Autor Thema: Chemielehrerin mit Epilepsie  (Gelesen 995 mal)

Alissa

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Chemielehrerin mit Epilepsie
« am: 28. Juni 2018, 10:39:31 »
Hallo alle zusammen,

ich habe mir schon ein paar Foreneinträge meine Frage betreffend angeschaut, jedoch bin ich nicht auf das richtige gestoßen, deswegen probiere ich es auf diesem Wege. Über Antworten würde ich mich sehr freuen.

Ich habe die Möglichkeit dieses Jahr als Seiteneinsteigerin ins Referendariat zu gehen, als Lehrerin für die Klassen 7 bis 10.
Nun naht der Termin beim Gesundheitsamt. Zu meiner Epilepsie, ich bin seit 3 Jahren komplett anfallsfrei, seitdem ich Leviteracetam nehme, zuvor habe ich 1 1/2 Jahre GrandMal Anfälle gehabt, damals habe ich Lamotrigin genommen. Eine Epilepsie ist nachgewiesen. Auto fahren wurde mir wieder erlaubt und ich gehe sehr verantwortungsbewusst mit meinem Tag- Nachtrhytmus um und der Medikamenteneinnahme natürlich auch, Alkohol trinke ich auch nicht. Ich bin sehr bemüht alles richtig zu machen, bzw. alles was in meiner Macht steht um Anfälle zu vermeiden. Mit Unterstützung des neuen Medikaments ist es auch möglich, Nebenwirkungen habe ich keine, die mich stören. Alles im allen kann ich sehr zufrieden sein, das bin ich auch.

Meine doch zunehmenden werdende Angst ist es, dass ich das Fach Chemie nicht unterrichten darf, wegen Chemikalien im Labor, offenes Feuer. Zum anderen könnte mir unterstellt werden, dass ich während eines Anfalls meiner Aufsichtspflicht nicht nachkommen kann und deshalb die Schüler gefährde.

Für mich spricht, dass ich unter dem "neuen" Medikament eine 100 prozentige Anfallsfreiheit erreichen konnte, bereits 3 Jahre. Anfälle, die davor stattgefunden haben, waren zudem immer in den Abendstunden (da wäre man ja auch nicht in der Schule).

Ich würde mich sehr über eine Rückmeldung, gern auch von anderen (Chemie) Lehrern freuen. Vielen Dank im Voraus und allen alles Gute

Alissa

yossarian

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Re: Chemielehrerin mit Epilepsie
« Antwort #1 am: 28. Juni 2018, 16:20:37 »
Hallo Larissa,

herzlich willkommen bei uns im Forum. Ich vergleiche Epilepsie gerne mit der Alkoholkrankheit. Allerdings nur, weil beide Erkrankungen nicht heilbar sind. Beim Alkoholkranken kommt es zum Rezidiv, sobald er wieder Alkohol trinkt. Dann beginnt das Elend von vorne. Der Epilepsiekranke kann symptomfrei sein, die Epilepsie bleibt. Nur in wenigen Fällen, zum Beispiel bei der Rolando-Epilepsie bei Kindern soll sie "ausheilen". So meine Einstellung und aus der Sicht des an Epilepsie erkrankten medizinischen Laien.

Sollte es eine Bewerbung sein, müsstest Du die Erkrankung nicht erwähnen, solange Du nicht gefragt wirst. Obwohl sich bei der bevorstehenden Tätigkeit die Frage stellt, ob Du Deiner Aufsichtspflicht als Lehrerin stets nachkommen kannst.  Und hier sagt der Gesetzgeber: Wenn der Bewerber von Beginn an weiß, dass er die Arbeit nicht ausführen kann, muss er es sagen. Beispiel: Du würdest dich als Dachdecker bewerben. Aus meiner Sicht selbst bei einem Anfallsfreien ein Risiko, auch wegen der Nebenwirkungen der Medikamente.

Du bist allerdings schon einen Schritt weiter, es geht um die Gesundheitsuntersuchung. Dort wird ein Gespräch über alles Mögliche geführt, auch nach der aktuellen Medikation wird gefragt. Wenn der Arzt die sieht, weiß er sofort Bescheid. Du sprichst von 3 Jahren Anfallsfreiheit. Ich gehe davon aus, dass Du in den letzten Jahren regelmäßig beim Neurologen gewesen bist und dass hin und wieder ein EEG geschrieben worden ist. Den Neurologen solltest Du auf jeden Fall über die bevorstehende Untersuchung informieren. Noch besser: Er schreibt, dass Du regelmäßig bei ihm gewesen bist und bestätigt in Schriftform die Untersuchungsergebnisse.

Ich bin der Meinung, dass der Zeitpunkt die Chance für dich ist. Es fehlen an alllen Ecken und Enden Lehrer. Sie werden händeringend gesucht. Aus dem Grund ist wichtig, dich richtig vorzustellen. Es wird auf einen Zeitvertrag hinauslaufen, also für die Behörde kein Risiko. Während dieser Zeit kannst du beweisen, was Du drauf hast.

Ich bin der Meinung, Du kannst nur mit aller Offenheit in diesen Job kommen. Ich weiß, dass man heutzutage auffällt, wenn kein Alkohol getrunken wird. Genauso ist es mit der Einhaltung des Schlaf-/Wachrhythmus. Hast Du einen Schwerbehindertenausweis (SBA)?

Liebe Grüße

PS.: Ich finde, Du solltest das mit der Epilepsie nicht zu sehr in den Vordergrund stellen. Wenn Du sagst, dass Du jetzt nach Einnahme des richtigen Medikaments endlich anfallsfrei bist, klingt es wie nach einem langen Leidensweg, den Du jetzt beenden konntest. Wenn Du dir z. B. vor 3 Jahren das Bein gebrochen hättest und alles in Ordnung wäre, würdest Du darüber gar nicht mehr reden. Genauso wäre es mit anderen Krankheiten. Ich würde nicht sagen, wie lange Anfallsfreiheit besteht und so tun, als wäre es immer so gewesen. Nur wenn ich gefragt würde, würde ich sagen. Du solltest dich nicht zuviel entschuldigen und schon gar nicht argumentieren, wie gut Du es mit der Epilepsie im Griff hast.
« Letzte Änderung: 28. Juni 2018, 16:43:50 von yossarian »

Muschelschubser

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Re: Chemielehrerin mit Epilepsie
« Antwort #2 am: 28. Juni 2018, 17:07:51 »
Hallo Larissa, in welchem Bundesland bewirbst Du Dich? Wenn es Bayern oder Hessen ist, gibt es Beratungsstellen für Epilepsiepatienten, in den meisten anderen Bundesländern noch nicht.

Aber Du könntest Dich an das Netzwerk Epilepsie und Arbeit wenden (NEA, www.epilepsie-arbeit.de) und beraten lassen.

Viel Erfolg!  Ich finde das meiste gut, was Yossarian schreibt.

Liebe Grüße von der Muschelschubserin
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Re: Chemielehrerin mit Epilepsie
« Antwort #3 am: 28. Juni 2018, 19:23:12 »

Hallo!

Ich habe habe mich mal im Kollegium erkundigt und folgendes kam dabei heraus:

Wärst du bereits beamtet, müsstest du mindestens drei Monate anfallfrei sein um unterrichten zu können.

Dein Problem wird der Gesundheitscheck sein, den jeder vor dem Dienstantritt absolvieren muss.
Dort werden ziemlich strenge und teils auch veraltete Maßstäbe angesetzt.

Hier ein besonders albernes Beispiel:

An der Förderschule meiner Tochter bin ich als Elternvertreterin bei den Einstellungen dabei.
Wir hatten uns für eine Bewerberin entschieden, sie hat zugesagt… so weit so gut.
Das Happy End verschob sich aber um drei Wochen, weil die Bewerberin übergewichtig war.
Der zuständige Arzt war erst unschlüssig, ob das ein Problem darstellen würde …

Du merkst, manchmal vergaloppiert sich der Amtsschimmel ziemlich, aber wenn es um Beamtenstatus geht, nehmen die das extrem genau.

Diese Sache ging ( natürlich) gut aus, aber die Verzögerung war ziemlich ärgerlich.

Was ich dir damit sagen möchte:

Nutze deine Chance! Schreibe eine tolle Bewerbung und versuche es!
Erwähne aber unbedingt auch die Epilepsie ( natürlich mit Vermerk wie lange du keinen Anfall mehr hattest )
Wenn sie dich dann nehmen, brauchst du nicht zu befürchten, die Fachlehrerausbildung umsonst gemacht zu haben.

Von meiner Seite aus viel Glück und Erfolg!!!
Lehrer brauchen wir in der Tat und zwar jede Menge ;)


Liebe Grüße
Önki
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Önki

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Re: Chemielehrerin mit Epilepsie
« Antwort #4 am: 28. Juni 2018, 19:32:21 »

Entschuldige, ich hätte da wohl etwas überlesen.
( war ein langer Tag)
Du hast deine Zusage für die Ausbildung zum Fachlehrer schon?
Hattest du die Epilepsie in der Bewerbung erwähnt?
Im Zweifelsfall kannst du dich bestimmt auch direkt in Arnsberg erkundigen...
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Alissa

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Re: Chemielehrerin mit Epilepsie
« Antwort #5 am: 01. Juli 2018, 09:05:26 »
Hallo Önki, Muschelschubser und Yossarin,

vielen Dank für eure Antworten und beruhigenden Worte. Letztendlich kann ich nur Abwarten was das Gesundheitsamt sagt, bis dahin, versuche ich die Zeit des Wartens zu überbrücken, ohne mich total verrückt zu machen. Es hilft in jedem Fall aber ein paar Mut machende Worte zu hören, also danke dafür:)
Eine eigene Überlegung hatte ich aber noch angestellt un zwar ist ja auch das fahren eines PKWs daran gebunden, dass man 1 Jahr anfallsfrei ist. Ein Gesetz dafür gibt es nicht, aber  das ist ja die Empfehlung des Neurologen. Folglich es wird beurteilt nach Symptomatik und nicht nach Diagnose. Das wird evtl. auch von Amtsarzt ebenfalls so gesehen und 3 Jahre Symptomfreiheit kann man nicht einfach ignorieren. Nebenwirkungen von dem Medikament habe ich auch keine.

In dem Gespräch habe ich nicht vor die Krankheit in den Vordergrund zu stellen, im Vorstellungsgespräch wurde ich nicht gefragt, ich glaube, dass die Frage auch nicht erlaubt ist. Auf Nachfrage würde ich aber wahrheitsgemäß antworten, um authentisch zu bleiben und damit bin ich meistens gut gefahren. Unterlagen vom Neurologen nehme ich auch mit, die sind nur noch nicht erstellt, hoffe dass mein Neurologe selbst nicht zu kritisch ist und mir ein gutes "Zeugnis" erstellt:) Kontrolluntersuchungen sind aber regelmäßig erfolgt.

Vielen Dank und euch alles Gute

ALISSA!

Muschelschubser

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Re: Chemielehrerin mit Epilepsie
« Antwort #6 am: 01. Juli 2018, 23:13:59 »
Hallo Alissa, hier ist die Führerscheinfrage übersichtlich aufgedröselt:

http://www.epilepsie-vereinigung.de/wp-content/uploads/2017/04/epi_flyer_fuehrerschein_0417-LOW.pdf

Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute! Vielleicht antworten ja doch noch andere Lehrer/Lehramtskandidaten ...? 
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