Autor Thema: Könnt ihr während Anfällen denken, reflektieren etc? Erfahrungen damit/ dabei  (Gelesen 2565 mal)

kerzchen

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Hallo Fleur, 
Ich bewundere das du das so abgrenzen kannst.  Zwecks Beschreibung und allem... Das beruhigt dich bestimmt auch selbst in deiner Handlungsicherheit oder?
Das mit dem Trinken hab ich schon auch oft versucht aber ich habe das Gefühl das es meine Übelkeitsaura verschlimmert  :o  deswegen mach ich um Trinken einen Bogen  :laugh:
Am "besten" (wobei die Wortwahl nicht treffend ist weil ein Anfall ja nie toll ist.. Also sorry an alle hier für die Wortwahl... Aber ich weiß nicht wie ich es anders sagen soll ??? ) finde ich es wenn man selbst noch Zeit hat zu reagieren und sich in einer Weise AIF das was kommt vorzubereiten innerlich...
Deshalb sind mir wie gesagt Auren und die Anfälle wo ich irgendwie Herr über mich sein kann lieber... Weil da auch oft noch Zeit bleibt...

Ich habe mich nun auch hingelegt weil es nicht mehr geht... Ich fühle mich irgendwie komisch... Schwer zu sagen... Ein Gefühl wie eine Art Schlag durch den Kopf,  dann kommt mirs so vor als kann ich den Kopf nicht mehr halten und er kippt herum wobei ich mich komisch fühle... Aber momentan alles ohne "schwarzes Bild " darum schwer für mich zu analysieren... Es geht zu schnell und man kann nicht reagieren...

CrazyGrisu  hast du auch noch Asthma oder wurde das Spray für die Anfälle gegeben? 
Also lösen auch positive Gedanken Anfälle aus bei dir?

Ich kann irgendwie immer noch nicht 100% sagen was die neuen Anfälle auslöst... Vieles war einmal ein Auslöser und dann nicht mehr... Ist das denn oft so?  Es müsste doch immer so sein?  Oder?

fleur

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Hallo Kerzchen,

Heute lebe ich mit meiner Epilepsie und achte auf ihr Erscheinen.

Die ersten 45 Jahre, in denen ich mit dem Thema Epilepsie direkt konfrontiert war, habe ich mich nicht dafür interessiert. Während dieser Zeit wusste ich nichts von Auren und Absencen. So hab ich mein Verhalten meiner Persönlichkeit zugeschrieben.
Durch einen Medikamentenwechsel hat sich einiges geändert. Ein weiterer Medikamentenwechsel und mein aufkommendes Interesse für das Thema Epilepsie geben mir die Möglichkeit, meine unterschiedlichen Verhaltensweisen zuzuordnen.
Ob Auren, Absencen, Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Es ist bedeutend für mich, auf meinen Körper zu hören.
Wichtig für mich war auch die Fachärztin (Epileptologin), welche meine Epilepsie richtig erkannte.

Ich wünsche dir, dass du deinen Weg findest und denke, dass Alles seine Zeit hat. Für die Erkenntnis, was die Epilepsie für mich bedeutet wurde ich über 50 Jahre alt.

LG
fleur




CrazyGrisu

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Moin Kerzchen & Co  8)

Ich habe nur 5 Krankheiten in mir - inklusive der Epi, die mich schon seit dem 4. Lebensjahr begleitet und ab dem 16. Lebensjahr einschlief.  :jojo:

Ja eine von den 5 ist Asthma. Ausgelöst durch einen NATO-Bunken in dem ich viele Jahre gearbeitet habe. Das Ding wurde beatmet durch überirdische Umluft und die Wände waren verseucht mit Asbest. <- Das haben wir leider erst viele Jahre später erfahren - der Bunker wurde versiegelt und wir wurden ausgesiedelt.

Oft erwische ich mich leider keine Asthmaspray bei mir zu haben. Heute hatte ich erst wieder starke Schmerzen in der Brust beim Atmen.

Das fiel mir urigerweise gar nicht auf - ich war in Gedanken und habe meine neues Lieblingslied andauernd zwischen frisch machen und ankleiden immer auf Wiederholung gedrückt.

Der Spray Salbutomol hilft mir erstaunlich die Hyperventilation zu stimulieren.
Ich muss mich in dem Moment darauf konzentrieren das Japsen nach Luft mit Luft anhalten zu bezwingen, neu Ansaugen als ob ich Anlauf zum Schreien nehmen möchte und dann rein mit dem Zeugs. So 1-3 Stösse.

Der Spray beschleunigt wie irre den Herzschlag macht aber wenig später auch etwas müde.

Die Paniksituation kann ich so unter Kontrolle bringen! Empfehlenswert ??? 8)

Tavor habe ich ausser zum Düngen lange nicht mehr benutzt. Das letzte mal glaub ich im Dienst weil mich einer dekorierter Kollege wieder bis zu Weissglut verbal provoziert hatte.

Da nahm ich dann um meine alten Anfallserfahrungen und Paniken (Emotionen) einzuschläfern 2,5 mg Tavor.

Ich sagte meine Kollegen für die nächste Stunde bin ich erst mal nicht Arbeitsfähig und setzte mich in die gemütliche Ecke (Pausensitzecke).

Ich merke wie ich flach atmete, zwar irgendwie da war - aber ein bisschen wie Taub.

Ein Kollege mit dem ich seit 2008 zusammen arbeiten muss ... wir sind moralisch Spinne Feind beobachtete mich in  :tröst: Sorge dass mehr passiert - eine Bewusstlosigkeit - ein Anfall.

Am nächsten Tag bin ich hin zu ihm und sagte "Danke" .  :-*

Es tat mir gut nicht gaaanz alleine zu sein. Ich arbeite seit dem 20.11.1997 11:00 Uhr als Telefonist für das Land Schleswig-Holstein und seit Freitag den 13.03.2015 13:13 Uhr  :eatfish: zusätzlich ebenso als "Telefonvermittler" *bescheuertes Wort* für die Landespolizei.

Der Stressfaktor am Telefon ist irre hoch. Schnelle Dialoge ziehen, gezielte Fragen und präzise Verbindungen zu 54.000 Anschlüssen der Landesregierung und den 8.000 der Landespolizei.

Zusätzlich mit definieren persönlicher E-Mail-Adressen und (Bildschirm-)Faxnummern, Anschriften abgleichen und ergänzen.

Die Arbeit empfindet mein Körper (die Epilepsie) als positiven Stress. Die fast 10,5 Stunden die ich täglich beim Land zurück gelegt habe waren wunderschön.  :dance:

Mit Wechsel durch Zusammenlegung zur Landespolizei war das schöne Leben vorbei.
Ab dem 15.04.2015 wurde ich zunehmend krank um einen Rückfall meiner alten Anfälle auszugrenzen!

Die Firma hat sich nicht für meine Epilepsie und die anderen Krankheiten interessiert!
Wenn das Bein morgens nicht astrein funktionierte bin ich auch nicht aus dem Haus gegangen.

Seit dem 13.08.2011 habe ich keinen Anfall mehr gehabt; aber die Auslöserpaniken sind immer noch oft in Erinnerung. Dann muss ich mich schnell ablenken!  :luftguck:

Erst heute Nachmittag gab es wieder verbalen Streit mit Mama (ihre Ansichten gegen meine Empfindungen) ... oft läuft es nur auf das eine hinaus ... früher Anfälle heutzutage der verstärkte Wunsch nicht zu streiten.

Es ist nichts passiert in Sachen, Auren oder Anfälle - aber sie rafft es nicht dass sie mit solchen Provokatoren eine Rückfälligkeit und Aktivierung der ruhenden Epilepsie hervor rufen kann!

Meine Freundin hat auch Epilepsie mit umstellungsfreien THS trotzdem oft Anfälle.
Ich lasse sie auskrampfen ohne Tavor zu geben. Das war mit ihrem +Vater+ so vereinbart.

Sie bekommt weder ihre Anfälle noch mit noch weiss sie was danach war, leider hat sie auch emense Orientierungsausfälle, die Farberkennung hat einen Knall und das geistige Erfassen auf Ansage in welchem Ort man ist: Hamburg, Neumünster, Kiel, Paris, London ... kommt oft High und megagrinsend die Antwort mit viel Verzögerung "Bei Dir!"  ;D

Eingetrübt im Wachzustand ist sie locker bis zu 50 Minuten.

1x musste ich sie überreden einen Bonscher (1,0er Tavor) zu essen weil sie auf ihrem Anfall nicht raus kam. Nix mit Wangentasche und so ... ich brach die Tavor durch zeigte ihr wie ich den Bonscher in den Mund nahm und rum scherzte mit auf die Zunge legen, Mund zu und Mund wieder auf - sie wollte dann auch den Bonscher weil sie es lustig fand. :)  :eatfish:

Ich bin mit Tavor vertraut und die 1,0er schadet mir nicht. Unser Neurologe musste selber mit "Interessant" schmunzeln.  :-)))

Sooo... Ausschweifung ENDE :) Ihr seid wieder dran!  :jojo:
Meine aktuellen Epi-Medis seit 21.01.2013
Morgens: 750mg UCB Levetiracetam + 125mg GSK Lamictal
Mittags: 125mg GSK Lamictal
Abends: 750mg UCB Levetiracetam

Gewicht: 78,0 kg seit 01.05.2018 18:00 Uhr