Autor Thema: Schlaf Grand Mal Anfälle und Nachwirkungen  (Gelesen 5896 mal)

Toffi

  • Gast
Schlaf Grand Mal Anfälle und Nachwirkungen
« am: 20. Juni 2006, 10:29:52 »
Guten Morgen an Alle!

Also mein Freund ist Epileptiker. Der Betreff ist nicht so ganz treffend weil ich nämlich eigentlich mehrere Fragen habe.

Wir sind jetzt seit 2 Monaten zusammen. Vor 5 Jahren hat man bei ihm wohl die Epilepsie festgestellt. Damals hatte er wohl 2 große Anfälle und seitdem keine mehr, bis wir zusammenkamen. In den letzten 2 Monaten hatte er 3 große Anfälle. Er hat seine Anfälle allerdings ausschließlich im Schlaf, die großen jedenfalls.

Den letzten hatte er in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. Er war nicht ganz so heftig wie die 2 davor, dafür scheinen die Nachwirkungen aber heftiger zu sein. Er hat sich das erste mal auf die Zunge gebissen und hat da jetzt eine ziemlich böse Wunde. Hab ihm dafür jetzt Panthenol Lutschpastillen geholt. Aber das ist ja eigentlich die harmlosere Nebenwirkung. Seit dem letzten Anfall hat er Angst. Er meint er fühlt sich ängstlich, weiß aber nicht wovor. Er hätte die ganze Zeit das Gefühl dass einer hinter ihm steht oder ihn verfolgt, er hat Angst ins Auto zu steigen weil er einen Unfall haben könnte und wenn ich nur 5 Minuten zu spät komme denkt er ich wolle ihn verlassen oder mir wär was passiert. Er sagt er hat das gefühl dass er gar nicht richtig bei kommt seit dem Anfall und dass er das so noch nie hatte.

Kennt das hier jemand? Und wenn ja, was macht ihr dagegen?

Von den meisten hier lese ich dass sie unter Grand Mal Anfällen leiden. Er hat aber auch noch eine andere Form der Epilepsie. Er nennt es Abscencen. Aber nachdem was ich gelesen habe, scheinen das komplex partielle Anfälle zu sein. Vorher hat er oft das was Aura oder Auren genannt wird. Er hat ein Unwohlsein dass er nicht näher beschreiben kann. Der Anfall selber beginnt dann damit dass er starrt, die Hände auf und zu macht oder sich an der Kleidung nestelt, manchmal steht er währenddessen auch auf und läuft rum. Der Herzschlag wird langsamer und unregelmäßig, er wird superblaß und wenn er sich entlädt macht er irgendwelche heftigen Bewegungen und gibt Flüche von sich. Wenn er mich dabei z.B. umarmt hab ich das Gefühl er erdrückt mich. Danach ist er nassgeschwitzt, ist außer Atem und hat Herzrasen.

Diese Art von Anfällen hat er trotz seiner Medikamente die er nimmt (Lamictal) mehrere Male am Tag. Manchmal 2-3 mal, zuweilen aber auch bis zu 10 mal am Tag. Vor 2 Wochen hat er das Medikament gewechselt. Immernoch der gleiche Wirkstoff, aber die günstigere Variante. Seitdem ist seine Epilepsie irgendwie heftiger geworden. Die Anfälle sind weniger geworden, nur noch 2-3 mal am Tag. Dafür ist sein Unwohlsein vorher extremer und länger und die Anfälle selber äußern sich auch heftiger.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag hat er keine Minute geschlafen. Ist die ganze Nacht umhergelaufen und hat gezittert und meinte jedesmal wenn er die Augen zu gemacht hat kam wieder ein Anfall.

Viele Sachen macht er gar nicht mehr weil er es nicht erträgt dass die Leute ihn so anstarren. Er hat so gut wie gar kein Selbstbewusstsein und er leidet wirklich sehr darunter. Und ich weiß wirklich nicht mehr wie ich ihm noch helfen soll. Ich will dass es ihm endlich mal wieder wenigstens einen Tag so richtig gut geht.

Auffällig ist übrigens auch dass er diese Anfälle bekommt wenn er zuviel grübelt oder wenn er sich über irgendwas ärgert. Hauptsächlich bekommt er sie wenn er zuviel an seine Arbeit denkt. Er meint er hat jeden Morgen Angst zur Arbeit zu gehen, weil es ja sein könnte dass er einen Fehler macht oder dass er etwas nicht weiß und andere ihn dann für dumm halten könnten. Und er kann diese Anfälle teilweise auch kontrollieren, d.h. er kann sie eine gewisse Zeit rauszögern. Z.B. während des Auto fahrens ist er in der Lage das so lange zu unterdrücken bis wir stehen.

Kennt jemand von euch diese Art von Epilepsie? Wie kann ich ihm helfen? Ich weiß wirklich nicht mehr weiter.

Viele Grüße und danke fürs Lesen dieses doch etwas lang gewordenen Beitrags.

Tanja

krampf

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Re:Schlaf Grand Mal Anfälle und Nachwirkungen
« Antwort #1 am: 20. Juni 2006, 11:38:04 »
guten morgen tanja, zur info: ich bin selbst anfallskrank; habe grand mals ( fing an mit welchen im schlaf, dann tagsüber; jahrelang keine
("nur" kleine) und in den letzten jahren auch wieder grand mals. ich glaube, daß ist genau das teufliche an dieser krankheit-in der regel gibt es keinen verläßlichen verlauf. es gilt, mit der unberechenbarkeit klar zu kommen.
dir möchte ich ganz dringend raten auf DICH aufzupassen. du kannst deinen freund nicht retten u. es ist wichtig dich abzugrenzen; klar rüber zu bringen "Ja, ich bin da, möchte bei/mit dir bleiben u. ich möchte, daß auch du für Dich sorgst".
Weise ihn auf selbsthilfegruppen hin; er soll sich doch mal hier einklinken mit seinen ängsten....
dein eintrag ist sehr lang, ich kann jetzt nicht auf alles eingehen; wenn mir noch was einfällt, melde ich mich.
grüße und alles gute silvia

Toffi

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Re:Schlaf Grand Mal Anfälle und Nachwirkungen
« Antwort #2 am: 20. Juni 2006, 13:03:44 »
Ich habe an einem Abend auch sehr lange mit ihm gesprochen. Er sagte er fühlt sich die meiste Zeit innerlich tot, kann sich nicht freuen und auch nicht wütend sein, er sieht keine Zukunft für sich und glaubt dass das Leben keinen Sinn macht.

Für mich hört sich das nach Depressionen an. Habe dann im Internet gesucht und einen Bericht gefunden, dass Wissenschaftler vermuten, dass Depressionen auch Epilepsie auslösen können. Das wäre ja dann eine Erlärung dafür, warum die Antiepileptika bei ihm kein Stück helfen.

Wobei er mir gestern gebeichtet hat dass er zuweilen auch etwas schluderig mit den Medikamenten umgeht und sie des öfteren vergisst.

Als ich bei ihm das erste Mal einen Grand Mal gesehen habe bin ich in Panik geraten weil ich dachte er stirbt gerade und habe deswegen den KW gerufen. Mittlerweile weiß ich was ich machen muss und dass der KW nur bei einer bestimmten Anfallsdauer nötig ist. Bin jedesmal von dem sogenannten "Initialschrei" wach geworden. Oft hat er nach einen Anfall auch keine Erinnerung mehr an den Tag davor und manchmal kommt es mir auch so vor, dass sein Gehirn mit so einem Anfall in seinem Kopf aufräumt wenn er irgendwie psychisch überbelastet ist.

Ach ich weiß auch nicht, vielleicht muss ich mir das einfach mal von der Seele schreiben bei Leuten die wissen wovon die Rede ist. Als ich mit meiner Freundin gesprochen habe hat sie mich nur gefragt ob ich mir sicher bin dass ich mit "so jemanden" zusammen sein kann. Und so einen Quatschfug will ich nun wirklich nicht hören.

nicole73

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Re:Schlaf Grand Mal Anfälle und Nachwirkungen
« Antwort #3 am: 20. Juni 2006, 13:19:17 »
Hallo,

es ist sehr wichtig das er regelmäßig seine Tabletten nimmt, weil sie sonst nicht wirken können und er dann auch provoziert Anfälle zu bekommen. Schlag doch deinem Freund mal vor... hier vorbei zu sehen... vielleicht hilft es ihm hier zu schreiben und von anderen Betroffenen Unterstützung zu erhalten.
Ich selber habe auch Depressionen... es ist so, es wird das Leben ja doch total auf den Kopf gestellt - wenn man wieder Anfälle oder vermehrt Anfälle bekommt.

Ich finde es sehr gut, das du dich so damit auseinandersetzt und hier Hilfe suchst... ich glaube ich kann hier für alle Forumsteilnehmer sprechen, das wir so gut es uns möglich ist helfen werden. Die Unterstützung von Familie und Freunden ist in dieser Situation sehr wichtig.

LG nicole

Peter04

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Re:Schlaf Grand Mal Anfälle und Nachwirkungen
« Antwort #4 am: 20. Juni 2006, 14:15:24 »
>>er hat Angst ins Auto zu steigen weil er einen Unfall haben könnte

Fährt dein Freund noch Auto?

Toffi

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Re:Schlaf Grand Mal Anfälle und Nachwirkungen
« Antwort #5 am: 20. Juni 2006, 14:33:35 »
@ Nicole

Er hat sich mit seiner Epilepsie eigentlich noch gar nicht auseinander gesetzt. Habe schon auf ihn eingeredet, dass er mal zu einer Art Selbsthilfegruppe geht. Mittlerweile hab ich ihn soweit dass er sich sowas wenigstens mal ansehen würde. Würde vielleicht auch eine Psychotherapie helfen wenn er wirklich Depressionen hat?

Wenn ich ihm ein Internetforum vorschlage sagt er, er hätte eine Lese und Schreibschwäche und deswegen wäre ihm sowas zu anstrengend.

@Peter

Ja, er fährt noch Auto. Er ist Kfz Mechaniker und meint das einzige was er wirklich kann ist Auto fahren und Autos reparieren und tunen. Das ist auch der Grund warum er nicht zu einem Neurologen geht. Er hat sich die Epilepsie auch nicht bestätigen lassen, deswegen muss er auch eine Menge dazu zahlen und die Medikamente bekommt er von seiner Hausärztin. Er kann aber während eines Anfalls (also die die er tagsüber hat) auch noch irgendwie reagieren.

nicole73

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Re:Schlaf Grand Mal Anfälle und Nachwirkungen
« Antwort #6 am: 20. Juni 2006, 14:56:00 »
Hallo,

ich würde wenn er mag auch mit ihm telefonieren, wenn es ihm hilft. Aber er sollte das auf jeden Fall untersuchen lassen, damit auch die für ihn passenden Medikamente gefunden werden können - mit denen er dann auch Anfallsfrei wird. Allerdings wird er dann auch ein Autofahrverbot bekommen, denke ich mal.

LG Nicole

Toffi

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Re:Schlaf Grand Mal Anfälle und Nachwirkungen
« Antwort #7 am: 20. Juni 2006, 15:04:35 »
Wäre vielleicht ganz hilfreich wenn er mal mit jemand sprechen kann der wirklich nachempfinden kann wie er sich fühlt.

Eben dieses drohende Autofahrverbot ist ja der Grund weshalb er nicht zum Neurologen geht. Er meint wenn man ihm den Führerschein nimmt würde er sich einen Strick nehmen. Laut ihm selbst ist er sowieso zu nichts nütze und wenn man ihm das einzige nimmt was er kann dann hätte sein Leben keinen Wert mehr und außerdem fürchtet er dann auch seinen Job zu verlieren.

Viele Grüße
Tanja

Peter04

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Re:Schlaf Grand Mal Anfälle und Nachwirkungen
« Antwort #8 am: 20. Juni 2006, 15:12:46 »
>>Er meint wenn man ihm den Führerschein nimmt würde er sich einen Strick nehmen.

Was meint er dann erst, wenn er während einer Autofahrt einen Anfall bekommt und dann die Eltern von 2 kleinen Kindern tot fährt?

nicole73

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Re:Schlaf Grand Mal Anfälle und Nachwirkungen
« Antwort #9 am: 20. Juni 2006, 15:35:26 »
Hallo Tanja,

also wie gesagt, das Angebot steht. Red halt mal mit ihm und dann sehen wir weiter.

LG Nicole

Elke123

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Re:Schlaf Grand Mal Anfälle und Nachwirkungen
« Antwort #10 am: 21. Juni 2006, 09:18:24 »
Hallo Tanja,
als Mutter eines betroffenen Kindes muss ich dir erst einmal sagen was für ein liebes Mädchen oder Frau du bist. Jeder Betroffene kann sich nur wünschen so eine Partnerin zu finden.
Nun zu dem Problem deines Freundes: Er kommt nicht drumherum einen erfahrenen Epileptologen aufzusuchen.
Bei meinem Sohn hat die Einstellung 3 Jahre gedauert, weil viele Ärzte an ihm herumgepfuscht haben, ohne Ahnung von Epilepsie zu haben. Als wir dann in eine Klinikambulanz gewechselt sind hatten wir sofort das richtige Medikament und heute ist er anfallsfrei ( seit 17 Monaten).
Bestärke ihn darin unbedingt.
Ich glaube auch, dass er einige Zeit nicht fahren darf, wenn die Einstellung mit Medikamenten aber gelingt, darf er auch wieder fahren.
MAn sollte den Führerschein nicht überbewerten. Stell dir vor, er hat einen Anfall hinter dem Steuer. Nicht auszudenken, was das für Folgen hat.......
ICh wünsche euch von Herzen viel Erfog

LG Elke

robert1

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Re:Schlaf Grand Mal Anfälle und Nachwirkungen
« Antwort #11 am: 31. Oktober 2006, 18:31:33 »
Hi,
ich weiss nicht, ob sich diese Konversation schon erledigt hat. Ich wollte nur sagen, dass mein Neurologe gesagt hat, dass man nach einem epileptischen Anfall ein halbes Jahr nicht fahren darf. Das bedeutet, wenn man durch die Medikamente anfallsfrei wird über Jahre, dass man dann sehr wohl wieder Auto fahren darf.
Besten Gruss,
Robert