Guten Morgen an Alle!
Also mein Freund ist Epileptiker. Der Betreff ist nicht so ganz treffend weil ich nämlich eigentlich mehrere Fragen habe.
Wir sind jetzt seit 2 Monaten zusammen. Vor 5 Jahren hat man bei ihm wohl die Epilepsie festgestellt. Damals hatte er wohl 2 große Anfälle und seitdem keine mehr, bis wir zusammenkamen. In den letzten 2 Monaten hatte er 3 große Anfälle. Er hat seine Anfälle allerdings ausschließlich im Schlaf, die großen jedenfalls.
Den letzten hatte er in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. Er war nicht ganz so heftig wie die 2 davor, dafür scheinen die Nachwirkungen aber heftiger zu sein. Er hat sich das erste mal auf die Zunge gebissen und hat da jetzt eine ziemlich böse Wunde. Hab ihm dafür jetzt Panthenol Lutschpastillen geholt. Aber das ist ja eigentlich die harmlosere Nebenwirkung. Seit dem letzten Anfall hat er Angst. Er meint er fühlt sich ängstlich, weiß aber nicht wovor. Er hätte die ganze Zeit das Gefühl dass einer hinter ihm steht oder ihn verfolgt, er hat Angst ins Auto zu steigen weil er einen Unfall haben könnte und wenn ich nur 5 Minuten zu spät komme denkt er ich wolle ihn verlassen oder mir wär was passiert. Er sagt er hat das gefühl dass er gar nicht richtig bei kommt seit dem Anfall und dass er das so noch nie hatte.
Kennt das hier jemand? Und wenn ja, was macht ihr dagegen?
Von den meisten hier lese ich dass sie unter Grand Mal Anfällen leiden. Er hat aber auch noch eine andere Form der Epilepsie. Er nennt es Abscencen. Aber nachdem was ich gelesen habe, scheinen das komplex partielle Anfälle zu sein. Vorher hat er oft das was Aura oder Auren genannt wird. Er hat ein Unwohlsein dass er nicht näher beschreiben kann. Der Anfall selber beginnt dann damit dass er starrt, die Hände auf und zu macht oder sich an der Kleidung nestelt, manchmal steht er währenddessen auch auf und läuft rum. Der Herzschlag wird langsamer und unregelmäßig, er wird superblaß und wenn er sich entlädt macht er irgendwelche heftigen Bewegungen und gibt Flüche von sich. Wenn er mich dabei z.B. umarmt hab ich das Gefühl er erdrückt mich. Danach ist er nassgeschwitzt, ist außer Atem und hat Herzrasen.
Diese Art von Anfällen hat er trotz seiner Medikamente die er nimmt (Lamictal) mehrere Male am Tag. Manchmal 2-3 mal, zuweilen aber auch bis zu 10 mal am Tag. Vor 2 Wochen hat er das Medikament gewechselt. Immernoch der gleiche Wirkstoff, aber die günstigere Variante. Seitdem ist seine Epilepsie irgendwie heftiger geworden. Die Anfälle sind weniger geworden, nur noch 2-3 mal am Tag. Dafür ist sein Unwohlsein vorher extremer und länger und die Anfälle selber äußern sich auch heftiger.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag hat er keine Minute geschlafen. Ist die ganze Nacht umhergelaufen und hat gezittert und meinte jedesmal wenn er die Augen zu gemacht hat kam wieder ein Anfall.
Viele Sachen macht er gar nicht mehr weil er es nicht erträgt dass die Leute ihn so anstarren. Er hat so gut wie gar kein Selbstbewusstsein und er leidet wirklich sehr darunter. Und ich weiß wirklich nicht mehr wie ich ihm noch helfen soll. Ich will dass es ihm endlich mal wieder wenigstens einen Tag so richtig gut geht.
Auffällig ist übrigens auch dass er diese Anfälle bekommt wenn er zuviel grübelt oder wenn er sich über irgendwas ärgert. Hauptsächlich bekommt er sie wenn er zuviel an seine Arbeit denkt. Er meint er hat jeden Morgen Angst zur Arbeit zu gehen, weil es ja sein könnte dass er einen Fehler macht oder dass er etwas nicht weiß und andere ihn dann für dumm halten könnten. Und er kann diese Anfälle teilweise auch kontrollieren, d.h. er kann sie eine gewisse Zeit rauszögern. Z.B. während des Auto fahrens ist er in der Lage das so lange zu unterdrücken bis wir stehen.
Kennt jemand von euch diese Art von Epilepsie? Wie kann ich ihm helfen? Ich weiß wirklich nicht mehr weiter.
Viele Grüße und danke fürs Lesen dieses doch etwas lang gewordenen Beitrags.
Tanja