Autor Thema: Probleme mit Epilepsie am Arbeitsplatz  (Gelesen 831 mal)

qwertz

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Probleme mit Epilepsie am Arbeitsplatz
« am: 06. Januar 2019, 23:18:51 »
Hallo zusammen,
ich bin neu hier im Forum. Zunächst einmal zu meiner Vorgeschichte. Ich habe anscheinend seit mehreren Jahren Epilepsie. 'Anscheinend' bedeutet, dass ich in diesem Zeitraum zunächst alle paar Monate und dann alle paar Wochen einfache fokale Anfälle hatte, die aber nicht richtig erkannt wurden. Diese Anfälle wurden von einem Neurologen als Panikattacken diagnostiziert und somit auch so behandelt. Ende September letzten Jahres hatte ich dann bei der Arbeit meinen ersten GM, vorher hatte ich wieder fokale Anfälle. Mein Chef und Kollegen haben also alles 'live' mitbekommen.
Im Krankenhaus wurden dann meine 'Panikattacken' als fokale Anfälle erkannt und bei einem EEG nach Schlafentzug Epilepsie festgestellt. Ich habe also ein einjähriges Fahrverbot. Nach ein paar Wochen Arbeitsunfähigkeit bin ich seit Anfang November wieder mehr oder weniger regelmäßig am Arbeiten (Ich arbeite in der IT). Da ich aufgrund des Fahrverbots auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen bin und diese täglich nur zu unmöglichen Zeiten fahren, ist es zu Fehlzeiten gekommen (täglich ca. eine Stunde).
Nachdem ich nun kurz vor Weihnachten meinen Chef auf den Ausgleich dieser Fehlzeiten angesprochen habe (Ich möchte jetzt nicht ins Detail gehen, muss aber dazu sagen, dass ich schon seit mehreren Jahren in der Firma beschäftigt bin und es nie eine Gehaltserhöhung, geschweige denn sonstige Vergünstigungen gegeben hat) hat er sehr ausfällig und aggressiv reagiert. Er wird mir Urlaub abziehen und eine Gehaltskürzung wird es auch geben. Nun habe ich natürlich das Gefühl, dass er mich loswerden möchte.  >:(
Was kann ich nun in meiner Situation machen? Natürlich fahre ich jetzt sehr ungern zur Arbeit! Ich bin nicht mehr der jüngste (Ende 40) und habe natürlich Angst vor einer drohenden Arbeitslosigkeit. Da meine Arbeitsstätte ein Kleinbetrieb ist, findet das Kündigungsschutzgesetz keine Anwendung, ich bin also auf diese Arbeit angewiesen.
Seit ein paar Tagen habe ich wieder leichte fokale Anfälle, die auf Stress und unruhigen Schlaf zurückzuführen sind. Eigentlich sollte ich wieder eine gewisse Zeit krank geschrieben werden, verständlicherweise sehe ich dann aber schwarz für meinen Job. (Wenn man einen Arbeitnehmer loswerden will, schafft man das auch!)
Was kann man in so einer Situation machen? Hat irgendjemand auch solche Erfahrungen gemacht und einen Rat für mich? Eine Umschulung kommt für mich evtl. auch in Frage, hauptsache ich muss nicht mehr unter diesem Chef arbeiten!
Schöne Grüße und schon einmal vielen Dank fürs Lesen.  :)

TablettenJunky :)

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Re: Probleme mit Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #1 am: 07. Januar 2019, 06:24:49 »
Hallo qwertz,

ich kenne deine Probleme nur zu gut. Meiner Ansicht nach kannst du dagegen nicht viel machen, da deine Kollegen dein Chef sich schon ihr Bild über deine Erkrankung gemacht haben oder oder über diese Krankheit hatten.

Meine Chefin wollte sich damit nie wirklich beschäftigen. Ich schätze mal weil sie dafür keine Zeit hatte (was für ihre Position schlecht ist). Sich mit dem Alltagsgeschäft mehr beschäftigte als mit dem Personal, evtl. wegen Umsatzdruck oder sowas.
Aber auch der Betriebsrat usw. hatten davon keine Ahnung.
Stell dich darauf ein das der Mensch nur das glaubt was er sieht. In deinem Falle deine Kollegen. Du musst also entweder Aufklärung betreiben und sagen was los ist. Dazu hat es den Vorteil man kann dir schneller helfen.

Da du in einem Kleinbetrieb arbeitest brauch ich dir ja jetzt nicht raten einen Kündigungsschutz über einen SBA zu holen, oder?

Um das aber genau zu wissen, würde ich dir mal raten, geh mit diesen hier genannten Problemen zu einem Fachmann Anwalt also.
Lass dich darüber aufklären wie du deinen Arbeitsplatz sichern kannst. Oder greift ein SBA doch?
Abgesehen davon deine lange Anstellung im UN.

Das er sofort an dein Gehalt darf solltest du dann sowieso mit einem Anwalt klären.

Ich würde alles aber erst einmal zur Info machen. Nicht den Anwalt sofort zum AG schicken oder sowas.

Somit weißt du aber mehr über deine Rechte was den Arbeitsplatz angeht.
Die Aufklärung der Gesundheit wirst du selbst machen müssen, aber hast do schonmal was von einer MOSES-Schulung gehört?
Die ist nicht nur für dich sondern dort können sich auch Arbeitgeber über diese Erkrankung informieren oder mit betroffenen sprechen. Alles aus erster Hand hören, evtl. einen Arzt befragen. Mehr fällt mir so nicht spontan ein.


qwertz

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Re: Probleme mit Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #2 am: 07. Januar 2019, 11:50:18 »
Hallo TablettenJunky :),

erstmal vielen Dank für deine Antwort.
Leider verstehe ich einige Teile deines Beitrags nicht. Was ist ein SBA?
Ich glaube auch nicht, dass bei meinem Arbeitgeber Interesse an einer Aufklärung besteht. Mein Arbeitgeber hat Interesse daran, dass ich pünktlich bei der Arbeit bin. Eine Anwaltshotline habe ich auch schon kontaktiert, dort wurde mir versichert dass es bei einem Kleinbetrieb keinen Anspruch auf Kündigungsschutz gibt.
Also Pech gehabt!

TablettenJunky :)

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Re: Probleme mit Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #3 am: 07. Januar 2019, 12:38:32 »
SBA = Schwerbehindertenausweis
Wenn du dich rechtlich schon erkundigt hast und weißt was passieren kann. Hm...
Dein Arbeitsvertrag hat ja den Inhalt der Arbeitszeit Uhrzeit Beginn Ende.
Wenn es feste Zeiten sind bspw. 7:00 -15:30 Uhr und kein Gleitzeitmodel oder Vertrauensarveitszeit, hast du dich verpflichtet zu diesen Uhrzeiten an deinem Arbeitsplatz zu sein.
Wie du zur Arbeit kommst kann dem AG egal sein. Sollten Anfälle dich hindern hilft dir nur eine AU die jedoch dein AG nicht haben will. Sagst du ihm etwas darüber was auf dem Weg passiert idt, wäre es möglich das er in Richtung Wegeunfall denkt. Er hat auch auf dem Weg zur Arbeit und nach Hause eine Fürsorgepflicht. 
Das wird ihm gar nicht passen.
Dann würde ich mich anderweitig umsehen, wenn die Karten eh schlecht für dich sind. Er darf dich abmahnen nach wiederoltem zu Spät kommen, später dann kündigen.
 Und den Grund warum also einen Anfall musst du beweisen nicht dein AG.

TablettenJunky :)

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Re: Probleme mit Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #4 am: 07. Januar 2019, 16:25:37 »
Du glaubst nicht das er bereit ist heißt du willst nicht mit ihm reden oder ist das so? Hast du ihn schon gefragt?
Wenn die Karten doch eh so schlecht stehen, was hast du zu verlieren?

qwertz

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Re: Probleme mit Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #5 am: 07. Januar 2019, 20:26:35 »
Hallo,
ich habe schon versucht ihn darauf anzusprechen, mein Arbeitgeber hat dann sinngemäß gesagt: 'Warum machen andere immer ihre Probleme zu meinen? Das ist deine Krankheit und damit dein Problem'.
Er hat also defintiv kein Interesse an einer Aufklärung, obwohl er meinen GM ja auch direkt mitbekommen hat.

TablettenJunky :)

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Re: Probleme mit Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #6 am: 07. Januar 2019, 20:35:54 »
Hallo,
ich habe schon versucht ihn darauf anzusprechen, mein Arbeitgeber hat dann sinngemäß gesagt: 'Warum machen andere immer ihre Probleme zu meinen? Das ist deine Krankheit und damit dein Problem'.
Er hat also defintiv kein Interesse an einer Aufklärung, obwohl er meinen GM ja auch direkt mitbekommen hat.

Wenn du das schon versucht hast und er so reagiert wie du es beschreibst, scheint es sich echt Mist anzuhören.
Warum er Beratungsresistent ist, weiß ich zwar nicht kann mir aber mein Bild drüber machen, was traurig ist aber war mit meiner Chefin und dem Betriebsrat nicht anders. Alles was die da gemacht haben war Fake. Es ging letztendlich darum mich raus zu haben.

Ich kann dir nur nochmals raten, schau dich anderweitig um.
Der Arbeitsmarkt sieht gut aus 2018/19 evtl. im öffentlichen Dienst? Ich mache grade eine Praktikum(bin in einer Umschulung) dort und mir sagte der Personalchef, es gebe keinen besseren Zeitpunkt um dort einen Arbeitsplatz zu finden.

Verschwende deine Zeit nicht mit so nem Spinner.

Muschelschubser

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Re: Probleme mit Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #7 am: 10. Januar 2019, 22:50:15 »
Hallo Qwertz, herzlich willkommen im Forum. Das liest sich nicht gut. Normalerweise hast Du aber mit einem Grad der Behinderung (GdB) auf jeden Fall Anspruch auf eine Hilfeleistung, um Deinen Arbeitsplatz zu erhalten, also ihn nicht zu verlieren. Hast Du mal Kontakt mit dem Sozialverband VdK aufgenommen? Die habe eine echt gute Beratung (von einer anonymen Anwaltshotline halte ich nichts).

Andere Idee: Netzwerk Epilepsie und Arbeit, die habe ein neues Projekt TEA heißt es. Der Peter Brodisch fährt in die Unternehmen zur Beratung. Dein Arbeitgeber kann doch nicht soooooo beratungsresistent sein ...? Und Du als IT'ler hast glaube ich wirklich noch gute Chancen am Arbeitsmarkt. Versuche Dein Glück, höre Dich um und dann spring.

Viele Grüße von der Muschelschubserin
Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen!

TablettenJunky :)

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Re: Probleme mit Epilepsie am Arbeitsplatz
« Antwort #8 am: 10. Januar 2019, 22:59:56 »
Hallo qwertz,

wieviel Mitarbeiter seit ihr denn ohne Azubis?
Das Kündigungsschutzgesetzt hat sich für Kleinbetriebe etwas geändert 01.01.2004 im Sinne des Arbeitnehmer.
Mit einem SBA hast natürlich bessere Förderungsmöglichleiten vom Arbeitsamt und auch der LVR bietet dann viel finanzielle Hilfe aber auch bei der Arbeitssuche.