Autor Thema: Zeitweise geistige Verwirrtheit  (Gelesen 7300 mal)

Joy

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #15 am: 08. Mai 2018, 20:06:02 »
Hi Reinhard,

dass kann doch nicht dein Ernst sein! Also sorry, aber räumst du deiner Frau wirklich so wenig Rechte ein? Dass man mit Epilepsie psychisch krank ist, stammt aus dem Mittelalter, da hatten die Leute noch kein Plan davon. Kein Arzt oder sonst wer wird dir oder ihr deshalb empfehlen, in eine Klinik zu gehen. Was machen denn die ganzen Menschen, die täglich mehrere Anfälle haben und alleine wohnen, die müssten da ja Dauergast sein, sind sie aber nicht, weil sie prima alleine zurechtzukommen. Stichwort Epicare oder Hausnotruf, darüber könnt ihr mit dem Arzt reden!

Youtube ist sicher kein Garant für die 100% Wahrheit, da ist man mit einer Mosesschulung besser beraten.

Lass sie doch die Medis mit Saft oder was ihr schmeckt nehmen.  Ich hab selber mal den bösartigen Fehler gemacht und Kakou zu den Tabletten getrunken, der Anfall war schnell da. Gemacht habe ich es nie wieder. Du schreibst ja selbst, dass die Anfälle wieder da sind. Aber gut, dass müsst ihr selber wissen. Nur finde ich, es sollte ihr besser gehen, nicht schlechter!

Wovor hast du eigentlich Angst, dass sie sich verletzt oder dor wegstirbt? Sie ist doch kein wehrloses Baby!

Lg Joy

Meditester

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #16 am: 09. Mai 2018, 12:34:03 »

Hallo Reinhard!
Nicht beleidigend gemeint:
Aber du behandelst deine Frau wie eine Puppe aus Porzellan.

Die Epi kann sich mit den Jahren ändern.
Das habe ich selbst erfahren.
Wieviele verschiedene Anfallstypen es waren zähle ich nicht.
Und es begann auch ganz schleichend, dass ich einfach ohne Vorzeichen umfiel.
Weil es mir unheimlich war habe ich mich nicht mehr getraut zu kochen.

Mit der Zeit nahm ich die neue Situation hin.
In Watte gepackt werden will ich nicht.
Die Anfälle kommen noch, ganz ohne Vorzeichen.
Doch ich will leben wie zuvor.
Da gehe ich allein einkaufen oder besuche mit dem Bus den Arzt.

Gib deiner Frau mehr Entscheidungsfreiheit!
Ansonsten ist es eine psychische Belastung für sie, die auch wieder erneut Anfälle auslösen kann.
Lass sie doch mal hier lesen!
So kann sie erfahren wie wir mit der Krankheit umgehen.

Und dass du allein mit dem Arzt Entscheidungen über sie triffst finde ich nicht richtig.
Bei Gesprächen sollte sie stets dabei sein.
Und auch nur sie kann sagen wie die Medi wirken.
Oftmals verstecken Bevormundete ihre wahren Gedanken, haben Angst sich zu äußern.
Nicht jede Wirkung der Medi ist für Andere sichtbar, selbst für Ehepartner kann dies gelten.

Viele hier haben auch "medizinische Helfer."
Da wurde ja z.B. das Epicare genannt.
Ist es möglich einen Nachbarn "einzuweihen"?
Ich selbst habe oftmals Hilfe erhalten.

Auch ist das Schreiben im Forum und der Austausch mit den Anderen sehr hilfreich.
Gib deiner Frau den Hinweis und lass sie bitte (ohne deine Kontrolle) hier ihre Sicht auf die Epi schildern!

Grüße von Meditester
(Ein Helm auf dem Kopf hätte beim letzten Hinfallen meinen Armbruch nicht verhindern können.)
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yossarian

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #17 am: 10. Mai 2018, 16:38:01 »
Hallo Reinhard,

in Deinen Posts hast Du uns sehr genau geschildert, was bei Deiner Frau gelaufen ist. Und zwar hat sie seit 53 Jahren Epilepsie, ist seit dem 12. Lebensjahr erkrankt, Du hast sie mit 22 kennengelernt, damals hatte sie nur „kurzzeitige Abwesenheiten“, auch durch die Schwangerschaften ist es nicht schlimmer geworden. Im Gegenteil, es hat sogar eine längere Zeit gegeben, in der sie gar keine Anfälle hatte. Hat sie zu der Zeit Medikamente genommen?

Und dann beginnt die Leidensgeschichte. Nachdem sie wegen einer „anderen Krankheit“ operiert worden ist, verabschiedet sie sich von der Bettnachbarin mit Sekt und Orange. Von dem Zeitpunkt an hatte sie wieder Anfälle. Die Epilepsie war neu erwacht. Bei einem Rezidiv nach so langer Zeit wird doch untersucht worden sein, wie es dazu gekommen sein konnte? Narkosevorfall oder anderer medizinischer Fehler?

Fakt ist, dass es von diesem Zeitpunkt an immer weiter bergab ging und die Anfälle sich häuften, so dass vom Epilepsie-Zentrum Bonn ein präoperatives Monitoring durchgeführt wurde. Ist bis heute geklärt, welche Anfallsart sie hat?

Ich weiß von mir, dass nicht immer ein invasives Monitoring erforderlich ist. Diese Untersuchung ist eine OP für sich, bei der es genauso viele Risiken gibt wie beim epilepsiechirurgischen Eingriff selbst. Dann geht es ihr praktisch erst seit dieser Operation (Untersuchung) so schlecht?

In Wirklichkeit sieht es zur Zeit so aus, dass du nicht weißt, wie es weitergehen soll. Ich möchte zwei Möglichkeiten vorschlagen, die eventuell zum Erfolg führen könnten. Über die Möglichkeit, eine zweite Meinung in einem anderen Epilepsie-Zentrum einzuholen, bist Du informiert? Ich habe noch einen weiteren Vorschlag.

Ich habe über 15 Jahre unter dem Cluster-Kopfschmerz gelitten. Habe seinerzeit alle besseren Kliniken Deutschlands aufgesucht, niemand hat mir helfen können. Sogar in damals bester Diagnostik-Klinik Deutschlands bin ich gewesen, der DKD in Wiesbaden, auch dort hielten mich die Ärzte für einen Simulanten.

Durch das Interesse meines Augenarztes bin ich damals in der Essener Universitätsklinik gelandet, in der Neurologie bei Dr. Andreas Hufnagel. Er hat sich in Ruhe mit mir befasst und ist schnell zu dem Ergebnis gekommen, dass es eine Unverträglichkeit unter den  Medikamenten war, die den Schmerz auslöste. Ich habe eine sehr gute Meinung von diesem Arzt. Bis zu seiner Praxis hast Du es nicht weit. Ich finde, Du solltest einen Termin vereinbaren und den Fall dort vorstellen.

Gute Grüße
yossarian


Praxis Prof. Dr. Hufnagel
https://www.neuro-consil.de/

Epilepsie-Zentrum Bielefeld-Bethel
http://www.mara.de/epilepsie-zentrum.html

Reinhard Neumann

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #18 am: 13. Mai 2018, 18:18:11 »
Um Missverständnisse zu vermeiden. Ich beabsichtige, weder meine Frau wegzusperren. noch zu entmündigen. Sondern ich will mich nur informieren, was ich tun kann, wenn ich mich mal nicht um meine Frau kümmern kann. Zum Beispiel wenn ich in (hoffentliche weiter) Zukunft mal ins Krankenhaus muss. Was bei meinem Alter "64" nicht so abwegig ist. Denn eins steht fest, allein könnte sie zu Hause nicht überleben. Wie in einem vorigen Post schrieb, bekommt sie im Durchschnitt pro Monat 6 Anfälle, und ca. 1 Woche danach ist sie für fast 5 Tage nicht im Stande normal zu denken. Also sie würde nichts trinken, nicht essen und auch keine Tabletten einnehmen. Das beginnt meistens damit, dass sie auf die Aufforderung,  "kommst Du Abendbrot bzw. Mittagessen usw. ) " zum Beispiel sagt: "Einen Augenblick", oder" ja gleich", oder "einen Moment", aber ihren Worten keine Taten folgen lässt. Nun habe ich folgende Möglichkeiten: Ich kann alleine essen und hoffen, dass sie irgendwann von alleine kommt. Oder ich kann ihr das Essen bringen. Dann habe ich wieder mehrere Möglichkeiten: Ich kann ihr das Essen in kleinen Häppchen in die Hand legen oder ihr die kleinen Häppchen in den Mund schieben, bzw. mit Gabel oder Löffel füttern. Dann hat sie mehrere Möglichkeiten darauf zu reagieren:
Entweder isst sie die Häppchen im Mund auf, oder weigert sich, sich etwas in den Mund legen zu lassen, oder sie legt, was ich in ihre Hand gelegt habe wieder auf den Teller bzw. Brett zurück, mit dem Hinweis, "das kann ich alleine". Doch meistens bleibt es dann bei den Worten.
Dass in solchen Fällen die regelmäßige Einnahme von Tabletten ohne meine Hilfe schwierig wird, ist wohl nicht von der Hand zu weisen.
Weil die Anfälle unangemeldet kommen, und sie sich vor vielen Jahren beim Abschütten von Nudeln böse den Arm verbrüht hat, kocht sie aus Sicherheitsgründen nicht mehr selbst.
Ich bin ein entschiedener Christ, wie auch meine Frau. Darum kommt für uns eine Trennung nicht in Frage. Wobei die Trennung nur zur Folge haben kann, dass sie nach Bethel müsste. Und das will sie auf keinen Fall. Denn in den Anfalls-  und Nachfolgeerscheinungsfreien Zeiten kümmert sie sich voll dem Haushalt bis auf das Kochen und die Bedienung der Waschmaschine.
Das Einzige was ich brauche, sind gute Ratschläge und viel Geduld.
Vielen Dank für alle Hinweise.
mit freundlichen Segensgrüßen
Reinhard Neumann

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #19 am: 13. Mai 2018, 18:57:53 »
Wenn Angelika wieder klar denken kann, werde ich sie bitten, die Anfälle aus ihrer Sicht zu schildern und hier zu posten. Ich vermute aber, dass es ihr schwer fallen wird, weil sie durch die Anfälle bzw. Tabeletten ein schlechtes Gedächtnis hat. Sie weis nach einer Woche nicht mehr was sie heute erlebt oder gesagt oder gehört hat.
 
Übrigens war ich der Meinung, dass es sich hier um ein Forum für Angehörige und Freunde von Epilepsiekranken handelt. Also um den Ausstausch von Erfahrungen seitens der Angehörigen und Freunde. Denn nur diese können objektiv Beobachtungen aus ihrem eigenen Erleben schildern und mir vielleicht hilfreiche Hinweise geben.
Die Behauptung, dass sich in der Psyche eines Epileptikers auf so lange Zeit nichts ändert, glaube ich nicht, da sprechen meine Erfahrungen klar dagegen. Ich suche mal das Untersuchungsergebnis der Uniklinik Bonn heraus und poste es beim Nächsten Mal. Ich meine mich zu erinnern, dass auch etwas über die Psyche meiner Frau darin steht.
Vielen Dank für alle Hinweise.
mit freundlichen Segensgrüßen
Reinhard Neumann

Meditester

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #20 am: 14. Mai 2018, 11:49:12 »
Hallo Reinhard!
Wir sind ein Forum.
Niemand möchte dich beleidigen.
Jeder oder Viele versuchen nur ihre Sicht niederzuschreiben.
Wie es genau bei euch aussieht (mit der Krankheit)
können wir nur aus deinen Schilderungen erkennen.

In diesem Forum schreiben Freunde, Verwandte, Bekannte von Betroffenen.
Jedoch ist die größte Anzahl der Mitglieder selbstbetroffen von der Epi.
Es ist ja auch eigentlich ein Forum für uns.

Wir selbst wissen von unser Erkrankung sehr Vieles zu berichten.
Und Suchende finden hier Rat und Hilfe.
Wie kommt es, dass deine Frau solange Zeit (5 Tage)
nach den Anfällen nicht klar denken kann?
Hat sie vielleicht noch Demenz? (nicht beleidigend gemeint)
Dieses hat mein Vater nach jahrelanger Epilepsie nun auch noch.

Wurde denn in letzter Zeit mal eine Blutuntersuchung vorgenommen?
Vielleicht ist ja eine andere Medizin notwendig, um die Krankheit besser
zu beeinflussen?
Viele Jahre brauchte ich z.B. nur eine Tablettensorte.
Nach Jahren half diese alleine dann nicht mehr.

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #21 am: 14. Mai 2018, 13:47:46 »
Hi Reinhard,

niemand möchte dich beleidigen oder sonstwas, jeder schreibt nur seine Sicht, Gedanken und Erfahrungen hin und da hier der Ton zur Musik fehlt, kann man in das geschriebene (in allen Threads, nicht nur hier) auch mal was falsches rein interpretieren.

Du schreibst, du möchtest deine Frau nicht wie eine unmündige behandeln, aber wie sich dass für mich ließt, tust du das eben doch (ohne sie über sie mit ihrem Arzt reden, nicht alleine lassen wollen, mit Tabletten füttern, da sie die nicht nehmen will/Verantwortung übernehmen)... Das ist für mich einfach widersprüchlich.

Was die Psyche angeht, das kann man so pauschal sicherlich nicht sagen. Da gibt es solche und solche, je nach Charaktertyp. Man denke nur an etwas typisches wie Gewohnheiten, wie oft ändert sich da was, bis was im innern im Gang kommt und sich was passiert? Die einen kriegen es hin, die anderen nicht oder erst später.

Und naja... also du hast keine Epi und ohne ihr etwas zu unterstellen, deine Frau kann dir wer weiß was erzählen. Ich erzähl auch nicht jeden mein Leid, weil ich ihnen nicht auf die Nerven gehen will. Ein Wisch hilft da glaub ich nicht so viel.

Das mit dem 5 Tagen in dem Ausmaß weiß ich nicht, ob das normal ist,  aber ich hab in einem Buch über Epilepsie gelesen,  dass man zB. bei einem GM bis 2 Wochen brauchen kann, bis man sich wieder vollständig erholt hat.  Also das könnte schon hinkommen.

Und natürlich ist das Forum für Selbstbetroffene und Angehörige da. In erster Linie denke ich doch für die Selbstbetroffenen, da wir doch die meisten Probleme damit haben. Aber bevor es hier Streit gibt, können sich ja die Admins melden, für wen das Forum ist.

Lg Joy

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #22 am: 14. Mai 2018, 14:45:51 »
Die Unterkategorie hier nennt sich "Speziell für Angehörige und Freunde"
Wer will schon einfach?
Hm, ich, manchmal, ein kleines bisschen...

Reinhard Neumann

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #23 am: 14. Mai 2018, 21:17:21 »

Entschuldigung aber, Epilepsiekranke können eigentlich doch gar nicht aus eigenem Erleben mitbekommen, was sie während der Anfälle tun oder sagen und wie lange so ein "demenzähnlicher Zustand" wenn er denn vorhanden ist, andauert.
Das könnten doch nur die Angehörigen und noch nicht einmal die Freunde, wenn sie nicht im gleichen Haushalt leben.
Und genau deshalb frage ich, ob es denn hier im Forum keine Angehörigen Epilepsiekranker gibt, die gleiche oder ähnliche fortschreitende Erfahrungen machen wie ich.
Und mit diesen möchte ich mich austauschen, um vielleicht hilfreiche Tipps zu bekommen.
Das war und ist eigentlich mein Anliegen hier im Forum.

Und noch einmal, ich zwinge meiner Frau die Tabletten nicht auf, ich reiche sie ihr nur an, und hoffe dass sie diese dann nimmt. Und über meine Frau spreche ich mit dem Neurologen nur, wenn ich beim Rezept holen, vom Neurologen gefragt werde, wie es ihr geht. Die paar Minuten kann ich nicht als Arztgespräch bezeichnen. Alleine habe ich noch nie einen Termin beim Neurologen gehabt.

Medizinischer Seits sind die Ärzte mit ihrem "Latein am Ende". Weder das Epizentrum der Uni Bonn (Von einer OP wird nach eingehender Anamnese abgeraten), noch der Neurologe kann hier weiter helfen denn Angelika ist nicht bereit eine höhere Dosierung  oder andere Tabletten wegen gefürchteter Nebenwirkungen anzunehmen. Das hat sie bei ihrem letzten Besuch dem Neurologen klar gesagt.
mit freundlichen Segensgrüßen
Reinhard Neumann

Muschelschubser

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #24 am: 14. Mai 2018, 21:59:33 »
Hallo Reinhard, stell Deine Frage doch nochmal mit einem anderen Betreff in dieses Unterforum "Speziell für Angehörige und Freunde". Da finden das dann eher die Leute, mit denen Du Dich austauschen möchtest über Deine Erfahrungen.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und bewundere Dich für Deine Leistung.

Viele Grüße von der Muschelschubserin
Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen!

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #25 am: 14. Mai 2018, 22:03:40 »
Reinhard,
wir können es teilweise ahnen, haben ein bestimmtes Vorgefühl
sodass wir wissen wenn ein Anfall naht.
Du siehst es so als würden wir Nichts mitbekommen.
Es gibt unzählige Typen von Anfällen.
Und es gibt auch solche, bei denen man voll anwesend (geistig) ist.

Bei mir z.B. haben sich auch solche Anfälle gezeigt, bei denen ich einfach hinfalle ohne Vorahnung.
Aber gleich danach bin ich wieder voll "handlungsfähig" und stehe auf, mache weiter als wäre nichts gewesen.
Dieses ist mir schon beim Spaziergang mit dem Hund passiert, war aber kein Problem.
Das ist dann so als wäre nichts gewesen (wenn nicht gerade eine Verletzung folgt).

Da meine Freunde wissen dass ich die Krankheit habe
erkennen auch sie oft die einfachen Anfälle.
Was meinst du mit fortschreitenden Erfahrungen?

Meditester
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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #26 am: 14. Mai 2018, 22:39:55 »
Fortschreitende Erfahrungen, wirklich? Da stelle ich mir glaube ich was anderes darunter vor.

Ich hab sogar die Anfänge von den Grand Malen mitbekommen und glaub mir, dass ist kein Spass. Beim komplex fokalen und Absencen bekommt man nichts mit. Da gebe ich dir Recht,  aber bei anderen wie Auren und fokalen, Myoklinen, da musst du mit deinem vollen Bewusstsein durch. Wie lange das andauert, lässt sich ebenso einwandfrei feststellen mit einem Blick auf die Uhr oder sofern grade zuhand das Smartphone mit der Epilepsie App, da kann man auf den großen Button Anfall klicken und schon zählt der die Minuten und Sekunden. Ein Ding der Unmöglichkeit ist das jedenfalls nicht.

Langsam interessiert mich doch, woher du deine Infos beziehst, mit fortschreitenden Kenntnissen hat das jedenfalls nichts zu tun (auch wenn du dich jetzt auf den Schlips getreten fühlst).  Aber so wie es aussieht bzw. du schreibst, möchtest du mit Betroffenen selbst wohl eher nichts zu tun haben. Schade, dass hätte dir evtl. ein Bild von Angelikas (Innen)Welt vermitteln können.

Lg Joy

Reinhard Neumann

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #27 am: 14. Mai 2018, 23:50:38 »
Mit fortschreitender Erfahrung meine ich, dass sich die Auswirkungen mit den Jahren verändert haben.
Ich erinnere mich an die ersten Anfälle die ich bei meiner Frau in den 70er Jahren erlebt habe. Diese waren nur Absencen.
Kurz danach war sie wieder voll da. Wie hätte sie auch sonst eine Ausbildung als Rechtsanwaltsgehilfin machen können. Aber mit den Jahren haben sich die Anfälle verändert. Es kamen GM dazu, mit hinfallen. Damals gab es auch noch Auren, auf die meine Frau reagieren konnte. In dem sie sich sofort hinsetzte oder wenn ich dabei war sagte sie:" Ich glaube ich bekomme einen Anfall." Das ging so lange, bis sie in den 90er Jahren in der Uniklinik Bonn Elektroden unter die Kopfhaut bekam, um Anfälle besser lokalisieren zu können. Ab da gab es keine Auren mehr, und es kam immer wieder zu leichten Verletzungen aus dem Stand, da sie zu der Zeit noch keinen Schutzhelm trug. Da fing es auch an, dass Angelika mit lautstarkem Geschrei die ersten Anfälle einer Serie begleitete und zeitweise verwirrt war und bis heute immer wieder zeitweise verwirrt ist, merkwürdigerweise erst ca. 1 Woche nach der Anfallsserie und dann bis zu 5 Tage hintereinander. Erkennbar an: Wortfindungsstörungen, einfache Rechenaufgaben nicht lösen können, agressives Verhalten ("ich kann mir selber nehmen"!), Müdigkeit (kurze bis lange Schlafphasen am Tag), Unkonzentriertheit, Antriebslosigkeit usw.
Unter welchem Betreff kann man diesen Bericht stellen?
Zeitweise? weil es eben nur Zeitweise so ist.
Geistige? weil es mit dem Denken und Gedächtnis zu tun hat.
Verwirrtheit? Sätze die keinen Sinn ergeben oder Missverständnisse bei Anderen verursachen.
Die fortschreitenden Veränderung überrascht mich nicht, wenn ich daran denke wieviele Anfälle meine Frau in ihrem Leben schon gehabt hat, seit ihrem 12. Lebensjahr. Rechnen wir vereinfacht: 50 Jahre mal 12 Monate mal 5 (niedrigste Anzahl der Anfälle im Monat) = 3 Tausend Anfälle
Für mich und unsere damals zwei Kinder war der schwerste Moment, als Angelika, nach einem Stakato von Anfällen, total verwirrt war und ihre eigenen Kinder und Ehemann nicht mehr erkannte und nach Langenfeld in die Landesklinik eingewiesen wurde. Aber Gott sei Dank war nach vielleicht 2 Monaten, bis auf ein agressives Verhalten, alles wieder "normal". Der zweite Angriff auf unsere Psyche war in der 3. Schwangerschaft. Die Anfälle kamen ungehindert wegen der Schwangerschaftshormone durch, und sie schlug, wenn sie durch einen Anfall zu Boden geworfen war, immer wieder mit dem Kopf auf den Boden, bis der Anfall von alleine aufhörte.
mit freundlichen Segensgrüßen
Reinhard Neumann

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #28 am: 15. Mai 2018, 09:36:40 »
Hallo Reinhard
Also ich merke meine Anfälle auch und muss mit vollen Bewusstsein durch.
Zum Beispiel wenn ich Zuckungen habe und abcencen oder wie das auch immer geschrieben wird.
Und liebe joy
Darf ich dich mal fragen wie du deine Grand Mals mit bekommst ?

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Re: Zeitweise geistige Verwirrtheit
« Antwort #29 am: 15. Mai 2018, 11:36:32 »
Hi Mela,

ich dachte immer, Absencen bekommt man nicht mit von wegen Abwesenheit und so?
Zu den Grand Malen: Ich fange an zu zittern, will ich sprechen, zittere/stottere ich dabei, bis es nicht mehr geht, dann kommt der Speichel und Schaum aus dem Mund inclusive danach ***n und im Anschluss Ohnmacht. Ab da war ich natürlich weg. Augenzeugen zufolge habe ich aber danach noch weitergezuckt. Das ganze ging minimum 20-50 Minuten lang.

@Reinhard,

mit der Anzahl von Anfällen kannst du hier nicht so viele beeindrucken. Ich selbst hatte allein 8 am Tag täglich über Jahrelang, andere haben 100 am Tag über eine sehr lange Zeit...

Lg Joy