Autor Thema: Status Unterschied Anfallsserie? Gibt's da Unterschiede?  (Gelesen 2650 mal)

kerzchen

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Re: Status Unterschied Anfallsserie? Gibt's da Unterschiede?
« Antwort #15 am: 07. August 2018, 22:03:04 »
Hallo Amazönchen :)
Ich finde es toll wie du das so abgrenzen kannst.. Ich bin mir da immer nicht so ganz sicher...
Meine laufen so ab
Entweder die Sekunden Anfälle die ich mit dem komische Gefühl im Kopf, schwanken manchmal, nichts mehr denken können und absinken der Körperteile hab. Dabei ist es nir ganz ganz kurz wie Blinzeln das ich das Gefühl habe nichts mehr zu sehen.

Bei den andren dämmere ich langsam weg, es wird schwarz ich höre dabei jedoch noch was um mich passiert. Ich spüre manchmal auch das ich Sachen mache, wie als ich z.b. langsam nach hinten neigte mit dem Oberkörper. Oder das Gesicht komisch verzog... es fühlte sich so an... Jedoch konnte ich nichts sehen, war weggedämmert. Ohne Zeitgefühl... :weirdo:
Manchmal hab ich jedoch auch komplett filmriss... Jedoch auf das Gedächtnis bezogen und das erleben...ich habe Dinge nicht mitbekommen, erinnere mich nicht daran, hab aber keine Erinnerung an eine Lücke inform eines “schwarzen Loches“

Ich denke beides ist irgendwie komplex fokal? Wäre sowas möglich mit den verschiedenen graden der umdämmerung
?
Viele grüße:)

Amazönchen

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Re: Status Unterschied Anfallsserie? Gibt's da Unterschiede?
« Antwort #16 am: 08. August 2018, 18:34:13 »
Buch 3, Seite 10

http://www.diakonie-kork.de/de/diagnostik-behandlung/Links/Epi-Info/Broschuere-Epi-Infos_Band-3_Anfallsformen.pdf


http://www.diakonie-kork.de/de/diagnostik-behandlung/Links/Epi-Info.php

Ein komplexer Anfall ist (bei mir und bei meine Doc) definiert, wenn eine Gedächtnislücke zwingend existiert. Ansonsten läuft es unter fokalen Anfall.
Ich habe ja meine "schubladisiert". Sollte eine neue fokale Art dazukommen, würde es im Anfallskalender ein anderes Symbol geben, obwohl es einfach eine andere Art eines einfach-fokalen Anfalles wäre.

Wichtig ist, dass Du und Dein Doc wissen, von was Du sprichst. Dass er weiss, wie Du welche Anfälle wie nennst.

Rechtschreibfehler sind gewollt und dienen lediglich der Belustigung der Foren-Teilnehmer

kerzchen

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Re: Status Unterschied Anfallsserie? Gibt's da Unterschiede?
« Antwort #17 am: 08. August 2018, 19:16:38 »
Danke für die interessanten links :)

Ich hab dem neuro gesagt wie es sich anfühlt wenn ich die Anfälle hab. Er sagte weil ich den Faden verlier und auch oft so komisch höre, komisch im Kopf fühle das es dann Komplexe fokale Anfälle seien. Auch weil ich dabei innehalten muss oder unsicher werde...
Aber was mir aufgefallen ist, man liest von Artikel zu Artikel oft andere Definitionen von komplex fokalen Anfälle...
Manchmal steht drin das komplex fokale Anfälle auch definiert werden wenn nur leicht eingedämmertes Bewusstsein ist man aber noch keine Lücken hat...  warum steht das so verschieden und wie soll man da noch durchblicken?  ??? ::) ;)

Danke für deine Mühe mit den Links :)  :tröst:
Viele grüße :)

D.e.n.d.r.i.t

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Re: Status Unterschied Anfallsserie? Gibt's da Unterschiede?
« Antwort #18 am: 10. August 2018, 02:21:49 »
Hallo Dendrit :)
Jetzt muss ich doch noch mal fragen  ??? ::)
Sind die Anfälle kurz bei dir oder Staten/Serien was auch immer..?  ??? ::)

Viele grüße kerzchen




Hallo Kerzchen,


als ich in einer Klinik war und im Arztbrief vom non-konvulsiven Status (also Absencen) berichtet wurde, kam ich schon ins volle Bewusstsein - denn ich unterhielt mich bei der Visite mit der Ärztin, wenngleich es auch schwer fiel. Wie also eine Absencen-Serie aussieht, weiß ich nicht. Muss ich mal meinen Neuro fragen.


Meine Absencen sind ein paar Sekunden - je kürzer, desto weniger bemerke ich sie. Das merkt meine Schw. bei mir beim Reden und seltsamerweise ein Mitpatient - die Pupillen weiten sich bei einer Absence und das fiel ihm auf. Um das zu sehen, muss man einen geschulten Blick haben und der Abstand zwischen der anderen Person sehr nah. Ansonsten sieht man's nur im EEG.


Meine längste bemerkte Absence war ca. 3 Minuten: an einer Station bei der Tram wollte ich aussteigen und drückte den Halteknopf, ausgestiegen bin ich aber erst in der nächsten Station - und die war 3 Min. entfernt.


Wenn ich für mich allein bin, kann es sein, dass ich auch lange Absencen nicht bemerke. Prinzipiell fallen sie mir beim Reden auf oder wenn ich einen Text eingebe und beim Kontrollieren Flüchtigkeitsfehler auftreten.


LG, Manuela
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Re: Status Unterschied Anfallsserie? Gibt's da Unterschiede?
« Antwort #19 am: 10. August 2018, 12:06:25 »
Hallo Dendrit :)

danke für deine Antwort :)

Zitat
als ich in einer Klinik war und im Arztbrief vom non-konvulsiven Status (also Absencen) berichtet wurde, kam ich schon ins volle Bewusstsein - denn ich unterhielt mich bei der Visite mit der Ärztin, wenngleich es auch schwer fiel. Wie also eine Absencen-Serie aussieht, weiß ich nicht. Muss ich mal meinen Neuro fragen.

   Also ist man selbst bei einem Absence Status in der Lage zu reden/antworten etc?  :o In gewisser Weise also nur umdännert sozusagen?


Meine Anfälle sind auch immer eher kurz, wie gesagt 1-3 Sekunden maximal..so lange dauert das komische Gefühl im Kopf...
Es kam auch schon einmal "länger" vor, dahingehend setze ich es in Anführungszeichen, weil man vielleicht schmunzeln könnte wegen der Dauer von 1-1,5 Minuten, was ja für euch bestimmt nicht lang ist...
Aber:
Das Problem war, das die Zustände mit  dem komsichen Gefühl im Kopf, absacken in dem Falle damals von Kopf und Kiefer  immer und immer wieder schnell und in dieser Zeit von 1-1,5 Minuten gedrängt hintereinander kamen... ich war Gefühlt lange nicht mehr "klar im Kopf" . Auch wenn es in dieser HInsicht kein klasschischer Status bzw eine Serie von bspw 10, 20 Minuten oder so war...
Es war anders in diesem Moment. Ich kenne die genannten Anfälle nur einmalig kurz. Dann ist es vorbei. So lange und gedrängt kannte ich es nicht, deswegen definiere ich es auch anders...


D.e.n.d.r.i.t

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Re: Status Unterschied Anfallsserie? Gibt's da Unterschiede?
« Antwort #20 am: 10. August 2018, 19:00:44 »
Zitat
   Also ist man selbst bei einem Absence Status in der Lage zu reden/antworten etc?  :o In gewisser Weise also nur umdännert sozusagen?


Ich weiß bloß noch, dass ich x-mal nachfragte. Praktisch solange fragte, bis ich das Gesagte verstanden habe. Dann muss man ja noch die Antwort aussprechen, aber zwischendrin muss man ja auch nachdenken, um zu wissen, was man sagen möchte.


LG, Dendrit
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Re: Status Unterschied Anfallsserie? Gibt's da Unterschiede?
« Antwort #21 am: 10. August 2018, 19:07:31 »
Stimmt...
Wie waren denn deine Pupillen dabei?
Mir wurde gesagt als man mich während des Aussetzers einmal beobachten konnte, das meine Pupillen erst normal klein waren und als der Aussetzer kam ganz schnell hin und her gingen und etwas weiter wurden (kaum sichtbar) und dann wieder normal klein..
Manchmal drehen sie sich auch nach oben weg..

Kann man das schlecht sehen weil es so schnell geht? Oder weil es vielleicht nicht ganz generalisiert?

D.e.n.d.r.i.t

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Re: Status Unterschied Anfallsserie? Gibt's da Unterschiede?
« Antwort #22 am: 11. August 2018, 00:37:50 »
Zitat
Wie waren denn deine Pupillen dabei?


Als Kind schaute ich offenbar nach oben, als Erwachsene hab ich offensichtlich keine Ausrichtung - wo halt der letzte Blick war. Der Mitpatient berichtete nur, dass sie größer und kleiner wurden, aber von einer Bewegung hat er nichts erzählt. Ansonsten sitz ich zu weit vom Doc weg (Schreibtisch dazwischen), dass er das nicht sieht. Mittlerweile bei der Visite - falls sie überhaupt noch von Zimmer-zu-Zimmer gehen, stehen sie am Bettende, also auch zu weit weg. Damals war die Ärztin bei der Visite so eine gute Elle entfernt. Das scheint der "passende" Abstand zu sein. Das war auch zwischen dem Mitpatienten und mir (die Tische in dem Café waren so klein, normalerweise hab ich auch einen größeren Abstand zu meinen Mitmenschen).


Gute Nacht!


Dendrit
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Re: Status Unterschied Anfallsserie? Gibt's da Unterschiede?
« Antwort #23 am: 11. August 2018, 01:09:24 »

Zitat
Als Kind schaute ich offenbar nach oben

Fällt mir grad ein: Einige Epileptologen vermuten, dass bei der Geschichte vom Hans-Guck-in-die-Luft eine typische Absence beschrieben wird: nach oben starren, ohne Reaktion äußerer Einflüsse geradeaus weitergehen und so schließlich ins Gewässer. Wäre er - nach der Theorie der Epileptologen - vorher ins Bewusstsein gekommen, wäre er ja stehen geblieben und nicht ins Wasser gefallen.
Zitat
Absencen sind kurze Bewusstseinspausen. Sie wurden in der Literatur im Struwwelpeter in Form des "Hans guck in die Luft" beschrieben: Der Blick wird leer, vereinzelt wird der Kopf zurückgeneigt, die Lider blinzeln im Takt von 3/sec, die Kinder sind für die Dauer des Anfalls bewusstlos, können jedoch automatische Dinge (Radfahren, Laufen ...)weiter ausführen oder halten kurz inne. Ohne Übergang wird die angefangene Tätigkeit wieder aufgenommen. Der Anfall dauert meist nur sehr kurz und kann leicht übersehen werden. Im Schulkindalter sind jedoch Serien von Anfällen häufig, d. h. es folgen mehrere Anfälle auf einander. Die meisten Anfälle treten in den Morgen- und Abendstunden sowie bei Ruhe und Langeweile auf. Die Kinder wissen von den Anfällen meist nichts, es sei denn, die Bewusstseinspause macht sich durch eine Veränderung der Umgebung bemerkbar.
Quelle: https://www.epikurier.de/sonderausgaben/2004-epilepsie-und-schule/medizinischer-teil/3-einteilung-der-epilepsien/

Wer sich nicht mehr (an alles) erinnern kann: https://de.wikisource.org/wiki/Der_Struwwelpeter/Die_Geschichte_vom_Hanns_Guck-in-die-Luft
« Letzte Änderung: 11. August 2018, 01:22:09 von D.e.n.d.r.i.t »
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Re: Status Unterschied Anfallsserie? Gibt's da Unterschiede?
« Antwort #24 am: 11. August 2018, 10:20:30 »
Hey :)

Ja das mit dem Hans guck in die Luft im zusammenhang mit der Geschichte kenn ich auch und habe auch in Beschreibungen (gerade von Absencen) davon gelesen.

Zitat
Als Kind schaute ich offenbar nach oben, als Erwachsene hab ich offensichtlich keine Ausrichtung - wo halt der letzte Blick war. Der Mitpatient berichtete nur, dass sie größer und kleiner wurden

Dann hat sich das bei dir im Ablauf verändert? Oder zählt das eher nicht zu Veränderungen dazu?
Es ist bei mir auch nicht immer so... ich habe eine gute "Technik" entwickelt, die eher auf Zufällen beruht... wenn ich merke es geht mir nicht so gut und es kamen auch schon ein paar solcher Anfälle (und ich bin alleine) , hole ich oft mein Handy raus und filme mich.
Es ist dann entweder so, dass ich ein oder zwei folgende Anfälle irgendwann eingefangen bekomme weil es nochmals passiert. Oder es passiert nichts mehr und das Video wird gelöscht.
Jedoch hatte ich auch ein paar wenige male Glück und konnte diese Zustände einfangen per Handy.

Dahingehend konnte ich auch beobachten, das sowohl das von meinem Umfeld beobachtete kurze Augenverdrehen als aber auch "ruhige, fixierte " Pupillenstellung vorkommend ist.
Bevor der Aussetzer kommt (das sieht man unter anderem an Veränderungen der Muskelspannung), wars auch paar mal so, das meine Pupillen schneller nach links und rechts ruckelten und dann- beim Aussetzer- zu stoppen.

Ich kann als Laie nur sagen: Zu Beginn, vor dem Aussetzer bspw kleine Pupillen. Dann beim Aussetzer mittelweite Pupillen. Und dann werden sie wieder klein wie zu Beginn.
Dies geschieht auch oft nur ganz minimal. Denn die Aussetzer (komplexe) dauern ja nicht lang, 1-3 Sekunden.


D.e.n.d.r.i.t

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Re: Status Unterschied Anfallsserie? Gibt's da Unterschiede?
« Antwort #25 am: 11. August 2018, 13:37:17 »
Hallo Kerzchen,

Zitat
Dann hat sich das bei dir im Ablauf verändert? Oder zählt das eher nicht zu Veränderungen dazu?

Inwieweit das in der Epileptologie zu Veränderung zählt, weiß ich nicht. Denn beides kann ja vorkommen. Meine Diagnose lautet "JME" bzw. "Janz-Syndrom". Aber die Diagnose hat sich im Laufe der Zeit geändert:

  • als Kind/Jugendliche hatte ich nur Absencen - also hieß es anfangs "genuine Absencenepilepsie" (genuine = Kindesalter),
  • nachdem ich als Jugendliche immer noch Absencen hatte, "juvenile Absencenepilepsie".
  • Mit 14 traten zusätzlich Krampfanfälle auf und dann hieß es "generalisierte Epilepsie mit Absencen und Grand mal".
  • Mit 22 kamen Myoklonien dazu - i.d.R. folgte keine Absence - dann lautete sie "idiopathische [zwischendurch wurde eine familiäre prädisposition vermutet] primär generalisierte Epilepsie mit Absencen, Impulsiv-Petit mal und Grand mal".
  • Mein Epi-Doc  (wurde sowas wie Wissenschaftler) gab sich mit der "ungenauen" Diagnose nicht zufrieden und kam in eine Klinik mit Epilepsiestation, da es dort die Diagnosemittel gab, die er bzw. in der Klinik wo er arbeitete, nicht hatte. Da bekam ich die endgültige Diagnose "JME".

Zitat
ich habe eine gute "Technik" entwickelt, die eher auf Zufällen beruht

Auch wenn es heißt, bei primär generalisierten Epi's könnte man keine Techniken sich zurechtlegen, glaub ich schon, dass das möglich ist - bewusst oder unbewusst. Als Jugendliche, als ich die Grand mal bekam, bekam ich irgendwann mit, dass ich mich da immer auf die Zunge biss (Infos gab es damals so gut wie nicht). Ich bekam damals auch mit, wenn ein Anfall bekommt - visuelle Auren, auch wenn man das kein Arzt glaubt. Da fing ich an, meine Zähne zusammenbeißen, sodass die Zunge innerhalb der Zähne blieb. Trotz Initialschrei biss ich mich nicht mehr auf die Zunge. Wie das von statten ging, keine Ahnung.

Später gewöhnte ich mir an, nach der Absence nachdenklich auf den Boden zu starren und zu sagen "Was wollte ich gleich sagen". Irgendwann automatisierte sich das, dass ich das schon während des Bewusstsein-kommen das schon sagte. Bei mir dauern die Absencen auch meist nur bis 3 sec, so war die Technik von Vorteil. So konnte ich in der Orientierungsphase überlegen, was ich tatsächlich sagen wollte.

LG, Dendrit

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Re: Status Unterschied Anfallsserie? Gibt's da Unterschiede?
« Antwort #26 am: 11. August 2018, 14:30:02 »
Hallo Dendrit :)

Lass dich mal  :tröst:
Da hast du aber schon einiges hinter dir... :(  :tröst: das muss schlimm gewesen sein, als es schon so jung anfing und sich immer veränderte.. als KInd ist man oft was das angeht noch ängstlicher oder kann es nicht einordnen was passiert... oh man :(  :tröst:

Ich weiß noch damals als ich ein paar mal nach (wie ich nun weiß) genau diesen Aussetzern gestürzt bin. Da war ich bei den ersten malen noch Kind und verunsichert dadurch. Jedoch dachte ich irgendwie das es "normal" ist. Losgelassen hat es mich aber nie...

Zitat
ich habe eine gute "Technik" entwickelt, die eher auf Zufällen beruht



Auch wenn es heißt, bei primär generalisierten Epi's könnte man keine Techniken sich zurechtlegen, glaub ich schon, dass das möglich ist - bewusst oder unbewusst.

Da hast du glaube etwas falsch verstanden- aber nicht schlimm keine Angst! :) ;)
Ich nenne es nur "Technik". Es ist eigentlich gar keine in dem Sinn. Ich wollte einfach sehen, wie die Anfälle aussehen wenn die Aussetzergefühle kommen. Deshalb habe ich es aufgenommen um es selbst zu sehen.
Eine Technik zur Vermeidung oder zum überspielen ist das nicht...

Überspielen geht da nur begrenzt bei mir... wenn ich nach den Aussetzern noch sprechen kann... Dann fange ich nochmal von vorn an oder wiederhole das vorherige. Anders geht es nicht. Oder ich frage auch "Oh was wollte ich sagen?"

Kann ich danach nicht mehr sprechen, da meine GEdanken wirr sind, ich keinen Wortsinn zusammenbekomme, keine Sätze formlieren kann (das klingt dann oft so  :weirdo: : "Äh... also...das Ding...also, da vorn..."  :weirdo: ich bekomm nichts mehr gescheit zusammen Satzmäßig... dann klappt auch überspielen nicht mehr, dann bin ich lieber komplett still  :-X

Ansonsten mache ich es immer so, das ich es nicht auf die Anfälle schiebe wenn was nicht gerade läuft deswegen, was runtergefallen ist, von mir vergessen wurde etc etc. Ich bin da nicht so "frei" zu sagen das ich einen Anfall hatte... ich denke immer ich verstecke mich dann hinter der Epi und den Anfällen.. ich denke mir ich muss Verantwortung für mein Tun und (falsches Handeln, Fehler) übernehmen.

Ich will mir dann auch nicht eingestehn das die Epi schuld war, sondern schiebe es auf mich. Nicht auf die Epi. Ich entschuldige mich bei besagten Personen, sage es tut mir leid und kommt nicht mehr vor. Obwohl ich eben weiß es kann immer wieder passieren und ich habe keinen Einfluss darauf...
Ich will der Epi möglichst wenig Platz geben und versuche sie möglichst wenig anzusprechen oder für Sachen verantwortlich zu machen. Ich habe dann immer Angst man denkt ich will Aufmerksamkeit oder keine Verantwortung übernehmen...  :-\

Viele Grüße kerzchen

D.e.n.d.r.i.t

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Re: Status Unterschied Anfallsserie? Gibt's da Unterschiede?
« Antwort #27 am: 12. August 2018, 02:58:33 »
Hallo Kerzchen,

ja, da hab ich Dich missverstanden, sorry. Bei mir wurde mal zur entscheidenden Diagnose ein Monitoring gemacht und klar war der Anfall aufgezeichnet. Einige Jahre später wollte ich das unbedingt sehen und schrieb den Doc an. Er war etwas vorsichtig und konnte sich es nicht vorstellen, dass sich das jemand "antun" will, aber er stimmte zu. Nur musste "zur Sicherheit" eine Ärztin im Raum bleiben. Ich fragte, warum "zur Sicherheit" - falls ich es nicht packe, dass dann gleich jmd. da ist.  :laugh:  Deswg. kann ich gut verstehen, wenn das jemand auch sehen will.

Zitat
das muss schlimm gewesen sein, als es schon so jung anfing und sich immer veränderte

Eigentlich nicht mal. Ich "wuchs" mehr oder weniger da rein. Ich vergleich es auch gern mit einem Kutscher: das Pferd ist meine Krankheit und die Zügel die Therapie. Ob das Pferd durchgeht hab ich größtenteils selbst in der Hand (die Zügel). Ich lass mich gern belehren und was beibringen, gebe die Zügel ungern aus der Hand. Ob die Therapie ein Erfolg wird oder nicht oder ob ich was ausprobieren kann: ich kenne "mein Pferd", wie es auf was reagiert. Ich hatte arge Probleme, als ich bei meinem jetzigen Neurologen die Zügel übergeben musste, wo er bestimmen musste, weil ich ausgeknockt war. Ich kann schon auch die Zügel aus der Hand geben, aber da muss ein 100% Vertrauen zum Arzt da sein - wie man so sagt, dem man blind Vertrauen kann. Das hatten bis jetzt nur 2 Ärzte von über 10 Ärzten.

Eine zeitlang hatte ich auch Angst vor den Krampfanfällen. Ich nahm eine zeitlang Phenytoin - ist zwar gut bei Grand mal, triggert beim Janz-Syndrom aber die Absencen. Die beiden Docs haben mir das zwar gut erklärt, aber ich war einfach psychisch nicht bereit dazu. Eines Tages überlegte ich mir, warum und vor was ich eigentlich Angst habe:

Die Grand mal bekam ich (bis dahin) nur morgens - ausser den Familienangehörigen sieht es keiner. Da ich den Anfall nicht direkt mitbekam, war die "NW" von Muskelkater, Zungenbiss und evtl Einnässen unangenehm. Unangenehm, wovor man aber keine Angst haben bräuchte. Wenn ich rechtzeitig (gleich nach dem Aufwachen) meine Blase entleerte, kam es auch nicht zum Einnässen. Also kam ich zu dem Schluss: die Angst und riesigen Schreck bekommen andere, ich brauche da also keine Rücksicht nehmen. Damit müssen sie klarkommen. Das sagte ich dann beim nächsten Termin. Ich erntete erst einen irritierten Blick und dann wurde der Ausdosierungsplan aufgestellt. :-)

Zitat
Ich bin da nicht so "frei" zu sagen das ich einen Anfall hatte

Bei jedem oder jedes Mal tu ich es auch nicht. Bei Außenstehenden müsste ich viel zu viel erklären und bei den Angehörigen sag ich es nur, wenn ich den Faden völlig verloren hab. Meist so: "ich war grad weg, kannst du mir den letzten Satz wiederholen." Interessant ist, wie wenig die Leute ihren letzten Satz noch wissen. Als ich mal im KH war und von irgendjemand vom Personal blöd angemacht wurde, kann ich auch provokant sein. Wenn ich eine Absence hatte und den üblichen letzten Satz brauchte, sagte ich meist "sorry, hatte grad nen epileptischen Anfall; Sie können mir doch bestimmt den letzten Satz wiederholen." Und das können die wenigsten, stöpseln rum. Dazu kommt noch, dass es sie irritiert, von einem epileptischen Anfall zu sprechen, wenn ich gar keinen Krampfanfall hatte. Ein "Sie wussten nicht, dass es wie bei jeder Krankheit auch verschiedene Ausprägungen von Epilepsie gibt?" kann ich mir - je nach Hochnäsigkeit des Betreffenden - nicht verkneifen.  :-p *lach*

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« Antwort #28 am: 12. August 2018, 16:02:36 »
Hallo Dendrit :)

Ja, die Öffentlichkeit und die Epi das ist so ne Sache... ich finde man kann auch den Leuten keine Vorwürfe machen wenn sie sich nicht befassen... trotzdem denke ich das es wichtig wäre mehr Aufklärungsarbeit zu betreiben. Nicht nur im EH Kurs für den Führerschein... denn wie wir wissen kennen ja fast alle nur GM  ::) :o  und wenn man dann andere Ausprägungen hat reagiert man mit Verwunderung oder "Ach das kann doch nicht sein, das hab ich auch... das ist doch nicht Epi.."

Das VErtrauen das beim Arzt stimmen muss, kann ich nachvollziehen. Ich hatte bis hetzt nur einen NEuro dem ich vertrauen konnte, und der ist nun in Pension.. :( nun muss ich hoffen einen guten zu finden... :(

Ich finde es toll wie du mit der Epi selbstbewusst umgehst! Hut ab! :)

Viele Grüße kerzchen