Autor Thema: Aggressiv und depressiv  (Gelesen 12683 mal)

dagmarklaus

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Aggressiv und depressiv
« am: 27. November 2008, 16:38:03 »
Hallo, eine Frage in die Runde.

Stellt Ihr bei eurer/m Partner/in auch eine vermehrte Aggressivität und/oder depressive Stimmungen fest - unter neuer oder alter Medikation?
Mein Mann ist nunmehr - Gott sei Dank - seit fast einem Jahr anfallsfrei- seit er zu dem Lamotrigin 200-0-200 zusätzlich Keppra nimmt 0-0-500.
Bei Kleinigkeiten geht er oft hoch wie eine Rakete. Ihm ist es dann später bewusst, aber es fällt mir immer schwerer damit umzugehen.
Wenn ich dann - auch mal genervt - meinen Kommentar dazu abgebe, fällt er oft in ein tiefes Loch und ist tagelang nicht ansprechbar.

Lieben Gruß
Dagmar

karinchen45

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Re: Aggressiv und depressiv
« Antwort #1 am: 27. November 2008, 16:48:49 »
Hallo,
bei meinem Lebenspartner wurde im Juli dieses Jahres Epilepsie diagnostiziert. Nach einer Untersuchung im Krankenhasu wurde ihm Keppra verschrieben. Seit er dieses Medikament nimmt ist er wesentlich agressiver und fährt bei jedem wort, dass ihm nicht passt, in die Luft. Ich trau mich schon oft nichts mehr zu sagen, obwohl ich das trotzdem tue, da ich nicht alles hinunterschlucken will. Er hat sich sehr verändert. Auch zu meiner Tochter(23) zu der er vorher ein super Verhältnis hatte, da wird er von Mal zu Mal immer blöder. Nichts passt merh. Wenn sie badet, dann verschwendet sie Geld, wenn Sie dies macht, dann ist das usw. Ich versuche schon, auf seine Krankheit einzugehen und ihm alles mögliche abzunehmen, aber das ewige gemecker und agressive Verhalten macht mich schon ziemlich fertig. Nicht dass er handgreiflich wird, das nicht, aber die verbalen Verletzungen sind auch nicht ohne.
Ich weiss auch nicht, wie ich das weiterhin handhaben soll.
Wie gehst du denn damit um?

Grüssle
Karin

lucamama

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Re: Aggressiv und depressiv
« Antwort #2 am: 27. November 2008, 17:14:23 »
Hallo!

Ich bin gestern von unserem Neurologen auf diese Thematik angesprochen worden.

Er fragte nämlich, ob mir bei unserem Kind eine gesteigerte Agressivität aufgefallen wäre? Bei 20% der Keppra-Verwender wäre das beobachtet worden. :(

Damit haben wir GsD keine Last!

Habt Ihr diese Probleme beim Neurologen angesprochen ?

LG, Lucamama

dagmarklaus

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Re: Aggressiv und depressiv
« Antwort #3 am: 27. November 2008, 18:34:25 »
Hallo Karin, tja wie gehe ich damit um? Im Regelfall - wenn es mir gut geht - verkrafte ich es ganz gut. In dem Moment des Wutanfalls sage ich erst mal gar nichts - wenn ich es danach anspreche sieht er meistens ein, dass das wohl an den Medis liegt und ich merke, dass er versucht "sich zu bessern". Ich erninnere mich an die Worte des Neurologen der schon bei Beginn der Epi (vor 6 Jahren) sagte -nichts wird mehr so wie vorher-. Das ist leider wahr. Aber ich denke -alles hat seine Zeit- und ich muss halt die Zeiten überstehen, wo es mir selber nicht gut geht...

Hallo lucamama - seine Epileptologin habe ich noch nicht angesprochen, werde das wohl bei beim nächsten Besuch tun. Ich werde meinen Mann wohl vorher darüber informieren, obwohl ich sicher bin, dass er das dann nicht möchte. Wir werden sehen.

Lieben Gruß
Dagmar

lucamama

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Re: Aggressiv und depressiv
« Antwort #4 am: 27. November 2008, 19:06:23 »
Hallo Dagmar!

Ich denke, es ist gut, dieses Problem mit der Neurologin zu besprechen!

Kann ich mir schon vorstellen, dass Deinem Mann das vielleicht unangenehm ist. Sein Verhalten aber ist ja keine Form von Charakterschwäche, sondern hat ja ganz konkrete medikamentöse Gründe.

Für eine Familie ist so eine Situation sicher schwer zu ertragen und man sollte sich da lieber Hilfe ins Boot holen, bevor da etwas zerbricht!       

Liebe Grüße
Lucamama

Lana

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Re: Aggressiv und depressiv
« Antwort #5 am: 28. November 2008, 01:15:23 »
hallo liebe Angehörige,
Ich bin 27 und habe seitdem ich klein bin Epi.Ich habe zig Medis ausprobiert.Bis ich zu einer tollen Kombi kam.Lamotrigin und ergenyl.
Ich war früher eigentlich ein lebhaftes Kind,mit den Medis danach(orfiril) blieb alles normal.Die perfekt kombi danach ließ mich anfallsfrei.Ich habe auch meinen Führerschein gemacht.....ABER:wenn ich jetzt darüber nachdenke,war ich während der zeit mit Lamo und Ergenyl aggressiv.Ja.Ich bin sehr oft ausgerastet.Asozial kann man auch sagen.Ein Rebell.Habe auf alles und jeden gesch+++en.
Zwischendrin hatte ich Depris.Die kkommen und gehen.Auch heute noch.
Mit der Aggression?Ich versuche mich zu beherschen.Ich weiß es.Manchmal bin ich von einer Sekunde zur anderen ganz anders.Normal...dann sagt jd das Falsche..ich raste tooootal aus...danch beruhige ichmich und bin traurig. :weirdo: :weirdo: :weirdo:

ich bin gerade dabei eine Monotherapie zu machen,da ich Kinder haben will.Ich bin damit aufgewachsen.Ich weiß nicht,ob dieses Verhalten NORMAL ist oder ob es die Medis sind.
Ganz ganz lieben Gruss
Lana

neptuna

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Re: Aggressiv und depressiv
« Antwort #6 am: 28. November 2008, 19:56:40 »
Wenn ich das so lese, in den Beiträge!! frage ich mich ob vielleicht das Verhalten meinen Sohnes auch ein bisschen zurückzuführen ist an seine Medikation, wenn das wirklich der Fall sein konnte, hätte ich einigen Antworten an meine Fragen.

Allerdings so wie es so Zeit ist, in den er immer öfter und schneller bockig und aggressiv wird, schlaucht mich als Mutter ganz besonders, ich werde auch zum nächsten Termin sein Epitologe
darauf ansprechen.

Liebe Lucamama welchen Medis nimmt dein Kind? mein Gefühl lässt mich los, das auch das bei mein Sohn der Grund sein könnte wieso er manchmal so anders bzw. öfter schlechter gelaunt ist!!

Lana dir wünsche ich viel Erfolg

Gruß Nepti

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lucamama

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Re: Aggressiv und depressiv
« Antwort #7 am: 28. November 2008, 20:38:24 »
Hallo Nepti!

Momentan bekommt unser Kind Phenhydan 175 /175mg und Keppra 500/500 mg. Bis jetzt die erste Kombi, die wirksam ist. Ich konnte noch keine gravierenden Nebenwirkungen feststellen.

Obwohl... bockig, schnell frustriert, wenn etwas nicht klappt  und oft schlecht gelaunt ist er auch öfter, allerdings schiebe ich das eher auf seine psychische Verfassung als auf die Medikation...aber ich kann mich da auch irren :-\

Vorher hat er Phenhydan und Topamax genommen. Das ging gar nicht!!! :( Da saß er hier nur noch wie ein Zombie herum :( und Anfälle hatte er auch noch reichlich !!

Nimmt Dein Kind denn auch Keppra ?

LG, Lucamama

Mirjam

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Re: Aggressiv und depressiv
« Antwort #8 am: 28. November 2008, 21:45:24 »
Hallo!

Ich habe bis vor ca. 6 Wochen Lamotrigin in Monothera genommen 200-0-300. Da ich damit nicht ganz anfallsfrei bin, wurde Keppra hinzugenommen. Vorerst 500-0-500. Bei der Entscheidung hat mich der Neuro extra darauf aufmerksam gemacht, dass Aggressivität leider eine sehr häufig beobachtete NW von Keppra ist und ich solle mich schon mal drauf einstellen...

Kann nicht sicher sagen, ob das bei mir zutrifft, da ich alleine lebe. Aber ich bilde mir ein, dass es nicht zutrifft...  :testwall:
Vllt wird es ja schlimmer, wenn ich aufdosiere...   :eatfish:

LG Mirjam
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neptuna

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Re: Aggressiv und depressiv
« Antwort #9 am: 28. November 2008, 22:17:45 »
Hi Lucamama, und vielen Dank für deine schnelle Antwort, nein mein Sohn nimmt nur Ospolot, und zwar nur 100mg am Tag, das ist seine einzige Medikation die er zur Zeit hat, davor hatte keine, da wir erst seit den 27.06 ungefähr es wissen mit sein Epi, bestätigt wurde dies Anfang Juli, er ist zur Zeit Symptomfrei aber seinen Verhalten ist zu gegebenen Punkt sehr anstrengend.

Als Nebenwirkung am Beipackzettel ist es nicht ausgeführt aber auch nicht ganz undenkbar.

Von eine psychische schlecht Verfassung ist es auch nicht die Rede sonst wäre seine Umgebung auf Ihm aufmerksam geworden. Wir achten auch darauf das es uns nicht entgeht, und führen vor allem ich Gespräche und suche Informationen.

Sollte dies der Fall sein werden wir Ihm ganz sicher unterstützen, aber bevor das nicht ganz klar ist müssen wir sehen wie und was sich entwickelt reichlichen Unterstützen mit Ärtze und Lehrer holen wir uns.

Ich versuche mit bloß nur selbst zu helfen.


Obwohl... bockig, schnell frustriert, wenn etwas nicht klappt  und oft schlecht gelaunt ist er auch öfter, allerdings schiebe ich das eher auf seine psychische Verfassung als auf die Medikation...aber ich kann mich da auch irren :-\

diesen Verhalten scheint aber bei fast Alle Epikinder von dem ich gehört habe, zu sein.

Ich dachte her bis jetzt an eine Phase aber dessen bin ich mir nicht so sicher, mein Gefühl sagt das mit sein Verhalten und eine zunehmenden Vergesslichkeit etwas nicht stimmt.

Ich bin nicht sicher, schon mal das sein behandelten Arzt gesagt hat das die Einnahme von Ospolot auf jeden Kind idividuell sein kann, was selten wäre aber nicht unwahrscheinlich.

@Miriam frag doch mal die Leute in der Umgebung ob das Ihnen aufgefallen ist!, und abfinden kann man sich erst nur mit eine Sache wenn man lernt damit umzugehen

P. S. das mit der Übertragung von Zitat klappt bei mir noch nicht so, wie ich möchte :-[
« Letzte Änderung: 28. November 2008, 22:19:51 von neptuna »
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stevie

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Re: Aggressiv und depressiv
« Antwort #10 am: 14. Dezember 2008, 18:52:30 »
Hallo, irgendwie stelle ich auch etwas fest das ich bei meinen Medikamenten (ergynyl300) leicht agressiv bin. Geh manchmal wegen der kleinsten Sache in die Luft und manchmal bin ich so gut gelaunt das es schon etwas unheimlich ist! :o :o
Später bin ich dann wieder betrübt und denke mir das ich einsam bin usw?? Ich muss aber sagen das ich dazu noch keine anderen Medikamente je ausprobiert habe!! ???
Mache schon Yoga und Entspannungsübungen damit ich etwas ruhiger werde und mich entspannen kann! Nebenbei habe ich festgestellt das ich mich beim Sport sehr gut entspannen kann! :D

lingua

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Re: Aggressiv und depressiv
« Antwort #11 am: 15. Dezember 2008, 16:45:40 »
Hallo stevie!
Ein Ausbruch einer Agressivität bei einer Epilepsie liegt nicht allein oder
steht nicht immer im Zusammenhang der Medikamentendosierung!
Bei einer Epilepsie-welche Form auch immer-kommt es immer zu "Wesensveränderungen",
ob wir es Wahrhaben wollen oder nicht. Oft hängt dies mit bestimmten Auren zusammen,
also bestimmte "Vorzeichen" oder auch "Vorahnungen" zusammen. Der Begriff "Aura"
kommt aus dem griechischem und heißt "Hauch" und es wurde daraus als Synonym
"Vorgefühl" gemacht. Das spielt sich oft vor Beginn eines fokalen Anfalls ab.
Auren können auch isoliert, unabhängig von einer Anfallsart auftreten und zwar im
Unterbewußtsein und dies führt oft dazu-wie bei mir, dass man vom Anfall "weglaufen" will
und sehr unruhig wird, was sich eigentlich wirklich abspielt oder was noch kommt.
Es gibt verschiedene Formen der sogenannten Auren, die durch die Sinnesorgane wahr
genommen werden und deshalb kann man von 7 verschiedenen Auren-Arten sprechen.
Nun leider war es bei mir vor dem Implantat des VNS so, dass ich Keine hatte und umgefallen
bin, wie ein Baum. Heute spüre ich es schon, aber habe Angst-weil ich nicht weiß, was
kommt und lege mich schnell hin.
Bitte benachrichtige mich, wenn ich das noch genauer und sicher muss ich dies auch nochmals
machen-darstellen soll?
Gruß-lingua

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Re: Aggressiv und depressiv
« Antwort #12 am: 15. Dezember 2008, 17:04:21 »
Hallo lingua,
Das mit der Wesensveränderung das stimmt! Mir ist nur in lezter Zeit selber aufgefallen das ich sehr unruhig bin. Manchmal bin ich total gut drauf. Es liegt vielleicht auch daran weil wie du es schon sagst Deine negative Stimmung nicht immer zeigen magst. Das mach ich manchmal! :) Manchmal bin ich sehr gereizt, wo ich meine Eltern anschnauze obwohl sie mir nur eine Frage stellen Zb: wie es Dir geht!
Mein Chef hat gemeint, das ich zb Autogenes Training ausprobieren soll. Da würde helfen das ich runterkomme. Ich mache ja schon Yoga und das scheint zum Teil zum helfen.
Das mit den Auras, muss ich sagen damit habe ich mich noch nie so wirklich beschäfitgt, bzw ich habe versucht das Thema Epilepsie und alles was dazugehört zu verdrängen! Das hat mit zwar auf Dauer auch nicht geholfen, aber du hast Dir nicht so viele Gedanken gemacht wie ich mir jetzt mache! :-\

Ich bin nur froh das wenig die Deppressionen durchkommen und das alle hintermirstehen!!
gruss stevie

lingua

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Re: Aggressiv und depressiv
« Antwort #13 am: 16. Dezember 2008, 12:22:16 »
Hallo stevie!
Man muss natürlich dabei bedenken, dass es bei der Epilepsie
sich um "Stoffwechselstöhrungen im Gehirn" handelt und eigentlich
auch hängt das mit den "synchronischen Entladungen der epileptisch
aktivierten Nervenzellen"
zusammen. Bei einem epileptischem Anfall kommt
es zu "elektrischen Entladungen von Nervenzellverbänden im Großhirn"
zusammen. Dazu kommt noch, dass die die normalen Funktionen der
betroffenen Nervenzellen vorübergehend unterdrücken.
Es ist schwer, die ganzen Funktionen des Gehirns und auch die Ursachen von Stöhrungen
der Nervenzellen im Gehirn richtig zu begreifen. Als ich immer umgefallen bin wie ein Baum,
ohne vorher was zu spüren und ich mir dadurch sehr viele Rippenbrüche zugezogen
hatte, meinte ein Arzt: "man kann es träinieren, sich vorher schnell hinzusetzen",
aber von der wirklichen Ursache oder den Vorgängen im Gehirn bei einem Anfall
hatte er keine Ahnung, dass ich so sagen muss.
Sicher kommt es auf die bestimmten Anfallsformen und der Schwere der Anfälle an
und ich habe auch jetzt wieder bis zu 5 Anfälle, auch Schwere am Tag, wo ich mich
schnell hinlegen muss. Also wenn dein Chef sagt, du solltest ein "Autogenes Training" machen,
(kommt natürlich auch auf die Schwere der Epilepsie an), wird es kaum Anfälle reduzieren.
Auch Yoga nicht, aber natürlich versucht man Alles um einen Ausweg zu suchen.
Gruß-lingua

Kamasutra

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Re: Aggressiv und depressiv
« Antwort #14 am: 17. Dezember 2008, 08:18:24 »
Man kann natürlich alles auf die Epilepsie schieben. Gute Idee, dann muss man sich nicht mehr selbst verantworten. Dass ich darauf nicht schon früher gekommen bin...
Gruß, Kamasutra