Autor Thema: Magnesium - Anmerkung von Prof. Hufnagel  (Gelesen 9036 mal)

Cornelia-etc.

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Magnesium - Anmerkung von Prof. Hufnagel
« am: 26. Januar 2007, 21:49:52 »
Hallo zusammen,

anlässlich einer Anfrage von Horst, zu der dieser voraussichtlich später selbst Infos ins Forum stellen wird, hat Prof. Dr. Hufnagel mir in einer Mail kurz seine Sicht zu der Frage geschrieben, ob und inwieweit die Gabe Magnesium bei epileptischen Anfällen sinnvoll ist.

In der Annahme, dass diese Stellungnahme einige Forenmitglieder interessieren dürfte, habe ich ihn gebeten, seine Anmerkungen dazu hier ins Forum setzen zu dürfen, was er mir gestattet hat. Ich zitiere:

"Es gibt sicherlich einen Zusammenhang zwischen Magnesiummangel und der Entstehung einer Epilepsie. So ist beispielsweise ein Modell der Epilepsie im Tierexperiment den Versuchtieren (Ratten) Magnesium zu entziehen. Dies führt zu Anfällen. Ob diese Beobachtungen auf den Menschen übertragbar sind ist unklar.

Tatsache aber auch ist, dass nur sehr wenige Menschen unter einem Magnesium-Mangel leiden. Eine Epilepsieentstehung bei normalen Werten von Magnesium im Blut ist abzulehnen. Diesbezüglich sind keine Zusammenhänge bekannt.

Magnesium kann man relativ einfach bestimmen. Ich würde allen Anfragenden empfehlen den Magnesiumswert im Blut bestimmen zu lassen. Sollte dieser Wert sehr niedrig oder unterhalb der Normwertgrenze liegen kann ein Versuch unternommen werden Magnesium einzunehmen. Dieser Versuch sollte auf vier bis acht Wochen begrenzt werden (je nach Anfallsfrequenz) und unter ärztlicher Aufsicht stattfinden. Magnesium führt, ganz nebenbei, sehr häufig zu Durchfällen so dass sich die Einnahme von Magnesium bei den meisten Patienten ohnehin limitieren wird.

[...] würde ich Wert darauf legen mitzuteilen, dass nur bei nachgewiesenem Magnesiumsmangel eine Anwendung von Magnesium als Medikament sinnvoll ist."

Liebe Grüße
Cornelia
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Re:Magnesium - Anmerkung von Prof. Hufnagel
« Antwort #1 am: 30. Januar 2007, 12:24:54 »
Liebe Cornelia,

wäre es nicht sinnvoll, da hier immer wieder das Magnesium Thema ist, diese Mitteilung als Ankündigung reinzusetzen?
Sonst verschwindet der Beitrag ganz schnell aus dem Bewußtsein und sehr weit hinten.
Viele Grüsse von Antje mit Rachel geb.09/99 , linksseitige periventrikuläre noduläre Heterotopie (PVNH), gehört zum Kreis der Lissenzephalien und Mikrodeletion 16p11.2
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Re:Magnesium - Anmerkung von Prof. Hufnagel
« Antwort #2 am: 31. Januar 2007, 00:58:47 »
Hallo Antje,

gute Idee, ich werde den Thread mal fixieren, solange das Thema so viele interessiert.

LG
Cornelia
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Helga

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Re:Magnesium - Anmerkung von Prof. Hufnagel
« Antwort #3 am: 31. Januar 2007, 08:18:09 »
Hallo Cornelia,

ich freue mich, daß sich Prof. Hufnagel so eindeutig zu Magnesiummangel äußert. Ich bin nur erstaunt, daß man die Mg-Spiegel nicht routinemäßig nimmt, wenn der Zusammenhang so klar ist.

Was die Häufigkeit von Magnesiummangel angeht, stelle ich hier einmal ein paar Artikel ins Forum, die ich schon vor einiger Zeit gefunden habe. Sie sind leider in englischer Sprache. Deshalb übersetze ich Euch die entscheidenen Sätze, die ich in den Artikeln fett schreiben werde:

1. Niedrige Magnesiumspiegel korrelierten mit erhöhter Frequenz, schlechter Kontrolle und längerer Dauer der Anfälle. Patienten mit einem Status epilepticus und Patienten mit EEG-Auffälligkeiten hatten niedrige Magnesiumspiegel.

2. Niedrige Plasma-Magnesiumspiegel stehen im Zusammenhang mit Epilepsie, weitere Studien könnten den Einfluß der antiepileptischen Medikation auf die Magnesiumspiegel bestimmen.

3. Die Konzentrationen von Mg bei krampfenden Kindern waren signifikant niedriger als bei nicht krampfenden Kindern. FAZIT: Diese Ergebnisse zeigen, daß die Entstehung von Krämpfen in Zusammenhang steht mit altersabhängigen Veränderung von iCA (Calcium) und verringertem Mg im sich entwickelnden Gehirn.

4. Je geringer der Abfall der Mg-Spiegel, um so seltener waren die Krämpfe und umgekehrt. Es wird geschlossen, daß Serum-Magnesium weiterhin ein empfindlicher Anzeiger zur Frühdiagnose idiopathischer Epilepsie ist.

5. Der Prozentsatz von Patienten mit erniedrigten RBC Mg stieg mit der Dauer der antiepileptischen Behandlung an;

6. Mit beiden Methoden wurde eine signifikant erniedrigte Mg-Konzentration im Plasma von Epileptikern gefunden. Eine positive Korrelation zwischen Hypomagnesie und der Schwere der Epilepsie wurde gefunden: je schwerer die Epilepsie, desto niedriger war das Plasma-Mg.

Liebe Grüße

Helga

 1: Indian J Med Res. 1993 Jun;98:152-4. Links
Serum, CSF, RBC & urinary levels of magnesium & calcium in idiopathic generalised tonic clonic seizures.
•   Sood AK,
•   Handa R,
•   Malhotra RC,
•   Gupta BS.
Department of Medicine, Medical College & Hospital, Rohtak.
Serum, cerebrospinal fluid (CSF) and urinary levels of magnesium and calcium and RBC magnesium levels were studied in 100 patients of idiopathic generalised tonic clonic seizures and 95 healthy controls matched for age and sex. There was a significant reduction in serum, CSF and RBC magnesium levels and a rise in serum and CSF calcium levels in epileptic patients. The 24 h urinary excretion of calcium and magnesium in the epileptics did not differ from controls. Post ictal (within 24 h of seizure) serum and CSF magnesium levels were significantly lower and calcium levels significantly higher as compared to inter ictal levels (4 wk after seizure). There was no correlation between serum magnesium, serum calcium and CSF calcium levels and the frequency, control or duration of fits. Low CSF magnesium levels correlated with increased frequency, poor control and longer duration of fits. Patients with status epilepticus and those in the EEG abnormalities had low CSF magnesium levels.PMID: 8225453 [PubMed - indexed for MEDLINE]

Niger Postgrad Med J. 2003 Dec;10(4):234-7.   Links
Plasma magnesium in adult Nigerian patients with epilepsy.
•   Oladipo OO,
•   Ajala MO,
•   Okubadejo N,
•   Danesi MA,
•   Afonja OA.
Department of Clinical Pathology, College of Medicine, Idi-Araba, Lagos, Nigeria.
The objective of this study was to determine the relationship between plasma magnesium levels and epilepsy. The study was carried out at the Lagos University Teaching Hospital. Plasma magnesium was estimated using the calmigite dye colorimetric method in 45 adults with epilepsy and 35 healthy controls. Plasma concentrations of calcium, phosphorus and albumin were also estimated. The mean plasma magnesium in the patients was 0.98 mm0l/L (0.05) while that in the controls was 1.15 mmol/L (0.28). The mean plasma magnesium in the epileptics was significantly lower than that obtained in the controls (p < 0.001). Age of onset of seizures, seizure frequency and duration of treatment did not influence the plasma magnesium levels. Low plasma magnesium is associated with epilepsy, further studies may determine the influence of anti-epileptic drug therapy on plasma magnesium levels. Keywords: magnesium, seizures, Nigeria.
PMID: 15045017 [PubMed - indexed for MEDLINE]


1: Pediatr Int. 2004 Aug;46(4):394-7.     Links
Studies on cerebrospinal fluid ionized calcium and magnesium concentrations in convulsive children.
•   Miyamoto Y,
•   Yamamoto H,
•   Murakami H,
•   Kamiyama N,
•   Fukuda M.
Department of Pediatrics, St. Marianna University School of Medicine, Kawasaki, Japan. yusaku@marianna-u.ac.jp
BACKGROUND: The concentrations of ionized calcium (iCa) and ionized magnesium (iMg) were measured in the cerebrospinal fluid (CSF) of convulsive and non-convulsive children, to investigate the relationship between seizure manifestation and CSF iCa and iMg concentrations. Standard concentrations of CSF iCa and iMg were also established. METHODS: CSF samples from 23 patients, ages 0-15 years, with various forms of seizures and 26 age-matched non-convulsive children were collected by lumbar puncture. CSF was obtained anaerobically and the concentrations of CSF iCa and iMg were measured with an electolyte analyzer (Stat Profile Ultra M1, NOVA, USA) immediately after the lumbar puncture. RESULTS: The concentrations of CSF iCa were significantly higher in non-convulsive children younger than 11 months old compared with children older than 12 months. The concentrations of CSF iMg in non-convulsive children did not differ significantly with aging. The concentrations of CSF iCa in convulsive children did not differ significantly from the concentrations of non-convulsive children. The concentrations of CSF iMg in convulsive children were significantly lower than in non-convulsive children. CONCLUSION: These results suggest that seizure manifestation is related to age-dependent changes in iCa and decreased iMg in the developing brain.PMID: 15310301 [PubMed - indexed for MEDLINE]
1: J Assoc Physicians India. 1994 Jun;42(6):456-7.   Links
Serum magnesium levels in idiopathic epilepsy.
•   Gupta SK,
•   Manhas AS,
•   Gupta VK,
•   Bhatt R.
Department of Medicine, Government Medical College, Jammu.
Fifty cases of idiopathic epilepsy and 25 age and sex matched normal healthy controls were studied. There was a significant fall in serum magnesium levels in idiopathic epilepsy on day one and 4 of the seizures (P < 0.01) as compared to controls, and was not decreased significantly on day 7 of the seizures (P < 0.05). The fall was maximum in status epilepticus and severe epilepsy than in mild and moderate epilepsy. Serum magnesium took less time to come back to normal in mild and moderate epilepsy than in other types. This shows that serum magnesium does have a prognostic significance. Lesser the fall in the magnesium levels, less frequent were the convulsions and vice versa. It is concluded that serum magnesium continues to be a sensitive early diagnostic index of idiopathic epilepsy.PMID: 7852227 [PubMed - indexed for MEDLINE]
1: Magnesium. 1987;6(6):284-95.   Links
Metabolism of magnesium and zinc in patients treated with antiepileptic drugs and with magnesium lactate.
•   Steidl L,
•   Tolde I,
•   Svomova V.
Neurological Clinic, Palacky University, Olomouc, Czechoslovakia.
Fourty-nine patients were examined with epileptic seizures and values of serum and erythrocyte magnesium (sMg, RBC Mg) and serum zinc (sZn) were determined. Chronic deficiency in RBC Mg and sZn were confirmed. The percentage of patients with decreased RBC Mg increased with the time of antiepileptic treatment; significant lowering occurs after 5 years of treatment for RBC Mg and within 5 years for sZn. Various antiepileptics and their combinations have different effects on the degree of the lowering. The therapy of magnesium lactate produces significantly higher RBC Mg and sZn. The clinical, electroencephalographical and biochemical findings are improved.
PMID: 3129621 [PubMed - indexed for MEDLINE]
1: J Neurol Sci. 1985 Jan;67(1):29-34.     Links
Plasma and cerebrospinal fluid concentrations of magnesium in epileptic children.
•   Benga I,
•   Baltescu V,
•   Tilinca R,
•   Pavel O,
•   Ghiran V,
•   Muschevici D,
•   Benga G.
In order to discriminate between conflicting reports in the literature, plasma and cerebrospinal fluid magnesium levels from epileptic children were compared with those of control children. To exclude the possibility of methodological artifacts, two methods for Mg determination were used: atomic absorption spectrophotometry and a colorimetric procedure. By both methods a significantly decreased concentration of Mg in plasma was found in epileptics. A positive correlation of the hypomagnesemia with the severity of epilepsy was found: the more severe the epilepsy, the lower was the plasma Mg. A significant increase of Mg concentration in CSF of epileptics was found. The most likely origin of Mg in CSF in epilepsy is the CNS tissue from which Mg is released. It is suggested that these alterations of Mg concentrations in plasma and CSF originate from a functional impairment of the cell membranes which might occur in epilepsy.
PMID: 3981211 [PubMed - indexed for MEDLINE]
Bei jeder Epilepsie sollte ein Magnesiummangel ausgeschlossen werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Magnesiumforschung www.magnesium-ges.de empfiehlt, einen Wert von mindestens 0,8 mmol/l anzustreben.

blubba

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Re:Magnesium - Anmerkung von Prof. Hufnagel
« Antwort #4 am: 31. Januar 2007, 18:13:32 »
Zitat
Eine Epilepsieentstehung bei normalen Werten von Magnesium im Blut ist abzulehnen.

Was mich an dieser Stelle interessieren würde:

Ist die Epilepsie, welche durch Mg-Mangel entsteht, "dauerhaft", d.h. nach Mangelbehebung noch verhanden? Bzw. wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit?

@Helga
Zitat
Ich bin nur erstaunt, daß man die Mg-Spiegel nicht routinemäßig nimmt, wenn der Zusammenhang so klar ist.

Bei Erstauftreten werden in der Klinik immer die Elektrolyte bestimmt - auch zum Ausschluß anderer Ursachen/Krankheiten.



Helga

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Re:Magnesium - Anmerkung von Prof. Hufnagel
« Antwort #5 am: 31. Januar 2007, 20:04:58 »
Hallo Blubba,

kennst Du denn dann Deinen Mg-Wert? Wie hoch ist er denn?

Zu Deiner Frage: Ich weiß, daß es eine Krankheit gibt "Magnesium-Mangel-Tetanie", die "epileptiforme Krämpfe" hervorruft. Diese Krankheit kann durch Gabe von Magnesium geheilt werden.

Bei meinem Sohn sieht es momentan sehr positiv aus. Ich werde hier weiter berichten, wenn er - so wie Horst - hoffentlich ohne Medikamente anfallsfrei ist. Dazu ist vielleicht auch wichtig zu wissen, daß wir bereits ein EEG-Monitoring hinter uns haben. Er wäre operiert worden, ohne daß man seinen damaligen Mg-Wert genommen hätte.

Inwieweit Epilepsien durch Mg-Gabe positiv beeinflußt werden können, weiß ich nicht. Allerdings könnte man das aus Prof. Hufnagels Äußerungen und auch aus den obigen Abstracts vermuten.

Liebe Grüße

Helga
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blubba

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Re:Magnesium - Anmerkung von Prof. Hufnagel
« Antwort #6 am: 31. Januar 2007, 21:54:38 »
Entschuldige Helga, ich habe gar nichts gegen Mg gesagt.  ::)

Nach meinem ersten GM wurde ich mit Notarztbegleitung in die Klinik gebracht. Dort wurde Blut abgenommen & u.a., wie gesagt, die Elektrolyte (inkl. Mg) bestimmt. Außerdem noch Thorax-Röntgen, EKG, etc. -  Differentialdiagnostik halt.
Sehe ich als Standard an, da Krampfanfälle bekannterweise verschiedene Ursachen haben können.

Ist vermutlich abh. von Anfallsart & wo Du landest.  ;)

edit:

Worauf ich mit Frage hinaus wollte:

Mg-Mangel ->  Epi

...Mangelbehebung...

kein Mg-Mangel -> keine Epi

D.h. man gleicht einfach den Mangel aus & die Epi ist verschwunden.
Antiepileptika sind also nicht erforderlich.

Frage: tatsächlich so? Vorausetzung für die Frage natürlich: andere Mängel/Krankheiten nicht vorhanden.


« Letzte Änderung: 31. Januar 2007, 22:03:25 von blubba »

Johanna

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Re:Magnesium - Anmerkung von Prof. Hufnagel
« Antwort #7 am: 31. Januar 2007, 22:43:28 »
Hallo Blubba,

es sollte nie das Gefühl aufkommen, dass Magnesiummangel die einzige Ursache für epileptische Anfälle ist. Tatsache ist aber, dass es eine sein kann.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass manche meiner Neurologen sich nicht einmal meinen Anfallskalender angeschaut haben. Einzige Frage: "Noch Anfälle?" - "Ja?" - "Dann Dosis Antiepileptikum erhöhen." Selbst als die Anfallszahl im gleichen Winkel wie die Dosis des Mittels stieg, hat es den Arzt nicht interessiert. Erhöhen, punkt. Und andere Lösungen wurden nicht in Betracht gezogen.

Nach solchen Erfahrungen oder solchen von Heidi stellt sich heraus, dass Epilepsie doch eine komplexere Krankheit ist, als in manchen Lehrbüchern beschrieben. Und dass man, bevor man sich mit nebenwirkungsreichen Medikamenten vollstopft, als erstes einen Blick auf andere mögliche Ursachen für die Anfälle werfen sollte. Ursachen, die möglicherweise eine einfachere Therapie ermöglichen.

Liebe Grüße,
Johanna

Helga

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Re:Magnesium - Anmerkung von Prof. Hufnagel
« Antwort #8 am: 01. Februar 2007, 00:11:41 »
Hallo Blubba,

meine Frage nach Deinem Mg-Spiegel sollte weder ein Angriff noch eine Verteidigung sein. Es ist eine echte Frage.

Aus Deiner Reaktion entnehme ich, daß Dein Mg-Spiegel im Normbereich liegt und daß Du wahrscheinlich den genauen Wert nicht kennst. Genau da liegt der Hase im Pfeffer.

Als mein Sohn vor 7 Jahren zur ersten Abklärung ins Krankenhaus kam, lag sein Mg-Spiegel bei 0,78 mmol/l. Das war unter der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Mg von > 0,8 mmol/l, jedoch im Normbereich des Labors (o,6 - 0,95), das diesen Wert genommen hat, obwohl der leitende Laborarzt Mitglied bei der Deutschen Gesellschaft für Mg ist.

Als wir dann auf die Hinweise hier im Forum hin anfingen Mg zu geben, lag sein Wert bei 0,65, also immer noch im Normbereich des Labors. Bei unserem Hausarzt wäre er damit aber schon unterhalb des Normbereichs von 0,7 - 1 gewesen. Erkennst Du das Problem?

Tatsache ist, daß sein letzter Spiegel bei 0,94 lag. Ich denke, er hat inzwischen irgendwas um 1. Horst schrieb vor einiger Zeit, sein Spiegel läge auch bei 1. D.h. Horst schon seit 5 Jahren und auch mein Sohn seit einigen Wochen sind bei 1,0 mmol/l anfallsfrei.

Ob Deine Schlußfolgerungen richtig sind, kann ich Dir nicht beantworten. Ich meine, das sind Fragen, die sich unsere Ärzte mal stellen sollten. So lange, bis sie das tun, versuche ich halt, möglichst viele Informationen zusammenzutragen.

Liebe Grüße

Helga

P.S.: Patientendaten müssen 10 Jahre lang aufgehoben werden. Falls Dein erster Anfall nicht länger zurückliegt, kannst Du also Deinen Mg-Spiegel noch erfragen.
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Re:Magnesium - Anmerkung von Prof. Hufnagel
« Antwort #9 am: 01. Februar 2007, 09:33:34 »
Hallo Blubba,

ich habe mir erlaubt, in Deinen alten Beiträgen zu stöbern. Du hast selbst schon vor einem Jahr den folgenden Artikel hier verlinkt, der den Zusammenhang zwischen Calcium und Magnesium belegt. Du hast auch ein Calcium-Problem, oder?


"K025
Posterrundgang – Neuropädiatrie I
Abstract K025.02P  
 

 
Klinikum der Stadt Karlsruhe, Karlsruhe
 

 
Hypomagnesiämie mit sekundärer Hypokalzämie als Ursache rezidivierender Krampfanfälle im Säuglingsalter
 
 
 
B.C. Schareck, V. Prietsch, J. Kühr
 
 
 
Einleitung: Bei cerebralen Krampfanfällen müssen Gelegenheitsanfälle differentialdiagnostisch abgegrenzt werden. Als seltene Ursache kommen angeborene Magnesiumverlusterkrankungen in Frage.
 
Fallbeschreibung: Das zweite Kind (geboren 12, 2003) gesunder türkischer Eltern wurde mit rezidivierenden z.T. primär fokal im linken Arm beginnenden, sekundär generalisierenden Krampfanfällen im Alter von 5 Lebenswochen sowie im 3. und 5. Lebensmonat vorgestellt. Blutzucker und Serumcalcium waren normwertig. Das MRT Schädel war bis auf symmetrisch erweiterte innere und äußere Liquorräume normal (Kopfumfang 90. Perzentile).
 
Bei pathologischem EEG (Sharp/wave-Foki wechselnder Lokalisation) und fokaler Anfallssymptomatik wurde im 3. Lebensmonat eine antikonvulsive Therapie mit Carbamazepin begonnen.
 
Nach Anfallsfreiheit bis zum 5. Lebensmonat erfolgte ein erneuter Krampfanfall im Rahmen einer Gastroenteritis bei Werten für Magnesium von 0,2 mval/l (Normwert 1,3–1,8 mval/l) und Calcium von 2,9 mval/l (Normwert 4,2–5,3 mval/l).
 
Die genetische Untersuchung (molekulargenetisches Labor, Universitätskinderklinik Marburg, Dr. P. Schlingmann) bestätigte unseren Verdacht auf eine Hypomagnesiämie mit sekundärer Hypokalzämie (HSH) aufgrund der autosomal-rezessiven Mutation des Chromosoms 9q12–9q22.2 im TRPM6-Gen. Dabei liegt ein primärer Defekt des intestinalen Mg-Kanals mit nachfolgender fehlender Mg-Resorption vor. Die Therapie bestand zunächst in intravenöser Magnesium-Substitution mit 0,5 mval/kg KG, hierunter wurden maximale Serumwerte von 1,4 mval/l erreicht. Nach Umstellung auf orale Substitution waren 4 mval/kg KG erforderlich, um den bei HSH empfohlenen Richtwert im Serum von 1,0 mval/l zu erreichen. Der Calciumwert normalisierte sich spontan.
Im Rahmen einer fieberhaften Gastroenteritis trat noch einmalig ein Krampfanfall bei einem Magnesiumwert von 0,9 mval/l auf, wegen des Erbrechens wurde Magnesium intravenös substituiert.
 
Nach initialem Entwicklungsrückstand entwickelt sich der Patient nun altersentsprechend. Ein EEG unter Magnesium-Substitution war unauffällig.
 
Schlussfolgerung: Die angeborene Hypomagnesiämie mit sekundärer Hypokalzämie ist eine seltene, jedoch wichtige Differentialdiagnose bei cerebralen Krampfanfällen, auch bei fokalem Anfallscharakter. Durch konsequent durchgeführte Magnesium-Substitution werden Krampfanfälle sowie neurologische Defizite vermieden.
 

     
 Download K025 (PDF)  Authorindex "

Das ist ein ganz ähnlicher Fall wie der hier schon oft zitierte von Prof. Besser:


"Fehlinterpretation von fokaler Epilepsie kombiniert mit zerebellärer Funktionsstörung
A. Weinbrenner1, R. Besser1
1 Krefeld
 


Eine 27-jährige Patientin mit anamnestischen Angaben von Fieberkrämpfen in der Kindheit und vorübergehender Behandlung mit Phenobarbital entwickelte bei einem Hydrocephalus internus im MRT rezidivierende generalisiert tonisch-klonische Anfälle und einen links anterotemporalen Sharp and Slow Waves Fokus. Im Labor fand sich eine Erniedrigung des Magnesium- und Kalziumspiegels. Eine seit Jahren durchgeführte selbständige orale Magnesiumsubstitution wegen eines nicht näher bekannten Magnesiummangel-Syndroms wurde mit 6,6 mmol/d fortgesetzt. Während der antikonvulsiven Therapie unter verschiedenen Medikamenten kam es zu erheblichen zerebellären Symptomen und Anfallsrezidiven. Es entwickelte sich schließlich ein paroxysmales Opsoklonus-Myoklonus-Syndrom mit diffuser Kleinhirnschwellung im MRT. Nachdem ein primäres Hypomagnesiämie Syndrom mit sekundärer Hypokalzämie als Grund der Magnesiumsubstitution bei der Patientin bekannt und molekulargenetisch gesichert wurde, erfolgte die intravenöse Gabe von 82,5 mmol/d Magnesium, worunter die epileptischen Anfälle sistierten, die zerebelläre Symptomatik bis auf eine leichte Dysarthrie rückläufig war und sich die Magnesium- und Kalziumspiegel normalisierten.


Die verzögerte Diagnosestellung und die daraus resultierende vorübergehende erhebliche Verschlechterung ergab sich aus den mangelnden anamnestischen Angaben, Unkenntnis des Krankheitsbildes in der Erwachsenenneurologie mit der Dynamik einer zunehmenden intestinalen Resorptionsstörung bei zunehmendem Lebensalter, Fehlinterpretation von EEG und MRT und unzureichender Bewertung der Laborwerte."

 
Wie kommentieren denn Deine Ärzte die Problematik? Sicher hast Du sie schon danach gefragt.

Liebe Grüße

Helga
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Re:Magnesium - Anmerkung von Prof. Hufnagel
« Antwort #10 am: 02. Februar 2007, 17:49:11 »
Wollte kein neuen Strang aufmachen. Heute habe ich die Ergebnisse vom Arzt: 0.78. Das liegt wohl im Normbereich. Aber wie ich besonders aus Helgas Berichten erkennen konnte, kann dieser Wert für Epis auch zu niedrig sein. ich habe zwar keine neuen Anfälle, habe aber Schwierigkeiten mit der Konzentration, fürs Studium eher schlecht. Soll ich dennoch es mal mit Mg Tabletten versuchèn?

Helga

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Re:Magnesium - Anmerkung von Prof. Hufnagel
« Antwort #11 am: 04. Februar 2007, 19:37:18 »
Hallo Bela,

Mg hat bei meinem Sohn zu einer deutlichen Verbesserung der schulischen Leistung geführt. Bei 0,78 kannst Du ruhig versuchen Deinen Spiegel zu erhöhen. Ich würde aber den Neurologen informieren. Die beste Bioverfügbarkeit hat wohl das Magnesiumcitrat zum Auflösen in Wasser. Manche Leute vertragen das vom Magen her nicht. Das mußt Du ausprobieren. Berichte doch mal, wie es weitergeht.

Liebe Grüße

Helga
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urmel

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Re:Magnesium - Anmerkung von Prof. Hufnagel
« Antwort #12 am: 07. Februar 2007, 11:31:57 »
Hallo,

ich habe heute meinen Magnesium-wert erhalten:

0.92 mmol/1                   Richtwert 0.75 - 1.00

ich bin nun echt enttäuscht. Mein Wert ist ja super!
Ich trinke erst seit kurzen Diasporal 300 einmal am Tag, habe davon jetzt schon Durchfall.

Meine Medis sind zur Zeit nicht niedrig:

Zonegran     100mg -0-200mg
Carbabeta    200mg-0-200mg

Absencen hatte ich erst vor paar Tagen.

Leider wir es bei mir nichts mit MG.

Werde trotzdem die riesen Kiste  MG trinken.

Ich kann meine Tabletten nicht so einfach absetzen, das ist mir wieder klar geworden.

Liebe Grüße Urmel  

Ich hasse meine Krankheit !

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Re:Magnesium - Anmerkung von Prof. Hufnagel
« Antwort #13 am: 12. Februar 2007, 13:50:09 »
Hallo Urmel,

danke für Deinen Erfahrungsbericht!  :)

Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass Durchfall die Wirksamkeit der Medikamente stark beeinträchtigen kann, da die Gefahr besteht, dass sie auf dadurch bereits ausgeschieden werden, bevor der Körper ihre Wirkstoffe in ausreichendem Maße aufnehmen konnte. Auch in jeder Packung Verhütungspillen z. B. wird auf dieses Risiko hingewiesen ...

Ich wäre darum vorsichtig damit, das Magnesium weiter einzunehmen, wenn Durchfall auftritt, und würde zumindest zuvor vom behandelnden Arzt das Okay dafür einholen - denn die Schnelligkeit, mit der der Körper die Wirkstoffe aufnimmt und der Ort, an dem dies geschieht (ob bereits im Magen oder erst im Darm) ist nicht bei jedem Medikament gleich.

Lieben Gruß
Cornelia
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Re:Magnesium - Anmerkung von Prof. Hufnagel
« Antwort #14 am: 15. Februar 2007, 14:43:50 »
Habe nun gerade auch meinen Magnesium-Spiegel bekommen.

Der Wert: 0.9 mmol/1 (Richtwert 0.75 - 1.00)

Tja, schade eigentlich. Insgeheim hatte ich die ganze Zeit gehofft, dass mein Magnesium-Spiel zu niedrig ist, und meine beiden Anfälle und das auffällige EEG auf einen Magnesiummangel zurückzuführen ist.

Dem ist aber nun wohl leider nicht so!