Panettone
... ist hier noch neu oder schreibt eher selten.

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« Antworten #34 am: 28. Juli 2010, 23:22:01 » |
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Hallo
Epilepsie selbst ist nicht vererbbar, wohl aber die erhöhte Anlage zur Anfallbereitschaft.
In meiner Familie ist diese Anfallbereitschaft recht oft durchbrochen worden. Meine Grossmutter hatte hin und wieder GM-Anfälle, bezeichnete sie jedoch als Migräneanfälle, weil sie sich möglicherweise schämte oder es nicht anders wusste, vor allem aber während des Dritten Reiches aus Angst. Als dann bei zweien ihrer sechs Kinder (meiner Mutter und einem ihrer Brüder) auch noch Epilepsie ausbrach, war das Verschweigen komplett. Folglich gab es auch keine ärztliche Behandlung, die dann erst nach 1945 beginnen konnte, allerdings recht dürftig mit Brom und Luminal.
Bevor meine Eltern heirateten, fragten sie einen Facharzt nach der Vererbungswahrscheinlichkeit. Der meinte, nein, nein, da sei nichts vererbbar, die Epi bei meiner Mutter und ihrer Mutter sei nur psychisch bedingt durch die Angst vor Bomben während des Krieges. Nun, mag sein, dass dies der Auslöser war, doch ansonsten irrte er sich. Allerdings wusste man damals auch noch nicht viel über Epi und beonders die Verebung.
Meine Mutter bekam 5 Kinder, und bei uns allen kam die Epi während der Pubertät zum Ausbruch, alle mit Absencen und GM, bei einem meiner Brüder sehr schwer (ca 3 - 8 Anfälle täglich). Meine Mutter liess sich in Kork von Dr. Mathes medikamentös einstellen, wir Kinder wurden von dr. Schneble, der damals noch in Herten am Kinderkrankenhaus arbeitete, eingestellt, was auch gut gelang. Lediglich mein erwähnter Bruder zeigte sich völlig resistent gegen jede Medikation. Er war dann eine Weile im Epizentrum in Zürich, wurde jedoch dort derart mit Medikamenten vollgestopft, dass er nur noch lallen und sich tormelnd fortbewegen konnte. Nach einem Sturz kam dann noch ein Schädel-Hirntrauma dazu. Die Ärzte dort gaben ihm zusätzlich zu seinen unzähligen Medis noch (das in der Schweiz damals bereits verbotene) Eunerpan. Folge war ein Status epilepticus mit Todesfolge. Wir anderen haben unsere Epi ganz gut im Griff und leben damit.
Von den Geschwistern meiner Mutter hatte ein Bruder ebenfalls Epi; bei einem seiner 5 Kinder kam sie auch zum Ausbruch. Mutters Schwester, die selbst nie Epi hatte, hat sechs Kinder; bei zweien brach in der Pubertät die Epi aus. Sie wurden alle von Dr. Schneble, der inzwischen in Kork war, eingestellt und leben normal.
Ich selbst habe eine Tochter; während der Pubertät brach bei ihr die Epi aus. Auch sie wurde umgehend in Kork von Dr. Schneble medikamentös tadellos eingestellt. Sie ist noch Jugendliche und es fällt ihr nicht ganz leicht, auf ausgedehnte Discobesuche, Alkohol und die Pille zu verzichten, doch der Wunsch, anfallsfrei zu bleiben und den Führerschein bald machen zu knnen, ist grösser. Sie hat sich ganz gut mit der Krankheit abgefunden; auch in ihrem Austauschjahr in Kanada gab es keine Probleme.
Ob die Epi auch bei den Kindern meiner Geschwister ausbricht, kann man noch nicht sagen - sie haben die Pubertät noch nicht erreicht. Die Wahrscheinlichkeit ist aber nicht gerade minimal.
LG Panettone
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