Autor Thema: "Psychose"/starke emotionale Nebenwirkung - danach noch Epi - durch Medikamente?  (Gelesen 2200 mal)

zuendholz

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Moin,

ich bin ganz neu hier, eigentlich ist Epi für mich was sehr nebensächliches, weil gut eingestellt und ich war 10 Jahre mit GM anfallsfrei...
Eigentlich habe ich Basilarismigräne, was mich in Schach hält und ein behandeltes Hirnaneurysma.

2011 wurde ich auf Keppra und Carbamazepin (Generika) umgestellt. Ich wollte eigentlich Lamotrigin. Etwas, was mich nicht so runter zieht, sondern wieder zu dem macht, wie ich bin. Zwar ruhig, aber immer guter Dinge. Hat man nicht gemacht.
Nun, es war 2012, 2013 ein ganz schlimmes Jahr mit einem ersten GM nach über 10 Jahre. Und dann noch einmal im Januar diesen Jahres. Der war im Schlaf.

Ich war/bin/war seit Januar in Beziehung, merkte aber ab Januar (gibt es einen Zusammenhang mit dem Anfall im Januar?) das ich nicht mehr so fit bin. In mir staute sich anfangs alles.
Ich wurde immer mehr "zu" (das Wort des Jahres!!!), konnte nichts mehr aufnehmen, was früher logisch war, wurde in Unmut gemünzt, weil ich einfach nur noch weg von diesen "schlechten Gefühlen" wollte, meine Ruhe haben. Schlafen. Nichts mehr mitbekommen. Ich war einfach emotional total überlastet und bin es jetzt wieder, durch Umstände...
Jedenfalls, das Fass lief wohl über, als meine Freundin Schluss machte. Davor gab es Missverständnisse, die eigentlich nichts mit ihr zu tun hatten, ich es aber so veräußerte, weil ich ja selber nicht wusste, was mit mir los ist. Wie ich ihr das erklären kann, warum ich so "zu" bin. Das Wort "zu" kennt sie.

Naja, aufgrund dessen wohl, ich weiß es bis heute nicht, kam die Trennung und dann passierte was. Was ich erst nach über einer Woche zusammen puzzeln konnte.
Ich hatte mehre große Epis, also Grand Mal, ABER - ich habe sie öffentlich denunziert - vor den GM´s, ich weiß aus den ganzen Tagen (über einer Woche) nichts mehr. Ich weiß nur, das ich verletzt und wütend war. Ich wollte auch nicht mehr...fand diese Gedanken auch in diesem Moment für mich sehr beängstigend, weil ich sowas nicht kenne. Zu mehr hats aber nicht gereicht.
Vielleicht habe ich auch nackt auf dem Balkon gesessen? Es ist absolut alles weg. Eine kurze Erinnerung habe ich, das ich in der Küche lag, auf dem Fußboden, meinen Kopf einmal gedreht habe...das war der 2. Epi. Ob ich noch mehr hatte, keine Ahnung...ich lebe hier allein in der Wohnung...

Jedenfalls, ich habe mir jetzt mal durchgelesen, was ich so schrieb, über meine Freundin, was ich noch so in Mails hatte, die ich natürlich mitterlweile alle korrigiert habe, den Leuten geschrieben, das ich da Mist gebaut habe und das nicht stimmt (waren teilweise wirklich herbe Sachen).
Und - ich bin sowas von am Ende. Ich glaube, ich hab zum ersten Mal ne richtige Krise in meinem Leben. Ich weiß nicht, wie sowas passieren kann, zudem noch bei meiner Liebsten.

Ich fahre bald in die Reha (wegen Aneurysma, neurologisch), da werde ich das auf jeden Fall zum Thema Nr. 1 machen und ich will mich umstellen lassen. Ich kriege ja jetzt schon Panik, wenn ich meine Medis nehmen muss, das sowas nochmal passieren kann.
Meine (Ex)Freundin macht dicht, erzählt kaum noch was über sich. Wir wollen nach der Reha nochmal versuchen, ob wir es hinkriegen.

Das Vertrauen ist natürlich bei ihr weg, klar.

Ich frage mich - bin ich hier zum Monster geworden, was absolut nicht mehr vertrauenswürdig sein kann - dank Tabletten?
Ich bin sonst der schweigsamste Mensch, jemand, bei dem man sich anlehnen kann und nun habe ich das Gefühl - diese Tabletten haben mein ganzes Leben kaputt gemacht.

Ich habe hier Heulkrämpfe, einem nach dem anderen wenn ich dran denke, was ich über meine Liebste geschrieben. Weil es nicht der Wahrheit entspricht. Und sie schweigt...
Wir hatten zwar am Samstag ein schönes Gespräch, aber ich weiß auch schon nicht mehr, ob das nur noch "Hinhalten" ist, bis nach der Reha, weil es mir dann vielleicht besser geht....also ein Aufschieben des Endes...

Ich fühl mich gefangen in meinen Medikamenten. Die aus mir was gemacht haben, was ich nicht bin.

Was hatte ich da????
Ich habe kurz vor meiner Reha einen Termin in einem Epilepsiezentrum bekommen. Keine Ahnung, wie man mir weiter helfen kann, was man in der Reha mit mir machen kann.
Ich habe jedenfalls das Gefühl, mich jeden Tag bei meiner (Ex)freundin melden zu müssen und ihr zu sagen, wie leid es mir tut...und es belastet mich sehr. Es ist so unreal alles...
Hat jemand so was ähnliches schon mal gehabt oder weiß, was das sein konnte?
Ich hatte das jedenfalls noch nie. Nach keinem GM.

Danke fürs lesen, für den langen Text...  :'(
« Letzte Änderung: 01. April 2014, 17:37:36 von Cornelia-Admin »
Große Epikrise nach 10 Jahren mit ca. 1 bis 1 1/2 wöchigem Blackout, auch jetzt - fast totale Amnesie, danach Grand-Mal Serien, im Zuge des Blackouts Medikamentencocktail intus, Freundin öffentlich diffamiert - aggressiv, überemotional und Suizidgedanken (Keppra?) während des Blackouts :(

susili

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hallo lieber zuendholz..

es klingt superheftig, wa du da schreibst... ich sag erstmal herzlich willkommen im forum...

viel fällt mir jetzt nicht ein, vielleicht nur ein wenig..

keppra "kann" - wirklich nur kann - psychotische störungen machen und die persönlichkeit verändern.. ich habs selbst erlebt, siehe meine signatur, echt superheftig..

geh bitte damit zu einem psychiater - so schnell wie möglich.. erkläre ihr oder ihm deinen psychischen zustand und sage, daß du keppra nimmst...wichtig...sprich auch schnell mit deinem neurologen darüber.. wichtig...

ich nehme zum beispiel jetzt hochdiosiert ein atypisches neuroleptikum, damit ich vom keppra keine schlimmen psychosen mehr bekomme.. dafür muß man aber zum psychiater... lies auch nochmal den beipackzettel zum keppra, steht alles drin...

liebe grüße, susili
Mein Buch - Autobiografie - 40 Jahre Epilepsie - - - Psychose vom Keppra - Epilepsie-Chat - Das Schlimme an Zensur ist █████

spike

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Hallo Zuendholz,

Erst mal willkommen hier im Forum! Schön, dass du hierher gefunden  hast!

Mich hat deine Geschichte und deine Problematik sehr berührt, auch weil ich es von mir selbst gut kenne!

Ich habe Juvenile myoklonische Epilepsie, eigentlich eine relativ "harmlose" und gutartige Epilepsieform. Sehr, sehr selten habe ich aber sehr viele Anfälle z.T dann auch GM und dann halt auch Filmriß über Tage. Ich bin nicht besonders handlungsfähig aber es reicht um Blödsinn anzustellen und meine Liebsten Menschen zu verletzten! Nicht besonders handlungsfähig heißt, ich kann nicht aktiv telefonieren, weil ich nicht in der Lage bin ein Telefon zu bedienen ( so verblödet bin ich zu dem Moment!) Mein Gedächtnis reicht für etwa 5Minuten. Typische Situation ist etwa: Mein Mann war den Halben Vormittag bei mir. Er geht zur Tür hinaus und nach 10 -15 Minuten klingelt das Telefon und meine Mutter ist dran. Der erzähle ich, dass ich auf Intensivstation liege (was nicht stimmt, ich habe nur die Überwachung mit Sauerstoff etc verwechselt), dass mein Mann mich NIE besucht etc und ziehe schlimm über ihn her.
Meine Mutter ist furchtbar aufgeregt, glaubt ich bin schon bald am sterben, dabei ist alles im grünen Bereich und mein Mann kommt wenige Minuten später zur Tür herein. Dem wiederum erzähle ich nichts von dem Anruf, weil den habe ich bis dahin schon wieder vergessen...
So mache ich das mit mehreren Leuten. Das geht etwa 3 Tage lang, nach 3Tagen klare ich wieder auf und bin langsam wieder ich selbst...
Konsequenz: mein Mann ruft die Freunde und meine Mutter an, wenn ich schlimme Anfälle gehabt habe, und alle wissen dass ich dann nur noch Gequirlte Schei.ße rede. Ab dann läuft alles nur noch gebündelt über meinen Mann.

Ich könnte mir vorstellen, dass das bei dir ähnlich gelaufen ist, wie bei mir. Auch weil du dich an nichts erinnern konntest. Im übrigen wirke ich da nach außen hin ganz normal. Die Ärzte merken da jedes Mal nichts von. Doch, beim letzten mal haben sie "Dialeptische Anfälle" geschrieben.
Wobei das bei mir unabhängig von der Medikation war. Das war immer nur abhängig von der Schwere der Anfälle.

Vielleicht kann deine Freundin verstehen, dass das nicht DU bist, sondern eine Form deiner Epilepsie.
Obwohl ich zugeben muss, das auch meinem Mann das schwer gefallen ist. Weil ich habe anscheinend schlimm über ihn hergezogen, dabei ist er ein ganz ein lieber... <-( aber mehr als entschuldigen kann ich halt auch nicht tun...

Wenn du möchtest, kannst du deiner Freundin gerne meine Geschichte zum Lesen geben. vielleicht kann sie dann eher verstehen, dass es nichts mit absichtlicher Verletzung zu tun hat.

LG, Spike


zuendholz

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Hallo Susili,
danke fürs Antworten.
Aber mal ehrlich, wieso sagen einem sowas die Ärzte nicht??? Wenn das hier im Forum schon so bekannt?
Ich muss dazu sagen, das war das erste Mal in meinem Leben, das ich mich ohne mich vorher zu informieren, hab umstellen lassen, auf Vertrauen des Artztes.
Ich bin sonst, was Antiepileptika betrifft, sehr vorsichtig, weil wir hier Medis einnehmen, die verändern können.

Ich wollte damals welche, die leistungsfördernd sind. Wenn ich das hier so lese, das überhaupt nicht stressressistent etc. Wutausbrüche. Wer lässt sich denn schon freiwillig solche Medis verschreiben??

Ja, ich bin wütend grad, weil ich auch grad wieder heule, weil das ein Erlebnis war, das mich mehr fertig gemacht hat, als der GM selbst.
Und meine Beziehung evtl. kaputt.

Ich kann erst am 8. April zum Neurologen, aber bis dahin schaffe ich es noch. Irgendwie.
Ich möchte eigentlich schon seit 2011 - schon wieder vergessen - *lol* - das genau meine ich...ich möchte...Lamotrigin!!!

@Spike, was Du schreibst, ist ja auch echt heftig!!!
Juvenile moklonoische Epi kenn ich gar nicht. Hab mich damit aber auch nie so befasst bzw. studiert.
Tja. Deinen Text. Ich glaube, den sollte ich ihr erstmal so nicht zeigen. Aber mal abwarten. Wenn wir uns wieder sehen sollten...und vielleicht auch dann mal drüber reden...eins nach dem anderen...Dein Posting bleibt ja sicherlich bestehen...ich schau auch gleich mal, was Du hast, dieses Juvenile myoklonische...

Aber ganz ehrlich Spike, dann hätte ich das doch früher auch gehabt, oder? Also, ich habe das Gefühl es kommt von den Medis...
Selbst meine Zahnärztin war gerade über mich sehr erschrocken...über die Verwirrtheit, das ich so fertig bin etc.

Ich habe auch das Gefühl, das war ein schleichender Prozess, den ich ab Januar aber wahr genommen habe, dass das mehr ist als nur vergessen und fertig sein. Bis es letzte Woche "explodiert" ist, mit allem drum und dran... :escape:
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susili

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lieb"e" zündholz,

sorry, daß ich dich für männlich gehalten habe.

ja, keppra ist für mich ein absolut supergei.les medikament, wenn es um die konzentration und geistige leistungsfähigkeit geht - und um die anfallsfreiheit bei grand mal anfällen..

aber das große problem bei keppra sind halt die teils unglaublich heftigen nebenwirkungen.

wenn es dir gegen die anfälle gut hilft, dann kannst du auch dabei bleiben und einen psychiater fragen, ob er einen ausweg wegen der persönlichkeitsstörung weiß, so wie ich jetzt halt risperdal nehme, das wäre noch ein ausweg.

ganz liebe grüße, susili
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zuendholz

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Naja, also mit den Worten Persönlichkeitsstörung, Psychose etc. hab ich so meine Probleme.
Wenn so etwas aus Nebenwirkungen hervorgeht (also das ist so meine logische Schlussfolgerung), hat man dadurch keine Persönlichkeitsstörung.
Ich denke aber, die Gefahr ist groß, das der Körper "sich dran gewöhnt", der Kopf, also alles, was damit zusammen arbeitet. Und dann denke ich ist die Gefahr groß, das sowas bleibt.
Daher, also - ich bin und bleibe immer sehr skeptisch, was Medis betrifft. Da kann jetzt Keppra noch so gut sein, ich davon anfallsfrei.
Wenn ich aber merke, das es mich in meiner Persönlichkeit verändert, ist es für mich weg vom Fenster.
Also, ich möchte kein zusätzliches Medikament nehmen, nur weil das eine evtl. ne Psychose hervorrufen kann. Und wenn ich von dem Medi weiß, das es etwas ähnliches war, will ich es abgesetzt haben.
Wie gesagt, ich würde gerne mit Lamotrigin versuchen wollen. Viele Freunde von mir haben das, denen gehts ziemlich gut.

Ich kann nicht sagen, das ich von Keppra fit bin, im Gegenteil. Ich bin eine irgendwie laufende Leiche. Ohne Hirn. Bzw. eins, was zu ist, dicht. Da passt nix mehr rein.

Tja. Da sind wir ganz schön unterschiedlicher Meinung, was? ;)
Nein, aber ich muss dazu sagen, das hat mir vor ein paar Tagen, letzter Woche echt den Rest gegeben. Die Augen geöffnet. Sonst lese ich das mal, bzw. von Medis - Epi - habe ich davon ja noch nie gelesen.
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Amazönchen

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Mein lieber zuendholz

Dann darfst Du aber kein AE mehr in den Mund schieben.
Hier vom Beipackzettel von Lamictal, ein sehr beliebtes Medikament, das auch in der Psychiatrie eingesetzt wird, weil es stimmungsaufhellende Wirkung hat.

Psychiatrische Störungen
Häufig: Aggressivität, Reizbarkeit, Agitation (nur in Studien bei bipolaren Störungen beobachtet).
Selten: Verwirrtheit.
Sehr selten: Tics, Halluzinationen.


PS: Ich habe mit 400 mg
Rechtschreibfehler sind gewollt und dienen lediglich der Belustigung der Foren-Teilnehmer

Elka

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Zuendholz hallo,

auch mich hat Dein Post "mitgenommen" - Du bist noch mittendrin, brauchst Hilfe, Du weißt, wie Du warst, was Du leisten kannst,
verstehst langsam aber auch, was in der letzten Zeit passiert ist mit Dir - und das macht ungeheure Angst, wenn man merkt, sich so verändert zu haben.

Ich finde es richtig, wenn Du weißt, spürst, was Du nicht willst: das Medikament.
Es gibt eine Bandbreite anderer Medis, die gut wirken können.
Natürlich, wie Amazönchen schon schrieb, können alle Nebenwirkungen haben, aber dieses "können" muss man groß schreiben, denn jeder reagiert anders, insofern verstehe ich auch Deinen Wunsch, es mit Lamictal zu probieren - ein Patient hat natürlich das Recht, eigene Ideen hervorzubringen und ich hoffe, dass die Umstellung für Dich bald beginnt.


Was die vergangene Zeit anbelangt.
Ich weiß nicht, inwieweit es für Dich "hilfreich" ist zu wissen, dass Du mit diesen Dingen nicht allein bist, wie Du hier schon lesen konntest.

Zum einen kenne ich es auch, dass in Phasen mit vielen Anfällen die Zeiten entschwimmen. Nicht so krass wie bei Dir, aber ich habe dann auch Lücken, die sich über ein paar Tage, manchmal zwei, drei Wochen hinziehen können, je nach dem, wie lange man in solch einer Anfallszeit hängt.
Dass man dann Dinge macht, die leider so verstösslich sind gegen andere - das kann leider vorkommen.
An Eurer Situation ist es nur schwierig, da es ja das erste Mal geschehen ist und weder Du noch Deine Freundin verstehen konntet, was da mit Dir passiert.

Ich wünsche sehr, dass jetzt zunächst mit der Reha vielleicht wirklich eine Pause, eine ruhige Phase eintritt, nach der ein "Neubeginn", in welcher Art auch immer, möglich ist.
Ja, das Vertrauen mag weg sein.
Aber, Du weißt nicht, wie sich die Dinge für Dich in einigen Wochen gestalten, vielleicht bist Du dann wieder offen, klarer, "entnebelt" und kannst völlig anders kommunizieren.

Es ist ein Weg, ein Weg der begannen werden muss und über den jetzt nicht abschätzbar ist, was er bringen wird.
Aber eine Veränderung auf jeden Fall - und darum geht es ja.

Meine "schlimmste" Zeit - und tatsächlich auch heftige Krise - war mein Jahr mit Keppra.
Ich habe es erst danach verstanden, was geschehen ist, wie tief man gerutscht ist, wie entfernt man vom Leben, von der Realität - von sich selbst war.
Leider hat man den Blick dafür nicht, wenn man so tief gefangen ist in diesen Zuständen.

Mit dem Wort "Psychose" oder "Persönlichkeitsstörung" halte ich mich auch zurück,
aber jetzt im Nachhinein war die Persönlichkeit auf jeden Fall sehr, sehr geändert. Kein Vergleich zu jetzt.
Nachdem das Keppra weg kam, klarte ich wieder auf, konnte mich freuen und ja - das Verständnis für die Dinge, die einen umgeben, war ein völlig anderes - als bekäme man eine Brille abgesetzt, die man vorher nicht merkte.
In dieser Zeit damals ist ebenso meine einzige Freundschaft zerbrochen, ein radikaler und trauriger Bruch.

Und übrigens, was Du beschreibst hatte ich auch: Richtige Heulanfälle, ich war nachts nur am Spazieren, der Kopf hing irgendwo - es ist schrecklich, wenn man nicht mehr Herr seiner Selbst ist.


Insofern möchte ich Dir Hoffnung machen, dass es auf diesem Weg, wie er bei Dir ansteht,
auch wieder eine Zusammenführung möglich ist - dann unter anderen Umständen für Euch beide.
Aber ein Bruch bedeutet kein Ende. Es ist möglich, dass Ihr beide unter neuen Vorzeichen Euch neu begegnet.

Alles alles Gute und viel Kraft.
Und schreib hier immerzu - das kann helfen.
Grüße, Elka

BEpi

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hallo zuendholz,

also ich gehöre auch zu den Personen, die Keppra nehmen und in der Zeit gereitzter wurden. Ich nehme Keppra seit über zehn Jahren und sogar meine Frau hat mir mal gesagt, dass ich früher ruhiger war. Nur hab ich in der Zeit, seit ich Keppra nehm auch einen neuen Job und immer mehr arbeit und zwei Kinder zuhaus.....
Wenn man bei den zwei Kindern immer ruhig bleibt, dann ist auch was verkehrt  :weirdo:
Ich würde es auch gerne wissen, was ich auf Medis schieben kann, doch es gibt auch viele andere Sachen, die auf die Psyche einfluss haben.......

zuendholz

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Danke erst mal für die vielen Antworten, vor allem das Posting von Dir, Elka, hat mich zutiefst berührt.
Du schreibst von einem Jahr Einnahme mit Keppra, bei mir ging es jetzt ins 3. Jahr. Und rückblickend ging es mir im letzten Jahr schon nicht gut, allerdings finde ich, ist es Ende letzten Jahres (schon so ab Oktober) bis hin zum jetzigen Monat wirklich DRASTISCH schlimm geworden.
Ich wusste nur nicht, warum. Weil - Keppra ging ja schon etwas länger...
Und, ich bin schon länger krank geschrieben durch meine OP Hirnaneurysma, soll jetzt deswegen in Reha...und wie gesagt, Epi war eigentlich - Geschichte...ich hab brav meine Tabletten genommen, kein Alk etc.

Und Du schreibst es Elka, das sind so Dinge, die man jetzt im Nachhinein so "begreift", natürlich war es auch die Zeit von Januar an bis zum Epi, aber gerade die Woche - kurz vor dem Epi/Epi/danach - DAS war heftig! Das war nicht ich.

Also auch der innere Kampf (man merkt ja, das gerade was nicht stimmt, weiß aber nicht, was man gegen machen soll, weiß, das es falsch ist und macht es aber trotzdem - warum auch immer...)
Und weswegen ich unbedingt von Keppra weg will, ist der Grund, das ich den "Wunsch hatte" - aber gegen meinen Willen, das ich lange schlafen wollte, am liebsten ganz lange, wenn Du verstehst...
Ich habe weder Depressionen noch sonst was. Das, was ich gemacht habe, mit der Denunziation - das habe ich ja auch erst in den letzten Tagen so richtig geschnallt...das hat ja noch gedauert (also was ich genau geschrieben habe). Aber das mit dem Schlafen...wollen...hatte ich kurz vor dem Epi...und DA hab ich Angst bekommen!
Und da denke ich, wird Keppra gefährlich. Ich habe ehrlich gesagt auch Angst, das beim Arzt anzusprechen, habe vor der Reha noch einen Termin beim Epileptologen, nicht das ich nachher eingestuft werde...als Suizidgefährdet...denn ich bin ein Kämpfer und ich habe keine Bock, in Schubladen gesteckt zu werden.

Ich kenn es noch von früher, aus Ost-Zeiten, da kam man mit einem Epi in die Psychiatrie statt Neurologie...und wie man behandelt wurde....das ist mir ja leider im Zuge meine Anfalls, der jetzt war, leider auch wieder widerfahren und ja, das war ein zusätzlicher Faktor, der mich völlig ausgehebelt hat...(war nicht meine Freundin, jemand anders)

Ich möchte wieder klar sein, wieder lachen, wieder was machen können. Früh gestärkt aufstehen, schlafen können, keine Schmerzen haben, wissen, was ich letzte Woche gemacht habe, nicht überreizt (im Sinne von Licht/Lärm/zuviel Menschen) sein, nicht so hochsensibel, wissen, was ich vorgestern gemacht habe. Nicht mehr streiten, weil ich ich vollstens überzeugt bin, das ich das nicht gesagt habe...also, so war das vor der Umstellung auf Keppra nicht...

Und, ich könnte mal wieder 5kg zulegen. Auch ein K(r)ampf....

Und was ich nebenbei mal noch fragen wollte, bei mir steht immer nur Grand Mal, auf einem alten Schreiben tonisch-klonisch, ich weiß aber aus den ganzen Jahren und von früher, das ich auch unterschiedliche Anfälle hatte. Als Kind auch schon sowas hatte, wie jetzt (einen Epi - ohne Umfallen, wo ich Schokolade auf ner Geburtstagsfeier "geklaut" also einfach mitgenommen habe, ich quasi voll da war - nur ich nicht und einmal auf Arbeit, wo ich ne Stunde oder 5 Minuten ??? mit einem Kunden telefoniert hatte und irgendwann wieder "wach, anwesend" war, nicht zu wissen, was ich getan habe. Auch nicht umgefallen.

Ja. So lange nix gewesen und auf einmal so viele Fragen...
Auf jeden Fall möchte ich nen neues Medi - vor allem nach der Geschichte. Lamotrigin wollte ich, weil man dadurch laut Zettel "fiter" werden soll....ich hatte davor Topamax und Zebenix....

Ich glaube, ich brauch am 8. April 5 Stunden bei meiner Epileptologin  ;D
« Letzte Änderung: 30. März 2014, 00:33:38 von zuendholz »
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Ich schlafe im Moment 20.30 Uhr vor dem TV ein und muss 6.45 aufstehen. So krass war es schon lange nicht mehr. Bis auf kürzlich war ich wenigstens bis 21.45 Uhr wach. - Habe da meinen Neuro drauf angesprochen und der fragte mich, ob ich am morgen ausgeschlafen sei. Ja, sagte ich. Ja dann sei kein Handlungsbedarf. - Nun ja, da hat er schon recht. Und ich mache ja nie Party oder gehe ins Kino. Dann kann es mir egal sein.
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zuendholz

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Danke erstmal an Cornelia (Admin) für die ""  8)

Da ich meinen Beitrag nicht selber ändern kann, muss ich nochmal korrigieren.
Ich wurde nicht 2011 auf Keppra umgestellt - sondern Topamax wurde ausgeschlichen und ich habe dafür Carbamazepin bekommen. D.h. Keppra nehme ich schon sehr lange!!!

Aber, beide Medis nehme ich schon über Jahre, immer mal abwechselnd, immer mal mit was anderem kombiniert. Da hab ich wohl in meiner Vergesslichkeit was verwechselt. Hab gestern bzw. vorgestern mal alle Arztberichte analysiert und aufgeschrieben, ab 1990 - welche Medis ich in welcher Konstellation schon hatte...u.a. Valproinsäureunverträglichkeit...oder so ähnlich...

Naja. Keine Ahnung.
Vielleicht war das alles ja auch eine Aura??? Kann man die schon Wochen vorher haben? Denn das, was bei Wiki steht, trifft es ja wirklich auf den Kern!
Ich kenne das nicht. Noch nie gehabt. Ich merke zwar meine Grand Mal kurz vorher (Absencen, kurzes zucken/Muskelversteifungen/verkrampfungen) wo ich dann meine Notfallmedi sofort nehmen muss. Aber was ich da nun hatte, werde ich hoffentlich bald wissen. Aber - ich hatte es eben noch nie.

Und trotzdem möchte ich von Keppra weg, ich wollte 2011 schon Lamo...naja, es scheint so, ich werde es jetzt bekommen ;)
Ich bin gespannt!
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