "auffällig" war.

Dass ich dem Jahr leider durch die Epilepsie sooo lange ausfällig war interessiert die nicht grossartig.

von Februar bis Mai war durchgängig krank nach einer Knie-OP (medikamentöse Spätfolgen durch Epi-Medis),
dann war ich von Mai bis Juni im Epilepsiezentrum zur einberufenen Tumor-Nachkontrolle und Medi-Veränderung,
Juli bis August war ich für knapp zwei Wochen in Urlaub.
Am 13.08.2011 bekam ich dann meinen unerwarteten Anfall nach 22 Monaten Anfallsfreiheit.
Am 02.09.2011 ging ich dann nach Alsterdorf ins Epilepsiezentrum, wo ich dann zwei Monate drinnen war, weil sich in der Zeit kein diagnostizierbarer Anfall zeigte. Einer ;) aber ohne Kamera- und Audioerfassung.  :weirdo:

Am 14.10.2011 kam dann die zweite Tumor-OP, wo nach ich direkt in die Reha (Anschlussheilbehandlung) nach Bad Segeberg kam.

Mein Chef erzählte in der Firma rum: "Der kommt dieses Jahr nicht mehr wieder!"

Ich wurde glücklicherweise so entlassen, dass ich vom 01.12.2011 direkt wieder ins Arbeitsgeschehen in meiner Telefonzentrale einsteigen konnte. ;)

Der Knilch bekam von mir auch noch was zu hören, dass ich mir meine Krankheit nicht ausgesucht habe und er und seine Leute von Anfang an wussten, dass ich Epileptiker bin und ich mit der Behinderung am 20.11.1997 eingestellt wurde.

Er und seine Leute fingen erst an sich mit Notrufüberwachungsgeräten an mir abzusichern, als meine Anfälle im Jahre 2008 immer extremer wurden.

Am 18.12.2009 machte ich dann die erste Gehirn-OP zu Gunsten meiner Epilepsie und war dann die oben genannten 22 Monate Anfallsfrei.  :dance:

Seit der letzten Operation (erneut in Hamburg Eppendorf in der Neurochirurgie der Uniklinik) geht es mir sehr gut!  8)

Die Ärzte geniessen mein vollstes Vertrauen und ich würde mich immer wieder dort an meiner verrückten Birne operieren lassen!

Schöne Gruesse

Euer Drächli
Meine aktuellen Epi-Medis seit 21.01.2013
Morgens: 750mg UCB Levetiracetam + 125mg GSK Lamictal
Mittags: 125mg GSK Lamictal
Abends: 750mg UCB Levetiracetam

Gewicht: 78,0 kg seit 01.05.2018 18:00 Uhr

Muschelschubser

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Re: Wiedereingliederungsmanagement
« Antwort #3 am: 11. Mai 2018, 21:29:18 »
Hallo, ich weiß nicht, ob sich seit 2013 vieles geändert hat und ich hänge mich jetzt einfach mal da rein (oder soll ich was Neues aufmachen ...? Rätsel ...). Ich habe das, was geschrieben wurde, schon gelesen - ist aber alles etwas älter, gell.

Wie sind Eure Erfahrungen mit der stufenweisen Wiedereingliederung denn so? Das geht bei mir wohl im Juni los.

Grüße von der Muschelschubserin
Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen!

spike

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Re: Wiedereingliederungsmanagement
« Antwort #4 am: 11. Mai 2018, 23:04:23 »
Hallo Muschelschubser,

ich habe jetzt 3x eine Wiedereingliederung gemacht.
Das lief immer so ab, dass der Arzt, der die Wiedereingliederung beantragt, die Stundenzahl (Arbeit) zu Beginn vorgibt und die jeweiligen Steigerungen. Das ist jederzeit änderbar, wenn es zu schnell (oder zu langsam) gehen sollte. Offiziell ist man in der Zeit auch noch AU geschrieben, das heißt man bekommt kein Gehalt sondern krankengeld.
Mit Ende der Wiedereingliederung fängt man auch wieder normal zu arbeiten an.
Bei der letzten Wiedereingliederung bei mir (auf Grund einer Muskelschwäche) hat der Arzt auch vorgegeben, was ich in der Zeit der Wiedereingliederung nicht arbeiten darf. Meinem Arbeitgeber hat das anfangs nicht gepasst, aber ich wurde dann vom Arbeitsplatz umgesetzt und von da an war es kein Problem mehr.

Ohne die Wiedereingliederung hätte ich , glaube ich, die Rückkehr in den Beruf nicht mehr geschafft!

Alles Gute!

LG, Spike