Autor Thema: Bin ich psychisch krank?  (Gelesen 19396 mal)

Zellu

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Bin ich psychisch krank?
« am: 07. Februar 2009, 23:42:42 »
Hallo,

ich weiss jetzt gar nicht wie ich es sagen soll. Ich schäme mich und bereue
es zu tiefst gemacht zu haben. :( Ich hatte letzte Woche 10 Anfälle hintereinander,
am Montag morgen hatte ich nach Mitternacht 6 Anfälle. Als ich dann aufwachte, war ich so verzweifelt,
ich wusste nicht was ich machen sollte... ich fühlte mich aufeinmal alleine, im Stich gelassen, weil
mein Epi Doc sich noch immer nicht gemeldet hat ??? ich wusste nicht mehr wie ich damit umgehen sollte,
ich war mit meinen Nerven am Ende und da hab ich was ganz schlimmes getan... :'(
Ich hab mich geritzt :'( mit Kupferdraht... Ich bin am Tag danach dann auch zur Psychologin gegangen und sie
sagte, dass das "normal" sei, dass ich aufeinmal so reagiert habe. Meine Mutter sagte mir das auch, sie war total
geschockt... und hab ihr erst gestern Fotos gezeigt vom linken Unterarm, ich trage jetzt einen Verband, ich war gestern
beim Hausdoc. als ich meinen Pullover auszog rutschte mir der Verband runter.... :o Da hab ich ihn ganz schnell nach oben gezogen... :-[
Er sagte aber nichts, als er den Verband sah.... nur mein Vater schaute mich einmal an, weil er weiss nichts davon. :(

Meine Mutter und meine Psychologin sagten, dass das nichts aussergewöhnliches ist, dass man in so einer Situation
aufeinmal so eine Kurzschlussreaktion hat. Meine Frage, bin ich jetzt deswegen psychisch krank?? :'( :'( :'(
Hatte jemand von euch auch mal sowas? :'(
Meine Mutter sagte mir nur, ich sollte nichts meinem Epi Doc sagen, weil ich sonst schnell als Psycho abgestempelt werden kann.


Lg
Zellu
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Mirjam

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Re: Bin ich psychisch krank?
« Antwort #1 am: 07. Februar 2009, 23:48:18 »
Hallo Zellu!

 :tröst: :tröst: :tröst:

Tut mir leid, dass du so fertig bist! Aber nachvollziehbar ist es schon! Sowas geht an die Nerven und jeder Mensch reagiert anders darauf! Du bist mit Sicherheit nicht die Erste und Einzige, die es auf diese Weise tut!  :tröst:

Seit froh, dass du Leute hast, die dich deshalb nicht noch fertiger machen, sondern zu dir halten! Und bei einer Psychologin bist du bestimmt in guten Händen! Hast du ein gutes Verhältnis zu ihr?

Sag mal, was wäre denn für dich so schlimm daran, als "psychisch krank" eingestuft zu werden?

LG Mirjam
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Zellu

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Re: Bin ich psychisch krank?
« Antwort #2 am: 07. Februar 2009, 23:50:58 »
Hallo Mirjam,

ich weiss nicht.... ich will nicht dargestellt werden, als hätte ich eine an der Klatsche, um
es so auszudrücken. :'(


Lg
Zellu
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Mirjam

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Re: Bin ich psychisch krank?
« Antwort #3 am: 07. Februar 2009, 23:54:02 »
Hallo Zellu!

Diese Meinung kommt mir bekannt vor. Hab auch sehr lange so gedacht. Aber warum soll die Psyche nicht auch krank sein "dürfen"?

Stimmt, es wird oft als "Verrücktheit" abgestempelt und ich glaube, das ist auch der Grund dafür, dass man selbst so reagiert. Aber in Wirklichkeit ist es nicht so!

Du bist doch schon bei einer Psychologin. Was war denn der Grund dafür? Fällt es dir schwer zu ihr zu gehen? Hast du mit ihr schon mal darüber geredet, dass du Angst davor hast als "jemand der einen an der Klatsche hat" bezeichnet/angesehen zu werden?

LG Mirjam
Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom

Zora

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Re: Bin ich psychisch krank?
« Antwort #4 am: 07. Februar 2009, 23:58:05 »
Hallo Zellu,

warum sollst du von deiner Mam aus nichts deinem Epidoc sagen?  ???

Finde das gehört doch zu der Epilepsie, das man in Stress geraten kann oder depressiv ist. An deiner Stelle hast du erstens mal das richtige getan du bist zu deiner Psychologin, und zweitens du hast dich deiner Mama anvertraut finde ich gut.

Zudem ist es niemals verkehrt wenn du mit deinem Epidoc darüber sprichst. Warum sollte man deswegen gleich in die psychische Schiene abgestempelt werden. Auch wenn man psychische Probleme hat, so ist es doch gut diese in Angriff zu nehmen mit einer Therapie, es ist niemals verkehrt.

Was ich sehr übelst finde diese zu verschweigen wenn es das sein sollte. Doch da würde ich doch am ehesten mal deine Psychologin dazu befragen, denke die kann dir da mehr Auskunft geben.

Ein jeder Mensch reagiert in Extremstsituationen anders, und geht auch anders mit Stress um. Gut Ritzen ist nicht gerade der Hit, denke dessen bist du dir selber bewußt.

Nächstes mal haue lieber in ein Kissen hinein das ist effektiver, und zudem tut man sich damit nicht weh.

Schau ich geh auch in Therapie, aber deswegen bezeichne ich mich nicht als hätte ich nur was an der Klatsche. Sondern eher als Mensch der was für seine Probleme tut, um diese zu bewältigen. Kann mich da nur Mirjams Antworten anschließen!

Ganz liebe Grüße

Zora

flap

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Re: Bin ich psychisch krank?
« Antwort #5 am: 07. Februar 2009, 23:58:21 »
Hallo Zellu,
ich glaube nicht, dass du wegen dem (einmaligem!!!) Ritzen psyschich krank bist.
Eine Extremsituation, wie diese vielen Anfälle hintereinander für dich ja sind (ich selbst kann es zwar eigentlich nicht beurteilen, da ich nicht solche Anfälle habe und noch nicht mal geklärt ist, ob ich überhaupt Epi habe- aber es ist ja klar dass das unheimlich belastet), führt oft zu seltsamen Handlungen. Schau mal, jeder geht damit anders um, wenn er verzweifelt ist, Angst hat, vielleicht auch wütend ist wegen der Krankheit. Es ist sicher keine Lösung, dich selbst zu verletzen, es ändert an der Situation überhaupt nichts, aber es ist vielleicht deine Art deinem Körper zu sagen "Stop, ich habe genug von dir und den blöden Anfällen, deswegen verletze ich dich."

Ich finde, du solltest das auch nicht verstecken, zumindest nicht vor deinem Vater (ich weiß ja nicht, was ihr für ein Verhältnis habt). Wenn es dir schlecht geht, dann friss das nicht in dich rein. Ich finde es irgendwie erschreckend, dass dein Arzt das ganze zwar mitbekommt, dich aber nicht darauf hin anspricht. Ein Arzt kann sich zwar nicht in alles einmischen, aber wenn jemand offensichtlich Probleme hat, sollte der Arzt schon eingreifen.

Vielleicht musst du in Zukunft anders mit solchen Situationen umgehen. Hast du denn keinen zum Reden, weil du schreibst du fühlst dich so alleine... verständlich, dass du Angst hattest, weil dein Arzt nicht erreichbar war, aber vielleicht hilft es in der Situation auch, mit Außenstehenden zu reden oder eben hier im Forum zu schreiben. Hat dir denn die Psychologin gesagt, wie du hättest anders reagieren können?

Ritzen kann gefährlich werden, aber meiner Meinung nach war deine Reaktion in der Situation nachvollziehbar und hat nichts mit psychisch krank sein zu tun. Das sieht anders aus. Du musst nur aufpassen, dass es nicht häufiger passiert.

liebe Grüße, lass den Kopf nicht hängen!!!

Mirjam

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Re: Bin ich psychisch krank?
« Antwort #6 am: 08. Februar 2009, 00:04:56 »
Hallo Zellu!

Mit deinem Epi-Doc würde ich auch auf alle Fälle reden. Es war bei mir auch gerade der Epi-Doc der erste in meinem Leben überhaupt, dem ich gesagt habe, dass ich Depressionen habe. Wie hat er reagiert? Er hat gesagt, dass es überhaupt nicht selten ist, dass Menschen die an Epi leiden, auch Depressionen haben. Aber nicht weil die Epi unbedingt die Depris auslösen, sondern weil da auch ähnliche Abläufe im Gehirn vor sich gehen.

Ich will damit sagen, dass es für Epi-Docs absolut nichts Ungewöhnliches ist zu hören, dass ein Epi-Kranker auch psy Probleme hat! Also trau dich!! Vllt kann er dir auch Medis verschreiben, die sich mit deinen AE vertragen. Sicher ist es nicht toll noch mehr Tabletten zu nehmen, aber falls du das Gefühl hast, dass das öfter vorkommen kann, ist die bessere Lösung immer noch die medikamentöse.

Aber wie schon gesagt, die Psychologin ist die beste Anlaufstelle! Das hast du genau richtig gemacht!

LG Mirjam
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Zellu

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Re: Bin ich psychisch krank?
« Antwort #7 am: 08. Februar 2009, 00:30:48 »
Hallo Mirjam,

ich weiss, wenn man so Dinge tut, dass man psychische/seelische Probleme hat, ich hatte mit meiner
Psychologin darüber geredet und sie sagte nur, das sei "normal", dass man so reagiert, wenn jemand in
so einer Situation wie ich ist. Ich hatte schon mit ihr das Thema "Psychisch krank" angesprochen und sie
erwähnte, dass wenn Ärzte sich daran wenden, dann ist ihnen das andere egal, dann fixieren sie sich nur
darauf. Mir fällt es nie schwer zu meiner Psychologin zu gehen, weil ich immer wieder durch das Gespräch
meine Ziele wieder vor den Augen habe und mein Leben wieder mit anderen Augen sehe.


Hallo Flap,

Selbstverletzung ist keine Lösung das weiss ich, ich selbst war geschockt, als ich meinen Arm sah und dachte mir,
wie konnte es so weit kommen?? :'( Ja jeder geht anders damit um, das ist klar. Ich hatte schon Selbstverletzungen hinter mir,
wie eben z.B. mit der Faust gegen den Kleiderschrank zu schlagen, bis die Hand blau geschwollen war. Es war dieser innerliche Schmerz,
diese Verzweiflung, wie ein Hilfeschrei. Ich dachte mir in dem Moment als ich mich ritzte "Scheiss Leben, scheiss Krankheit, ich will nicht mehr!!!!"
Ich hatte dann diese Schläge mit der Faust gegen den Kleiderschrank unter Kontrolle über 1/2 Jahr, weil ich wusste, du kannst das auch anders
rauslassen, indem du Musik hörst, ein Gedicht schreibst oder deine Gedanken aufschreibst.
Ich habe ein gutes Verhältnis mit meiner Vater, aber.... er hatte im November 2008 Hautkrebs, Gott sei Dank
ist durch die OP nichts nachgekommen, aber ich will ihn nicht damit belasten, weil er sich auch Vorwürfe machte, weil ich in dieser Zeit wo
er gesundheitlich schlecht war, auch zahlreiche Anfälle hatte. Durch diese Belastung bekam ich Anfälle.

Ich schlucke manchmal so etwas runter, ich bin manchmal sehr stark mit meinen Emotionen/Gefühlen, ich zeige sie nicht
gerne, ich schlucke das einfach runter. Wo andere mir die Ohren vollheulen, wie schlecht es ihnen geht, schlucke ich es einfach
runter oder heule mich irgendwo aus wo mich keiner sieht. Oder wenn ich aufeinmal total weinen muss, was auch mal in der Schule
passieren kann, frag ich dann meinen Lehrer ob ich rausgehen darf.... er sagt dann, ja. Weil er weiss, dass ich damit zu kämpfen
habe... ich rede oft mit ihm darüber. Ich rede mit vielen darüber..., aber ich passe auf, wem ich was sage... bin schon oft auf die
Schnauze gefallen...

Dass Depressionen zu einer Krankheit gehören, ist natürlich nichts neues. Mein Epi Doc sollte auch meiner Psychologin anrufen, aber sie sagte mir
am Dienstag, dass sie noch keinen Anruf bekam, das ist jetzt gleich 1 Monat her. Sie sagte an dem Tag zu mir, dass sie auch jetzt
nichts Akutes sieht, dass sie selber meinem Epi Doc anrufen muss oder einen Bericht schreiben muss.
Sie ist wirklich sehr lieb und ich gehe ja schon 3 Jahre zu ihr und sie sagt immer zu mir, bei jedem Gespräch,
dass ich mich extrem verändert habe, im positiven Sinne. Sagen wir von einer Skala von 0 bis 10. Ich stehe jetzt bei 8, sozusagen.
Ich schreibe dann bei ihr immer auf ein Blatt, was meine Ziele sind.
Bei meiner Kurzschlussreaktion habe ich das aufgeschrieben:
- Akzeptieren  > Krankheit - Leben
- Ziele aufbauen
- Starke Gefühle kontrollieren
- Musik hören
- Lebensmut behalten
- Therapie
- Power



Lg
Zellu
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Matsche

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Re: Bin ich psychisch krank?
« Antwort #8 am: 08. Februar 2009, 09:37:41 »
Hallo und guten Morgen!
Ich möchte mich auch gerade mal zu diesem Thema hier einklinken. In "Vorstellungen" hatte ich schon geschrieben, dass ich von Montag auf Dienstag vier Anfälle hatte, mein Mann hatte mir dann noch eine halbe Tablette gegeben und dann war zum Glück gut. Sowas hatte ich auch noch nie, vier Anfälle hintereinander, stündlich. Dann ist man körperlich total kaputt, tagelang und auch psychisch. Gestern Nachmittag/Abend konnte ich mich gar nicht mehr einkriegen, war nur am heulen. Und habe gedacht, ich kann das überhaupt nicht aushalten. Wie soll ich mit dieser Krankheit leben? Wie soll ich meinen kleinen Sohn vernünftig versorgen, wenn ich immer die Angst habe, Anfälle zu bekommen?
Aber ich weiss, dass dieses ganz unerträgliche Gefühl im Bauch auch weggeht. Ohne dass man sich selber weh tun muss, man muss einfach nur ein paar Tage warten muss und versuchen, "diese Tage" irgendwie gut vorübergehen zu lassen. Mit Freunden darüber sprechen und auch mit einer Psychologin (mein nächster Termin ist zum Glück schon Mittwoch).
Wenn man sich selber weh tut um diesen innerlichen Schmerz ertragen zu können, fühlt man sich hinterher, weil man sich weh getan hat, noch schlechter als sowieso schon. Das geht doch schon gar nicht mehr, oder? Also lasse ich sowas. Und zähle die Tage... Ich habe zwar den Wunsch, mir weh zu tun aber gehe dem nicht nach. Weil der "Schuss nach hinten los geht".
Und siehst du, heute morgen gehts mir schon besser. -bis jetzt, ich hoffe, es bleibt so! Ich werde gleich schön in die Badewanne gehen und dort entspannen, nachher müssen wir noch Papierkram raussuchen  >:(, schön kochen wollte ich noch und damit lecker essen und meine Schwester kommt mich nachher besuchen, worauf ich mich freue.
Also ich will dir sagen, versuche dich so gut wie es geht zu bemühen, dir was schönes zu machen. Ob du gerne liest, dich einfach von deinen Eltern verwöhnen lässt mit essen, mit Aufheiterungen, spazieren gehen oder fernseh gucken. Telefonieren... Dann hat man halt einen schlechten Tag, vielleicht auch noch einen, aber die gehen vorbei und dann geht es wieder besser.
Ich hoffe, dir gehts heute nach dem Aufwachen auch besser!!!  :dance:
Wir haben diese Krankheit; aber gerade wir wissen doch, dass wir deswegen keine schlechteren Menschen sind!
Alles Gute für dich!!

Labormaus

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Re: Bin ich psychisch krank?
« Antwort #9 am: 08. Februar 2009, 13:05:32 »
Hallo Zellu,

ich kann dich gut verstehen!
hab mich auch jahrelang geritzt; oft auch mit dem Wissen, dass es eigentlich doch "krank" ist. Aber in dem Moment wo´s passiert  siehst du keinen anderen Ausweg, mit deiner Wut, deiner Verzweiflung und all deinen Gefühlen fertig zu werden!  :(
So wars jedenfalls bei mir.
habe vor etwa einem Jahr aufgehört. Habe mich nie getraut, mit jemandem darüber zu reden. Finde es sehr mutig, dass du es deiner Mutter erzählt hast und finde es vor allem super, dass sie dich unterstützt!

Ich denke, du musst dich nicht schämen; sowas "passiert" einfach mal.
Deshalb bist du noch lange nicht psychisch krank!

Lg Labormaus
Ich bin nicht auf der Welt um so zu sein, wie andere mich gerne hätten

Leopoldine

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Re: Bin ich psychisch krank?
« Antwort #10 am: 08. Februar 2009, 13:19:54 »
Liebe Zellu,

ich kann den anderen nur beipflichten, das es sehr mutig von dir war,es deiner Mam zu erzählen :tröst:.

In den Jahren hat man mir so manches mal indirekt vermittelt, das ich psychisch krank sei. Ich habe mich darüber sehr aufgeregt und geschluckt.

Dazu muss ich sagen, das jetzt Klarheit besteht, weil ich ja auch eine Halbseitenlähmung habe, die mitlerweile als MS diagnostiziert worden ist  :-\.

Doch das nagt an einen, und deshalb kann ich verstehen, wenn dein Arzt sich nicht rührt, das man da ausflippt. Völlig nachvollziehbar.

Deine Psychologin ist echt klasse, und steht zu dir, genau wie deine Eltern, supi!! Kannste stolz drauf sein.

Selbst wenn Ärzte das sagen, dann ist das mitlerweile in meinen Augen die Hilflosigkeit der Ärzte!

Also mach dir nichts draus, und das nächste mal besorgst du dir einen Sandsack, um deinen Frust abzubauen, oder hör einfach laut Musik und schimpfe wie ein Rohrspatz :-* :tröst:.

Es grüsst dich Leopoldine

tinka

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Re: Bin ich psychisch krank?
« Antwort #11 am: 08. Februar 2009, 14:14:47 »
hey zellu

tut mir leid wie es dir geht /ging  :tröst:

verstehe leider auch nicht, weshalb du immer noch nix von deinem arzt gehört hast  ??? ??? ???

mach dir keinen kopf wegen dem ritzen........... ich finde außerdem die phrase "als psycho abgestempelt" ganz schlimm..........gefällt mir gar nix. bei mir ist es so dass mein neuro auch psychiater ist und ich ihm immer erzähle wie ich mich auch psychisch fühle. und wie hier schon so oft gesagt wurde ...epi und psyche spielen eng zusammen  :escape:
und es stimmt auch..........wenn der frust sich aufstaut , lässt jeder ihn anders aus. ich hatte mich zwar noch nie selbst verletzt , aber aus verzweiflung auch schon mal eine halbe flasche vodka getrunken  :-\ :-\ auch eine art der selbstverletzung - und ich seh mich deswegen auch nicht als PSYCHO!!!
hoffe das beruhigt dich etwas?????

lg tinka

Kamasutra

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Re: Bin ich psychisch krank?
« Antwort #12 am: 08. Februar 2009, 15:04:34 »
Hi Zellu,

also ich hätte mir vielleicht nicht gleich einen Draht geschnappt und damit über meinen Unterarm geschabt, aber mich sau mies gefühlt nach so vielen Anfällen hintereinander, das wäre mir garantiert genaus so gegangen.

Weißt du, früher hatte ich recht einfache Anfälle, ich habe alles mitbekommen, konnte sogar noch in einem gewissen Rahmen mit meinem Gegenüber reden, falls es unbedingt notwendig war, meistens kamen die Anfälle aber in Situationen, wenn ich Ruhe hatte und entsprechend gut damit umgehen konnte. Dann kam der Anfall, blieb nur kurz und verschwand auch schon wieder. Heute ist es so, dass ich die Anfälle nicht mehr mitbekomme, sie tauchen einfach plötzlich auf und wenn ich dann wieder zu mir komme, stehe ich irgendwo, z. B. im Supermarkt an der Kasse, wo einen alle Leute fragend oder manch einer auch drängelnd anschaut und man selbst weiß auf die Schnelle gar nicht so genau, was jetzt von einem verlangt wird. Und anschließend bin ich dann plötzlich müde ohne Ende. Das alles schränkt einen immer mehr ein, kein Fahrradfahren mehr und selbst beim einfachen Straßeüberqueren stelle ich mir jetzt schon die Frage: "Was ist wohl, wenn ich einfach stehen bleibe? Wie werde ich mich verhalten? Kann mich womöglich ein Auto verletzen?" Und bei all solchen Fragereien und wenn mich die Anfälle mal wieder massenweise pro Tag quälen frage ich mich dann durchaus auch, ob ein Psychotherapeut für mich nicht auch mal eine gute Sache wäre. Einfach um sich fallen lassen zu können und über den ganzen *** zu reden. Andererseits denke ich mir dann auch immer wieder, dass es so schlimm ja eigentlich nicht ist und ich mich ja wohl kaum so anstellen muss.

Was ich dir damit vermitteln will ist: Deine Gefühle sind durchaus verständlich genauso wie das Chaos, in dem du vermutlich ebenso steckst wie viele andere hier. Sieh halt zu, dass du dir andere Wege schaffst, um deinen Frust heraus zu lassen, als nach Kupferdraht zu greifen. Besorge dir lieber altes Geschirr, das du bei "passender" Gelegenheit an die Wand wirfst. Oder besorge dir diverse Kissen, die du verprügeln kannst. Oder heule einfach alles raus. Und bei dener Psychotherapeutin lasse dich einfach mal fallen, die wird sicherlich das richtige mit dir anzustellen wirssen. Eines bist du auf jeden Fall nicht: Unnormal oder bekloppt.
Gruß, Kamasutra

Schmella

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Re: Bin ich psychisch krank?
« Antwort #13 am: 08. Februar 2009, 16:11:44 »
Hallo Zellu

Erstmal tut es mir wirklich Leid für dich dass du schon wieder so viele Anfälle hattest und dass der Epi Doc sich nicht meldet  :(

Ich kann mir deine Wut,Enttäuschung,Trauer etc. wirklich sehr gut vorstellen.
Jeder reagiert in solchen Situationen anders.Manche weinen still und leise und fühlen sich danach besser andere verletzen sich eben selber um überhaupt noch etwas zu spüren.
Wegen einmal ist man noch lange nicht psychisch krank.
Du hast dich einer Ausnahmesituation befunden.
Ich finde es wirklich toll dass du mit deiner Mutter darüber reden kannst und außerdem eine scheinbar sehr verständnissvolle Psychologin hast. (das ist wirklich viel wert)
Mach dir nicht zu viele Gedanken darüber.
Es ist nunmal passiert, und so lange du siehst dass es nicht richtig ist, solltest du dich nicht selber als "psychisch krank" einstufen.
In unserer Gesellschaft ist es leider so dass man körperlich Kranke bemitleidet und ihnen Verständnis entgegenbringt und psychisch Kranke als verrückt etc. bezeichnet und sie eher von der Gesellschaft an den Rand gedrängt werden und gemieden werden.
Der Körper darf krank sein, warum dann nicht auch die Seele?

Liebe Grüße
Unsere Träume müssen lebendig bleiben.

Zellu

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Re: Bin ich psychisch krank?
« Antwort #14 am: 09. Februar 2009, 16:06:47 »
Hallo,

danke dass ich mit euch reden kann. Und ich nicht die Einzige bin, die sich deswegen
ritzten.... :'(
Ich hab auch manchmal eine Halbseitenlähmung Leopoldine. Wenn ich Nachts schlafe, dann
werd ich aufeinmal wach, weil ich merke, dass meine linke Seite taub ist, ich lieg dann da und
kann nix tun... nur abwarten bis es nachlässt. und das kam dann auch wieder dazu und da habe
ich bewusst meinen linken Unterarm genommen, weil ich mir dachte, du spürst ja sowieso nichts!!
Ich habe auch nichts gespürt, es tat mal nicht weh.... ich war seelisch so down, dass ich diesen Schmerz
nicht spürte....


Lg
Zellu
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