Autor Thema: Anfälle=Verdummung  (Gelesen 2735 mal)

Flash Git

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Anfälle=Verdummung
« am: 10. Februar 2004, 09:34:33 »
Hi Leute!

Ich bin 24 und seit 13 Jahren Epileptiker. Habe meine Behandlung vor 6 Jahren abgebrochen. Mich beschäftigt eigentlichen nur eine Frage. Ich habe in den Jahren meiner Krankheit eine Menge Anfälle gehabt und mich würde interessieren ob dies sich mit der Zeit auf das Gehirn niederschlägt, das heisst ob man dümmer wird. Ich habe gelesen das bei einem Krampfanfall das 10fache an Gehirnzellen absterben als bei einem gesundem Menschen im Jahr. Nun, wird man mit der Menge an Anfällen immer dümmer???

Jürgen H.

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Re:Anfälle=Verdummung
« Antwort #1 am: 13. Februar 2004, 01:26:47 »
Hallo Git,

ich bin mittlerweile 52 Jahre alt und habe Grand und petit Mal. Ich habe diese Krankheit mit 6 Jahren bekommen. Ich habe 20 Jahre jede woche wenigstens ein Grand Mal gehabt.

 :) :)

Ich bin Tischlermeister und Industriekaufmann mit DVA. Ich habe nie das Gefühl gehabt das ich Dümmer werde. Außerdem hatte ich mit einen Neurologen darüber mal gesprochen.

Der hatte mir gesagt, wen ich Alkohol trinken würde, würden bei jeden vollrausch wo ich nicht mehr weiß was gewesen ist 100.000 bis 1.000.000 Gehirnzellen absterben. Aber nur bei Alkohol würde das passieren. Da ich aber keinen Alkohol trinke würden bei mir wie bei jeden normalen Menschen die Zellen absterben und nicht schneller oder langsammer.

Wer dir das erzählt hat ist in meinen Augen einer der sich mit dieser Krankheit nicht auskennt.

Ich habe das Gefühl wenn man die Krankheit unter kontrolle hat wird man immer wissensbegiereger. Das heißt am Ende wir lernen schneller.

Lass dir keine Angst machen, mach das beste aus deinen Leben und nehme (wen du mußt) deine Medikamente wieder. Du wirst jemand finden der dich auch mit dieser krankheit liebt.

Ich hätte allerdings eine Bitte, kannst du mir mitteilen in welchen Buch das gestanden hat. Das würde ich gern meinen Arzt mitteilen und ihn bitten den zur Verantwortung zu ziehen.

MFG
Jürgen Hey
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Flash Git

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Re:Anfälle=Verdummung
« Antwort #2 am: 17. Februar 2004, 07:53:17 »
Hi Jürgen!

Hab mich jetz mal registriert! :D

Ich kann dir leider nicht mehr die Quelle nennen. Ich weiss aber das ich mal bei SternTV ein Bericht über einen Schwerstepileptiker gesehen habe. Dieser war vor seiner Krankheit ein durchschnittlich intelligenter Mensch, hat aber mit den Jahren an Konzentration und Kombinationsgabe verloren. Ich mache mir einfach zuviel Gedanken und Sorgen. Wahrscheinlich sind sie ungerechtfertigt.

Zu meiner Entscheidung die Medikamente abzusetzen. Ich wollte einfach nicht mehr! Ich war damals der Meinung das die Medikamente keine Wirkung zeigen und ich sowieso keine Anfälle mehr bekomme. Leider war es dann zu spät als ich erkannte das die Tabletten der Grund waren das ich keine Anfälle mehr habe. :P
Würde ich mich nun wieder in Behandlung begeben würde dies eine Kettenreaktion auslösen die meine Existenz vernichten würde. Job weg, Lappen weg, Wohnung weg! :-\

Die Gesellschaft stellt sich gerne tolerant dar, aber die Wahrheit sieht anders aus!
Diskutiere nie mit einem ***en. Es zieht dich auf sein Niveau herab und schlägt dich dann mit Erfahrung!

Jürgen H.

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Re:Anfälle=Verdummung
« Antwort #3 am: 17. Februar 2004, 14:33:54 »
Hey Flash Git,

den Fehler mit den Tabletten habe ich in ähnlicher Form gemacht. Ich hatte die Dosis einfach verringert. Dann bekamm ich die Krämpfe wieder und ich habe die Dosis dann wieder so langsamm hochgefahren bis ich unter der Verordnenten Dosis lag, aber kaum noch krämpfe hatte.

Ich habe dann den Arzt gewechselt, weil ein Neurologe im Ort seine Praxis aufgemacht hat. Die Ärtzin war gut. Die hat mir den Kopf gewaschen, und gesagt wenn Sie mit der Einstellung Anfallsfrei würde, würde sie die Tabletten nehmen. Aber sie wird bei keinen Medikament Anfallsfrei. Das hat mich dann doch getroffen.

Seitdem nehme ich meine Medikamente regelmäßig ein und bin Anfallsfrei.

Wenn du einen Anfall beim Fahren bekommst, dann ist deine Existens und die deiner Familie auch vernichtet.

Ich weiß, es klingt pauschal. Versuche doch einen anderen Beruf oder Arbeit zu bekommen. Mit 24 jahren hast du noch die Kraft dafür.

Gehe zum Arzt, lasse dich von den Neurologen einstellen und wenn er nach den Führerschein fragt, frage ihn wann du einen machen kannst. Sage nicht das du einen hast, dann bist du deinen Lappen gleich los. Gehe zu Fuß oder fahre mit der Bahn hin. Sei ansonsten ehrlich warum du die Tabletten abgesetzt hast und wann und wie lange.

Mit deiner Arbeit, da mußt du den Arzt auch anlügen, solange bist du eine andere hast oder eine andere Lösung gefunden hast.

Wenn ich einen Anfall in der Öffentlichkeit habe, ist das für die Leute immer eine Herzattacke gewesen. Ich habe es an Herzen. Das hat jeder verstanden.

Die Gesellschaft will belogen werden, so ist es leider.

Viel Glück
MFG
Jürgen Hey
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Susanne Albers

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Re:Anfälle=Verdummung
« Antwort #4 am: 15. März 2004, 08:02:55 »
Hallo Ihr zwei,
Hans Jürgen.....lächelt.... wir kennen uns ja nun schon durch die aktion gesundheitsreform ganz gut... aber zu eurer autogeschichte möchte ich jetzt noch mal genau an dieser stelle ein posting von mir einfügen, daß ich schon im dezember im gleichen forum geschrieben habe ... ach... und bevor das kommt..... flash git...mach dir keinen streß, es gibt soviele überdurchschnittlich intelligente leute "mit epilepsie" du kannst dir sicher sein, daß da nix dran ist... und nun mein autoposting aus dem dezember.... seid nicht sauer... ich finde das muß hier her:

______________

jaha... dazu möchte ich mich auch äußern... *lacht*

ich bin seit 26 Epileptiker,
hatte viel Jahre lang etwa einen grand mal im Monat.
und ich habe eine krasse Meinung..

vielleicht gerade wegen so einer Situation mit den Schulkindern...

WER EPILEPSIE HAT UND TROTZDEM AUTO FÄHRT,
IST EINES MORDES ZU BESCHULDIGEN!

Superkrass, das weiß ich,
aber sind wir doch mal ehrlich,
wir leben im Jahre 2003 und es gibt wirklich keinen, wie auch immer gearteten Grund, sich ins Auto zu setzen und loszufahren, auch wenn es so einen Notfallgeschichte ist.

ich hab den ganzen Streß mit Führerschein kriegen und loswerden auch hinter mir und bin schließlich zu der Überzeugung gelangt, das ein Anfall immer passieren kann und ich somit die Situation niemals genau berechnen kann. Vor allem diese Argumente mit Job usw. sind mehr als hergeholt.

Damals in meinem Prozeß hatte mir der Richter sogar das Radfahren verboten. Da bin ich dann auch am rumzicken gewesen, weil das in meinen Augen doch ein bißchen zu weit ging.

Als Argument kam ich mit den Diabetikern, die, wenn sie einen hypoglykämischen Schock haben, eigentlich auch eine Art epileptischen Anfall haben... und stellt euch vor... der Richter ist schwach geworden... ich habe gedroht, dann ne Grundsatzgeschichte draus zu machen und alle Diabetiker zu verklagen, die Auto fahren... und schon durfte ich wieder Fahrrad fahren.....

Laßt euch das mal auf der Zunge zergehen....

Es sind nämlich nicht nur die Epileptiker, sonder auch Herzpatienten und vor allem Diabetiker... aber da traut sich kein Richter ran, denn die Leute haben eine viel zu große Lobby....

das wäre diskutierenswert !!!

Allen ein glückliches neues Jahr

_____________

und noch was:
nimm nur das beispiel:
du fährst im job auto...kriegst am steuer nen anfall....rast in ne bushaltestelle... da stehen durch zufall drei schulkinder..... die fährst du platt.......nee, tut mir leid..... du hättest das zwar so nie gewollt....aber vorher kannst du niemals wissen wo und wann dein anfall kommt.... daher finde ich jede rechtfertigung in dieser sache mehr als unangebracht....... und im dezember hat hans jürgen mir geantwortet, daß er nur im notfall fahren würde.... klar... nur im notfall.... aber was nützt dein notfall.... wenn du durch zufall nen neuen notfall erzeugst..... lächelt... nee, nee.... dat klappt so nicht....

liebe und anfallsfreie grüße.... Susanne

Flash Git

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Re:Anfälle=Verdummung
« Antwort #5 am: 15. April 2004, 14:46:53 »
Hallo Susanne!

Keine Frage, du hast mit jedem deiner Worte recht und es gibt da nichts rumzureden.

Es ist für mich äusserst schwer meinen Standpunkt in irgendeiner Form zu verteidigen, da ich selber weiss das ich im ehtischen Unrecht bin.

Aber eine (provokante) Frage habe ich trotzdem. Würde das Kind an der Bushaltestelle in Zukunft mein Geld verdienen wollen damit ich meinen Lebensunterhalt habe???
Diskutiere nie mit einem ***en. Es zieht dich auf sein Niveau herab und schlägt dich dann mit Erfahrung!

Susanne Albers

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die Wertigkeit
« Antwort #6 am: 15. April 2004, 21:12:55 »
dann würde ich immer folgendes antworten:

so wichtig kann geld niemals sein, daß man es zusammen mit einem menschenleben in die waagschale wirft.

liebe grüße, susanne

Simone N.

  • Gast
Re:Anfälle=Verdummung
« Antwort #7 am: 16. April 2004, 12:38:15 »
Hallo Leute,

heiße Simone und  bin 21.

Ich finds echt total klasse wie Ihr mit diesem Thema umgeht.
Hatte selbst mal Epelepsie und bin seit über 14 Jahren anfallsfrei.
Musste aber trotzdem viel mehr (nach) lernen  als all die anderen Leute, die von dieser Krankheit nicht betroffen sind. Musste früher ebenfalls in meinem Schulleben und  im Jobleben teilweise auch mit diesen *** Vorurteilen kämpfen bezüglich Verdummung und so weiter aber das stimmt überhaupt nicht, denn ich z.B. hab meinen Schulabschluss als Klassenbeste geschafft  Und da soll noch einer sagen Verdummung.!
Also Leute Kopf hoch!

See You

Simone!

victoria

  • Gast
Re:Anfälle=Verdummung
« Antwort #8 am: 06. Mai 2004, 20:46:07 »
Themen verdummung un d führerschein (eine seltsame kombination)!
hallo an alle schreiber zjm thema.
bin jetzt 61. hatte vom 15.-35 lj. ca 90 anfälle. ja, da geh irn leidet.
aber was einem die ärzte früher hättn sagen sollen: lernen kann man lernen. das vermehrt die zellen. das haben die forschungen  
zum thema gedächtnis etc in den  letzen 20 jahren   bewiesen.
lernmethoden, gehirngerechtes lernen vera  birkenbihl, powelearning,
gedächtnistrainig. (ür google suche gibts e dazu viel im internet.) 15 min. jeden tag  bringen mehr als  einmal in de  woche 8 stunden. was i ch schreibe: eigene erfahrung. habe 5 sprachen  gelernt, da m ich mit    meinem lebenslauf  sowieso niemand eingestellt hätte und  ich  wenig lust hatet, mir vorurteile, dumme sprüche u.a anzuhören.
1964 hat mir prof. jantz gesagt, daß ich   allerwarscheinich kei tnach, wenn ich keine tabletten mehr nehmen  würde, tot   wäre, aufgrund der häufung der anfälle.ich bekam damals dumpfmachenden  
Tabletten. Dazu kam, daß die Medikamene, die mich veränderten, bei anderen wunderbar wirkten. Er verstand das damals nicht.
Und von zeit zu zeit rebellierte ich, nahm keine Tabletten, fühlte mich   frei   wie      got tin Frankreich hell und kreativ. meistens  kam innerhalb von  vier bis fünf tagen dann  ein   deftiger    anfall.
er entließ mich aus der behandlung und verwies mich an seinen oberarzt.

führerschein.
ich plädiere auch dafür, daß wir epis ob akut ode ehemalige , sofern  wir medikamente nehgmen müssen und nicht mindestens 5 oder 10 jahre anfallfrei sind,#
nicht zu unfreiwilligen mördern im verkehr werden.
manche epis haben ja eine längere vorwarnzeit , die es ihnen erlaubt, sich und das  fahrzeug in sicherheit/zum halten zu bringen.
mich hat es immer wie der der  blitz erwischt,. Hätte ich am Steuer  gesessen, hätte ich  vielleicht Tote verursacht. Daher habe ich mir den Führerschein schweren Herzens verkniffen.Ich muß zugeben, daß ist mir schwer gefallen. Aber es gibt schlimmeres... viele grüsse und viel mut! Victoria