Autor Thema: Neurologe oder Epileptologe, was ist besser?  (Gelesen 1055 mal)

Joy

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Neurologe oder Epileptologe, was ist besser?
« am: 16. Juni 2018, 12:04:37 »
Hi ihr,

hab mich grad etwas mit jemanden rumgestresst.

Es ging darum, dass ich jemand empfohlen habe, in ein Epilepsiezentrum zu gehen und besser einen Epileptologen, statt Neurologen aufzusuchen. Da die auf Epilepsie spezialisiert sind und sich nochmal etwas mehr auskennen, als Neurologen. Hab mich vielleicht etwas falsch ausgedrückt, dass Neurologen weniger Ahnung haben und dass diese Erfahrung auch schon einige andere gemacht haben etc., aber der andere hat sich voll drauf aufgehangen meinte, stimmt ja gar nicht, ich hab einfach nur Pech gehabt, bewerte meine schlechten Erfahrungen über (das mit den anderen hat er wohl überlesen ???). Es sei wenig zielführend einen Epileptologen als Ersatz für einen Neurologen auffahren zu lassen, da die Mangelware sein und ich mit dem fachspezifischen ja den Blick für die ganzheitlichen Betrachtungen verliere bzw. gar nicht erst besitze. Auf die Fragen, ob er den Unterschied "live" kennt, überhaupt Epilepsie hat, hat er gar nicht erst geantwortet.

Also wollte ich euch mal fragen, findet ihr einen Neurologen oder Epileptologen/Epizentrum (unabhängig von Wartezeit/Verfügbarkeit) bessser? Oder könnt ihr mich hier noch klüger machen, kann ja auch sein.

Danke für Antworten

lg Joy

Muschelschubser

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Re: Neurologe oder Epileptologe, was ist besser?
« Antwort #1 am: 16. Juni 2018, 22:57:59 »
Hallo Joy,

aus meiner Sicht ist ein Spezialist, also ein zertifizierter Epileptologe, besser als ein Feld-Wald-und-Wiesen-Neurologe, ganz klar. Jemand, der sich mit Epi auskennt und das auch nachweisen muss.

Wichtig: nie was absolut setzen  8) wir sind doch hier nur Betroffene, die sich mit anderen Betroffenen austauschen.

Solidarische Grüße von der Muschelschubserin
Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen!

aldente111

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Re: Neurologe oder Epileptologe, was ist besser?
« Antwort #2 am: 16. Juni 2018, 23:44:33 »
Hallo Joy.

Auch von mir ganz klar: Epizentrum bzw Spezi für Epi.
Neurologen müssen den ganzen anderen Kram eben auch bedienen wie MS, Parkinson etc.

Unser damaliger Neuro meinte auch später von sich aus, das man in einem Epizentrum besser aufgehoben wäre, weil er eben nicht darauf spezialisiert ist. Das fand ich sehr fair. Viele haben diese Grösse nicht, das zu sagen.

Vg

aldente111

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Re: Neurologe oder Epileptologe, was ist besser?
« Antwort #3 am: 16. Juni 2018, 23:49:22 »
Neurologen sind fpr mich die Hausärzte fürs Gehirn. Erst mit der Spezialisierung wird es ja erst wirklich gut. Man muss ja die Zeit haben, stetig am Ball zu bleiben mit Forschung und Co. Das geht eben nicht so gut als Eierlegendewollmilchsau.

Meditester

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Re: Neurologe oder Epileptologe, was ist besser?
« Antwort #4 am: 18. Juni 2018, 12:24:10 »

Hallo!

Auch Neurologen haben ihre Daseinsberechtigung.
Vielen helfen sie weiter. Selbst bei ihnen sind lange Wartezeiten bekannt.
Jedoch stellte auch ich fest, dass sie meist besser auf beim Gebiet von Depressionen u.a. ihr Wissen haben.
So direkt hinein versetzen in mich als Patient mit Epilepsie
konnte mein damaliger Neuro dies nicht.
Da waren meist nur 10 Minuten Gespräch
und bei Nichterfolg von Medi einfach Rezept für ein Anderes ausstellen.

Speziell auf Epi geschulte Ärzte verstehen uns da wohl besser.
Und sind auch die Untersuchungen bei ihnen bzw. in den Kliniken fü Epi besser.

Meditester
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Amazönchen

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Re: Neurologe oder Epileptologe, was ist besser?
« Antwort #5 am: 19. Juni 2018, 18:49:10 »
Meine Empfehlung ist auch: Epi-Zentrum / Epi-Ambulanz / Epileptologe.

Ich hatte zuerst meinen Epi-Doc und dann später musste ich einen normalen Neuro noch suchen. Dort versuchte ich mich fast zu entschuldigen, dass ich betr. Epi bereits einen Arzt habe. Der Doc unterbrach mich und sagte freundlich, dass ich bei den Spezialisten bleiben soll. Dort gehöre ich mit der Epi hin. Dass die drauskommen  - Er sei "froh", wenn ich dort bleibe.

Es gibt aber sicher auch sehr gute allg. Neurologen, die sich auf dem Laufenden halten und eng mit Epileptologen zusammenarbeiten. Damit meine ich: Wenn eine Person in einer Klinik in Behandlung ist, aber sehr weit davon weg wohnt. Und dann sollte z.B. ein Medi gewechselt werden. Dass dies ambulant bei einem allgemeinen Neurologen gemacht werden kann, weil dieser allgemein-Neuro wiederum gut mit der Epi-Klinik interdisziplinär arbeiten kann. Und selbst kann man gut mit dem Neuro reden.
Rechtschreibfehler sind gewollt und dienen lediglich der Belustigung der Foren-Teilnehmer

Viola M

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Re: Neurologe oder Epileptologe, was ist besser?
« Antwort #6 am: 20. Juni 2018, 17:31:16 »
Ich kann auch nur Epileptologen/Epi-Zentrum/-Ambulanz empfehlen.
Mir geht es so, wie Amazönchen beschrieben hat: mein Epileptologe/Epizentrum ist über 800km entfernt, ich fahre/fliege regelmäßig zu diesem Arzt und der niedergelassene Neurologe verschreibt mir alles. Der niedergelassene Neurologe und ein anderer Fach-Neurologe für MS würden sich nie in die Epi-Therapien einmischen und befürworten immer wieder, dass ich zu meinem Epileptologen fahre/fliege, da dieser mich sehr lange kennt und führend in Deutschland ist. Das Arzt-Patienten-Arzt-Verhältnis ist natürlich auch sehr wichtig, nur so kann man sehr viel Vertrauen haben, was in der Neurologie ja bekannterweise sehr wichtig ist!

D.e.n.d.r.i.t

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Re: Neurologe oder Epileptologe, was ist besser?
« Antwort #7 am: 22. Juni 2018, 01:19:46 »
Hi!


Es gibt nur Neurologen. Zertifizierte Neurologen dürfen sich "Epileptologen" nennen. Allerdings gibt es da auch wieder Unterschiede: ältere Neurologen, die das Zertifikat erwarben, dürfen sich zwar so nennen, aber sie sind nicht verpflichtet, sich weiter zu bilden. Die Neurologen, die nach 2012 das Zertifikat erwarben, können sich nur solange "Epileptologen" nennen, solange sie Tagungen und Schulungen besuchen und durch die Teilnahme eine gewisse Punktzahl jährlich erreichen (siehe: http://www.dgfe.org/cweb2/cgi-bin-noauth/cache/VAL_BLOB/3861/3861/959/Zertifikatsregelung%202012-Ende.pdf).


So kann man davon schließen, dass ein alter Epileptologe nicht unbedingt auf dem neuesten Stand ist, jüngere Ärzte schon.


Eine zeitlang wurde das "neue" Zertifikat "Epilepsie Plus" benannt und einige ältere Epileptologen erwarben das auch, heisst, sie sind auch auf den neuesten Stand. Wie schon erwähnt, gibt es aber durchaus Neurologen ohne Zertifikat, die sich weiterbilden. Es ist mittlerweile also schwierig, einen Facharzt in Epilepsie zu finden.


Man kann aber ja auch direkt einen Neurologen fragen, ob er ein Spezialist in Sachen Epilepsie ist und sich weiter fortbildet. Oder indirekt "testen": eines der neuesten (zugelassenen) Wirkstoffe heraussuchen und danach fragen, ob das für einen etwas ist und wenn nicht, warum. Kennt er es nicht und/oder kann es nicht erklären, ist er kein Spezialist.


Ansonsten zur Abklärung steht an erster Stelle ein Klinikaufenthalt, sei es ambulant oder stationär. Dort gibt es viele (bildgebende) Geräte, die zur genauen Diagnostizierung zurate gezogen werden. Eine Weiterbehandlung hängt von der Klinik ab: manche sind Epilepsiezentren, wo es besonders für schwierige Fälle möglich ist. Andere Kliniken haben lediglich eine Epilepsiestation, wo meist der Chef-/Stationsarzt ein Epileptologe ist, aber seine Assistenzärzte nicht. Auf Station müssen die Assistenzärzte mit dem Stationsarzt die Befunde durchgehen, in einer Ambulanz nicht.


Beispiel: ich war zur genauen Diagnostizierung bei einem Klinikum mit einer Epilepsiestation, woher ich den Epileptologen kannte. Ich kannte seine Einstellung zur Forschung und was ihm wichtig ist. Danach konnte ich als Kassenpatient nicht mehr von ihm ambulant behandelt werden, nur in der Ambulanz von den Assistenzärzten. Einer kam mir total quer, was mich erst mal sprachlos machte und erwähnte dann, wie sein Chef - ein renomierter Epileptologe - die Sache sieht. Er war nicht abzubringen (der Gott-in-Weiß-Typ). Ich mailte dem Chef und legte ihm die Sache dar. "Natürlich" bekam ich Recht und bei meinem nächsten Termin bekam ich einen anderen Assistenzarzt.


LG, Dendrit
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Joy

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Re: Neurologe oder Epileptologe, was ist besser?
« Antwort #8 am: 22. Juni 2018, 14:41:26 »
Danke für die zahlreichen Beiträge. Und dir Dendrit, für die Erklärung, wieder etwas schlauer geworden. :-)

Zum Glück bin ich auch beim Epileptologen, der ist nicht weit weg. Aber Terminlich, naja. Auf den nächsten darf ich insgesamt fünf Monate warten, da telefoniere ich meistens.

lg Joy

D.e.n.d.r.i.t

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Re: Neurologe oder Epileptologe, was ist besser?
« Antwort #9 am: 22. Juni 2018, 23:05:45 »
@ Joy


Zitat
Zum Glück bin ich auch beim Epileptologen, der ist nicht weit weg.


Find ich echt toll, direkt beneidenswert - auch wenn die Wartezeit so lang ist. Im Umkreis von 100 km komme ich an einen als Kassenpatient nicht ran, die anderen sind 600-900 km entfernt. Die vermiss ich so  :´-(  - wir hatten einen Gedankengang und Interessen. Mit dem jetzigen bin ich halt zufrieden, er spricht sich notfalls mit einem Epileptologen ab, das wiederum ist für mich schon sehr wichtig.


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Re: Neurologe oder Epileptologe, was ist besser?
« Antwort #10 am: 22. Juni 2018, 23:22:11 »
@Dendrit,

nicht weit weg heißt bei mir circa 45 Minuten fahren. Das ist das Großstadtglück, man hat alles was man braucht. *freuemich*

Lg Joy